Ein Blick in die Tagespresse genügt, und schon erkennt man ein Thema, das Gegenstand regelmäßiger und ausgiebiger Berichterstattung ist: Die Gesundheitsreform. Wenn man den Berichten glauben schenken darf, ist das Gesundheitssystem im Allgemeinen und das Krankenversicherungssystem im Speziellen in Deutschland erkrankt und bedarf dringender Reformen. Nicht nur in der Fachliteratur, auch in der Politik werden Reformkonzepte eifrig diskutiert.
Doch wie ist es um das Krankenversicherungssystem wirklich bestellt? Liegt der Patient schon in den letzten Zügen bzw. ist er schon tot? Aus den politischen Kontroversen lässt sich die reale Situation schwer erkennen. Daher erscheint eine genauere Untersuchung angebracht. Wie sollte man dabei am besten vorgehen? Ein Vergleich mit anderen Krankenversicherungssystemen erscheint dafür sehr gut geeignet. Schließlich haben auch andere Staaten ein funktionierendes Gesundheitssystem und vielleicht auch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Gerade ein Vergleich mit dem Krankenversicherungssystem anderer Länder lässt dabei Unterschiede zu Tage treten. Es zeigen sich andere Strukturen in der Organisation, Finanzierung und der Leistung. Im Vergleich lassen sich daraus die jeweiligen Stärken oder Schwächen erkennen. Deren Erfahrungen im Aufbau, Reformprozess bzw. Umbau können auch für unser System von Vorteil sein. Doch welches Land lässt sich am besten mit Deutschland vergleichen? Am besten wäre wohl ein Land geeignet, das sowohl in historischer als auch politischer Hinsicht eine gewisse Nähe aufweist. Vorzugsweise sollte dessen Wohlfahrtssystem auch nicht allzu weit von dem deutschen als zu vergleichendem System entfernt sein.
Wenn man einige Monate zurückdenkt, ging eine regelrechte Kampagne durch das ganze Land. Überall hieß es auf einmal „Österreich – das bessere Deutschland!?“ Doch wie ist es um den Wahrheitsgehalt dieser Aussage wirklich bestellt?
Zunächst werden beide Systeme der gesetzlichen Krankenversicherung in ihrer historischen Entwicklung und anhand der Struktur kurz vorgestellt, um dann die Leistungs- und Finanzierungsseite zu erörtern. Anschließend wird auf die aktuellen Reformbestrebungen eingegangen, um dann Lösungsvorschläge für Deutschland abzuleiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung
2.1 Deutschland
2.1.1 Ursprung
2.1.2 Aufbau
2.1.3 Ausbau
2.2 Österreich
2.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
3. Struktur des Sozialversicherungssystems
3.1 Deutschland
3.2 Österreich
3.3 Fazit
4. Grundstruktur der gesetzlichen Krankenversicherung
4.1 Deutschland
4.1.1 Organisation
4.1.2 Kreis der versicherten Personen
4.1.2.1 Pflichtversicherung
4.1.2.2 Versicherungsfreiheit
4.1.2.3 Freiwillige Versicherung
4.1.2.4 Familienversicherung
4.1.2.5 Formalversicherung
4.1.2.6 Zusammenfassung
4.1.3 Mitgliedschaft
4.2 Österreich
4.2.1 Organisation
4.2.2 Kreis der versicherten Personen
4.2.2.1 Pflichtversicherung
4.2.2.2 Selbstversicherung (Freiwillige Versicherung)
4.2.2.3 Familienversicherung
4.2.2.4 Formalversicherung
4.2.2.5 Zusammenfassung
4.2.3 Mitgliedschaft
4.3 Vergleich der Grundstrukturen
5. Leistungssystem
5.1 Deutschland
5.1.1 Allgemeine Grundsätze
5.1.2 Leistungen im Einzelnen
5.1.2.1 Sachleistungen
5.1.2.2 Geldleistungen
5.1.3 Leistungsbeschränkungen
5.1.4 Beziehungen zu den Leistungserbringern
5.1.5 Ausgaben
5.2 Österreich
5.2.1 Allgemeine Grundsätze
5.2.2 Leistungen im Einzelnen
5.2.2.1 Sachleistungen
5.2.2.2 Geldleistungen
