Diese Arbeit möchte sich dem Phänomen von Authentizität in den sozialen Medien nähern. Dafür wird beispielhaft der Trend von sog. "Get Ready With Me"-Videos auf der Plattform TIKTOK betrachtet.
Farblich abgestimmte Feeds, sorgfältig geplante Outfits und beeindruckende Urlaubsfotos – solche visuellen Inszenierungen sind zum Sinnbild für die sozialen Medien geworden. Während zu Beginn die Plattformen noch ein Mittel zum Vernetzen, Austausch und Teilen persönlicher Fotos waren, stehen heutzutage Selbstdarstellung und Markenbildung im Vordergrund. Durch neue technische Möglichkeiten wie Filter oder Bearbeitungs- und Fotomanipulationssoftware wird dabei eine Art künstliche Welt erschaffen, in der alles ästhetisch und aufregend erscheint. Allerdings macht sich in den letzten Jahren das Bedürfnis unter den Nutzern1 nach authentischen Inhalten statt perfekt inszenierten Profilen breit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Teil
2.1 Authentizitätsbegriff
2.2 Influencer auf Social Media
3. TikTok als Social Video-Sharing Plattform
3.1 Plattformspezifik
3.2 GRWM-Trend
4. Analysebeispiel
4.1 Hintergrund
4.2 Beispiel-Posts
5. Analyse der GRWM’s
5.1 „GRWM für die Schule“
5.2 „GRWM mit hype Produkten“
5.3 „GRWM auf Klassenfahrt“
5.4 Vergleich
6. Schluss
7. Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Authentizität in sozialen Medien am Beispiel des Trends der "Get Ready With Me" (GRWM)-Videos auf der Plattform TikTok. Ziel ist es, durch eine linguistische und medienwissenschaftliche Analyse wiederkehrende sprachliche sowie visuelle Merkmale dieser Videos herauszuarbeiten und zu ergründen, wie durch performative und diskursive Praktiken Authentizität erzeugt oder infrage gestellt wird.
- Analyse des Begriffs der Authentizität im Kontext digitaler Selbstdarstellung.
- Untersuchung der spezifischen Plattformmechaniken von TikTok.
- Dekonstruktion des GRWM-Videoformats hinsichtlich narrativer und performativer Strategien.
- Verhaltensanalyse der Community durch Auswertung von Kommentaren (Zuschreibung von Authentizität).
- Vergleich verschiedener GRWM-Szenarien (Schulalltag, Produktwerbung, Reisekontext).
Auszug aus dem Buch
2.1 Authentizitätsbegriff
Ob authentische Restaurants, Filme oder Künstler – der Authentizitätsbegriff ist seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein allseits verwendetes Schlagwort (vgl. Knaller 2007: 7). Eine kurze Definition von Authentizität wiederzugeben ist jedoch kein leichtes Unterfangen. Denn es handelt sich um einen schillernden Begriff, der in unterschiedlichen kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen verwendet wird. So gibt es bspw. einen ästhetischen, politischen, juristischen, theologischen oder psychologischen Authentizitäts-Begriff (vgl. Reichmann 2020: 69). Dabei ist der Terminus nicht nur wegen seiner Vielfachverwendung so ubiquitär geworden [...], sondern auch weil er häufig auf nicht immer entschlüsselbare Weise empirische, interpretative, evaluative und normative Elemente miteinander verknüpft. (Knaller 2007: 7-8).
Ein Blick in die Etymologie zeigt, dass Authentizität seinen Ursprung im Griechischen hat und im 16. Jahrhundert aus dem Lateinischen in die deutsche Sprache entlehnt wurde. Das griechische Ursprungswort „αυθεντικός“ bedeutet zunächst „Echtheit im Sinne eines Verbürgten, das ‚als Original befunden‘ wird“ (Saupe 2012: 2). Auch im Lateinischen („authenticus“) hat der Terminus eine „eher textbezogene Bedeutung [mit] „zuverlässig, verbürgt, urschriftlich, eigenhändig [...]“ (Lobenstein-Reichmann 2020: 71). Die Wortbedeutung von Authentizität steht somit in Verbindung mit weiteren komplexen Begriffen wie Echtheit, Wahrhaftigkeit, Ursprünglichkeit, Unmittelbarkeit und Eigentlichkeit.
Für die vorliegende Arbeit ist Schwidlinski‘s linguistischer Zugang zu Authentizität von Bedeutung. Er vertritt die Auffassung, dass Authentizität letztlich nur in seinen diskursiven Zuschreibungspraktiken greifbar wird. Das Moment der Zuschreibung rückt den Prozess des (De-)Authentifizierens in den Blick. (Schwidlinski 2020: 14)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Authentizität in sozialen Medien ein und stellt das GRWM-Format auf TikTok als Untersuchungsgegenstand vor.
2. Theoretischer Teil: Es werden die wissenschaftlichen Grundlagen zu Authentizitätsdiskursen und die Rolle von Influencern innerhalb des modernen Arbeitskontextes definiert.
3. TikTok als Social Video-Sharing Plattform: Dieses Kapitel erläutert die Besonderheiten der App-Architektur und führt das mediale Format „Get Ready With Me“ ein.
4. Analysebeispiel: Der Hintergrund der gewählten Influencerin @karla.dtsm wird beleuchtet und die Relevanz ihrer Video-Beispiele dargestellt.
5. Analyse der GRWM’s: Hier erfolgt die tiefgehende linguistische und multimodale Untersuchung der ausgewählten Videos hinsichtlich Sprache, Mimik und Community-Reaktionen.
6. Schluss: Die zentralen Erkenntnisse über die performative Erzeugung von Glaubwürdigkeit in den analysierten Videos werden zusammengefasst.
7. Bibliographie: Ein detailliertes Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Video-Referenzen.
Schlüsselwörter
Authentizität, TikTok, Get Ready With Me, GRWM, Influencer, Soziale Medien, Diskursive Praktiken, Performative Identität, Digitale Kommunikation, Community-Interaktion, Selbstdarstellung, Multimodalität, Jugendliche Netzkultur, Marken-Kooperation, Social-Media-Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie in sogenannten „Get Ready With Me“-Videos auf TikTok Authentizität durch sprachliche und visuelle Mittel erzeugt wird.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten der Authentizität, der Rolle von Influencern im digitalen Raum sowie der Analyse spezifischer Kurzvideoformate.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, welche sprachlichen und visuellen Merkmale GRWM-Videos auszeichnen und wie diese zur (De-)Authentifizierung der Akteurin beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Inhaltsanalyse mit einem multimodalen Ansatz, der sprachliche, auditive und visuelle Elemente sowie Kommentarspalten einbezieht.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einleitung zum Authentizitätsbegriff, die Plattformanalyse von TikTok sowie eine detaillierte Fallanalyse dreier verschiedener GRWM-Typen.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Authentizität, TikTok, GRWM, Influencer-Marketing, Identitätsinszenierung und diskursive Zuschreibungspraxis charakterisieren.
Wie reagiert die Community in der Analyse auf die Videos?
Die Community reagiert durch Identifikation, geteilte Haltungen oder kritisches Hinterfragen ("Deauthentifizierung"), was in der Arbeit anhand von Nutzerkommentaren belegt wird.
Warum spielt das Thema "Klassenfahrt" in den Analysen eine Rolle?
Das Fallbeispiel "GRWM auf Klassenfahrt" dient als Kontrastfolie für ein unkonventionelles Settings im Vergleich zum klassischen Schmink-Video im privaten Schlafzimmer.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2024, Authentizität von Influencern. Eine Untersuchung des "Get Ready With Me"-Trends auf TikTok, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1511855