Politisches Kabarett - Eine Methode der schulischen politischen Bildung


Referat (Ausarbeitung), 2010
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Kabarett?

3. Ist Kabarett politisch wirksam?

4. Was ist politische Bildung?

5. Wie kann Kabarett einen Beitrag zur politischen Bildung leisten?

6. Die praktische Umsetzung

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Politisches Kabarett und kritische Bildung“ wurde diskutiert, inwiefern politisches Kabarett Bildungsprozesse anstoßen und inwiefern Kabarett selbst eine Form kritischer Bildung darstellen kann. Dazu wurden im Verlauf des Seminars unter dieser Fragestellung verschiedene (historische Vor-) Formen des Kabaretts betrachtet und dabei diskutiert, „welche Verbindungen oder Spannungen zwischen Aufklärung und Amüsement, Empörung und Unterhaltung entstehen und wie diese bildungstheoretisch einzuschätzen sind.“[1] Für einen Lehramtsstudenten mit dem Fach Politik und Wirtschaft ist dabei die Frage sehr interessant, inwiefern Kabarett als ein Mittel (kritischer) politischer Bildung in der Schule eingesetzt werden kann.[2] In dieser Ausarbeitung der im Seminar zu dem Thema gehaltenen Präsentation soll dieser Frage nachgegangen werden. Dazu wird zuerst die Herkunft und Bedeutung des Begriffs „Kabarett“ geklärt und anschließend untersucht, inwiefern Kabarett politisch wirksam ist, d.h. welchen (politischen) Einfluss es auf das Publikum, das politische Establishment und nicht zuletzt den Kabarettisten selbst haben kann, bzw. welcher Einfluss vermutet oder erhofft wird. Danach wird der Begriff der „politischen Bildung“ genauer erläutert, um mit Hilfe dieser Begrifflichkeit die Frage zu klären, wie Kabarett einen Beitrag zur politischen Bildung leisten kann. Abschließend wird kurz umrissen, wie dieser Beitrag praktisch aussehen könnte.

2. Was ist Kabarett?

Der Begriff „Kabarett“ leitet sich vom französischen „Cabaret“ ab, was zunächst eine runde, mit fächerartig angeordneten Schüsselchen bestückte Speiseplatte (für Kompotte) bezeichnete und danach solche Lokale, in denen diese bunten Platten neben Getränken serviert wurden (Rothlauf 1994, S. 9). Auch wenn das antike Satyrspiel oder die Tradition der Troubardours oder Minnesänger von manchen Autoren als inhaltlicher Vorgänger des Kabaretts in Betracht gezogen werden, trifft dies am wahrscheinlichsten auf den französischen politischen Chanson zu, der bereits vor der französischen Revolution als Lied mit gesellschaftskritischem Inhalt praktiziert und später gerne in Cafés vorgetragen wurde (von Prittwitz 1994, S. 287, Rothlauf 1994, S. 9). Begriff und Inhalt vereinigten sich erstmals 1881 in Paris zu der heute bekannten Form, als der Maler Rodolphe Salis den Kreis der Gäste seiner Künstlerkneipe „Chat noir“ (Salis bezeichnete sein Etablissement explizit als „Cabaret artistique“) von Künstlern, die zwanglos ihre literarischen Schöpfungen vorstellten, durch Nichtkünstler als Zuschauer erweiterte und somit das Kabarett im heutigen Sinne begründete. Beginnend mit den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts breitete sich das Kabarett von Paris aus auch in Deutschland und Österreich aus (Rothlauf 1994, S. 10f).

Inhaltlich ist das Kabarett eng mit der Satire verwandt, welche durch Kritik und Spott Zustände oder Personen demaskiert und an den Pranger stellt, wobei Übertreibung und Lächerlichkeit wichtige Stilmittel darstellen. Dabei kann die Satire von der Kurzgeschichte über den Roman und die Fabel bis zum Gedicht und Lied viele Formen haben (Gugel 2006, S. 126). Auch das Kabarett besitzt zahlreiche unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten für die, für das Genre charakteristische, kritische Auseinandersetzung mit „Zeiterscheinungen und deren Exponenten im öffentlichen Leben“ und nimmt dabei ähnlich dem Varieté eine Form des bunten Allerleis (eben eines „Cabarets“) an (Rothlauf 1994, S. 9). Den Hauptunterschied zur Satire macht der direkte – oder auch medienvermittelte – Bezug des Kabarettisten zum Publikum aus, von dessen Kontakt und Unmittelbarkeit das Kabarett lebt (Gugel 2006, S. 126).

Die Wichtigkeit des Publikums als „Anspielpartner“ verdeutlicht Henningsens nähere Bestimmung des Kabaretts als ein „Spiel mit dem erworbenen Wissenszusammenhang des Publikums“ (1967, S. 9f)[3]. Dabei ist die hauptsächliche Wissensgrundlage des Publikums sein Alltagswissen, die politische Information durch die Massenmedien und die sich hieraus bildenden Inhalte der öffentlichen Diskussion. Da sich dieses Publikumswissen um bestimmte Wissenskerne herum laufend verändert, muss Kabarett immer aktuell sein. Es arbeitet, dem jeweiligen Kontext angepasst, u.a. mit selbstverständlich erscheinenden, aber bei genauer Prüfung nicht haltbaren Annahmen, mit Tabus, mit aktuellen Weitungen von Begriffen, sowie mit neuen Wendungen und Verknüpfungen politischen Wissens. Um überhaupt funktionieren zu können, bedarf das Kabarett bestimmter kultureller Voraussetzungen, sowohl beim Publikum als auch beim Kabarettisten selbst: „Nur bei einer gewissen Komplexität und Ausdifferenzierung politischen Denkens [und Wissens, Anm. d. Verf.], vor allem der Bereitschaft, sich von herkömmlichen Begriffen zu lösen, ja sie zu verkehren, kann sich Kabarett etablieren und aufblühen“ (Prittwitz 1997, S. 288f).

3. Ist Kabarett politisch wirksam?

Man kann Kabarett als ein politisches Spannungsfeld ansehen, in dem sich der Kabarettist, sein Publikum und das politische Establishment bewegen. Jeder Teil dieser Troika hat unterschiedliche, teilweise konkurrierende und in sich nochmals differenzierbare Anliegen.

Bei einer Befragung in den 1960er Jahren wurden mehreren Kabarettisten zwei Fragen gestellt, welche die Position der Befragten im Bezug auf die kritische, bzw. politisierende Intention „ihres“ Kabaretts und die Einschätzung ihres Einflusses auf die politische Willensbildung des Publikums verdeutlichen sollten: 1. Welcher politische Fehler ist eher anzugreifen? a) das Unvermögen des Staatsbürgers, sein politisches Mandat zu nutzen, oder b) Fehler der politischen Führung bei der Ausübung ihres Amtes. 2. Lassen sich Ihrer Meinung nach die beiden Begriffe miteinander verbinden: Kabarett und Erziehung zum Staatsbürger“ (Schäffner 1969, S. 266f). Insgesamt konnte man bei den Antworten den Trend verzeichnen, dass die befragten Kabarettisten direkt auf den Bürger und sein politisches Verhalten einwirken und somit eine Wirkung auf das Publikum ausüben wollten, die über bloße Unterhaltung hinausgeht. Die meisten Befragten waren der Meinung, dass sich dies am besten erreichen ließe, wenn man das Publikum auf sein Fehlverhalten (politische Passivität) hinweisen würde. Allerdings musste die Mehrheit der Kabarettisten eingestehen, in ihren Programmen eher die Politiker (Frage 1b) als die unmündigen Staatsbürger (Frage 1a) zu kritisieren, da dies einen höheren Unterhaltungswert besäße. Insgesamt sahen die Befragten ihren Einfluss auf die Meinungsbildung des Publikums als eher gering an. Andererseits waren viele Kabarettisten der Meinung, dass Kabarett, das die Unmündigkeit und politische Verschlafenheit der Mitbürger in den Vordergrund rückt, sehr wohl zu einer „Erziehung“ zum mündigen Staatsbürger beitragen könnte. In der Praxis würde der Schwerpunkt des Kabaretts jedoch – zum Nachteil der Politisierung – eher auf die publikumswirksamere Politikerschelte gelegt (Schäffner 1969, S. 267-275).

Das Ergebnis dieser schon einige Jahrzehnte zurückliegenden Befragung ist nach Ansicht der Verfasserin noch immer aktuell. Zwar schreibt Prittwitz, dass Kabarett in den letzten zwanzig Jahren weniger polemisch denn als Kunstform daherkäme, also weniger der Inhalt oder eine politische Intention als die Ausführung im Vordergrund stünde (1994, S. 287). Jedoch kommt es wohl vorrangig auf den Kabarettisten selbst an, ob er bloß unterhalten oder politisieren will oder inwieweit er beides mit seinem Programm zu erreichen versucht.[4] Dabei ist auch nicht zu vergessen, dass Kabarett auch immer wieder eine Form des Widerstandes gegen undemokratische Verhältnisse gewesen ist (z.B. Drittes Reich, Polen, Tschechoslowakei, DDR), der unter den dramatischten Umständen mit Gefangenschaft und Tod bezahlt wurde (u.a. Prittwitz 1994, S. 287).

[...]


[1] Siehe Seminarbeschreibung auf http://www.lvpaed.de/index.php?page=stud_veranstaltungsverzeichnis&subpage=details&id_semester=6&id_lv=106, Zugriff 01.02.10.

[2] In dieser Arbeit wird „politische Bildung“ als größtenteils deckungsgleich mit „kritischer Bildung“ verstanden, da „gute“ politische Bildung in sich die von der kritischen Bildung geforderte Selbstkritik und Gesellschaftskritik weitgehend einschließt.

[3] Zitiert in Prittwitz 1994, S. 287.

[4] Ein gutes Beispiel für letzteres ist m.E. das Programm des von uns im Rahmen des Seminars besuchten Hagen Rether.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Politisches Kabarett - Eine Methode der schulischen politischen Bildung
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Allgemeine Pädagogik)
Veranstaltung
Politisches Kabarett und kritische Bildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V151440
ISBN (eBook)
9783640629831
ISBN (Buch)
9783640630011
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische Bildung, Schule, Politisches Kabarett, Bildung, Unterricht
Arbeit zitieren
I. Flathmann (Autor), 2010, Politisches Kabarett - Eine Methode der schulischen politischen Bildung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151440

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