Hadrians Reisen und die Vita Hadriani 13,1-13,4


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Allgemeines zu Kaiser Hadrian

2. Hadrians Außenpolitik und seine Reisen
2.1 Hadrians Außenpolitik
2.2 Zweck der Reisetätigkeit

3. Quellen zur Reisetätigkeit Hadrians - Die Historia Augusta und Vita Hadriani
3.1 Zur Historia Augusta und Vita Hadriani
3.2 Quellenstelle: Hadr. 13,1 – 13,3
Die Inselreise
Athen und Eleusis
Sizilien und Rom

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Sekundärliteratur

6. Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Wer reiste früher jemals so, daß er die Städte nach Tagen zählte und bisweilen am gleichen Tag zwei oder drei durcheilte wie Straßen einer Stadt? [...] Nun blühen alle Städte der Griechen unter eurer Führung auf und ihre Weihegeschenke, Kunst- werke und alle ihre Kostbarkeiten, die sie haben, tragen bei zu eurer Ehre wie die Kleinodien in einer Vorstadt. Die Küsten des Meeres und das Binnenland sind reich besetzt mit Städten, die teils neu gegründet, teils unter euch und von euch gefördert wurden.“ (Romrede. Aelius Aristides, 93-94)

Die vorliegende Arbeit zum Seminar „Reisen in der Antike“ beschäftigt sich mit einer antiken Persönlichkeit, die für das Kriterium „Reisen“ besonders hervorsticht, dem sogenannten „Reisekaiser“ Hadrian (Mortensen, Hadrian, S. 179). Wie Aelius Aristides in seiner Romrede oben anmerkte, gab es bis Hadrian keinen Kaiser, der so viele Städte in den Provinzen durchreiste wie er. Hadrian verbrachte während seiner 21-Jährigen Regierungszeit ganze 11 Jahre fern von Rom auf Reisen (Mortensen, Hadrian, S. 174), was ihn nicht nur im Zusammenhang mit dem Thema „Reisen in der Antike“ zu einer exponierten Persönlichkeit macht.

Im Folgenden sollen Hadrians Reisen, insbesondere die der Quellenstelle 13,1-13,4 der Vita Hadriani in der Historia Augusta, näher untersucht werden.

Zunächst ist es vonnöten, allgemeine Informationen über Kaiser Hadrians Herrschaft zur Kenntnis zu nehmen (Kapitel 1). In Kapitel 2 werden Hadrians Reisen mit seiner außenpolitischen Tätigkeit in Verbindung gebracht und mögliche Beweggründe sei- ner Reisetätigkeit näher erläutert. Kapitel 3 beschäftigt sich besonders mit der Über- lieferung seiner Reisen in der Vita Hadriani der Historia Augusta. Hierfür ist es zu- nächst unabdingbar, Hintergründe der Entstehung der Historia Augusta zu beachten, um in Kapitel 3,2 intensiver in die Quellenstelle 13,1-13,4 einzusteigen. Dabei soll anhand unterschiedlicher Forschungsliteratur (Weber, Birley, Mortensen, Fündling) gezeigt werden, wie komplex die Rekonstruktion der einzelnen Reiserouten Hadrians ist, und wie auslegungsbedürftig die vorliegenden 5 Sätze der Vita Hadriani sind. Im Detail wird das Wirken Hadrians an seinen Reisezielen näher beleuchtet und unter Hinzuziehung der Sekundärliteratur herausgearbeitet. Als weitere Quelle dienen Auszüge aus Cassius Dios Epitome der Bücher 61-80, die, um den Rahmen der Ar- beit nicht zu sprengen, sehr zurückhaltend eingesetzt wurden.

