Internationales Finanzsystem

Entstehung - Zustand - Folgen


Seminararbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I – Entstehung

Teil II – Zustand
Finanzmärkte
Kreditmarkt
Wertpapiermarkt
Devisenmarkt
Finanzmarktakteure
Banken
Versicherungen
Investmentgesellschaften
Finanzprodukte
Private Equity Fonds
Derivate

Teil III – Folgen
Dimensionen
Verteilung

Schluss

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Zur Erläuterung:

Steht der Zitationsverweis am Ende eines Satzes vor dem Satzzeichen, so bezieht sich der Verweis lediglich auf den letzten Satz. Steht der Zitationsverweis nach dem Satzzeichen, so bezieht sich der Verweis zumindest auf die letzten beiden Sätze und maximal auf den gesamten vorherigen Absatz.

Einleitung

Diese Seminararbeit stellt den Versuch dar, eine Einführung in die Thematik des vorherrschenden Finanzsystems zu geben. Zunächst wird die Entstehung des Kapitalismus erläutert, wie aus den Anfängen einer Marktwirtschaft sich das heutige System entwickelt hat. Darauf folgend wird auf die gegenwärtige Situation des Finanzsektors eingegangen. Es wird aufgezeigt was Finanzmärkte sind, wer auf diesen tätig ist und mit welchen Mitteln dort gehandelt wird. Abschließend werden kurz einige problematische Entwicklungen hervorgehoben und mögliche Lösungswege präsentiert. Hierbei stehen die Fragen der Dimensionen des Finanzsektors und die Frage nach einer gerechten Verteilung im Vordergrund.

Angesichts der Komplexität und den Dimensionen dieser Thematik ist es im Zuge der vorliegenden Arbeit nur möglich, einen groben Überblick zu vermitteln und lediglich Einblicke in verschiedene Teilaspekte zu gewähren. Zugleich soll die Arbeit eine kritische Betrachtung fördern und zur Sensibilisierung für dieses Thema beitragen.

Teil I – Entstehung

Die Geschichte des Kapitalismus

Ein Beginn des Kapitalismus ist nicht klar auszumachen, so stellt Peter Temin fest, dass bereits im Römischen Reich eine Marktökonomie existierte[1]. Jedenfalls ist bekannt, dass wirtschaftliches Wachstum bzw. die effektivste Produktion von Waren für die inländischen und zunehmend auch ausländischen Märkte seit dem 16. Jahrhundert im größten Interesse sowohl gesellschaftlich als auch politisch führender Klassen in Europa steht[2]. Karl Marx beschreibt die Anfänge wie folgt:

Die Entdeckung der Gold- und Silberländer in Südamerika, die Ausrottung, Versklavung und Vergrabung der eingeborenen Bevölkerung in die Bergwerke, die beginnende Eroberung und Ausplünderung von Ostindien, die Verwandlung von Afrika in ein Gehege zur Handelsjagd auf Schwarzhäute, bezeichnen die Morgenröte der kapitalistischen Produktionsära. [] Den aufschließenden Manufakturen sicherte die Kolonie Absatzmarkt und eine durch das Marktmonopol potenzierte Akkumulation. Der außerhalb Europa direkt durch Plünderung, Versklavung und Raubmord erbeutete Schatz floss ins Mutterland zurück und verwandelte sich hier in Kapital.[3]

Mit der Ausbeutung der Menschen vor allem des afrikanischen Kontinents (seit dem frühen 16. Jahrhundert) im Sinne der Versklavung und dank des in den Kolonien akkumulierten Kapitals war es Europa möglich, seit dem 18. Jahrhundert eine rasche Industrialisierung zu finanzieren[4]. Die mit der Industrialisierung einhergehende Mechanisierung der Textilbranche in England ebnete einen Weg, auf dem sich die kapitalistische Produktionsweise durchsetzen konnte[5]. Diese Produktionsweise führte zur Umwandlung des merkantilen Marktes in einen kapitalistischen Markt[6].

Ausgehend von England breitete sich im 19. Jahrhundert die kapitalistische Produktionsweise über den gesamten Globus aus. Einige Gebiete wie Nordamerika und nach 1868 auch Japan wurden dabei direkt erobert, in anderen Gebieten haben sich kapitalistische Enklaven gebildet, die mit einem nicht-kapitalistischen Hinterland koexistierten. Sowohl in den Stammländern als auch in den überseeischen Gebieten vollzog sich dieser Prozess, durch welchen sich strategische Stützpunkte der kapitalistischen Produktion bildeten und das Umland entsprechend zur abhängigen Zulieferregion wurde.[7] Durch die neu entstandene Dynamik dieser Produktionsweise wurde der Ausbau der Tauschbeziehungen angetrieben und zu einem kapitalistischen Weltmarkt ausgebaut.[8]

Zwischen 1800 und 1913 wuchs das Volumen des internationalen Handels um das 25fache[9]. Die Nachfrage nach Rohstoffen und Nahrungsmitteln stieg stark an und es entwickelten sich ganze Regionen, die sich auf die Produktion einzelner Rohstoffe oder landwirtschaftlicher Produkte spezialisierten[10].

Mit der Einführung fester Tauschverhältnisse in den 1870er Jahren zwischen den wichtigsten Handelswährungen und Gold wurde es möglich, dass internationale Geschäfte nahezu ungefährdet von Kursschwankungen und Inflationsrisiken getätigt werden konnten[11]. Um den Handel global zu realisieren, galt es zunächst, den Freihandel zu stärken und somit Handelsbarrieren abzubauen. In diesem Sinne schaffte Großbritannien bereits 1846 unilateral seine wichtigsten Zölle ab. Andere Staaten zogen nach, um 1870 war ganz Europa westlich des Zarenreiches eine Freihandelszone geworden. Außerhalb Europas bedurfte es jedoch in der Regel politisch-militärischer Interventionen, um der Vision des weltweiten Freihandels näher zu kommen.[12] Auch im Alltagssprachgebrauch war spätestens seit den 1880er Jahren von einer Weltwirtschaft, im Sinne einer international verflochtenen, die Rede[13].

