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Die Beihilfe zum Suizid als ethisches Problem

Theoriegrundlagen und Praxisdiskussion

Titel: Die Beihilfe zum Suizid als ethisches Problem

Masterarbeit , 2023 , 77 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Theologie - Religion als Schulfach
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Wunsch eines Menschen, selbstbestimmt zu sterben, ist weit umstritten. Dies liegt insbesondere der kirchlichen Verdammung des Suizids zugrunde. Da die eng miteinander verbundenen Machtbereiche der Kirche und des Staates während des Mittelalters zusammenflossen, führte dies in vielen Ländern Europas dazu, dass die kirchliche Verurteilung von Suizid, in Form von Strafen, in staatliche Gesetze integriert wurde.

Darüber hinaus wird das Thema Suizid bis heute weitgehend tabuisiert und erschwert zusätzlich, aufgrund von Scham der Betroffenen und Angehörigen, den Umgang mit solch einem essenziellen Thema. Dennoch wird durch die Intervention der Palliativ- und Hospizbewegung ein signifikanter Beitrag geleistet, sodass Sterben und Tod nicht mehr in gleichem Maße aus dem Leben verbannt werden. Allerdings scheint dies in einigen Fällen ein unzureichendes Mittel zu sein, um das Leiden desjenigen zu lindern, der den Wunsch hat, sein Leben vorzeitig und in Würde zu beenden, ohne auf die oben genannten ‚grausamen Mittel‘ zurückgreifen zu müssen.

Aktuelle Debatten in Politik und Kirche in Deutschland berufen sich auf Prinzipien der Menschenwürde und Autonomie, die, trotz der Stärkung des individuellen Selbstbestimmungsrechts, zu (noch) keinem befriedigenden Ergebnis führen, sondern zu einer rechtlichen Grauzone.

Auch wenn der Wunsch oder der Gedanke eines Suizidenten, das eigene Leben durch den bewussten Eingriff vorzeitig zu beenden, oftmals aus einem Akt der Verzweiflung, wie beispielsweise durch eine Krankheit, resultiert, gibt es äußerste ‚nichtkrankhafte‘ Ausnahmefälle, die in dieser Ausarbeitung aus der ethischen Perspektive von Wilhelm Kamlah beleuchtet werden.

Aber auch die kirchliche Perspektive steht hier im Fokus. Der ‚Hass‘ des Lebens bezieht sich nicht auf einen Selbsthass, sondern darauf, sich keine allzu großen Gedanken über das eigene Leben zu machen und Christus über die eigenen Interessen zu stellen. Dabei ist das ‚Loslassen-können‘ ein wesentliches Stichwort, welches in dieser Ausarbeitung eine essenzielle Rolle einnimmt. Doch wer entscheidet in einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft, in welcher der Glaube immer mehr in den Hintergrund rückt, welches Leben lebenswert ist?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Suizid

