In der vorliegenden Hausarbeit soll das Verhältnis des Schriftstellers Michail A. Bulgakov zum Diktator Jossif V. Stalin untersucht werden. Hierzu wird zunächst die kulturpolitische Situation in der Zeit von 1917 (nach Ende der Revolution) bis 1940 (Bulgakovs Todesjahr) betrachtet.
Danach soll die Person Stalin und der Stalinismus in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt sowie sein Weg an die Macht kurz besprochen werden.
Im dritten Kapitel soll Bulgakov vorgestellt werden. Dabei wird auf sein Elternhaus und seine Biografie eingegangen werden.
Im vierten Teil, dem Hauptteil, wird es um die Zeugnisse der Beziehung zwischen Bulgakov und Stalin gehen. Dabei wird der Schwerpunkt natürlicherweise auf der Sicht Bulgakovs auf Stalin liegen, da es wenig Material zu Stalins Meinung über Bulgakov gibt.
Im letzten Kapitel wird versucht, das Verhalten Stalins an Hand der vorangegangen Analyse und mit Hilfe von Sekundärliteratur zu bewerten.
Die Frage, die in der Hausarbeit beantwortet werden soll, ist folgende: Was dachte Bulgakov über den Diktator, der einem Gott ähnlich über sein Leben verfügen konnte und wie lässt sich erklären, dass Stalin sich zunächst persönlich des Schicksals Bulgakovs annahm, dann aber das Interesse an ihm verlor?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Entwicklung der Kulturpolitik
2. Der Sozialistische Realismus
3. Der Weg Stalins an die Macht
4. Stalins Herrschaft – Stalinismus
5. Michail A. Bulgakov
6. Die Beziehung Bulgakov – Stalin
6.1. Brief an die Regierung der UdSSR – 28. März 1930
6.2. Der Anruf von Stalin
6.3. Brief an Jossif Stalin – 30. Mai 1931
6.4. Brief an Jossif Stalin – 4.Februar 1938
6.5. Das Theaterstück Batum
7. Die Beziehung Stalin – Bulgakov
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe und spannungsreiche Verhältnis zwischen dem russischen Schriftsteller Michail A. Bulgakov und dem sowjetischen Diktator Jossif V. Stalin. Im Zentrum steht die Analyse der literarischen Handlungsspielräume unter einer totalitären Herrschaft sowie die Beantwortung der Frage, wie Bulgakovs Sicht auf Stalin und dessen unvorhersehbare Einflussnahme auf sein Leben und Werk zu bewerten ist.
- Die Entwicklung der sowjetischen Kulturpolitik zwischen 1917 und 1940.
- Die Implementierung und Auswirkungen der Doktrin des Sozialistischen Realismus.
- Die Charakterisierung der stalinistischen Herrschaftsstrukturen und deren Willkür.
- Die detaillierte Analyse der Korrespondenz zwischen Bulgakov und Stalin.
- Der Einfluss politischer Machtverhältnisse auf die künstlerische Integrität und Existenz.
Auszug aus dem Buch
6.2. Der Anruf von Stalin
Ungefähr 3 Wochen später rief Stalin bei Bulgakov an. Stalin fragte ihn, ob er wirklich ins Ausland wolle. Dies war eine heikle Frage, denn einerseits hätte Stalin ihm diese Bitte gewähren können, andererseits aber hätte er Bulgakov auch wegen antisowjetischen Verhaltens verhaften lassen können. So antwortete Bulgakov, ein russische Schriftsteller könne nicht außerhalb seiner Heimat leben. Als nächstes fragte er Bulgakov, wo er gerne arbeiten wolle, im Moskauer Künstlertheater vielleicht, er solle es noch einmal mit einer Bewerbung versuchen. (Bulgakov wurde dort schon einmal abgewiesen).
Dann schlug Stalin vor, dass man sich „gelegentlich auf ein Gespräch treffen solle“, was bei Bulgakov „enthusiastische Gefühle auslöste.“ Curtis meint, dass Bulgakov damit die naive, aber menschliche Hoffnung verrät, dass seine Qualen nur das Ergebnis eines Missverständnisses seien, in dem Sinn, dass Stalin vielleicht ja gar nicht wusste, was im Einzelnen alles geschah und dass er die Dinge schon regeln würde, wenn man ihm nur alles vernünftig erkläre. Diese Meinung war in der Tat weit verbreitet in der Bevölkerung. Viele glaubten der „Halbgott“ Stalin wüsste nichts von den Verbrechen, die da geschahen, sondern „seine Einflüsterer würden ihn hintergehen“.
