Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Konstantin dem Großen unter der Fragestellung, ob es sich überhaupt um einen christlichen Kaiser handelte und woran sich dies untersuchen lässt. Zu den uns bekannten Quellen zählen hierzu vor allem die Werke „Vita Constantini“ des Konstantin – Biographen und Bischof Eusebius von Cäsarea, sowie „de mortibus persecutorum“ von Laktanz. Da es sich bei beiden Darstellungen jedoch um christliche Zeitgenossen Konstantins handelte, steht die Vermutung nahe, dass die Berichte ganz im Sinne einer Bekehrungslegende verfasst oder zumindest christlich eingefärbt wurden.
Diese Ausgangslage erfordert höchstes Maß an Quellenkritik und erschwert die Untersuchungen erheblich. Außerdem gingen durch den im Jahr 438 publizierten Codex Theodosianus, in welchem die konstantinischen Rechtsanordnungen enthalten sind, die allerdings aufgrund kaiserlicher Anordnungen auf die Kerninhalte beschränkt wurden, wichtige Fakten verloren. Was veranlasste Konstantin zu einer Gesetzgebung, welche die Christen begünstigte und wie ist überhaupt seine persönliche Religiosität einzuordnen?
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Konstantin und die Religion vor 312:
1. Christliche Einflüsse in der Jugend
2. Sein Bezug zum Christentum zu Zeiten dynastischer Streitigkeiten
III. Konstantin und die Religion ab 312:
1. Die „christliche Vision“
2. Christliche Zeugnisse:
a) Bautätigkeit
b) Pro-christliche Gesetze
3. Konstantins Taufe und Bestattung
IV. Konstantin der Große, als ersten christlichen Kaiser?
V. Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Quellen
2. Literatur
3. Internetseiten
VI. Anhänge
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die religiöse Haltung Konstantins des Großen und geht der Forschungsfrage nach, ob er tatsächlich als „christlicher Kaiser“ bezeichnet werden kann oder ob seine Hinwendung zum Christentum eher politisch motiviert war.
- Analyse der religiösen Einflüsse auf Konstantin in seiner Jugend und während der Tetrarchie.
- Untersuchung der Bedeutung der sogenannten „christlichen Vision“ vor der Schlacht an der Milvischen Brücke.
- Bewertung von Konstantins Bautätigkeit und legislativer Praxis hinsichtlich ihrer pro-christlichen Ausrichtung.
- Kritische Betrachtung der Umstände seiner Taufe und Bestattung.
- Hinterfragung der Kongruenz von Machtpolitik und persönlicher Religiosität.
Auszug aus dem Buch
III. Konstantin und die Religion ab 312:
Um die Bezeichnung einer „christlichen Vision“ des von Konstantin Erlebten am 28. Oktober 312, vor der Schlacht an der Milvischen Brücke gegen Maxentius, wurde in der konstantinischen Forschung viel diskutiert und geschrieben. Dabei handelt es sich vielfach um gegensätzliche Positionen, aufgrund derer keinesfalls e i n Erklärungsansatz für seine Hinwendung zum Christentum als hinreichend betrachtet werden darf. Bei allen Auslegungen darf niemals außer Acht geraten, dass der Stellenwert dieser Vision von zwei Voraussetzungen maßgeblich bestimmt wurde: Erstens, ging dieser auf politischer Ebene das Toleranzedikt des Galerius voraus und zweitens, war es die Erscheinung eines Siegers und späteren Alleinherrschers. Auf den Stellenwert des ersten Aspekts werden wir später in Verbindung mit den Mailänder Vereinbarungen in Kapitel 2. b) noch einmal genauer eingehen. Was den zweiten Punkt betrifft, so erklärt sich dieser von selbst.
Das breite Interpretationsspektrum dieses Ereignisses ist vor allem auf die zeitgenössischen Überlieferungen zurückzuführen, denn beide Darstellungen der Geschichtsschreiber, Laktanz und Eusebius, widersprechen sich dabei in einigen Punkten: Nach Laktanz Überlieferung, die wenige Jahre nach 312 entstanden sein muss:
“Commonitus est in quiete Constantinus, ut caeleste signum dei notaret in scutis atque ita proelium committeret. Fecit, ut iussus est, et transversa X littera, summo capite circumflexo Christum in scutis notat.”
