Die Finanzkrise unter dem Blickwinkel des Utilitarismus


Seminararbeit, 2010

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Der Utilitarismus
1.1 Benthams Prinzip des Utilitarismus
1.1.1 Benthams Glückskalkül
1.2 John Stuart Mill: Qualität des Glücks und sozialer Zusammenhang
1.3 Sidgwick: Utilitarismus vereint mit “common sense morality”
1.4 Weitere Entwicklungen des Utilitarismus
1.4.1 Der Begriff “Glück”
1.4.2 Das Gerechtigkeitsproblem
1.4.3 Der Regel-Utilitarismus
1.5 Wirkungsgeschichte des Utilitarismus
1.6 Bedeutung für die Gegenwart

2. Finanzmärkte und Finanzkrise
2.1 Bedeutung der und Innovationen an den Finanzmärkten
2.2 Kreditmarkt: viel Neues und keine Haftung
2.2.1 Sub-Prime Hypotheken
2.2.2 Verbriefen und irreführen: Collateralized Debt Obligations
2.2.3 Rating und mathematische Methoden unzuverlässig
2.2.4 Beispiel CDO-Handel
2.2.5 Investitionen in CDOs: Leverage und Risikofreude
2.2.6 Zweckgesellschaften als Risiko-Verstecke
2.3 Grobe Skizze der Finanzkrise
2.3.1 Die “Hypo Real Estate” als Beispiel für Spekulation und staatliche Hilfe
2.4 Gigantische Staatshilfen und Folgen für die Realwirtschaft

3. Utilitarismus liefert Ansätze zur Bewertung und Lösungshinweise
3.1 Systemfehler und Akteure
3.2 Utilitarismus als Vorwand oder Hoffnung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Home Price Indices

Abb. 2 Die Verbriefungskaskade

Abb. 3 Volumen an CDO-Emissionen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Der Utilitarismus

1.1 Benthams Prinzip des Utilitarismus

Ende des 18. Jhs. unternahm Jeremy Bentham den Versuch, aus der Ethik eine exakte Wissenschaft zu machen. Er wollte damit der auf Tradition, Verkündigung oder Intuition basierenden Moral eine gesicherte Grundlage verschaffen und sie damit auch entsprechend korrigieren. Er gründete das moralische Handeln auf das Prinzip der Nützlichkeit (Utility). “Nature has placed mankind under the governance of two sovereign masters, pain and pleasure. It is for them alone to point out what we ought to do, as well as to determine what we shall do. On the one hand the standard of right and wrong, on the other the chain of causes and effects are fastened to their throne. … The principle of utility recognizes this subjection,…”1

Von diesem Ansatz her beurteilt der Utilitarist “Handlungen, Normen und Institutionen”.2

Ist eine Handlung moralisch richtig, so hat sie zur Folge, dass Freude oder Lust (pleasure) vermehrt und Leiden oder Schmerz (pain) verhindert werden. “By the principle of utility is meant that principle which approves or disapproves of every action whatsoever, according to the tendency which it appears to have to augment or diminish the happiness of the party whose interest is in question…”3

An diesen Grundsatz knüpft Bentham eine Zielbestimmung an: “It is the happiness of the greatest number that is the measure of right and wrong.”4 Was die Handlungen der Menschen bestimmt, ist zugleich das Erstrebenswerte. “Im Kern der Theorie werden eine deskriptiv-anthropologische und eine normativ-ethische These verbunden.”5

1.1.1 Benthams Glückskalkül

Bentham versuchte nun seine Basis “pleasure and pain” nach dem Vorbild der Naturwissenschaft quantitativ zu erfassen, und zwar nach Intensität, Dauer, Grad der Gewissheit, Nähe und Ferne usw. Ebenso stellt er einen Katalog der Freuden und Leiden auf. Die Nützlichkeit einer Handlung, Norm oder Institution ergibt sich aus der Summe des Glücks aller minus der Summe des Leids. Es war Benthams Überzeugung, dass er mit diesem Kalkül die guten von den schlechten Gesetzen unterscheiden könne.

