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Verlagerung struktureller Probleme in die Erwachsenenpädagogik

Lebenslanges Lernen als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen

Title: Verlagerung struktureller Probleme in die Erwachsenenpädagogik

Master's Thesis , 2022 , 74 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Marlene Giller (Author)

Pedagogy - Adult Education
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Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit ist es, das Lebenslange Lernen, den Umgang und das Verständnis dahinter in unterschiedlichster Art und Weise, innerhalb des gesellschaftlichen Kontexts und dem Bereich der professionellen Pflege kritisch zu analysieren.

Nach welchen Merkmalen kann ein pädagogisches Konzept als Utopie beschrieben werden und welche der Merkmale lassen sich auf den Ansatz des Lebenslangen Lernens übertragen?
Findet eine Problemverschiebung in die Erwachsenenpädagogik und die berufliche Weiterbildung statt? Und gibt es Anhaltspunkte, Lebenslanges Lernen als Platzhalter für eine Moral zu beschreiben, wenn strukturbedingte Probleme in der Pflege über keine Adresse mehr verfügen?

Zu Beginn wird neben einer allgemeinen Klärung des Utopiebegriffs, der Zusammenhang zum Lebenslangen Lernen im Bereich der Erwachsenenpädagogik betrachtet. Darauf folgt im Unterkapitel 2.3 eine Sammlung von Merkmalen einer Utopie, die für den Übertrag auf das Lebenslange Lernen und den Verlauf der Thesis grundlegend sind. In Kapitel 3 wird das Lebenslange Lernen mit seiner Vielfältigkeit herausgearbeitet, um das Verständnis in unterschiedlichen Perspektiven aufzuzeigen und voneinander abzugrenzen. Neben der intensiven Auseinandersetzung verschiedener Auslegungen des Begriffs und unterschiedlicher Perspektiven um das Lebenslange Lernen, werden letztendlich drei Dimensionen von Elke Gruber herangezogen, die das Lebenslange Lernen und seine Vielfältigkeit prägnant zusammenfassen. Ausgehend dieser Erkenntnisse wird im 4. Kapitel das Lebenslange Lernen in der Erwachsenenbildung anhand des Utopiegedankens gefiltert und kritisch aufgezeigt. Dadurch ergibt sich ein weiterer Themenschwerpunkt der Thesis, indem der Zusammenhang des Lebenslangen Lernens als Strategie und somit die Pädagogisierung gesellschaftlicher Krisen diskutiert werden. Am Beispiel der professionellen Pflege wird dann untersucht, ob und welche Krisen zu einer Pädagogisierung führen und welche Rolle die berufliche Weiterbildung im Sinne des Lebenslangen Lernens dabei spielt. Daraus ergibt sich die Grundlage für das 5. Kapitel, welches gesellschaftliche Herausforderungen als Auslöser für das Lebenslange Lernen und die berufliche Weiterbildung als Strategie für Transformation und Anpassung gegenüberstellt und kritisch reflektiert. Das 6. Kapitel widmet sich der Frage, wie Aspekte des Lebenslangen Lernens in der Pflegepraxis integriert und umgesetzt werden können. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Einführung in das Thema der Arbeit