5.2.3 Leistungsbeschränkungen
5.2.4 Beziehungen zu den Leistungserbringern
5.2.5 Ausgaben
5.3 Vergleich der Leistungssysteme
6. Finanzierungssystem
6.1 Deutschland
6.1.1 Beiträge
6.1.2 Kostenbeteiligung
6.1.3 Finanzausgleich
6.1.3.1 Risikostrukturausgleich
6.1.3.2 Risikopool
6.1.3.3 Finanzielle Hilfe für Krankenversicherungsträger
6.1.4 Bundeszuschuss
6.1.5 Sonstige Einnahmen
6.1.6 Übersicht der Einnahmen
6.2 Österreich
6.2.1 Beiträge
6.2.2 Kostenbeteiligung
6.2.3 Finanzausgleiche
6.2.4 Bundeszuschüsse
6.2.5 Sonstige Einnahmen
6.2.6 Übersicht der Einnahmen
6.3 Vergleich der Finanzierungssysteme
7. Aktuelle Reformenbestrebungen
7.1 Deutschland
7.1.1 Gesundheitssystem-Modernisierungsgesetz
7.1.1.1 Praxisgebühr
7.1.1.2 Zusatzbeitrag
7.1.1.3 Elektronische Gesundheitskarte
7.1.2 Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz
7.1.3 Präventionsgesetz 2005
7.1.4 Gesundheitsreform 2006
7.1.4.1 Kopfpauschale / Gesundheitsprämie
7.1.4.2 Bürgerversicherung
7.1.4.3 Gesundheitsfonds
7.1.5 Mehrwertsteuererhöhung
7.1.6 Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs
7.2 Österreich
7.2.1 Elektronische Gesundheitskarte / Elektronische Gesundheitsakte
7.2.2 Arzneimittelkostendämpfungspaket
7.2.3 Gesundheitsreform 2005
7.3 Vergleich der Reformbestrebungen
8. Gesamtbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Krankenversicherungssystem in Deutschland und Österreich vergleichend gegenüberzustellen, um Stärken und Schwächen der jeweiligen Leistungs- und Finanzierungssysteme sowie aktuelle Reformbestrebungen zu analysieren.
- Historische Entwicklung der Sozialversicherungssysteme beider Länder
- Struktureller Aufbau und Organisationsformen der gesetzlichen Krankenversicherungen
- Vergleich des Leistungsspektrums und der Finanzierungsmechanismen
- Bewertung aktueller Reformen wie Bürgerversicherung, Gesundheitsfonds und elektronische Gesundheitskarte
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Ein Blick in die Tagespresse genügt, und schon erkennt man ein Thema, das Gegenstand regelmäßiger und ausgiebiger Berichterstattung ist: Die Gesundheitsreform. Wenn man den Berichten glauben schenken darf, ist das Gesundheitssystem im Allgemeinen und das Krankenversicherungssystem im Speziellen in Deutschland erkrankt und bedarf dringender Reformen. Nicht nur in der Fachliteratur, auch in der Politik werden Reformkonzepte eifrig diskutiert.
Doch wie ist es um das Krankenversicherungssystem wirklich bestellt? Liegt der Patient schon in den letzten Zügen bzw. ist er schon tot? Aus den politischen Kontroversen lässt sich die reale Situation schwer erkennen. Daher erscheint eine genauere Untersuchung angebracht. Wie sollte man dabei am besten vorgehen? Ein Vergleich mit anderen Krankenversicherungssystemen erscheint dafür sehr gut geeignet. Schließlich haben auch andere Staaten ein funktionierendes Gesundheitssystem und vielleicht auch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Gerade ein Vergleich mit dem Krankenversicherungssystem anderer Länder lässt dabei Unterschiede zu Tage treten. Es zeigen sich andere Strukturen in der Organisation, Finanzierung und der Leistung. Im Vergleich lassen sich daraus die jeweiligen Stärken oder Schwächen erkennen. Deren Erfahrungen im Aufbau, Reformprozess bzw. Umbau können auch für unser System von Vorteil sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesundheitspolitische Debatte und begründet die Relevanz eines Vergleichs der deutschen und österreichischen Krankenversicherungssysteme.
