Konzepte zu Magie und die Frage der Rationalität


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zum Begriff der Magie
1. Der Terminus Magie
2. Konzepte zu Magie

III. Evolutionistische und intellektualistische Theorien zu Magie
1. Frazers Konzept von Magie
a) 1. Stadium: Magie
b) 2. Stadium: Religion
c) 3. Stadium: Wissenschaft
d) Magie, Religion, Wissenschaft
2. neuere intellektualistische Ansätze

IV. Symbolistische Ansätze zu Magie
1. Durkheims Trennung von Magie und Religion
a) Religion
b) Magie
2. neuere symbolistische Ansätze

V. Schlussbetrachtung

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Was wird unter Magie verstanden? Was spricht für oder gegen eine universelle Anwendung dieses Begriffs? In welcher Weise wird Magie von Religion abgegrenzt? Steht Magie im Widerspruch zu Rationalität? Dies sind Fragen, die nicht nur Ethnologen bei der Erforschung und Beschreibung fremder Kulturen, sondern auch Religionswissenschaftler beschäftigt haben.

In dieser Hausarbeit sollen diese Fragen anhand von Theorien wichtiger Denker der Ethnologie und Religionswissenschaft näher dargestellt und behandelt werden.

Zunächst soll versucht werden, die Begriffsentwicklung bzw. den Beginn der Verwendung des Begriffs Magie zu veranschaulichen. Ab wann kam es zum Gebrauch des Magiebegriffs? Zu welchem Zweck wurde er eingesetzt? Von wem wurde der Terminus Magie für welche Ziele benutzt? Wie entwickelte sich die Verwendung über die Zeit hinweg? Diese Fragen sollen hinsichtlich der historischen Begriffswerdung geklärt werden.

Wie veränderte sich die Verwendung des Magiebegriffs nach der Etablierung der Religionswissenschaft und der Ethnologie als akademische Fächer? Dieser Fragestellung wird im Hauptteil der Arbeit nachgegangen. Hierbei werden evolutionistische, intellektualistische und symbolistische Theorien betrachtet werden. Sie vertreten jeweils ein unterschiedliches Verständnis von Magie und definieren sowohl Magie als auch Religion nach anderen Gesichtspunkten. Während in evolutionistischen und intellektualistischen Ansätzen der Aspekt der Rationalität durchaus von Bedeutung ist, wenden sich symbolistische Theorien von dieser Bewertung der Magie ab und versuchen, den jeweiligen symbolischen Gehalt zu fassen.

In dieser Hausarbeit werden sowohl ältere als auch neuere Ansätze beider Strömungen angesprochen werden, um zu zeigen, inwieweit auch in diesen eine Modifikation von statten gegangen ist. Als älterer Vertreter der evolutionistischen Strömung wird James G. Frazers Theorie angeführt werden, um danach allgemeiner auf neuere intellektualistische Ansätze zu sprechen zu kommen. Im Bereich der Symbolisten gilt Émile Durkheim als Vertreter eines älteren symbolistischen Ansatzes. Auf eine Schilderung von dessen Theorie folgt ebenfalls, etwas allgemeiner gehalten, die Darstellung von neueren symbolistischen Ansätzen.

Abschließend wird in der Schlussbetrachtung der Versuch unternommen werden, festzustellen, inwieweit eine Verwendung des Begriffs Magie angebracht erscheint oder ob es nicht sinnvoller wäre, auf diesen Terminus, der durch seine Geschichte ethnozentrisch und dadurch auch negativ geprägt ist, zu vermeiden.

II. Zum Begriff & zu Konzepten von Magie

Bevor verschiedene Theorien, die sich mit Magie auseinandersetzen, näher betrachtet werden, scheint es angebracht, einen kurzen Überblick über die Herkunft des Begriffs zu geben und grundsätzliches zu Magiekonzepten zu sagen.

1. Der Terminus Magie

Etymologisch gesehen, leitet sich der Begriff der Magie vom griechischen Wort mageía und dessen lateinischer Entsprechung magia ab. In diesem Kontext standen mageía und magia sowohl für Zauberei, Gaukelei als auch Blendwerk.

Schon diese Bedeutungszuschreibungen offenbaren eine negative Konnotation des Begriffs, die im Laufe der weiteren Entwicklung von Konzepten über Magie bestehen bleiben wird.

Es verwundert daher nicht, dass Magie innerhalb der Religionswissenschaft einen umstrittenen Terminus darstellt. Die Untersuchung magischer Vorstellungen erfolgte anfänglich zum einen durch eine Abgrenzung zu Religion und religiösen Praktiken und zum anderen durch die Eingliederung in ein Evolutionsschema, bei dem Magie den Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung zu Religion und schließlich zu Wissenschaft bildet (von Stuckrad 2006: 316).