1.2 Problemstellung und Erkenntnisinteresse

1.3 Gliederung der Arbeit

2. Der Utopie-Begriff in der Erwachsenenbildung

2.1 Utopien als Ausdruck gesellschaftlichen Krisenbewusstseins

2.2 Positive und negative Utopiegedanken in der Pädagogik

2.3 Merkmale einer Utopie

3. Annäherung an das Lebenslange Lernen

3.1 Lebenslanges Lernen als bildungspolitisches Konzept

3.2 Zugänge und Perspektiven des Lebenslangen Lernens

3.3 Erziehungswissenschaftliche Perspektive auf das Lebenslange Lernen

3.4 Dimensionen des Lebenslangen Lernens nach Elke Gruber

3.5 Zwischenfazit

4. Lebenslanges Lernen als Utopie in der Erwachsenenpädagogik?

4.1 Die Pädagogisierung gesellschaftlicher Krisen

4.2 „Krisen in der Pflege“ im Kontext der Pädagogisierung

4.2.1 Gewalt in der Pflege

4.2.2 Integration von Arbeit und Lernen (Praxisanleitung)

5. Gesellschaftliche Entwicklung als Indikator für die Strategie des Lebenslangen Lernens in der Pflege

5.1 Lebenslanges Lernen in der Pflege als rechtliche Grundlage

5.2 Begründungszusammenhang Lebenslanges Lernen in der Pflege

6. Wissenstransfer

6.1 Qualifizierungsbestrebungen aus der Perspektive beruflich Pflegender

6.2 Der Wissenstransfer in die Pflegepraxis

6.3 Lerntheoretische Ansätze im Kontext der Erwachsenenpädagogik

6.4 Nachhaltige Bildungsarbeit in der Pflegepraxis

7. Abschlussdiskussion

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, inwieweit das Konzept des Lebenslangen Lernens als utopische Strategie innerhalb der Erwachsenenpädagogik und im Bereich der professionellen Pflege fungiert. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob das Lebenslange Lernen als Platzhalter für Moral und Problemlösungen dient, wenn strukturelle gesellschaftliche oder pflegespezifische Defizite bestehen, anstatt diese durch direkte politische Maßnahmen anzugehen.

  • Die begriffliche Verortung von Utopie und Lebenslangem Lernen als bildungspolitisches Instrument.
  • Die kritische Reflexion der "Pädagogisierung" gesellschaftlicher Krisen im Pflegesektor.
  • Der Transfer von theoretischem Bildungswissen in die tatsächliche Pflegepraxis.
  • Die Analyse des Spannungsfeldes zwischen individuellen Lernansprüchen und ökonomischen Systemzwängen.

Auszug aus dem Buch

1.2 Problemstellung und Erkenntnisinteresse

Münk (2017) bezeichnet das Lebenslange Lernen mittlerweile als gesellschaftliche und individuelle Strategie (vgl. Münk 2017, S. 14). Kompetenzen und Bildung in der heutigen Wissensgesellschaft werden für eine wirtschaftliche Notwendigkeit gehalten (vgl. Schäfer 2017, S. 27). Daraus entspringt die Vorstellung, dass Bildung bzw. das Lebenslange Lernen eine Voraussetzung darstellt, um gesellschaftlichen Ansprüchen standzuhalten. Diese Annahme wird ebenso in Bildungsdebatten propagiert und unterschiedlich diskutiert.

Bildung wird schon immer gerne mit der Zukunft und ihren Möglichkeiten verknüpft und verspricht eine gute Anpassung an zukünftige Entwicklungen.

Diesbezüglich ist im Verlauf zu diskutieren, inwieweit Lebenslanges Lernen als Strategie für zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen, Entwicklungen und Veränderungen gilt. Dazu wird eine Verbindung zur Utopie hergestellt und somit der Utopiegedanke herangezogen, sodass die Verflechtung von Utopie und Gesellschaft bzw. gesellschaftlichen Krisen im Hinblick auf das Lebenslange Lernen als Problemlösung näher betrachtet werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt den Grundstein, indem sie Bildungsbegriffe definiert und die Zielsetzung der Thesis – die kritische Analyse des Konzepts "Lebenslanges Lernen" als Utopie – darstellt.

2. Der Utopie-Begriff in der Erwachsenenbildung: Dieses Kapitel erläutert den Utopiebegriff als Mittel der Zeitkritik und Gesellschaftsanalyse, um dessen theoretischen Übertrag auf pädagogische Konzepte vorzubereiten.

3. Annäherung an das Lebenslange Lernen: Hier wird die Vielfältigkeit und der bildungspolitische Charakter des Lebenslangen Lernens untersucht, inklusive der Matrix nach Elke Gruber, die das Lernen zwischen Müssen, Wollen und Können verortet.