1.2 John Stuart Mill: Qualität des Glücks und sozialer Zusammenhang

Schon mit John Stuart Mill, dem Sohn eines engen Freundes Benthams, begann sich der Utilitarismus weiterzuentwickeln. “Indeed his [Mill´s] work is best understood as an attempt to apply jurisprudential theory to the sphere of private morality.”6

Mill hält am Prinzip der “Utility” fest, führt jedoch bei den Arten der Lust oder Freude (pleasures) einen qualitativen Aspekt ein. Er bewertet die Freuden des Intellekts, des Gefühlslebens und der Vorstellungskraft höher als sinnliche Lust und verteidigt damit den Utilitarismus gegen den Vorwurf eine “philosophy for pigs” zu sein. Mill vernachlässigt keineswegs den sozialen Zusammenhang, in dem sich die Moral bewegt: “As the means of making the nearest approach to its appeal, utility would enjoin, first, that laws and social arrangements should place the happiness, or (as speaking practically, it may be called) the interest of every individual, as nearly as possible, in harmony with the interest of the whole.”7

Das Glückskalkül als bloße Summen- und Differenzrechnung verlässt er auch, wenn er an anderer Stelle vom “equal claim of everybody to happiness” spricht. Mit anderen Richtungen der Ethik teilt er die Forderung:”the only purpose for which power can be rightfully exercised over any member of a civilized community, against his will, is to prevent harm to others.”8 Dies ist ein Gedanke, der eine weitgehende Freiheit des Einzelnen voraussetzt.

In den mehr als zweihundert Jahren seiner Geschichte hat der Utilitarismus eine Reihe von Entwicklungen durchlebt und Varianten hervorgebracht. Das geschah zumeist in Verteidigung gegen seine Widersacher, die schon mit John Stewart Mill begann.

1.3 Sidgwick: Utilitarismus vereint mit “common sense morality”

In der viktorianischen Epoche unternahm Henry Sidgwick, den Versuch, verschiedene Quellen moralischer Vorstellungen miteinander zu verbinden. Die Moral des gesunden Menschenverstands (common sense morality) sollte nach seiner Meinung vom Utilitarismus kontrolliert, korrigiert und untermauert werden. Leicht ironisch formuliert ist das in der Stanford Encyclopedia of Philosophy: “common sense collapses into utilitarian thinking ... or is at least revealed as requiring something very like it.”9

1.4 Weitere Entwicklungen des Utilitarismus

Die bis heute folgende sehr umfangreiche Diskussion entzündet sich an dem Geltungsanspruch und der Festlegung der Begriffe des Utilitarismus, dabei spielen spitzfindige Beispiele moralischer Widersprüche und unsinniger (schlimmer) Folgen ursprünglich moralisch einwandfreier Handlungen eine große Rolle. ”Aufgrund vielfältiger Schwierigkeiten kam es zu einer Aufspaltung des Utilitarismus in mehrere Theorievarianten sowie zur Konzeptionalisierung von Reparaturstrategien.”10

1.4.1 Der Begriff “Glück”

Der Begriff des Glücks, das ja das Ziel aller moralischen Handlungen ist, wird seit J.S. Mill immer weiter gefasst. Da Glück (happiness) ja rein subjektiv ist, kann man es schlecht in einer Moraldoktrin unterbringen, die objektive Gültigkeit beansprucht. “Der heutige Utilitarismus hat in der Regel eine differenziertere Wertbasis als der schlichte “Pleasure-pain”-Hedonismus, den Bentham vertrat.”11

Begriffe wie “allgemeines Wohlergehen” oder “Interessenbefriedigung” haben ihren Einzug gehalten. Der negative Utilitarismus konzentriert sich auf die Vermeidung von Schmerz und Leiden.

1.4.2 Das Gerechtigkeitsproblem

Das Glückskalkül könnte das Ende jeder Gerechtigkeit und vielleicht auch Moral bedeuten, wenn man ein extremes Maß an Freude einer kleinen Gruppe zubilligt und dagegen der großen Masse Leiden und Entbehrungen zumutet. “ Noch extremer wäre es wenn man einzelne Personen opfern würde, um die Gesamtsumme des Glücks (Großes Glück vieler minus Leid weniger) zu erhöhen. Die Anwendung des uneingeschränkten Utilitarismus führt zu merkwürdigen Konsequenzen in vielen Praxisfeldern.“12 Ob das im Sinne der Begründer des Utilitarismus wäre, bleibt dahingestellt.

1.4.3 Der Regel-Utilitarismus

Der Schritt vom Akt- oder Handlungs-Utilitarismus zum Regel-Utilitarismus räumt einige Schwierigkeiten aus. Darunter auch den Einwand, man könne unmöglich vor jeder Handlung alle utilitaristischen Listen durchgehen und alle Folgen kalkulieren.