Außerdem meint Curtis, dass Bulgakovs Haltung im Nachhinein als politisch naiv bzw. sogar als moralisch fragwürdig erscheint, denn aus seinen Briefen und Tagebüchern ginge hervor, dass er sehr genau wusste, wie sehr die Literatur und das künstlerische Schaffen im allgemeinen unter der Zensur litten, dies wusste er ja auch aus eigener Erfahrung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Verhältnisses zwischen Bulgakov und Stalin sowie Skizzierung der methodischen Vorgehensweise.
1. Die Entwicklung der Kulturpolitik: Untersuchung der repressiven Phasen der sowjetischen Literaturpolitik von 1917 bis 1940.
2. Der Sozialistische Realismus: Analyse der ideologischen Vorgaben, die Schriftsteller zu „Ingenieuren der Seele“ degradierte.
3. Der Weg Stalins an die Macht: Darstellung von Stalins Aufstieg durch die Ausschaltung politischer Rivalen und den Einsatz von Propaganda.
4. Stalins Herrschaft – Stalinismus: Beschreibung der Schreckensherrschaft, der Großen Säuberung und der totalen staatlichen Lenkung.
5. Michail A. Bulgakov: Biografischer Abriss des Autors mit Fokus auf seinem Kampf mit der Zensur und seiner finanziellen Not.
6. Die Beziehung Bulgakov – Stalin: Analyse ausgewählter Briefe Bulgakovs an Stalin und die Auswirkungen des persönlichen Kontakts.
7. Die Beziehung Stalin – Bulgakov: Zusammenführende Betrachtung der Charakteranalyse Stalins und dessen willkürlichem Umgang mit Kulturschaffenden.
Schluss: Zusammenfassung der Erkenntnisse zur Unbegreiflichkeit von Stalins Handeln und der schwierigen Lage des Künstlers.
Schlüsselwörter
Michail A. Bulgakov, Jossif Stalin, Stalinismus, Sowjetische Kulturpolitik, Zensur, Sozialistischer Realismus, Literaturfreiheit, Unterdrückung, Machtmissbrauch, Briefkorrespondenz, Moskauer Künstlertheater, Totalitarismus, Politische Willkür.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen dem Schriftsteller Michail A. Bulgakov und dem sowjetischen Diktator Stalin unter den Bedingungen der totalitären Zensur.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Neben den kulturpolitischen Rahmenbedingungen der Sowjetunion werden die psychologischen Aspekte der Machtausübung Stalins und deren direkter Einfluss auf das Leben Bulgakovs analysiert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, wie Bulgakovs Wahrnehmung des Diktators beschaffen war und warum Stalin, trotz seiner repressiven Politik, eine ambivalente Haltung gegenüber Bulgakov einnahm.
Welche wissenschaftliche Methode wird genutzt?
Es wird eine biographische und literaturhistorische Analyse auf Basis von Primärquellen, insbesondere der Briefe Bulgakovs an die Regierung, sowie ergänzender Sekundärliteratur durchgeführt.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der überlieferten Korrespondenz und die dramatischen Ereignisse, wie etwa Stalins Anruf bei Bulgakov, um die Interaktion zwischen Macht und Intellektualität zu beleuchten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Die Arbeit befasst sich primär mit Begriffen wie Stalinismus, Zensur, literarischer Freiheit, Machtwillkür und dem Spannungsfeld zwischen künstlerischer Integrität und politischem Überleben.
Wie interpretierte Bulgakov Stalins Anruf?
Bulgakov sah darin eine menschliche Hoffnung, die den Irrglauben nährte, Stalin sei sich der repressiven Auswüchse seines Apparats nicht bewusst und könne als "gerechter" Lenker agieren.
Warum kam es trotz der schwierigen Situation nie zu einer Verhaftung Bulgakovs?
Die Autorin führt dies auf die unberechenbare Willkürherrschaft Stalins zurück, der sich zeitweise persönlich für das Schicksal des Künstlers interessierte, möglicherweise aufgrund seiner Vorliebe für Bulgakovs Theaterstück „Die Tage der Turbins“.
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- Ute Drechsler (Author), 2007, M. Bulgakov und J. Stalin - Der Schriftsteller und der Diktator, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151603