4. Lebenslanges Lernen als Utopie in der Erwachsenenpädagogik?: Das Kapitel diskutiert die Pädagogisierung gesellschaftlicher Krisen und beleuchtet am Beispiel der professionellen Pflege, ob Bildung hier als Lösungsstrategie fehlgeleitet wird.

5. Gesellschaftliche Entwicklung als Indikator für die Strategie des Lebenslangen Lernens in der Pflege: Es wird analysiert, wie externe gesellschaftliche Zwänge wie der demografische Wandel das "Lebenslange Lernen" in der Pflege als rechtliche und strategische Notwendigkeit institutionalisieren.

6. Wissenstransfer: Dieses Kapitel widmet sich der harten Realität des Transfers von Bildungsinhalten in den klinischen Alltag und der Frage, ob erworbene Kompetenzen in der Pflegepraxis überhaupt anwendbar sind.

7. Abschlussdiskussion: Die gewonnenen Erkenntnisse werden synthetisiert und kritisch gegen die eingangs formulierten Forschungsfragen gespiegelt.

8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Berücksichtigung struktureller Bedingungen statt einer einseitigen Pädagogisierung gesellschaftlicher Probleme.

Schlüsselwörter

Lebenslanges Lernen, Erwachsenenpädagogik, Utopie, Pädagogisierung, Pflege, Wissenstransfer, Bildungspolitik, Systemzwänge, Berufsbiografie, Selbstoptimierung, kritische Bildungsforschung, Kompetenzmanagement, Beschäftigungsfähigkeit, Strukturprobleme, Weiterbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, inwieweit das Lebenslange Lernen als utopisches Konstrukt dient, um strukturelle Probleme in der Gesellschaft und insbesondere im Pflegesektor zu übertünchen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Pädagogisierung von Lebensbereichen, Konzepte des Lebenslangen Lernens, die Krise der Pflege und die Barrieren für einen effektiven Wissenstransfer.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob "Lebenslanges Lernen" eine tatsächliche Problemlösungsstrategie darstellt oder ob es nur als moralisch positiv besetztes Platzhaltersystem fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Diskursanalyse, die verschiedene bildungs- und erziehungswissenschaftliche Theorien miteinander verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Utopiebegriff, die theoretischen Hintergründe des Lebenslangen Lernens, dessen Anwendung in der Pflegepraxis und die Problematik des Wissenstransfers intensiv beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Lebenslanges Lernen, Pädagogisierung, Utopie, Pflege, Wissenstransfer und kritische Erwachsenenbildung.

Warum wird speziell das Beispiel der Pflege herangezogen?

Die Pflege dient als Paradebeispiel, da sie unter besonders hohem ökonomischem Druck und strukturellen Missständen leidet, die oft durch Bildungsmaßnahmen adressiert werden.

Wie bewerten Bildungsexperten gemäß der Arbeit das "Lernen-Müssen"?

Viele der zitierten Experten sehen das "Lernen-Müssen" kritisch, da es oft als neoliberale Strategie zur Selbstoptimierung missbraucht wird, statt die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

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Details

Title
Verlagerung struktureller Probleme in die Erwachsenenpädagogik
Subtitle
Lebenslanges Lernen als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen
College
University of Kaiserslautern
Grade
1,3
Author
Marlene Giller (Author)
Publication Year
2022
Pages
74
Catalog Number
V1512086
ISBN (PDF)
9783389081358
ISBN (Book)
9783389081365
Language
German
Tags
Erwachsenenbildung Erwachsenenpädagogik Bildungswissenschafen Pädagogik Soziologie Pädagogisierung Pflegewissenschaften Lebenslanges Lernen Lernen Utopie Utopiegedanken in der Pädagogik Krisen in der Pflege Gewalt in der Pflege
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marlene Giller (Author), 2022, Verlagerung struktureller Probleme in die Erwachsenenpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1512086
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