M. Bulgakov und J. Stalin - Der Schriftsteller und der Diktator


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Entwicklung der Kulturpolitik

2. Der Sozialistische Realismus

3. Der Weg Stalins an die Macht

4. Stalins Herrschaft – Stalinismus

5. Michail A. Bulgakov

6. Die Beziehung Bulgakov – Stalin
6.1. Brief an die Regierung der UdSSR – 28. März 1930
6.2. Der Anruf von Stalin
6.3. Brief an Jossif Stalin – 30. Mai 1931
6.4. Brief an Jossif Stalin – 4.Februar 1938
6.5. Das TheaterstückBatum

7. Die Beziehung Stalin – Bulgakov

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit soll das Verhältnis des Schriftstellers Michail A. Bulgakov zum Diktator Jossif V. Stalin untersucht werden. Hierzu wird zunächst die kulturpolitische Situation in der Zeit von 1917 (nach Ende der Revolution) bis 1940 (Bulgakovs Todesjahr) betrachtet.

Danach soll die Person Stalin und der Stalinismus in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt sowie sein Weg an die Macht kurz besprochen werden.

Im dritten Kapitel Bulgakov vorgestellt werden. Dabei wird auf sein Elternhaus und seinen Werdegang eingegangen werden.

Im vierten Teil, dem Hauptteil, wird es um die Zeugnisse der Beziehung zwischen Bulgakov und Stalin gehen. Dabei wird der Schwerpunkt natürlicherweise auf der Sicht Bulgakovs auf Stalin liegen, da es wenig Material zu Stalins Meinung über Bulgakov gibt.

Im letzten Kapitel wird versucht, das Verhalten Stalins an Hand der vorangegangen Analyse und mit Hilfe von Sekundärliteratur zu bewerten.

Die Frage, die in der Hausarbeit beantwortet werden soll, ist folgende: Was dachte Bulga­kov über den Diktator, der einem Gott ähnlich über sein Leben verfügen konnte und wie lässt es sich erklären, dass Stalin sich zunächst persönlich des Schicksals Bulgakovs annahm, dann das Interesse an ihm verlor, es aber zu keiner Verhaftung kam?

1. Die Entwicklung der Kulturpolitik

Peter Gryzibek unterteilt in seinem Artikel „Die frühe sowjetische Kulturpolitik“ diese in drei Phasen: Die erste von 1917-1925 bezeichnet er als die „Entwicklung der literarischen Tradi­tion“, die zweite von 1926-1934 als „Aufbau der Parteikontrolle“ und die dritte Phase von 1934-41 als „absolute Parteihegemonie“.[1]Damit ist schon ein grober Überblick über die Ent­wicklung der Kulturpolitik der für mich relevanten Zeit von 1921 bis 1940 gegeben. An dieser Einteilung und diesen Bezeichnungen wird deutlich, dass eine immer stärkere Einschränkung der Literatur erfolgte und die Zensur immer stärker in den Vordergrund trat.

Alle unmittelbar nach der Revolution erlassenen Dekrete und Verordnungen und sonstigen Maßnahmen zeigen, dass die Partei alle an der Meinungsbildung beteiligten Institutionen kontrollieren wollte. Der Literatur kam von Anfang an eine bedeutende Funktion im Prozess der Bildungsvermittlung und Beeinflussung der Bevölkerung zu.[2]

Die erste wichtige Maßnahme war das "Dekret über den Staatsverlag" vom Dezember 1917, dessen Ziel es war, die Klassiker in Staatseigentum zu überführen, um einerseits die Klassiker den Massen billig zugänglich zu machen, andererseits Privatverlagen das Wasser abzugraben.

Im Jahr 1918 wurde die gesamte oppositionelle Presse verboten und die Einführung einer Vorzensur beschlossen. Im Juni 1922 wurde als neue Zensurbehörde die Hauptverwaltung für Angelegenheiten der Literatur und der Verlage (Glavnoe upravlenie literatury i izdatel’stv, abgekürzt GLAVLIT) geschaffen. Da der Zweck der Literatur, das sozialistische System zu sichern und die Interessen der Werktätigen zu vertreten, immer der Meinungs- und Pressefrei­heit übergeordnet blieben, war es stets die Aufgabe der Glavlit, die Einhaltung des staatlich vorgegeben Rahmens zu überprüfen.[3]

Ab 1917/18 gab es eine große Vielfalt an literarischen Gruppen: Pereval, die Futuristen, die sich ab 1923 ‚Linke Literaturfront’ nannten und die proletarischen Gruppen.