Die Politik der Liberalisierung der Märkte, Steuersenkung und Privatisierung von Staatseigentum, also einer immer weiteren Zurücknahme des Staates bildet die Grundlage der heutigen Situation mit staatlich nur wenig regulierten globalen Interaktionsräumen und einem dichten Netz internationaler Handels- und Finanzbeziehungen[14].

Im 20. Jahrhundert konkurrierten zwei Ideologien um die Vorherrschaft in Europa und den USA. Auf der einen Seite steht dabei der Brite John Maynard Keynes, er plädiert für einen intervenierenden Staat, der die Wirtschaft steuert. Auf der anderen Seite stehen als Hauptvertreter Friedrich August von Hayek und Milton Friedman, sie vertreten ein marktradikales Denken fern staatlichen Einflusses.[15]

Nachdem Roosevelt mit seinem „New Deal“ das keynesianische Modell antizyklischen Verhaltens nach der großen Depression in den USA mit Erfolg umsetzt, verbreiten sich Keynes’ Ideen auch in Europa und werden zur dominierenden wirtschaftlichen Theorie, die in allen führenden Industrienationen der Welt Anwendung findet[16].

Im Juli 1944 wird nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Bergdorf im US-Bundesstaat Wisconsin das System von Bretton Woods entwickelt, ein Übereinkommen über die internationale Währungsordnung. Es galt eine feste Parität aller Beitrittsländer zum Dollar, welchen die US-Notenbank garantierte, in Gold einzutauschen. Zudem wurde der Devisenhandel unter staatliche Aufsicht gestellt.

Große Banken und eine expandierende Industrie sahen die Kontrollen jedoch als hemmend an und forderten mehr Spielraum.[17] Seitdem haben sich die neoliberalen Überzeugungen von den USA ausgehend über Großbritannien, in Kontinentaleuropa, den weiteren Industriestaaten und den Schwellenländern verbreitet[18]. Den Startschuss dafür gaben die großen Industrienationen mit der Aufhebung fester Wechselkurse zwischen den Währungen im Jahre 1973. Andere Nationen, die an den Kontrollen festhielten, gerieten unter Druck, da heimische Unternehmen auf günstiges Kapital aus dem Ausland drängten.[19]

Es begann eine bis heute anhaltende Entwicklung mit einem unbeirrbaren Glauben, den Ronald Reagan 1981 wie folgt treffend beschreibt: „Die Regierung ist nicht die Lösung unseres Problems. Sie ist das Problem[20].“

Die Schaffung des europäischen Binnenmarktes ab 1988 und des Internationalen Währungsfonds (IWF), als Instrument der G 7, um die Vergabe von Krediten an Verpflichtungen zur Lockerung der nationalen Schranken für Kapital zu binden, sind zwei Mittel, mit denen sich die Öffnung der Märkte für den freien Kapitalverkehr und die damit verbundene immer enger werdende globale Vernetzung der Finanzbeziehungen bis heute fortsetzt.[21] So entwickelte sich Schritt für Schritt

[...]


[1] Temin, “A Market Economy in the Early Roman Empire,” 33, 34.

[2] Krippendorff, Internationales System als Geschichte, 93.

[3] Marx, Das Kapital, 694, 697.

[4] Ziegler, Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher, 24, 25.

[5] Wolf, Die Völker ohne Geschichte, 412.

[6] Ebd., 415.

[7] Ebd., 412.

[8] Ebd., 415, 416.

[9] Osterhammel und Petersson, Geschichte der Globalisierung, 61.

[10] Wolf, Die Völker ohne Geschichte, 432.

[11] Osterhammel und Petersson, Geschichte der Globalisierung, 67.

[12] Ebd., 50-56.

[13] Fischer, Erker, und Volkmann, Expansion, Integration, Globalisierung, 37-48; Osterhammel und Petersson, Geschichte der Globalisierung, 65.

[14] Osterhammel und Petersson, Geschichte der Globalisierung, 106.

[15] Schäfer, Der Crash des Kapitalismus, 27-38.

[16] Ebd., 37.

[17] Martin und Schumann, Die Globalisierungsfalle, 73.

[18] Schäfer, Der Crash des Kapitalismus, 39.

[19] Martin und Schumann, Die Globalisierungsfalle, 72, 73.

[20] Schäfer, Der Crash des Kapitalismus, 39.

[21] Martin und Schumann, Die Globalisierungsfalle, 73, 74.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Internationales Finanzsystem
Untertitel
Entstehung - Zustand - Folgen
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Veranstaltung
Ökonomie der Entwicklungsländer: Internationales Finanzsystem und Verschuldung
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V151156
ISBN (eBook)
9783640629169
ISBN (Buch)
9783640629503
Dateigröße
1548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kapitalismus, Marktwirtschaft, Finanzsystem, Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Märkte, Geschichte, Finanzmärkte, Finanzprodukte, Akteure, Verteilung, heute, Situation, Probleme, Zukunft, Entwicklung, Derivate, Private Equity, Versicherungen, Banken, Investmentgesellschaften, Institutionelle Anleger, Devisenmarkt, Spekulation, Finanzmarkt
Arbeit zitieren
Jan C. Pannenbäcker (Autor), 2010, Internationales Finanzsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151156

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