1. Allgemeines zu Kaiser Hadrian

Der römische Kaiser Hadrian, der 76 n. Chr. als Publius Aelius Hadrianus in der spanischen Provinz Baetica geboren wurde, regierte das römische Reich von 117-138 n. Chr. als Nachfolger des Kaisers Trajans, bestimmt durch die kaiserliche Adoption, ist die Legitimität seine Herrschaftsübernahme in den Quellen nicht ganz unumstrit- ten (vgl. Cassius Dio1 und Historia Augusta2, die neben der offiziellen Version auch Gerüchte um die Adoption wiedergeben). Auch in der Forschung wird diese Proble- matik kontrovers diskutiert (einen Überblick bietet Mortensen, Hadrian, S. 333). In aktueller Forschungsliteratur herrscht allerdings der Konsens, dass Traian Hadrian als Nachfolger vorgesehen hatte (Eck, Hadrian, Sp. 60) und die literarischen Quellen durch ihre spezifischen Darstellungsintentionen keine gesicherte Grundlage zur Klä- rung des Adoptionsproblems darstellen (Mortensen, Hadrian, S. 30f. und Eck, Sp. 60.). Hadrian gilt in der Forschung so als „großer Adoptionsherrscher“ (Mortensen, Hadrian, S. 1), der durch seine intensive Tätigkeit auf militärischem, juristischem und administrativem Gebiet, nicht zuletzt bedingt durch seine Reisetätigkeit, Bedeu- tendes geleistet hat.

2. Hadrians Außenpolitik und seine Reisen

2.1 Hadrians Außenpolitik

Im Folgenden soll der Zusammenhang zwischen Hadrians Außenpolitik und seinen Reisen näher beleuchtet werden: Nach Eck (Hadrianus, Z. 60) unterscheidet sich Hadrians Außenpolitik erheblich von der seines Vorgängers Trajan. So betrieb Ha- drian keine Expansionspolitik, sondern eine Friedenspolitik.4 In der Forschung wur- de der Regierungsantritt Hadrians deshalb bislang als starke Zäsur empfunden. Mor tensen (Hadrian, S. 119) weist aber darauf hin, dass sich trotz dieser Entwicklung durchaus Kontinuitätslinien zwischen der trajanischen und hadrianischen Außenpoli tik abzeichnen. Ein Ausdruck für Hadrians nicht auf Expansion ausgerichtete Au- ßenpolitik war z.B. die Errichtung des Hadrianwalls in Britannien, der eine feste Reichsgrenze markierte. Darüber hinaus wurden im Osten einige durch Trajan er- worbene Gebiete aufgegeben (parthische Territorien und der östliche Teil Dakiens). Diese betont auf Expansion verzichtende Politik fand in senatorischen Kreisen wenig Anklang (Eck, S. 61). Obwohl unter Hadrian keine Expansionskriege geführt wur- den, vernachlässigte Hadrian das Heer nicht, sondern bemühte sich um ein starkes Band zwischen Princeps und milites, wie in 2.2 näher beschrieben.

2.2 Zweck der Reisetätigkeit

Hadrians Außenpolitik wirkte sich stark auf seine Reisetätigkeit aus, weshalb sie hier auch Beachtung findet: So standen nach Halfmann (Itinera, S. 40) Hadrians Reisen im Dienste „ einer das ganze Reich durchdringenden Friedenspolitik “, die an Augu- stus anknüpfte. Zwei Ziele sollen hier ausschlaggebend sein:

(1) Zum Einen besuchte Hadrian die an den Reichsgrenzen stationierten Truppen, um die Schlagkraft seiner Armee zu sichern. So war gewährleistet, das Heer bei mögli- chen Konflikten als „ Abschreckungsinstrument “ zur Friedenssicherung einsetzen zu können (Halfmann, Itinera, S. 40). Nach Mortensen (Hadrian, S. 151f) spielte hier auch ein anderer Faktor eine wichtige Rolle: Da die Truppen durch den Ausbau der Grenzbefestigungen und der einhergehenden festen Stationierung zu einer geschlos- senen Einheit zusammenwuchsen, erhöhten sich auch Macht und Einfluss der Be- fehlshaber. Dies hätte zur Gefahr der Entstehung einer eigenmächtigen Militärregie- rung führen können. Durch seine gesteigerte Präsenz im Zuge seiner ausgedehnten Reisen konnte Hadrian so das Band zwischen Princeps und milites verstärken und sich die Loyalität seiner Soldaten sichern.

(2) Ein weiterer Grund für Hadrians Reisetätigkeit stellt nach Halfmann (Itinera, S.