2.1. Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen

2.2. Suizidbeihilfe oder Sterbehilfe?

2.2.1. Formen der Sterbehilfe

2.2.2. Suizidbeihilfe – Assistierter Suizid

2.3. Parlamentarische Debatte versus kirchliche Diskussion

2.3.1. Politische Entwicklungen zum assistierten Suizid

2.3.2. Positionierung der Kirche

3. Darstellung der Konzeption von Wilhelm Kamlah

3.1. Philosophische Anthropologie als ‚dritter Weg‘

3.1.1. Der Mensch als bedürftiges Wesen

3.1.1.1. Widerfahrnis – Handlung, Bedürftigkeit – Begehren

3.1.1.2. Zuwendung auf den Mitmenschen

3.1.2. Der Tod als pures Widerfahrnis

3.2. Ethik

3.2.1. Normative Ethik – Wie sollen wir leben?

3.2.1.1. (Praktische) Grundnorm

3.2.1.2. Institutionelle Pflichten und Normen

3.2.1.3. Das ‚Wenn-Dann-Gefüge‘

3.2.2. Eudämonistische Ethik: Die ars vitae - Wie können wir (gut) leben?

3.2.2.1. ‚Am Leben sein‘ versus ‚Leben können‘

3.2.2.2. Grunderfahrung – Grundeinsicht – Paradoxer Ratschlag

3.2.2.3. Lebensbedingungen und vitale Güter

3.3. Der sanfte Freitod – Bedingungen für die ethische Qualität

4. Darstellung der kirchlichen Position in Deutschland

4.1. Das Leben als Gabe Gottes

4.2. Gott – Ein Freund des Lebens

4.3. Der Mensch und sein Lebensauftrag

4.4. Suizidbeihilfe

4.5. Schutz des menschlichen Lebens

5. Diskussion

5.1. Praktische Grundnorm versus Gott?

5.1.1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede

5.1.2. Kritischer Vergleich

5.2. Die ethische Frage nach dem (ärztlich) assistierten Suizid

6. Schluss

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit des assistierten Suizids unter Berücksichtigung der philosophischen Konzeption von Wilhelm Kamlah sowie der Positionen der christlichen Kirche in Deutschland. Ziel ist es, das komplexe Spannungsfeld zwischen der Selbstbestimmung des Einzelnen, der gesellschaftlichen Verantwortung und dem Schutz des Lebens zu analysieren, um eine ethische Beurteilungsgrundlage für die Debatte um assistierten Suizid zu entwickeln.

  • Grundlagen und Definitionen des Suizids und verschiedener Sterbehilfeformen.
  • Wilhelm Kamlahs philosophische Anthropologie und seine eudämonistische Ethik.
  • Kirchliche Positionierungen zum Schutz des Lebens als Gabe Gottes.
  • Die Frage nach der ethischen Rechtfertigung assistierten Suizids in pluralistischen Gesellschaften.
  • Kritischer Vergleich zwischen säkularer philosophischer Begründung und christlich motivierter Ethik.

Auszug aus dem Buch

3.1. Philosophische Anthropologie als ‚dritter Weg‘

„Der Gegenstand der philosophischen Anthropologie ist […] nicht aber der Mensch, wie er sich, als von Pflanze und Tier verschiedenes Lebewesen, irgendwo in Europa oder im afrikanischen Busch oder in ferner Vergangenheit vorfindet“.83

Mit dieser Kritik widmet sich Kamlah an die neuzeitlichen Wissenschaften – unter anderem an die Psychologie, Medizin und die Biologie – die mit ihrer Wissenschaft vom Menschen an den Menschen selbst gar nicht herankommen, sondern diesen lediglich aus einer ‚Distanz‘ erforschen.84 Die Distanz impliziert Beobachtungen, Berechnungen oder Messungen, die mit ihrer methodischen Reduktion „vom individuellen Menschen und seiner Lebenslage abstrahiert, in dem sie ihn standardisiert“.85 In einer Gesellschaft, so Kamlah, welche nunmehr auf Leistung und Erfolg des Menschen ausgerichtet ist, gewinnen die so beschriebenen objektiven Wissenschaften an Bedeutung und Erfolg, während die Anthropologie ihren Platz als philosophische Disziplin nicht bewähren kann.86 Doch nicht nur die objektiven Wissenschaften klammern den bedürftigen und bedrängten Menschen aus, dessen Definition in Kapitel 3.1.1 näher erläutert wird. Kritik wendet er vor allem gegen die Theologie und Existenzphilosophie ein. In seinem Werk ‚Der Mensch in der Profanität‘, welches ein erster Versuch seiner Auslegung der philosophischen Anthropologie ist87, betont er einerseits die notwendige Entwicklung einer neuen Lehre und andererseits den Verlust vorherrschender Systeme, in denen der Mensch die Antworten zu seiner Existenz in Mythos und Religion finden konnte.88 Diese geben dem profanen Menschen jedoch keine verbindlichen Antworten und somit keinen Halt mehr, denn wir können nicht mit Sicherheit wissen, ob die erlösende Gewissheit auf Wahrheit beruht.89 Während nun die zwei aufgeführten Wege laut Kamlah in der Aporie enden, gilt es folglich einen dritten Weg der philosophischen Anthropologie zu bestreiten, der sich nicht auf Empirie, sondern auf die Lebenserfahrungen des Menschen stützt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik Leben und Sterben ein, beleuchtet die aktuelle Relevanz des assistierten Suizids und formuliert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.

2. Suizid: Dieses Kapitel definiert und grenzt Begriffe rund um den Suizid und die Sterbehilfe ab und stellt die parlamentarische Debatte der kirchlichen Sichtweise gegenüber.

