Das Thema meiner Abschlussarbeit greift auf eine Ideologie zurück, die in der Zeit vor der Aufklärung vorherrschte. Baruch de Spinoza war ein niederländischer Philosoph, lebte im 17. Jahrhundert und löste eine Weltanschauung des Pantheisten und damit eine neue Gedankenrevolution aus. Sie erschütterte das dogmatische, calvinistische und jüdische Glaubenssystem in seinen Grundfesten und wurde als Reform in die Werke berühmter Denker eingebettet. Mein Ziel ist in meiner These, Informationen über Spinozas Gedanken zu sammeln und Zusammenhänge herzustellen, wie die pantheistische Lehre in die Literatur in der Goethe-Zeit Wurzeln schlagen konnte. Bei der Analyse einiger literarischer Werke habe ich meine eigenen Überlegungen und Meinungen einbezogen. Basierend auf dem, was ich über die Goethe-Zeit gelesen habe, habe ich versucht, meiner eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen und Goethes Pantheismus aus der Perspektive einer modernen Welt zu betrachten. Gleichzeitig musste ich darauf achten, dass unter den Religionen beispielsweise der Buddhismus oder der Hinduismus nicht in meine Gedanken eindrangen. Ich habe darauf Wert gelegt, mich auf den Pantheismus zu konzentrieren und alle anderen Religionen auszuschließen, um an diesem breit gefächerten Thema zu arbeiten.
Es gab Literaten, die die Ära der Aufklärung beeinflussten und Spinozas pantheistische Lehren in ihren Gedanken vertieften, und es gab diejenigen, die mit Spinoza nicht einverstanden waren und ihn kritisierten. Mit diesem Teil wollte ich zeigen, dass es schon damals zwei Seiten der Medaille gab, und wie immer gab es diejenigen, die die pantheistische Lehre für ihre eigene hielten, und es gab Konservative, die sie mit allen Mitteln widerlegten.
Johann Wolfgang von Goethe war zweifellos ein Genie, der nicht nur die Literatur seiner Zeit prägte, sondern auch Maßstäbe für die Weltliteratur aller Zeiten setzte. Jeder zitiert heutzutage Goethe. Es gibt keine Aussage, die nicht über Goethe getroffen worden wäre. Dennoch hielt ich es für eine Herausforderung, mich mit dem Thema Pantheismus zu Goethes Zeiten auseinanderzusetzen. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, allen Interessierten dieses ungewöhnliche Thema näher zu bringen. Während ich tiefer in die pantheistische Lehre eintauchte, habe ich viel gelernt. Es war mir ein Vergnügen, Werke zu lesen, in denen pantheistischen Zügen zu entdecken waren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Methode
1.3 Aufbau meiner Arbeit
2. Übersicht theologischer Begriffe
2.1 Theismus, Deismus, Pantheismus
2.2 Herkunft des Begriffes: Pantheismus
2.3 Gott ist Natur – Baruch de Spinoza, John Toland
2.4 Kritik am Pantheismus – Jacques de la Faye
3. Pantheismus in Goethes Werken
3.1 Goethes Verhältnis zur Religion
3.2 Spinozas Wirkung auf Goethes Schaffen
3.3 Pantheistische Motive in Die Leiden des jungen Werthers
3.4 Pantheismus im Drama Faust I.
3.5 Pantheistische Grundlage des Gedichtes: Der Schmetterling
3.6 Pantheistische Grundlage im Gedicht „Eins und Alles“
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pantheistischen Einflüsse in den Werken Johann Wolfgang von Goethes, insbesondere unter Berücksichtigung der Philosophie Baruch de Spinozas, um zu klären, warum Goethe diese Ideologie für sein schriftstellerisches Schaffen wählte.
- Historische Einordnung des Pantheismus und theologischer Grundbegriffe.
- Analyse von Spinozas Naturphilosophie als intellektuelle Grundlage.
