Sir Peter Ustinov als Kaiser Nero - Darstellung und Wirklichkeit


Essay, 2007
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

1. Einleitung

Der Komiker Gerhard Polt ist dafür bekannt, dass er in die Seele des deutschen Volkes hineinblicken kann und die Gedanken der Deutschen in seinen Sketchen zusammenfasst. In einem seiner Sketche erzählt Polts Figur von einer Fünf seines Sohnes im Fach Geschichte:

„…Warum hat der an Fünfer? Weil er an Kaiser Nero nicht gekannt hat. Des muaß ma sich vorstellen, der geht auf ein Gymnasium und kennt den Kaiser Nero nicht. Er kennt ihn nicht! Ja weil er’n verwechselt hat mit diesem Schwarzenegger. Tschuldigung, wo heute jedes Kind das weiß, in Deutschland, in ganz Europa weiß man das, daß der Kaiser Nero der Peter Ustinov ist. …“[1]

Der Film Quo Vadis, u.a. mit Sir Peter Ustinov als Nero, wird heute noch in vielen Lateinkursen gezeigt, um den Schülern ein Bild von Rom, der Architektur, der Mode, den Transportmitteln im ersten Jahrhundert nach Christus zu geben. Der Charakter, den Ustinov Nero gibt, prägt auch heute noch das Bild des letzten Herrschers des julisch-claudischen Kaiserhauses.

Ziel dieser Arbeit ist es, Ustinovs Darstellung des Nero zu analysieren und die antiken Quellen zu analysieren, auf denen die Figur des Films basiert. Es werden die drei bekanntesten Quellen, die zu Nero existieren, untersucht: Sueton, Cassius Dio und Tacitus. Außerdem sind noch die, Forschermeinungen mit einzubeziehen, die versuchen, das Bild des Nero gerade zu rücken.

Unstimmigkeiten der Darstellung des Film und den Fakten der Geschichte sollen in dieser Arbeit nicht herausgearbeitet werden. Interessanter ist es, die Quellen zu finden, von denen Gebrauch gemacht wurde, um aus dem historischen Nero eine Figur zu machen, die filmtauglich ist.

2. Hauptteil

2.1 Der Film Quo Vadis und der Erfolg in den USA

Der Film Quo Vadis aus dem Jahre 1951 wurde unter der Regie von Mervyn Le Roy gedreht. Le Roy inszeniert den gleichnamigen Roman des Autors Henryk Sienkewicz als bunten Monumentalfilm mit aufwendigen Kulissen, spannenden Wagenrennen, blutigen Kampfszenen und viel Kitsch. In den USA der fünfziger Jahre war die Kombination aus einer verschwenderischen Liebe zum Detail, bis dahin ungesehenen Massenszenen und patriotischem Pathos ein Kassenknüller. Die Geschichte eines verrückten Tyrannen, der das Volk für seine eigenen Pläne opfert und doch am Ende am Heldenmut einiger weniger Widersacher scheitert, paßte gut in die amerikanische Vorstellungswelt der Mittelklassegesellschaft in Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Diktatoren in Italien und Deutschland waren besiegt und der nächste Gegner, Stalin, schon auserkoren. Man kann im grausamen Tyrannen Nero sowohl einen Repräsentanten des besiegten Faschismus (die Parallelen zu Hitler und Mussolini sind unübersehbar) wie auch einen Anführer des zu bekämpfenden Kommunismus sehen. Der Sieg des Christentums zum Schluß des Filmes gibt dem christlichen Zuschauer das angenehme Gefühl, zur richtigen Seite zu gehören.[2]

2.2 Nero, der Künstler

Die Darstellung des Tyrannen Nero war die Aufgabe des Schauspielers Sir Peter Ustinov, dem mit diesem Streifen der Durchbruch gelang. Für seine Rolle bekam er 1952 einen Golden Globe und wurde für den Oskar als bester Nebendarsteller nominiert.

Der Nero der Quo Vadis -Verfilmung ist ein degenerierter Kleinkünstler, dessen unerschütterliches Vertrauen in das eigene Genie ihn blind macht für seine Umgebung, die von seinem Gesang zu Tode gelangweilt ist. Sogar den Zynismus seines Berater Petronius erkennt er nicht und lobt diesen Mann als den einzigen, der die Kunst versteht. In Rom herrscht Unzucht, Mord und Intrige. Nero hat seine Mutter und seine erste Ehefrau umbringen lassen, um Poppaea heiraten zu können.

Sir Peter Ustinov bietet uns eine geniale Interpretation des Nero. Es macht Spaß, dabei zuzuschauen, wie der Kaiser mit einer lächerlichen Überheblichkeit sein angebliches Genie mal feiert, mal verflucht, weil es in Ausnahmekünstler doch so einsam hat. Das künstlerische Talent des Kaisers ist begrenzt und das treibt sowohl das Eigenlob wie auch die Begeisterung der Umgebung auf die Spitze der Lächerlichkeit. Dass der historische Nero sich mit seinen Auftritten nicht lächerlich gemacht hat, beweißt Jürgen Malitz in einem Aufsatz. "Einer der ersten falschen Neros bewies seine Identität durch eine gewisse Ähnlichkeit und, sehr bezeichnend durch einen ziemlich guten Umgang mit seinem Instrument."[3]

[...]


[1] Polt, Gerhard: Kaiser Nero, auf: Gerhard Polt (DVD) 2003.

[2] Wyke, Maria: Projecting the Past. Ancient Rome, Cinema and History, New York 1997, S. 138ff.

[3] Ma litz, Jürgen: Nero. Der Herrscher als Künstler, in: Hartmann, Andreas/ Neumann, Michael (Hrsg.), Mythen Europas. Schlüsselfiguren der Imagination. Antike, Regensburg 2004, S. 145 ff.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Sir Peter Ustinov als Kaiser Nero - Darstellung und Wirklichkeit
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V151287
ISBN (eBook)
9783640634866
ISBN (Buch)
9783640634996
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peter, Ustinov, Kaiser, Nero, Darstellung, Wirklichkeit
Arbeit zitieren
Verena von Waldow (Autor), 2007, Sir Peter Ustinov als Kaiser Nero - Darstellung und Wirklichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151287

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