Migration und Diaspora stellen im Zeitalter der Globalisierung zentrale Themen der Ethnologie dar. In dieser Hausarbeit sollen verschiedene Aspekte beider Konzepte betrachtet und am Beispiel des Inselstaats Tonga veranschaulicht werden.
In welches Land wird migriert? Weshalb wurde dieses Land ausgewählt? Warum erfolgt eine Migration? Gibt es ökonomische, religiöse, politische, familiäre oder andere Gründe? Unterscheiden sich die Sichtweisen der Migranten und deren Familienangehöriger in Tonga? Diese Fragen sollen hinsichtlich der tonganischen Migration geklärt werden. Nachdem auf die Geschichte der tonganischen Migration eingegangen wird, sollen die Motive, insbesondere die Push- und Pull-Faktoren, tonganischer Migranten dargestellt werden. Die Ansichten von Verwandten in Tonga darüber, weshalb die Migration erfolgte, sollen ebenfalls Erwähnung finden.
Tonganische Migranten sind in viele Länder zerstreut. In den USA hat sich ein großer Teil von ihnen angesiedelt. Da Amerika als das typische Einwanderungsland gilt, sind mit dem Gedanken daran verschiedene Vorstellungen verknüpft. Indem drei markanten Vorstellungen von den Vereinigten Staaten als Einwanderungsland nachgegangen wird, soll verdeutlicht werden, dass Migration neben den positiven gewünschten Folgen auch negative Erfahrungen mit sich bringen kann.
Nach der Betrachtung tonganischer Migranten in den USA folgt eine Übersicht über deren Netzwerke. Diese Netzwerke werden durch verschiedene Praktiken aufrecht erhalten. Tonganische Migranten stehen untereinander, mit Migrantengruppen in anderen Ländern und mit in Tonga lebenden Familienmitgliedern und Freunden in Kontakt. Wie sich dieser Kontakt gestaltet, welche Ziele und Folgen er hat und die Frage, ob sich diese Beziehungen auch in den folgenden Migrantengenerationen fortsetzen werden, wird daher näher betrachtet werden.
Im abschließenden Fazit soll schließlich geklärt werden, ob es sich bei tonganischen Migranten in den USA um einen Teil der tonganischen Diaspora handelt. Um sich hierüber ein Urteil bilden zu können, werden verschiedene Merkmale von Diaspora konkret anhand der tonganischen Migrantengruppen beleuchtet. Da die tonganische Migrationsbewegung relativ jung ist, soll auch versucht werden, einen Ausblick auf deren Zukunft zu geben.
Des weiteren sollen tonganische Netzwerke betrachtet werden und letztendlich eine Klärung der Frage, ob tonganische Migranten in den USA Teil einer Diaspora sind, erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Inselstaat Tonga – Geschichte & Bevölkerung
III. Die tonganische Migration
1. Geschichte der tonganischen Migration
2. Motive für Migration
a) Push-Faktoren
b) Pull-Faktoren
IV. Die Situation in Amerika
1. Amerika – ein Fels in der Brandung
2. Amerika – Heimat der Begabten
3. Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
V. Tonganische Netzwerke
1. Remittances
2. Kommunikationswege tonganischer Migranten
3. Kinderbetreuung durch Verwandte
VI. Fazit: tonganische Migranten in den USA – Teil einer Diaspora?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern tonganische Migranten in den USA als Teil einer Diaspora betrachtet werden können, und analysiert dabei die sozioökonomischen Bedingungen und transnationalen Verflechtungen dieser Migrationsbewegung.
- Historische Entwicklung und Motive der tonganischen Migration
- Die Lebenssituation von Tonganern im US-amerikanischen Kontext
- Transnationale Netzwerke und die Bedeutung von Remittances
- Kulturelle Identitätswahrung und der Einfluss auf nachfolgende Generationen
Auszug aus dem Buch
3. Kinderbetreuung durch Verwandte
Einen weiteren Punkt, der tonganische Netzwerke ausmacht, stellt das in Pflegenehmen von Kindern Verwandter dar und ist unter tonganischen Migranten eine weit verbreitete Praxis (Morton Lee 2004: 140).