Im Regelutilitarismus werden nicht mehr die Folgen der einzelnen Handlung “berechnet”, sondern es wird untersucht, inwiefern die Handlung einer allgemeinen Regel oder Norm entspricht, die die vom Utilitarismus gutgeheißenen Folgen hervorruft. “Nach dem Handlungsutilitarismus ist jede Handlung moralisch richtig, deren Folgen zu einem Maximum am allgemeinem Wohlergehen führen; nach dem Regelutilitarismus ist es jene Handlung, die mit solchen Handlungen konform geht, die, als Regeln befolgt, das Maximum an Wohlergehen fördern. (Was wäre, wenn jeder so handelte?)”.13

Wer über der Menge der Neuansätze in der Deutung des Utilitarismus zu verzweifeln droht, findet vielleicht Trost in der Feststellung J.S. Mills: “Nicht irgendeine GlaubensÜberzeugung, sondern die komplizierte Beschaffenheit.

Die menschlichen Angelegenheiten sind schuld daran, dass die Verhaltensregeln nicht so gefasst werden können, dass sie keine Ausnahme erfordern und dass kaum eine Art von Handlung als immer verpflichtend oder immer verwerflich festgelegt werden kann”14

1.5 Wirkungsgeschichte des Utilitarismus

Mary Warncock stellt in der Einleitung zu einer Auswahl der Werke Benthams und Mills fest, dass sie im Bereich der Moral des Einzelnen (“private morality”) wohl kaum mit dem zufrieden sein könnten, was aus ihrem Werk geworden ist.

Zugleich aber weist sie darauf hin, wie stark die Wirkung der Utilitaristen war: “ideas and principles of utilitarian tendency had already been firmly planted in English public life, they were not the only, but they were a major influence on that general, though gradual, overhauling of the machinery of politics, government and society that took place in the nineteenth and early twentieth centuries, and achieved so much in the way of rational reform.”15

1.6 Bedeutung für die Gegenwart

Das Prinzip des maximalen Nutzens für alle und für jeden einzelnen ist heute ein oft beschworener und allgemein anerkannter Grundsatz, ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die über Weltanschauungen, Religionen und regionale Überzeugungen hinweg reicht.

Der Tübinger Philosophieprofessor Otfried Höffe kommt zu dem Schluss: “Das gesellschaftskritische Potential des Utilitarismus ist auch heute noch keineswegs erschöpft. Zu den Betroffenen, deren Wohlergehen maximiert werden soll, gehören beispielsweise in der internationalen Perspektive die armen Länder; deshalb hält der Utilitarismus eine Weltwirtschaftordnung für moralisch verwerflich, die das Wohlergehen dieser Länder nicht hinreichend befördert.

Zu den Betroffenen gehören ebenso die künftigen Generationen, weshalb sich der Utilitarismus gegen eine zu hohe Staatsverschuldung wendet als auch gegen jene “nichtfinanziellen” Schulden, die wir unseren Kindern und Kindeskindern durch eine rücksichtslose Ausnutzung der natürlichen Ressourcen aufbürden. Nicht zuletzt berücksichtigt der Utilitarismus alle Lebewesen, die Freude und Schmerz empfinden können, verteidigt daher einen nicht bloß anthropozentrischen Tierschutz.”16

2. Finanzmärkte und Finanzkrise

2.1 Bedeutung der und Innovationen an den Finanzmärkten

Die Finanzmärkte sind von grundlegender Bedeutung für Wirtschaft, politische Entwicklung, allgemeines Wohlergehen und jeden Einzelnen. Sie agieren global. Spätestens die Folgen des schwarzen Montags 1929 haben das gezeigt. Damals löste eine Aktienblase auf Pump, die platzte, die Weltwirtschaftkrise mit all ihren Folgen aus.

[...]


1 Mill, dort Bentham S. 17

2 Ott, S. 93

3 Mill, (Bentham) S. 18

4 Oxford Companion, S. 79

5 Ott, S. 99

6 Mill, dort: Introduction by Mary Warnock S. 9

7 Mill, S. 194

8 Mill, S. 147 („On Liberty)

9 http: //www.platostanford-edu /entries.sidgwick

10 Ott, S. 115

11 Ott, S. 110

12 Ott, S. 110

13 Höffe, S.31

14 Mill, S.201 (übersetzt)

15 Mill, Warnock S. 16

16 Höffe, S. 41

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Finanzkrise unter dem Blickwinkel des Utilitarismus
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
Verantwortliches Handeln in Gesellschaft und Unternehmen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V151230
ISBN (eBook)
9783640627578
ISBN (Buch)
9783640627790
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Utilitarismus, Finanzkrise
Arbeit zitieren
Maria Rocío Gall (Autor:in), 2010, Die Finanzkrise unter dem Blickwinkel des Utilitarismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151230

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