Diese Hausarbeit geht der Frage nach, welche Faktoren die Unterstützung und Wahl von rechtspopulistischen Parteien – insbesondere der AfD – beeinflussen. Spezifischer wird diese Frage im Hinblick auf die Theorie des Euroskeptizismus beleuchtet. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf die mögliche Entwicklung zwischen den Anfangsjahren der AfD und der aktuellen politischen Orientierung der Partei gelegt. Am Ende wird auch dargestellt, ob sich die Rolle des Euroskeptizismus über die letzten Jahre innerhalb der AfD verändert haben könnte.
Seit den 1970er Jahren sind rechtspopulistische Parteien in ganz Europa wieder auf dem Vormarsch. Beginnend in Dänemark, Norwegen, der Schweiz, Frankreich und Belgien etablierten sich bis heute rechtspopulistische Parteien in fast allen Parlamenten europäischer Staaten. In mehreren Ländern wurden Rechtspopulist*innen bereits an der Regierung beteiligt, zum Beispiel 2000 in Österreich (Freiheitliche Partei Österreichs) oder 2018 in Italien (Lega) und Lettland (Par cilvēcīgu Latviju). Jedoch können rechtspopulistische Parteien nicht nur Regierungsbeteiligung vorweisen, sondern in Ungarn (Fidesz), Polen (Prawo i Sprawiedliwość) und der Schweiz (Schweizerische Volkspartei) sogar den Regierungschef stellen.
In Deutschland konnten sich Rechtspopulist*innen lange Zeit nicht etablieren. Zwar gab es immer wieder Wahlerfolge rechtspopulistischer bis -extremer Parteien, Mandate im Bundestag konnte allerdings keine dieser Parteien erringen. Das änderte sich jedoch mit der Gründung und den anschließenden Wahlerfolgen der Alternative für Deutschland (AfD). Gegründet wurde die Partei 2013 unter dem Einfluss der europäischen Finanzkrise. Gründungsmitglieder waren vor allem liberale und rechtskonservative Kritiker*innen der Europa- und Europolitik der schwarz-gelben Bundesregierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Zusammenfassung
2.1 Rechtspopulismus
2.1.1 Nativismus
2.1.2 Autoritarismus
2.2 Euroskeptizismus
2.2.1 Definition nach Paul Taggart und Aleks Szczerbiak
2.2.2 Definition nach Petr Kopecký und Cas Mudde
3. Forschungsstand und Hypothese
4. Forschungsdesign
5. Ergebnisse
6. Fazit und Diskussion
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen euroskeptischen Einstellungen und der Wahl sowie Unterstützung der Alternative für Deutschland (AfD). Ziel ist es, auf Basis quantitativer Regressionsanalysen zu ergründen, inwiefern Euroskeptizismus als treibender Faktor für das Wahlverhalten fungiert und wie sich diese Dynamik im Zeitraum von 2014 bis 2018 entwickelt hat.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Populismus und Rechtspopulismus
- Differenzierung verschiedener Konzepte und Definitionen des Euroskeptizismus
- Empirische Untersuchung der Korrelation zwischen EU-Kritik und AfD-Wahlverhalten
- Zeitliche Betrachtung der ideologischen Entwicklung der AfD
- Überprüfung der Bedeutung politischer Einstellungen für die Parteibindung
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Nativismus
Der Nativismus zählt neben dem Populismus und dem Autoritarismus nach Mudde zu einer der Kernelemente einer rechtspopulistischen Ideologie. Zunächst gilt festzuhalten, dass Nativismus sowohl in der Psychologie als auch in der Sozialwissenschaft zu finden ist. Für die Definition des Rechtspopulismus ist der Nativismus nach sozialwissenschaftlichen Gesichtspunkten maßgeblich.