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung der Arbeit vor und diskutiert die methodischen Herausforderungen bei der Nutzung von Quellen wie Eusebius und Laktanz.
II. Konstantin und die Religion vor 312:: Dieses Kapitel beleuchtet die christlichen Einflüsse in Konstantins Jugend sowie seinen Übergang vom traditionellen Polytheismus zur Verehrung des Sol Invictus.
III. Konstantin und die Religion ab 312:: Dieser Hauptteil analysiert die christliche Vision, die Rolle der Bautätigkeit und Gesetzgebung sowie die widersprüchlichen Überlieferungen zu Konstantins Taufe.
IV. Konstantin der Große, als ersten christlichen Kaiser?: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass Konstantins religiöse Entwicklung ein komplexes Zusammenspiel aus Machtkalkül und einer toleranten, monotheistischen Ausrichtung war, die nicht als abrupte Bekehrung zu werten ist.
V. Quellen- und Literaturverzeichnis: Eine Auflistung der verwendeten Primärquellen, wissenschaftlichen Literatur und Internetquellen.
VI. Anhänge: Ein Verweis auf die ursprünglichen Anhänge, die aus urheberrechtlichen Gründen entfernt wurden.
Schlüsselwörter
Konstantin der Große, Christentum, Sol Invictus, Tetrarchie, Milvische Brücke, Eusebius von Cäsarea, Laktanz, Bautätigkeit, Gesetzgebung, Taufe, religiöse Wende, Machtpolitik, christlicher Kaiser, Spätantike.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die religiöse Identität Kaiser Konstantins des Großen und hinterfragt, ob seine Handlungen als Beleg für eine echte Bekehrung zum Christentum dienen oder machtpolitisch begründet waren.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Zu den Schwerpunkten gehören die Einflüsse auf Konstantin vor 312, die Rolle der „christlichen Vision“, seine Bautätigkeit, kirchenfreundliche Gesetze sowie die Interpretation seines Taufaktes.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, unter kritischer Anwendung von Quellenarbeit zu klären, inwieweit Konstantin als „erster christlicher Kaiser“ bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine quellenkritische Analyse, indem sie primäre historische Berichte (Eusebius, Laktanz) gegen numismatische, epigraphische und architektonische Befunde abwägt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Wandel in Konstantins Religionspolitik, seine Abkehr von der Tetrarchie, die Bedeutung christlicher Zeugnisse und die historischen Kontroversen um seine Taufe am Lebensende.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Konstantin der Große, Christentum, Sol Invictus, Machtpolitik, religiöse Wende und Quellenkritik.
Wie bewertet die Autorin den Einfluss des Sol-Kultes auf Konstantins Religiosität?
Die Autorin argumentiert, dass Konstantin den Sol-Kult bis an sein Lebensende als identitätsstiftend betrachtete und der Christusgott lange Zeit parallel, oft mit Lichtsymbolik verbunden, existierte.
Was lässt sich über Konstantins Einstellung zum Heidentum nach 312 sagen?
Konstantin agierte weitgehend tolerant gegenüber dem Heidentum, sofern dieses nicht seiner christlichen Mission oder der inneren Stabilität des Staates im Wege stand.
Warum wird die Historizität der Taufe Konstantins durch Silvester angezweifelt?
Die Forschung lehnt diese Version weitgehend als legendenhafte Ausschmückung ab und bevorzugt den zeitgenössischen Bericht des Eusebius von Cäsarea.
Welche Rolle spielt das Jahr 326 in der Argumentation der Autorin?
Das sogenannte „blutige Jahr“ Konstantins dient als Argument gegen eine tiefe innere Bekehrung, da die Tötung der eigenen Ehefrau und des Sohnes als unvereinbar mit einem wahrhaftigen christlichen Glauben betrachtet wird.
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- Diana Ingeborg Klein (Author), 2006, Konstantin der Große, der erste christliche Kaiser?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151028