3. Darstellung der Konzeption von Wilhelm Kamlah: Das Kapitel erläutert Kamlahs philosophische Anthropologie, seine Ethik und die Bedingung des „sanften Freitods“ als ethisch qualitative Handlung.

4. Darstellung der kirchlichen Position in Deutschland: Hier wird der Schutz des Lebens als göttliches Geschenk und die christliche Haltung gegenüber dem assistierten Suizid dargelegt.

5. Diskussion: Das Kapitel vergleicht die Positionen von Kamlah und der Kirche, thematisiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede und diskutiert das ethische Spannungsfeld.

6. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Plausibilität der Kamlahschen Philosophie gegenüber der christlichen Position im pluralistischen Diskurs.

7. Fazit: Das Fazit rundet die Arbeit ab, reflektiert die methodischen Lücken und betont die Notwendigkeit, den Diskurs um assistierten Suizid weiterzuführen.

Schlüsselwörter

Assistierter Suizid, Freitod, Wilhelm Kamlah, Philosophische Anthropologie, Lebenskunst, Eudämonie, Ethische Diskussion, Christliche Ethik, Selbstbestimmung, Menschenwürde, Sterbehilfe, Lebensschutz, Widerfahrnis, Bedürftigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das zentrale Anliegen der Masterarbeit?

Die Arbeit untersucht die ethische Rechtfertigung des (ärztlich) assistierten Suizids durch einen Vergleich der philosophischen Anthropologie von Wilhelm Kamlah mit der christlich-theologischen Position.

Welche Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen Begriffsdefinitionen zur Sterbehilfe, die philosophische Anthropologie und Ethik Kamlahs, die christliche Haltung zur Unverfügbarkeit des Lebens sowie die gesellschaftspolitische Debatte in Deutschland.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: „Wie kann der assistierte Suizid, auf Grundlagen der Überlegungen von Kamlah und der christlichen Kirche, ethisch beurteilt werden?“

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine analytisch-vergleichende Arbeit, die philosophische Konzepte und theologische Standpunkte textkritisch gegenüberstellt, um deren Relevanz für die aktuelle Problematik zu evaluieren.

Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil der Arbeit gesetzt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Kamlahs Theorie, eine Darstellung der kirchlichen Lehrtexte und eine anschließende ethische Diskussion dieser beiden Positionen.

Wodurch zeichnet sich diese Arbeit inhaltlich aus?

Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung säkular-philosophischer Ansätze mit kirchlichen Positionen aus, wobei sie kritisch hinterfragt, ob das Leben als absolute „Gabe Gottes“ eine individuelle Entscheidung über das Sterben in einer pluralistischen Gesellschaft vollständig ausschließen darf.

Welche Bedeutung hat das von Wilhelm Kamlah geprägte Konzept des „Loslassens“ in dieser Arbeit?

Kamlah sieht das „Loslassen-können“ als essenzielle Bedingung für das gelingende Leben und Sterben, da es dem Menschen ermöglicht, sich aus einer verzweifelten Selbstbefangenheit zu lösen und eine ethisch qualifizierte Entscheidung zu treffen.

Wie unterscheidet sich die Bewertung des assistierten Suizids bei Kamlah von der der Kirche?

Während die Kirche das Leben als unverfügbare Gabe Gottes betrachtet und den assistierten Suizid ablehnt, argumentiert Kamlah auf Basis seiner Anthropologie, dass der Freitod unter extremsten Bedingungen der Sinnlosigkeit als rechtfertigbar erscheinen kann, wobei der Fokus auf der individuellen Einsicht liegt.

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Details

Titel
Die Beihilfe zum Suizid als ethisches Problem
Untertitel
Theoriegrundlagen und Praxisdiskussion
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
77
Katalognummer
V1513750
ISBN (PDF)
9783389081945
ISBN (Buch)
9783389081952
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suizid Assistierter Suizid Masterarbeit EKD Kirche Sterbehilfe Tod Sterben Leid Wilhelm Kamlah Kamlah Philosoph Diskussion Kritik Kritisch Ars vitae Meditatio Mortis Ärztekammer Gericht Deutschland Vergleich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2023, Die Beihilfe zum Suizid als ethisches Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1513750
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Leseprobe aus  77  Seiten
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