Die vorliegende Arbeit diskutiert, welches Maß an ethischer Reflexion bei der Verwendung von Lebensmitteln als Material in der der Kunst angebracht ist und gibt darüber hinaus einen Ausblick inwieweit die "Eat Art" ein wichtiges Forschungsfeld der Kunst sein kann, um auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. Letztlich wird die Kontroverse auf die Schulpraxis projiziert und in diesem Feld die Pro- und Kontra Argumente der Verwendung von Lebensmittel im Kunstunterricht diskutiert. Die Schlussfolgerungen münden in einer eigenen Stellungnahme. Als Einstieg in die Thematik soll ein kurzer Überblick der Entstehung der "Eat Art" gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Geschichtlicher Hintergrund: Lebensmittel in der Kunst
Hauptteil
2. Exemplarische ethische Reflexion der Eat Art
2.1 Daniel Spoerri
2.2 Joseph Beuys
2.3 Sonja Alhäuser
3. Zusammenfassung
Erweiterung
4. Die Verwendung von Lebensmitteln im Kunstunterricht
4.1 Kontra-Argumente
4.2 Pro-Argumente
4.3 Eigene Stellungnahme
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit der Verwendung von Lebensmitteln als Material in der Kunst (Eat Art) vor dem Hintergrund weltweiter Hungersnöte und prüft, inwiefern diese Praxis in den Kunstunterricht integriert werden kann.
- Historische Entwicklung der Lebensmittel in der bildenden Kunst
- Ethische Reflexion ausgewählter Positionen der Eat Art (Spoerri, Beuys, Alhäuser)
- Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und Lebensmittelverschwendung
- Didaktische Möglichkeiten und Herausforderungen im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1 Daniel Spoerri
Seit Anfang der 1960er Jahre macht Daniel Spoerri mit seinen künstlerischen Eat Art Werken auf sich aufmerksam. Er ist der erste Künstler, der das Essen in Form von Essensinszenierungen, -zubereitungen und -resten zum alleinigen Inhalt seiner künstlerischen Arbeit gemacht hat (vgl. Lemke, 2007, S.43). Beweggrund für die Beschäftigung mit Essen ist bei ihm die Frage nach der Bedeutung von Nahrung für die menschliche Existenz. Dabei experimentiert er mit Lebensmitteln in verschiedenster Richtung, hauptsächlich um die banalen Dinge des Alltags und des Konsums in seinen Werken zu Kunst zu transformieren. Aber nicht ausschließlich in anderen Bereichen des Lebens, sondern auch in der Kunst und Kultur, ist durchaus mit Protest zu rechnen, sobald Lebensmittel eingesetzt werden.
Diese Haltung gegenüber Spoerris Werk konnte man zunächst so einordnen, dass viele Personen extrem irritiert reagierten auf dieses Novum, dessen Zweck und Aussage sie sich nicht direkt erschließen konnten. Spoerri selbst führt diese Reaktion zusätzlich auf die westliche Nachkriegsgesellschaft zurück, die salopp ausgedruckt „kein[en] Dreck als Kunst möchte“ (ebd. S. 4). Künstlerische Werke wie diese passten einfach nicht ins Weltbild der damaligen Zeit. Man hat, wie Spoerri sagte, nicht das Kunstwerk und dessen Aussage sehen können, sondern nur den Müll, die Verschwendung und die möglichen Folgen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die globale Bedeutung von Nahrung, stellt die aktuelle Zunahme von Hunger weltweit dar und führt die Kunstrichtung Eat Art als ein kritisches Forschungsfeld ein.
1. Geschichtlicher Hintergrund: Lebensmittel in der Kunst: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung der Darstellung und Nutzung von Lebensmitteln in der bildenden Kunst von der Steinzeit bis hin zur Entwicklung der Eat Art im 20. Jahrhundert.
2. Exemplarische ethische Reflexion der Eat Art: Anhand ausgewählter Künstler werden ethische Dimensionen bei der Verwendung von Lebensmitteln als künstlerisches Material reflektiert und in den Kontext gesellschaftspolitischer Botschaften gesetzt.
3. Zusammenfassung: Das Kapitel reflektiert, dass Kunst mit Lebensmitteln eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit darstellt und die Unterscheidung zwischen Verwendung und Verschwendung in den Mittelpunkt rückt.
4. Die Verwendung von Lebensmitteln im Kunstunterricht: Es werden pro- und kontra-Argumente für den Einsatz von Lebensmitteln im schulischen Kunstunterricht diskutiert sowie persönliche Handlungsmöglichkeiten für angehende Lehrkräfte abgeleitet.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Eat Art Denkanstöße liefern kann und die Bedeutung von Lebensmitteln, auch in gesellschaftskritischer Hinsicht, durch eine neue Funktion als geistige Nahrung legitimiert werden kann.
Schlüsselwörter
Eat Art, Lebensmittel, Kunstgeschichte, Ethik, Lebensmittelverschwendung, Daniel Spoerri, Joseph Beuys, Sonja Alhäuser, Kunstunterricht, Gesellschaftskritik, Materialwertigkeit, Nachhaltigkeit, Zweckentfremdung, Konsumgesellschaft, Didaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Problematik, Lebensmittel als künstlerisches Material zu verwenden, während weltweit hungernde Menschen existieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Geschichte der Eat Art, der ethischen Bewertung von Lebensmittelverschwendung in der Kunst und der didaktischen Umsetzung im Kunstunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu diskutieren, welches Maß an ethischer Reflexion bei der Arbeit mit Lebensmitteln angebracht ist und wie angehende Kunstlehrer damit umgehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die Literaturanalysen mit der Reflexion spezifischer künstlerischer Fallbeispiele und pädagogischer Überlegungen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert exemplarisch die Werke von Daniel Spoerri, Joseph Beuys und Sonja Alhäuser hinsichtlich ihrer Intention und ethischen Vertretbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Eat Art, Ethik, Lebensmittelverschwendung, gesellschaftskritische Kunst und kunstpädagogische Verantwortlichkeit.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Daniel Spoerri von der von Sonja Alhäuser?
Spoerri nutzt Lebensmittel oft für gesellschaftskritische Aussagen über den Konsum, während Alhäuser den Fokus eher auf Opulenz, Verführung und ganzheitliche Sinneserfahrung legt, ohne zwangsläufig das Wirtschaftssystem zu kritisieren.
Kann Lebensmittelverschwendung im Unterricht durch den Begriff der Zweckentfremdung legitimiert werden?
Ja, indem Nahrungsmittel für Bildungszwecke oder zur Vermittlung künstlerischer bzw. kritischer Botschaften genutzt werden, werden sie als Material "zweckentfremdet" statt rein verschwendet.
Welche Rolle spielt die "Honigpumpe" von Joseph Beuys in dieser Arbeit?
Die Honigpumpe dient als ein zentrales Beispiel, um zu zeigen, dass die ethische Bewertung eines Kunstwerks nicht ausschließlich anhand der Menge verbrauchter Lebensmittel erfolgen kann, sondern immer in Relation zum inhaltlichen Konzept stehen muss.
- Quote paper
- Lilli-Marie Scheller (Author), 2021, Mit Essen spielt man nicht! - oder doch? Die Verwendung von Lebensmitteln in der "Eat Art" und ihre Bedeutung für den Kunstunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1509965