- Untersuchung pantheistischer Motive in Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers".
- Interpretation religiös-philosophischer Aspekte im Drama "Faust I." und ausgewählten Gedichten.
- Beantwortung der Frage nach der persönlichen Motivation Goethes für den Pantheismus.
Auszug aus dem Buch
Pantheistische Motive in Die Leiden des jungen Werthers
Übrigens befinde ich mich hier gar wohl. Die Einsamkeit ist meinem Herzen köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahreszeit der Jugend wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können. Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen rings umher eine unaussprechliche Schönheit der Natur. (Von Gœthe, 2006, S. 6)
Der Grundgedanke des Pantheismus, dass Gott eins mit der Natur ist, kommt in den folgenden Zeilen zum Ausdruck.
Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen unergründlichen Gestalten der Würmchen, der Mückchen näher an meinem Herzen fühle, und fühle die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Allliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält;[…]. (Von Gœthe, 2006, S. 7)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Thema der Arbeit eingeführt, die Fragestellung definiert und der methodische Aufbau erläutert.
2. Übersicht theologischer Begriffe: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Abgrenzung zwischen Theismus, Deismus und Pantheismus sowie eine historische Herleitung der pantheistischen Lehre unter Einbeziehung von Philosophen wie Spinoza und Toland.
3. Pantheismus in Goethes Werken: Der Hauptteil analysiert Goethes Religiosität, seinen Bezug zum Spinozismus und die pantheistischen Motive und Symbole in Werken wie Werther, Faust I. und ausgewählten Gedichten.
4. Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Forschungsergebnisse zusammengeführt und die Leitfrage nach Goethes Hinwendung zum Pantheismus beantwortet.
Schlüsselwörter
Pantheismus, Johann Wolfgang von Goethe, Baruch de Spinoza, Deismus, Theismus, Sturm und Drang, Naturfrömmigkeit, Weltseele, Faust I., Werther, Literaturwissenschaft, Philosophie, Aufklärung, Metamorphose, Gottesbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die philosophische Ideologie des Pantheismus und deren zentrale Bedeutung für das Leben und das literarische Schaffen von Johann Wolfgang von Goethe.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die dogmatische Religion im Zeitalter der Aufklärung, der Einfluss von Baruch de Spinozas Philosophie sowie die pantheistische Gestaltung von Naturerleben in literarischen Texten.
Was ist die Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit geht der Frage nach, warum Goethe bei der Ausgestaltung seines Weltbildes und seiner Werke bewusst den Pantheismus wählte und sich vom zeitgenössischen Deismus oder Theismus distanzierte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert auf einer chronologischen Aufarbeitung der Fachliteratur und einer historisch-theologischen sowie literaturwissenschaftlichen Analyse primärer Textstellen aus Goethes Werken.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit Goethes religiösem Werdegang, der Wirkung Spinozas sowie der gezielten Interpretation pantheistischer Motive in den Leiden des jungen Werthers, dem Faust I. und lyrischen Werken.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Pantheismus, Naturfrömmigkeit, Weltseele, Spinozismus und Goethes Geniephase aus.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Spinozismus für Goethe?
Die Autorin sieht in Spinoza einen zentralen Wegbereiter, dessen Naturphilosophie ("Deus sive natura") Goethe eine intellektuelle Heimat und eine beruhigende, strukturgebende Weltauffassung bot.
Welche Rolle spielt das Gedicht "Eins und Alles" in der Schlussfolgerung?
Das Gedicht dient als Beleg für Goethes lebenslange Vertrautheit mit pantheistischen Gedanken und verdeutlicht sein akzeptierendes Verhältnis zum Tod als Teil eines ewigen Naturkreislaufs.
- Arbeit zitieren
- Mónika Kovács (Autor:in), 2024, Pantheismus in der Goethezeit. Einfluss von Spinoza und pantheistische Motive in Goethes Werken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1513311