Nativismus kann hierbei als illiberale Ausgestaltung des Nationalismus interpretiert werden (Decker 2018, S. 356). Nativist*innen geht es vor allem darum, eine möglichst homogene Nation zu schaffen, bzw. zu erhalten. Auch hier gibt es, wie beim Populismus im allgemeinen Sinne, eine diametrale Unterscheidung. Es geht jedoch beim Rechtspopulismus nicht bloß um „Volk“ gegen „Elite“, sondern zusätzlich um „Einheimische“ gegen „Fremde“. Das bedeutet, dass „Einheimischen“ mehr politische und soziale Rechte zugestanden werden als denjenigen, die nicht in die Vorstellung der homogenen Nation eingeordnet werden können (Lewandowsky/Giebler/Wagner 2016, S. 251). Dementsprechend werden Minderheitenrechte und Migrationspolitik nur sehr restriktiv umgesetzt. Die Frage, wer die „Mehrheit“ des Landes ist, kann hierbei auf mehreren Ebenen beantwortet werden: die ethnische Mehrheit, die religiöse Mehrheit oder auch die kulturelle Mehrheit sind mögliche Ansatzpunkte (Mudde 2007, S. 19). In Ostmitteleuropa nehmen Rechtspopulisten vor allem Bezug auf die ethnische Mehrheit, wohingegen in Westeuropa eher die kulturelle Mehrheit als Bezugspunkt gilt (Lewandowsky/Giebler/Wagner 2016).
Nativismus kombiniert zusammengefasst also Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in Europa und die historische Etablierungsphase der AfD in Deutschland.
2. Theoretische Zusammenfassung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Populismus, Rechtspopulismus und Euroskeptizismus und legt die theoretische Basis für die Untersuchung.
3. Forschungsstand und Hypothese: Hier wird der Forschungsstand zur AfD reflektiert und die zentrale Hypothese für die empirische Analyse formuliert.
4. Forschungsdesign: Das Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, insbesondere die Nutzung der Daten des European Social Survey und die Anwendung von Regressionsanalysen.
5. Ergebnisse: Die Ergebnisse der quantitativen Analyse geben Aufschluss über den statistischen Zusammenhang zwischen euroskeptischen Einstellungen und dem Wahlverhalten zur AfD im Zeitverlauf.
6. Fazit und Diskussion: Das Fazit bestätigt die aufgestellte Hypothese und diskutiert die Erkenntnisse sowie Limitationen der Studie.
Schlüsselwörter
Rechtspopulismus, AfD, Euroskeptizismus, Europäische Union, Nativismus, Autoritarismus, Wahlverhalten, European Social Survey, Parteienforschung, Populismus, Politische Partizipation, Integration, Regression, Erststimme, Parteibindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, inwieweit euroskeptische Haltungen das Wahlverhalten zugunsten der AfD beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Theorien des Populismus und Euroskeptizismus sowie deren praktische Anwendung auf die AfD.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung eines Zusammenhangs zwischen der Ablehnung der europäischen Integration und dem Wählerzuspruch für die AfD.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden quantitative Regressionsanalysen auf Basis von Datensätzen des European Social Survey (ESS) durchgeführt.
Was ist der Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Hypothesenbildung und die anschließende empirische Auswertung anhand von Erst- und Zweitstimmenergebnissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich primär auf Rechtspopulismus, Euroskeptizismus, AfD, Wahlverhalten und Datenanalyse.
Wie hat sich die AfD laut der Arbeit seit 2015 verändert?
Die Arbeit stellt dar, dass die AfD eine Transformation von einer eher wirtschaftsliberalen, euroskeptischen Partei hin zu einer verstärkt rechtspopulistischen und nationalistischen Ausrichtung durchlaufen hat.
Warum ist das Ergebnis zum Thema „sozial erwünschtes Antwortverhalten“ wichtig?
Das Phänomen deutet darauf hin, dass die tatsächliche Unterstützung für rechtspopulistische Parteien in Umfragen aufgrund von Stigmatisierung möglicherweise untererfasst wird.
- Arbeit zitieren
- Jason Basler (Autor:in), 2022, Faktoren für die Wahl und Unterstützung von rechtspopulistischen Parteien. Mit Blick auf die Zusammenhänge zwischen der Wahl der Alternative für Deutschland (AfD) und dem Euroskeptizismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1515109