2. Historische Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Ursprung und Ausbau der sozialen Sicherungssysteme in beiden Ländern nach, wobei die Ähnlichkeiten in den Anfängen hervorgehoben werden.
3. Struktur des Sozialversicherungssystems: Hier wird der organisatorische Rahmen der Sozialversicherungssysteme in Deutschland und Österreich dargestellt und der Stellenwert der jeweiligen staatlichen Verankerung diskutiert.
4. Grundstruktur der gesetzlichen Krankenversicherung: Das Kapitel detailliert den organisatorischen Aufbau, den versicherten Personenkreis sowie die Mitgliedschaftsregelungen in beiden Ländern.
5. Leistungssystem: Hier werden die Sach- und Geldleistungen, das Verhältnis zu den Leistungserbringern sowie die Ausgabestrukturen der Krankenkassen verglichen.
6. Finanzierungssystem: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Einnahmequellen wie Beiträge und Kostenbeteiligungen sowie die mechanismen des Finanzausgleichs.
7. Aktuelle Reformenbestrebungen: Hier werden die jüngsten Reformschritte und politische Lösungsansätze in Deutschland und Österreich sowie deren Auswirkungen kritisch bewertet.
8. Gesamtbetrachtung: Das Abschlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert, inwiefern das österreichische System als Modell für strukturelle Anpassungen in Deutschland dienen könnte.
Schlüsselwörter
Gesetzliche Krankenversicherung, Deutschland, Österreich, Sozialversicherung, Leistungsprinzip, Finanzierungssystem, Gesundheitsreform, Bürgerversicherung, Beitragssatz, Risikostrukturausgleich, Leistungserbringung, Prävention, Krankengeld, Familienversicherung, Gesundheitskarte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einem detaillierten Vergleich der gesetzlichen Krankenversicherungssysteme in Deutschland und Österreich, insbesondere hinsichtlich ihrer Struktur, Finanzierung und Leistungssysteme.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Sozialstaatlichkeit, die organisatorische Struktur der Krankenkassen, die Leistungskataloge sowie die aktuelle Reformpolitik in beiden Ländern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Stärken und Schwächen beider Systeme zu identifizieren, um aus einem länderübergreifenden Vergleich Erkenntnisse für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Systems abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende Analyse der bestehenden Sozialgesetzgebung (SGB V in Deutschland, ASVG in Österreich) sowie eine Auswertung statistischer Daten und aktueller politischer Reformvorschläge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Grundstrukturen der Versicherungen, den Leistungskatalog im Einzelnen, die Finanzierungssysteme inklusive der Mechanismen für den Finanzausgleich und die aktuellen Reformmaßnahmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Solidargemeinschaft, Sachleistungsprinzip, Beitragsbemessungsgrenze, Risikostrukturausgleich und Bürgerversicherung prägen die Untersuchung.
Wie unterscheidet sich die Versichertenstruktur in Österreich von der in Deutschland?
In Österreich sind nahezu alle Bevölkerungsgruppen pflichtversichert, während es in Deutschland signifikante Personengruppen gibt, die nicht oder anderweitig (privat) versichert sind.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Finanzierungseffizienz?
Die Arbeit deutet an, dass das österreichische Modell einer breiteren Solidargemeinschaft in Verbindung mit einer umfassenden Pflichtversicherung langfristig stabilere Voraussetzungen für die Finanzierung bieten könnte.
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- Peter Ermert (Author), 2006, Gesetzliche Krankenversicherung in Österreich und Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151179