In dieser Arbeit wird das Phänomen der Gehörlosigkeit mit seinen wichtigsten Begriffen und Grund-lagen erläutert sowie die Versorgung von betroffenen Frauen im Rahmen der Hebammenarbeit betrachtet.
Etwa 14 Millionen Menschen in Deutschland sind von einer Hörbehinderung betroffen und etwa 80.000 Menschen in Deutschland verwenden Gebärdensprache als Muttersprache. Auch Frauen in der reproduktiven Lebensphase, ob direkt durch Gehörlosigkeit oder durch ihr Kind, welches im Hören eingeschränkt ist, sind davon betroffen. Da es für eine Hebamme wahrscheinlich ist, im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn mit solch einer Situation konfrontiert zu werden, ist es wichtig, sich mit diesem Phänomen auseinanderzusetzen.
Abschließend wird ein Ausblick darauf gegeben, welche Maßnahmen Hebammen ergreifen können, um eine angemessene Betreuung für Familien, die von Gehörlosigkeit betroffen sind, zu gewährleisten. Es sei angemerkt, dass die Begriffe „Gehörlose“ und „Hörende“ in dieser Arbeit lediglich zur Vereinfachung der Unterscheidung verwendet werden und keines-falls wertend oder diskriminierend gemeint sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hintergrund: Gehörlosigkeit
3 Versorgung von Familien im Hinblick auf Gehörlosigkeit
4 Tätigkeit als Hebamme im Kontext von Gehörlosigkeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Hebammen für die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen gehörloser Frauen während der Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett zu sensibilisieren sowie Lösungsansätze für eine barrierefreie Betreuung aufzuzeigen.
- Grundlagen zur Definition und Diagnose von Gehörlosigkeit
- Kommunikationsbarrieren in der geburtshilflichen Versorgung
- Spezifische gesundheitliche Risiken für gehörlose Frauen und Neugeborene
- Anforderungen an eine kultursensible und barrierefreie Betreuung
- Praktische Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation und Aufklärung
Auszug aus dem Buch
2 Hintergrund: Gehörlosigkeit
Zuerst ist einmal wichtig klarzustellen, dass der Begriff Taubstumm heutzutage nicht mehr verwendet werden sollte, da er auf der Annahme beruht, dass gehörlose Menschen auch intellektuell eingeschränkt sind (Clarke, 2021).
Nun zur Definition von Gehörlosigkeit. Eine Person ist gehörlos, wenn sie eine höhere Hörschwelle hat als 20 Dezibel (dB), was bei normal Hörenden der Fall ist und welche vorwiegend in Gebärdensprache kommuniziert. Dabei wird ab einer Hörschwelle von mehr als 35dB von einer Hörbehinderung gesprochen. Eine Person, die eine Hörschwelle von 90dB oder höher hat, wird als Taub bezeichnet. (World Health Organization, 2024) Zudem ist wichtig zu betonen, dass sich Menschen, die von Gehörlosigkeit betroffen sind, nicht als behindert bezeichnen würden. Sie definieren hörbehinderte Personen als solche, die ein technisches Hilfsmittel nutzen, um das Hören zu unterstützen. (Pilling, 2022) Man teilt die Betroffenen der Gehörlosigkeit in zwei Gruppen ein: Einmal die Taubgeborenen. Das sind Menschen, die ohne Hörerfahrungen geboren sind und wenig bis gar keine Erfahrungen und Vorstellungen von Klang oder Lautstärke haben. Die zweite Gruppe sind die Spätertaubten. Diese sind Personen, die nach dem dritten Lebensjahr ertaubt sind. Sie haben bereits Höreindrücke gesammelt und damit begonnen zu reden. Ihre bisher erlebte Sprachmelodie und ihr Lautstärkegefühl gehen mit der Zeit verloren, jedoch können viele weiterhin sprechen, da sie schon einen großen Sprachwortschatz gebildet haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Thematik für den Hebammenberuf und definiert den Rahmen sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Hintergrund: Gehörlosigkeit: Dieses Kapitel erläutert medizinische sowie soziologische Definitionen von Gehörlosigkeit und stellt verschiedene Diagnosemethoden sowie technische Unterstützungsformen vor.
3 Versorgung von Familien im Hinblick auf Gehörlosigkeit: Der Fokus liegt hier auf den Herausforderungen in der Kommunikation, dem Umgang mit medizinischen Risikofaktoren und der Bedeutung einer barrierefreien Aufklärung für gehörlose Mütter.
4 Tätigkeit als Hebamme im Kontext von Gehörlosigkeit: Dieses Kapitel gibt Handlungsempfehlungen für Hebammen zur Gestaltung einer barrierefreien Praxis und betont die Wichtigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit sowie empathischer Betreuung.
Schlüsselwörter
Gehörlosigkeit, Gebärdensprache, Hebammenarbeit, Barrierefreiheit, Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Hörscreening, Kommunikation, Inklusion, Gesundheitsversorgung, Patientinnenbetreuung, Cochlea-Implantat, Pränataldiagnostik, Interprofessionalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation und den spezifischen Bedürfnissen gehörloser Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und der Zeit im Wochenbett sowie der Rolle der Hebammen bei deren Betreuung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die fachgerechte medizinische Versorgung unter Berücksichtigung von Kommunikationsbarrieren, die Bedeutung der Gebärdensprache und die Sensibilisierung des medizinischen Personals.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Hebammen für die Barrierefreiheit in der Betreuung zu sensibilisieren und praktische Strategien aufzuzeigen, um gehörlosen Familien eine medizinische Versorgung auf Augenhöhe zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Aufarbeitung aktueller fachwissenschaftlicher Erkenntnisse aus dem Bereich der Hebammenkunde und Audiologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen zur Gehörlosigkeit, die Analyse der Versorgungssituation von Familien sowie spezifische Handlungsmöglichkeiten für Hebammen im klinischen und ambulanten Alltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Gehörlosigkeit, Gebärdensprache, Barrierefreiheit, Hebammenarbeit, Inklusion und eine bedürfnisorientierte medizinische Kommunikation.
Warum ist eine telefonische Kontaktaufnahme für gehörlose Frauen problematisch?
Da gehörlose Frauen in der Regel nicht über eine telefonische Kontaktaufnahme kommunizieren können, stellt diese eine Barriere dar, die digitale Alternativen wie E-Mail oder Kontaktformulare notwendig macht.
Welches Risiko besteht bei der Betreuung gehörloser Schwangerer laut den Ergebnissen?
Studien deuten darauf hin, dass gehörlose Frauen ein erhöhtes Risiko für bestimmte Schwangerschaftskomplikationen, wie Präeklampsie oder Frühgeburtlichkeit, aufweisen und zudem durch Kommunikationsbarrieren eine benachteiligte Versorgung erfahren können.
- Citar trabajo
- Saskia Obenlüneschloß (Autor), 2024, Gehörlosigkeit im Bereich Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1513858