40) das Bestreben dar, auch die Städte und die Bevölkerung des imperium Romanum mit seiner Friedenspolitik zu durchdringen. Durch eine ausgeprägte Wohlfahrt5 (Halfmann, Itinera, S. 41) sollten so die einflussreichsten und mächtigsten Gemein- weisen mit ihm als Herrscher vernetzt werden, was zu einer inneren Stabilität führen sollte. Insofern korrespondiert Hadrians auf Stabilität ausgerichtete Innenpolitik mit seiner auf Expansion verzichtenden Außenpolitik (Halfmann, Itinera, S.40).

Halfmann nennt neben diesen politischen Zielen Hadrians Reisetätigkeit auch die Absicht, seine Person mit den griechischen Gottheiten des Pantheons (Halfmann, (Itinera, S. 42) in Verbindung zu setzen und sich in Kultstätten verehren zu lassen. Nach Witulski (Kaiserkult in Kleinasien, S. 90) wurden Hadrian allein in der Provinz Asia drei provinziale Kulte gewidmet (Smyrna, Ephesus und Kyzikos).

3. Quellen zur Reisetätigkeit Hadrians - Die Historia Augusta und Vita Hadriani

3.1 Zur Historia Augusta und Vita Hadriani

Die Historia Augusta stellt eines der wichtigsten Quellenzeugnisse zur Erforschung der römischen Kaiserzeit zwischen 117 bis 284/285 n. Chr. dar (Lippold, Historia Augusta, S.IX) und ist für die moderne Forschung unentbehrlich. Sie enthält 30 Kai- serbiographien von Hadrian (117-138 n.Chr.) bis Numerianus und Carinus (283- 284/5), wobei einige Lebensbeschreibungen nur bruchstückhaft erhalten (Valeriani), andere gänzlich verloren sind (die der Herrscher zwischen 244 und 253) (Johne, Hi- storia Augusta, Sp. 637).

Lange wurde davon ausgegangen, dass die Historia Augusta, wie sie selbst vorgibt, von sechs unbekannten Autoren, nämlich Aelius Spartianus, Iulius Capitolinus, Vul- cacius Gallicanus, Aelius Lampridius, Trebellius Pollio und Flavius Vopiscus aus Syrakus verfasst wurde. So wurde die Historia Augusta (HA) lange unter der Bezei- chung Scriptores historiae Augustae (SHA) verzeichnet (Johne, Historia Augusta, Sp. 637). Erst mit der Arbeit Dessaus Ende des 19. Jh., der darlegte, die HA ent- stamme der Feder eines Autors aus der Zeit des ausgehenden 4. Jh., wurde die HA neutral als Historia Augusta bezeichnet, und es entfachte sich ein bis heute andau- ernder Diskurs über Autor, Quellen und Tendenzen (Johne, Historia Augusta, Sp. 637).

Die Historia Augusta beginnt mit der Kaiserbiographie Hadrians, der sog. Vita Ha- driani, die in unserem Kontext Berücksichtigung finden soll. Sie soll laut Eigenaus- sage der HA der Feder Aelius Spartianus6 entstammen und besteht aus 27 Kapiteln, die einen breiten Überblick über Hadrians Leben bieten.

So gibt die Vita Hadriani Informationen über Hadrians Herkunft, seinen Cursus Ho- norum, seinen Herrschaftsantritt, zeitpolitische Ereignisse, seine Beziehungen zum Senat und Militär, seinen Charakter, seine Außenpolitik und natürlich über seine Reisen. Die Vita Hadriani endet chronologisch mit Hadrians letzten Lebensjahren, seinem Tod und seiner Nachfolge. Bedeutsam für die vorliegende Arbeit soll die Quellenstelle 13,1-14,4 sein, die einen Teil seiner Reisen thematisiert.

3.2 Quellenstelle: Hadr. 13,1 – 13,3

Zunächst ist es vonnöten, Hadrians Reiserouten anhand der modernen Forschung zu betrachten, die ihre Erkenntnisse aus verschiedenen Quellenzeugnissen bezieht (z.B. aus Statuen, die anlässlich des Kaiserbesuchs an bestimmten Orten errichtet wurden oder Münzen, die als Erinnerung an eine Reise geprägt wurden). Im Folgenden sol- len Hadrians Reisen kurz skizziert werden:

Hadrian beging in seiner 21-Jährigen Regierungszeit zwei große Reisen, die ihn ins- gesamt 11 Jahre fern von Rom hielten. Schon sein erstes Regierungsjahr verbrachte Hadrian nicht in Rom (117/118), sondern blieb nach seiner Ausrufung zum Kaiser zunächst zwei Monate in Syrien, bis er über Umwege den Weg nach Rom antrat (Mortensen, Hadrian, S. 179f).