Die enge Verbindung zwischen Magie, Religion und Wissenschaft ist auch hier im alten Griechenland, das als Wiege der Wissenschaft gilt, spürbar. Wissenschaft stellt somit den bestimmenden Begriff dieser drei Termini dar. Magie wird nun von der Medizin, die als „proto-science“ gilt, abgegrenzt. Dies basiert auf der Erkenntnis eines Bereichs namens „Natur“, welche dazu befähigte, eine naturalistische bzw. materialistische Erklärung, die magischen, okkulten, abergläubischen Erklärungen entgegengesetzt war, zu liefern. Im Gegensatz zu Magie, welche von der Wissenschaft ausgeschlossen wurde, blieb eine solche Ausgrenzung hinsichtlich der Religion aus, die nicht als unvereinbar mit den Kenntnissen der Philosophen und Wissenschaftler deklariert wurde. Vielmehr wurde davon ausgegangen, „that the divine principle pervaded all phenomena“ (Tambiah 1990: 11). In dieser Aussage klingt zweifellos die Meinung einiger Vertreter der phänomenologischen Richtung der Religionswissenschaft an, die stets auf der Suche nach Erscheinungen des Heiligen in alltäglichen Phänomenen waren. So spricht zum Beispiel Eliade in diesem Zusammenhang von Hierophanien, dessen sprachliche Wurzeln sich ebenfalls in der griechischen Sprache finden, als Begriff dafür, dass „das Heilige sich zeige“(Auffarth 2006: 217).

Die Vorstellung der alten Griechen bildet somit den Ausgangspunkt für verschiedene Theorien zu Magie, deren Schilderungen im Laufe dieser Arbeit erfolgen werden. Bevor dies geschieht, wird im nächsten Punkt zunächst noch generelles über Konzepte von Magie geschildert werden.

2. Konzepte zu Magie

Wie im vorherigen Absatz erwähnt, spielte die Unterscheidung von Magie und Wissenschaft und die Beziehung zu Religion schon im alten Griechenland eine Rolle. Die Verbindung zwischen Magie, Religion und Wissenschaft sollte auch während der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Magie weiterhin von Bedeutung sein.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Beschäftigung mit außereuropäischen Völkern und Kulturen sowie mit deren magischen bzw. religiösen Praktiken und Glaubensvorstellungen vor der Etablierung der Religionswissenschaft als eigenständige akademische Disziplin zum großen Teil seitens der Ethnologie erfolgte. Einige frühe „Klassiker der Religionswissenschaft“ (Michaels 2004) wie zum Beispiel James G. Frazer, der charakteristisch für die Strömung des Evolutionismus ist, vereinten in einer Person den Religionswissenschaftler und Ethnologen. Ein Hauptbestandteil ethnologischer Forschung, nämlich die Arbeit im Feld, wurde von Frazer allerdings nicht praktiziert (Wißmann 2004: 88), sondern erst von seinem Schüler Bronislaw Malinowski als unabdingbar postuliert, der die so genannte „Lehnstuhlethnologie“ ablehnte (Stolz 2004: 251).

Die Beschreibung und Interpretation magischer und religiöser Sachverhalte kann also als Gemeinschaftsarbeit zwischen Religionswissenschaft und Ethnologie bezeichnet werden. Hierbei führten verschiedene, sich ablösende oder überschneidende Erklärungsversuche von Magie und Religion in den jeweiligen Wissenschaften zu neuen Impulsen und einer Änderung der bislang herrschenden Annahmen – es kam immer wieder zu Paradigmenwechseln (Kippenberg 1987: 10).

Zu Beginn der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Konzepten von Magie, Religion und Wissenschaft stellt die evolutionistische Strömung innerhalb der Ethnologie und der Religionswissenschaft eine bedeutende Theorie dar, die den Ausgangspunkt für weitere Theorien bildet. Im folgenden Punkt sollen anhand einiger beispielhafter Vertreter des Evolutionismus die mit diesem verbundenen Annahmen näher betrachtet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Konzepte zu Magie und die Frage der Rationalität
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Rationalität & Rationalisten
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V151322
ISBN (eBook)
9783640628803
ISBN (Buch)
9783640628636
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Magie, Religion, Rationalität, Theorien der Evolutionisten - Intellektualisten - Symbolisten, Entstehung und Besetzung des Magiebegriffs
Arbeit zitieren
Caroline Dorsch (Autor:in), 2008, Konzepte zu Magie und die Frage der Rationalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151322

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Konzepte zu Magie und die Frage der Rationalität



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden