Sammelband aus drei Texten. In der ersten Arbeit soll herausgearbeitet werden, ob die „Neue Ostpolitik“ seitens der BRD nur im Rahmen der bipolaren, von den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und der Sowjetunion (UdSSR) aufoktroyierten Entspannungspolitik verlief, oder ob sie vielmehr Mittel zum Zweck, ergo eine bewusste Strategie war, die einen endogenen Schock des gesamten sozialistischen Ostblocks hervorrufen sollte.
Die zweite Arbeit thematisiert die Ostpolitik von Willy Brandt. Willy Brandt war der erste Bundeskanzler, der es schaffte, die durch das Ende des Zweiten Weltkrieges angespannte Lage zwischen Ost und West langfristig zu entspannen. Das gelang ihm durch die sogenannte „Neue Ostpolitik“. Bis heute wird die Ostpolitik von Willy Brandt als erster Schritt zur Wiedervereinigung angesehen und folgte neuen Grundsätzen.
Wie sieht es in den Bürgern selbst aus? Wie gehen sie mit der Wiedervereinigung um? Wird durch die äußere Einheit die Innere nach sich gezogen? Um diesen Fragen nachzugehen, beschäftigt sich die dritte Arbeit mit dem Themenbereich der politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Externe oder exogene Politik?
2.1 Amerikanischer Globalismus vs. sowjetischem Imperialismus
2.2 Die Musik der Weltpolitik
3. Die Außenpolitik der BRD – Protektorat vs. Selbstbestimmung
3.1 Die „Neue Ostpolitik“
3.2 Die Deutschlandpolitik – „Modus Vivendi“ vs. „friedlicher Koexistenz“
4. Resümee
Einleitung
Die Entwicklung der außenpolitischen Lage der BRD nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Ära Brandt
Der Kalte Krieg und der Ost- West- Konflikt
Politik der Westintegration unter Adenauer
Die Entwicklung der Ostpolitik unter Willy Brandt
Erste Annäherungen durch Passagierschein- Abkommen
Wandel von Wertesystem, Einstellungen und Zeitgeist in der BRD
Spaltung zwischen Sozialdemokraten und Konservativen
Optimistischer Zeitgeist als Voraussetzung für Transformation
Wandel durch Annäherung
Wichtige Verträge und deren Intention
Moskauer Vertrag mit der Sowjetunion (1970)
Warschauer Vertrag mit Polen (1970)
Viermächteabkommen über Berlin mit den USA, der UdSSR, dem Vereinigten Königreich und Frankreich(1971)
Transitabkommen mit der DDR (1971)
Grundlagenvertrag mit der DDR (1972)
Prager Vertrag mit der CSSR (1973)
Die historische Bewertung der Ostpolitik von Willy Brandt
Fazit
1. Einleitung: Eine gesamtdeutsche politische Kultur?
2. Politische Kultur in Deutschland
2.1 Nationalbewusstsein
2.2 Systemakzeptanz
2.3 Vertrauen in politische Institutionen
2.4 Soziale Marktwirtschaft
2.5 Einstellungen zur DDR und zur Einheit
3. Interpretationen zur politischen Kultur
3.1 Eine politische Kultur in Deutschland
3.2 Zwei politische Kulturen in Deutschland
4. Schluss: Interpretation der Ergebnisse – zwei politische Kulturen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Entwicklung Deutschlands in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Fokus liegt dabei auf der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere der „Neuen Ostpolitik“ unter Willy Brandt, sowie der anschließenden Analyse, inwieweit nach der Wiedervereinigung eine gesamtdeutsche politische Kultur entstanden ist oder ob weiterhin zwei unterschiedliche politische Kulturen in Deutschland existieren.
- Die Außen- und Deutschlandpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1966–1969.
- Die Entwicklung und historische Bewertung der Ostpolitik von Willy Brandt.
- Der Wandel von Wertesystemen und Zeitgeist in der BRD.
- Die Analyse politischer Kultur in Deutschland nach dem Mauerfall.
- Untersuchung von Identität, Systemakzeptanz und Vertrauen in Institutionen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die „Neue Ostpolitik“
Die „Neue Ostpolitik“ hatte sich zum Ziel gesetzt, die ökonomische, technologische und finanzielle Stärke der BRD mit innenpolitischen Liberalisierungstendenzen der Staaten des Ostblocks in Einklang zu bringen. Einigkeit in der Umsetzung dieser Inhalte bestand unter den Koalitionspartnern der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) und SPD jedoch keineswegs. Während der Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger am bundesdeutschen Rechtsstandpunkt bezüglich des Alleinvertretungsanspruchs, ergo an der Hallstein-Doktrin festhalten wollte, hielt sein Außenminister Willy Brandt diese Doktrin im Kern für antiquiert. Es brach diesbezüglich ein regelrechter Prinzipienstreit aus, wobei sich zeigen sollte, dass die CDU der Tradition verpflichtet und dem Mythos Adenauer verfallen war, wohingegen die SPD, allen voran Willy Brandt und Egon Bahr, auf einen raschen ostpolitischen Wandel drangen und die Hallstein-Doktrin ad acta legen wollten; nicht zu unterschätzen auch die Rolle der FDP, die nach ihrer Metamorphose Gefallen an dem Gedankenspiel der SPD gefunden hatte. War die Modifizierung der Hallstein-Doktrin also nur noch eine Frage der Zeit?
Bekundete Rumänien im Rahmen eines gesamteuropäischen Entspannungsprozesses 1955 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer noch vergeblich Interesse an diplomatischen Beziehungen, so verhielt sich die Große Koalition schon wesentlich konstruktiver. Rumänien wollte – verbunden mit einer innen- und kulturpolitischen Liberalisierungstendenz – die wirtschaftliche und politische Abhängigkeit im Rahmen des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und des Warschauer Paktes durch Technologieimporte aus dem Westen reduzieren. Die BRD dagegen sah darin eine Chance, neue Märkte für deutsche Produkte zu erschließen und einen Fuß in die Tür des Ostblocks zu setzen, allerdings wurde noch gezögert, da sich die Verantwortlichen der Reaktion Moskaus nicht bewusst waren. Als sich Rumänien jedoch des ideologischen Schulterschlusses mit der UdSSR verweigerte und den Alleinvertretungsanspruch der BRD anerkannte, sahen sich die Verantwortlichen in ihrem Vorhaben bestärkt, die Hallstein-Doktrin insofern abzuwandeln, dass Staaten des Ostblocks durch die Geburtsfehlertheorie aus dem Geltungsbereich ausgegrenzt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Auseinandersetzung mit der politischen Entwicklung der Bundesrepublik ein und erläutert die methodischen Ansätze der Untersuchung.
2. Politische Kultur in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Indikatoren der politischen Kultur, wie etwa das Nationalbewusstsein und die Systemakzeptanz, basierend auf soziologischen Daten.
3. Interpretationen zur politischen Kultur: Hier werden gegensätzliche wissenschaftliche Sichtweisen, unter anderem von Tuchscheerer und Jesse, gegenübergestellt, um die Debatte um die Einheit oder Spaltung politischer Kulturen zu vertiefen.
4. Schluss: Interpretation der Ergebnisse – zwei politische Kulturen: Die Arbeit schließt mit einer Analyse der Forschungsergebnisse und prognostiziert eine weitere Annäherung bei gleichzeitigem Abbau regionaler Unterschiede.
Schlüsselwörter
Außenpolitik, Deutschlandpolitik, BRD, Ostpolitik, Willy Brandt, Kalter Krieg, Wiedervereinigung, Politische Kultur, Hallstein-Doktrin, Entspannungspolitik, Systemakzeptanz, Zeitgeist, Wertewandel, Sozialdemokratie, Friedliche Koexistenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der außen- und deutschlandpolitischen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland, speziell im Hinblick auf die „Neue Ostpolitik“ der 1960er und 1970er Jahre sowie die Frage einer inneren Einheit der politischen Kultur nach der Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Ostpolitik Willy Brandts, die Überwindung des Kalten Krieges, Fragen der nationalen Identität sowie die soziologische Bewertung der politischen Kultur in Ost- und Westdeutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Transformation der bundesdeutschen Politik unter der Großen Koalition und Willy Brandt zu untersuchen sowie zu analysieren, ob sich nach der Wiedervereinigung eine homogene gesamtdeutsche politische Kultur entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein deduktives Vorgehen sowie eine tiefgehende Literaturanalyse, um politische Entwicklungen im globalen Kontext zu verorten und soziologische Theorien zur politischen Kultur kritisch zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Behandelt werden die außenpolitischen Rahmenbedingungen der USA und UdSSR, der "Wandel durch Annäherung", wichtige Verträge wie der Moskauer und Warschauer Vertrag sowie Interpretationen zur Verfassung der politischen Kultur in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ostpolitik, Wiedervereinigung, Politische Kultur, Entspannungspolitik, Hallstein-Doktrin und der Kalte Krieg.
Wie unterscheidet sich die Bewertung von Willy Brandts Politik durch verschiedene Historiker?
Historiker wie Timothy Garton Ash kritisierten eine zu starke Konzentration auf kommunistische Machthaber, während andere, wie Hans-Adolf Jacobson, den evolutionären Prozess zur Überwindung des Status quo betonten.
Was besagt die Sozialisationshypothese im Kontext der inneren Einheit Deutschlands?
Die Sozialisationshypothese nach Arzheimer und Klein besagt, dass Unterschiede zwischen den vormals getrennten Staaten stabil bleiben, da Werte und Lebensvorstellungen in spezifischen Sozialisationsprozessen erworben wurden, was die Annahme zwei politischer Kulturen stützt.
- Citar trabajo
- GRIN Verlag (Hrsg.) (Editor), Alexis Demos (Autor), Carolin Hennings (Autor), Sarah Rettner (Autor), 2024, Die Politik der deutschen Wiedervereinigung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1515021