Seine erste große Reise (121-125) führte Hadrian in den Norden des römischen Rei- ches, nach Gallien und Germanien, sowie höchstwahrscheinlich nach Britannien, wo er die Truppen und die Bauarbeiten an der neuen Grenzbefestigung, dem Hadrians- wall, inspizierte (Mortensen, Hadrian, S. 180). Mit diesem Abschnitt seiner Reisetä tigkeit beschäftigt sich der Quellenausschnitt der Vita Hadriani 10.1-11.27. Ziel und Zweck dieses Reiseabschnittes fällt unter die in Kapitel 3.2 (1) beschriebe Intention der Förderung der Beziehung zwischen Princeps und milites und Erhaltung der Schlagkraft der Armee (vgl. Halfmann, Itinera, S. 40).

Von Britannien führte Hadrians Weg grob skizziert durch Gallien nach Spanien, wahrscheinlich mit Zwischenstation in der Provinz Africa, an die Ostgrenze des Rei- chess (wegen eines drohenden Partherkrieges).

[...]


1Seinen Aufstieg zum Caesar und Kaiser verdankte er vielmehr der Tatsache, dass ihn nach dem kinderlosen Tod Trajans sein Landsmann und ehemaliger Vormund Attianus sowie Plotina – diese aus liebevoller Zuneigung – seine Ernennung bewerkstelligten;“ (Cass. Dio Epitome Buch 69 Xiphi- linos 242,8: 1(1))

2Es fehlt auch nicht an Stimmen, die überliefert haben, durch eine Intrige der Plotina sei Hadrian nach dem bereits eingetretenen Tod Trajans zur Adoption gelangt indem man einen Mann unterschob, der an Trajans Statt in mattem Ton die entscheidenden Worte sprach. “ (VA, 4.10, vgl, auch 4. 8-10)

3 Vgl. auch Weber, Untersuchungen, S. 47f. als Befürworter des Einflusses Plottinas und Attians.

4 Vgl. (Historia Augusta, 5.1): „ Gleich nach dem Regierungsantritt ging Hadrian auf den alten Kurs (= Anmerkung: Augusteische Friedenspolitik) und bemühte sich, in aller Welt den Frieden zu erhal- ten.

5 Vgl. Vita Hadriani 19,2: „Fast in allen Städten hat er Bauten errichten lassen und Spiele veranstaltet“

6 Zur Problematisierung des Autorbegriffs der Vita Hadriani vgl. Fündling, Kommentar, S. 21.

7 Vita Hadriani, 11.2: „ Nachdem er so auf Herrscherart das Heerwesen umgeformt hatte, begab er sich nach Britannien; auch hier traf er viele Verbesserungen und führte als Erster eine Mauer [...], die eine Grenzscheide zwischen den Barbaren und Römern bilden sollte.“; 12,6: „ Zu jenen Zeiten [...] trennte er in vielen Gegenden [...] die Barbaren vom Reichsgebiet durch ein System von großen Pfäh- len, die nach Art eines mauerähnlichen Geheges tief eingerammt und miteinander verbunden wur- den.“

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Hadrians Reisen und die Vita Hadriani 13,1-13,4
Hochschule
Universität Siegen  (FB 1: Geschichte)
Veranstaltung
Reisen in der Antike
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V151426
ISBN (eBook)
9783640629787
ISBN (Buch)
9783640629978
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Breite Nutzung der Forschungsliteratur, Nutzung der Quellen in der Tiefe, eigens angefertigte Karte mit einer Rekonstruktion Hadrians Reisenstationen nach der Quellenstelle VA 13,1- 14,4
Schlagworte
hadrian, hadrian reisen, hadrian reisepolitik, der rastlose kaiser, reisekaiser, vita hadriani, reisen in der antike
Arbeit zitieren
Katharina Beyer (Autor), 2010, Hadrians Reisen und die Vita Hadriani 13,1-13,4, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151426

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