Im Jahre 1924 kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Schriftstellergruppen. Ein Beschluss des bolschewistischen Zentralkomitee (ZK) im Jahr 1925 ermöglichte einen freien Wettbewerb unter den zur Sowjetmacht loyalen Schriftstellergrup­pen.[4]

1925 gründete sich aus den proletarischen Gruppen die RAPP (Rossijskaja associacija prole­tarskich pisatelej), die die sowjetische Literaturpolitik in den Jahren 1928 bis 1931 entschei­dend mitbestimmte, denn sie sah sich nicht als „willenloses Instrument der Politik.“[5]

In den Jahren 1931 und 1932 wurden alle literarischen Gruppen liquidiert, auch die RAPP wird im April 1932 durch das ZK der KPdSU aufgelöst. Damit hatte die Vielfalt ein Ende. Stattdessen wurde beschlossen, einen Einheitsschriftstellerverband zu gründen. Dieser sollte alle sowjetischen Schriftsteller vereinen, die die Sowjetregierung unterstützten und am sowje­tischen Aufbau mithalfen. Diese zunächst nur formelle Fesselung wurde später zur inhalt­lichen.

Mit dem ersten Allunions-Kongress sowjetischer Schriftsteller wurde der sozialistische Rea­lismus Programm und die Gleichschaltung der Literatur war besiegelt. Was man brauchte, war keine neue Ästhetik, sondern Fügsamkeit und ideologischen Ansporn.[6]Damit wurde die organisatorische und kunsttheoretische Vereinheitlichung der sowjetischen Literatur in die Wege geleitet.

2. Der Sozialistische Realismus

Nachdem Stalin 1929 die Alleinherrschaft angetreten hatte, gaben er und seine Gefolgsleute die Form der Kunst vor. An die Stelle der authentischen trat nun die befohlene Gestaltung.[7]

Auf dem Ersten Allunions-Kongress sowjetischer Schriftsteller in Moskau im Jahr 1934 wurde die Doktrin des Sozialistischen Realismus vorgetragen. Er sollte die für die sowjetische Literatur verbindliche Methode werden. Es wurde verkündet, dass die Literatur einen sozial­pädagogischen Auftrag habe, die Themen der Werke sollten folgende sein: Das Leben der Arbeiterklasse und Bauernschaft, der Kampf für den Sozialismus, Patriotismus und Herr­scherkult. ‚Realismus’ bedeutete aber nicht, dass die Werke die Realität, so wie sie ist, wider­spiegeln sollten, sondern so, wie die Partei vorschrieb, dass die Realität auszusehen hatte. Das Konzept des sozialistischen Realismus stützte sich auf das Diktum Stalins, das die Schrift­steller als ‚Ingenieure der Seele’ bezeichnete, ihren sozialpädagogischen Auftrag festlegte und sie mit technischen Ingenieuren gleichsetzte, die den sozialistischen Aufbau bewirkten. Der sozialistische Realismus verlangte von der Literatur, dass diese parteilich, volksverbunden, massengemäß und verständlich war. Wer den Direktiven auswich oder gegen den Strom schwamm, hatte nicht nur mit Missachtung, sondern auch mit Ausschluss, Druckverbot, bald auch Deportation und Zwangsarbeit zu rechnen. Dabei bestimmten die Funktionäre, was wert und was unwert war. Damit regierten die staatlichen Zwecke über die schönen Künste, die zu „schematischer Serienproduktion herabsanken

[...]


[1]Http://www-gewi.uni-graz.at/slaw/studium/ring_vo/scripts/pg_kultpol.pdf.

[2]Eimermacher, Karl:Dokumente zur sowjetischen Literaturpolitik 1917-1932. Mit einer Analyse von Karl Eimermacher. Stuttgart: Kohlhammer, 1972, S. 15.

[3]Torke, Hans-Joachim (Hrsg.):Historisches Lexikon der Sowjetunion. 1917/22 bis 1991. München: Beck, 1993, S. 376.

[4]Eimermacher (1972), S. 15.

[5]Hildermeier, Manfred:Geschichte der Sowjetunion 1917 – 1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. München: Beck, 1998, S. 567.

[6]Ebd. S. 563 ff.

[7]Ebd. S. 564.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
M. Bulgakov und J. Stalin - Der Schriftsteller und der Diktator
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Slavistik)
Veranstaltung
Russische und polnische Kulturpolitik und Literatur in der Stalinzeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V151603
ISBN (eBook)
9783640631308
ISBN (Buch)
9783640631032
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bulgakov, Stalin, Stalinismus, russische Literatur
Arbeit zitieren
Ute Drechsler (Autor), 2007, M. Bulgakov und J. Stalin - Der Schriftsteller und der Diktator, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151603

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