Die Gründe hierfür können unterschiedlicher Natur sein. Migration stellt aber einen der Hauptgründe für diese Handhabung dar. Kinder werden vorübergehend bei Verwandten untergebracht, bevor Eltern, die sich entschieden haben, auszuwandern, diese nachkommen lassen. Es ist aber auch häufig der Fall, dass migrierte Eltern ihre Kinder zurück nach Tonga schicken (Morton Lee 2004: 140). Dort sollen sie mit der tonganischen Kultur vertraut gemacht werden und die Muttersprache erlernen.
Durch den Aufenthalt in Tonga während der Teenagerjahre hoffen die Eltern, sie könnten ihre Kinder vor schlechten Einflüssen im Einwanderungsland bewahren und ihnen werde Disziplin vermittelt. Die Auswirkungen dieses an sich positiv geplanten Vorhabens auf die Kinder können durchaus negativ sein. Kinder fühlen sich abgeschoben und von ihren Eltern im Stich gelassen (Morton Lee 2004: 141).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema Migration und Diaspora im Kontext der Globalisierung am Beispiel Tongas und skizziert den Aufbau sowie die Zielsetzung der Arbeit.
II. Der Inselstaat Tonga – Geschichte & Bevölkerung: Dieses Kapitel behandelt die historische Entwicklung, die Unabhängigkeit und die demografische Dynamik des Inselstaates sowie die hierarchische Struktur der tonganischen Gesellschaft.
III. Die tonganische Migration: Es wird die Geschichte der Migrationsbewegung nachgezeichnet und die ökonomischen sowie familiären Beweggründe anhand von Push- und Pull-Faktoren differenziert.
IV. Die Situation in Amerika: Das Kapitel analysiert die Realität der Tonganer in den USA, kontrastiert gesellschaftliche Vorstellungen mit tatsächlichen Erfahrungen und beleuchtet die soziale Mobilität.
V. Tonganische Netzwerke: Der Fokus liegt auf der transnationalen Aufrechterhaltung der Beziehungen, insbesondere durch finanzielle Unterstützung, Kommunikation und die Praxis der Kinderbetreuung.
VI. Fazit: tonganische Migranten in den USA – Teil einer Diaspora?: Abschließend werden die Kriterien einer Diaspora kritisch auf die tonganische Migrationsgruppe angewendet, um deren Status und Zukunftsperspektive zu bewerten.
Schlüsselwörter
Migration, Diaspora, Tonga, USA, Transnationalismus, Netzwerke, Remittances, Familienstrategie, Identität, Globalisierung, Push-Faktoren, Pull-Faktoren, Integration, Sozialstruktur, Rückkehrgedanke
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die tonganische Migrationsbewegung in die USA und analysiert, ob diese Gruppe unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten als Diaspora bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Migrationsmotive, die sozioökonomische Situation in den USA, die Bedeutung von Familiennetzwerken und die Wahrung kultureller Identität über Grenzen hinweg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über die Hintergründe der tonganischen Migration zu geben und anhand theoretischer Diaspora-Kriterien zu klären, ob die Migranten Teil einer Diaspora sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ethnologische Hausarbeit, die auf einer Literaturanalyse und der Auswertung statistischer Daten sowie aktueller Monographien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Geschichte Tongas, die Migrationsmotive, die Lebensrealität in den USA sowie eine detaillierte Analyse der transnationalen Netzwerke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Migration, Diaspora, Tonga, Transnationalismus, Remittances und Familienstrategie.
Welche Rolle spielen Remittances für die tonganische Gesellschaft?
Remittances bilden ein zentrales Merkmal der Netzwerke, machen über 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und verdeutlichen die ökonomische Abhängigkeit der Heimat von den im Ausland lebenden Familienmitgliedern.
Warum schicken tonganische Migranten ihre Kinder zurück nach Tonga?
Eltern senden ihre Kinder oft nach Tonga, damit sie dort die Muttersprache erlernen, mit ihrer Kultur vertraut werden und Disziplin erfahren, fernab von negativen Einflüssen im Einwanderungsland.
- Quote paper
- Caroline Dorsch (Author), 2008, Tonganische Migranten in den USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151323