In der vorliegenden Arbeit geht es um die Darstellung der Frauen in Francisco de Goyas Caprichos. Die aus 80 Blättern bestehende Serie entstand ab 1973. In dieser Zeit übte die Inquisition und die katholische Kirche massiven Druck auf die Bevölkerung Spaniens durch Verhöre, Folter und strenge Kontrollen aus. Ebenso begann sich in dieser Zeit aus Frankreich stammendes, aufklärerisches Gedankengut im noch relativ rückständigen Spanien zu verbreiten. Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll die Frage stehen, auf welche Weise Francisco de Goya die Frauen in seinen gesellschaftskritischen Caprichos darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Francisco de Goya
3. Die Caprichos
4. Rolle der Frau in der Gesellschaft des 18.Jahrhunderts in Spanien
5. Darstellung der Frauen in den Caprichos
5.1 Darstellung der Frauen als Hexen
5.2 Die Darstellung der Frau als Opfer
5.3 Darstellung der Frau bei der Eheschließung
5.4 Darstellung der Frau als Prostituierte
6. Fazit
7. Bibliographische Angaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild in Francisco de Goyas gesellschaftskritischer Serie Caprichos. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Goya Frauen in seinen Werken darstellt und auf welche Weise diese Darstellungen mit den gesellschaftlichen Bedingungen und dem Frauenbild im Spanien des 18. Jahrhunderts korrespondieren.
- Analyse des Einflusses der spanischen Inquisition und kirchlicher Machtstrukturen auf Goyas Werk.
- Untersuchung der Darstellung von Frauen in unterschiedlichen Rollenbildern wie Hexen, Opfern und Prostituierten.
- Hinterfragung der gesellschaftskritischen Perspektive Goyas hinsichtlich der Zwangsheirat und patriarchaler Strukturen.
- Kontextualisierung der künstlerischen Technik in Verbindung mit der satirischen Intention der Caprichos.
Auszug aus dem Buch
5.2 Die Darstellung der Frau als Opfer
Laut Volland satirisiert Goya mit seinen Caprichos das Verhalten von Männern und Frauen nicht gleichermaßen, sondern er kritisiert Frauen stärker als Männer. Zudem stellt Goya die Männer häufiger als das Opfer durchtriebener Frauen dar, als umgekehrt (vgl. Volland 1993, S.41). Da ich mich in dieser Seminararbeit aber auf die Darstellung der Frauen in Goyas Caprichos beschränke, werde ich im Folgenden lediglich exemplarisch jene Caprichos analysieren, in denen Frauen als Opfer präsentiert werden.
In Capricho Nr.8 Que se la llevaron! wird eine Frau von zwei gesichtslosen Personen verschleppt. Die dramatische Atmosphäre dieses Caprichos entsteht aufgrund der kombinierten Gestaltung aus Aquatinta und Radierung: „Das Gelände ist leer, der Himmel schwarz. Schwarz und verdeckt sind auch die Gesichter der Männer“ (Hagen et al. 2003, S.38). Es ist gut möglich, dass die Dunkelheit einen Mangel an Erleuchtung im aufklärerischen Sinn demonstrieren soll. Zumal einer der Entführer eine Mönchskutte trägt und somit dem wenig aufklärerischen Klerus angehört. Der starke Kontrast zwischen hell und dunkel ist durch die Anwendung der Aquatinta Technik möglich und verleiht dem Capricho „seine besondere Brutalität und Hoffnungslosigkeit“ (ebd., S.38). Der hintere der beiden Entführer trägt, wie bereits erwähnt, eine Mönchskutte, was ein eindeutiger Verweis auf die Gewaltverbrechen mancher Geistlichen im Namen der Kirche ist. Die Gesichter der Männer sind wegen ihrer Schwärze nicht erkennbar, sodass die Täter anonym bleiben. Das Gesicht der Frau hingegen ist klar erkennbar durch die helle, weißfarbige Gestaltung, welche einen Kontrast zur dunklen Umgebung mit dem tiefschwarzen Hintergrund bildet. Das weiße Gesicht der Frau sticht förmlich heraus im Vergleich zu der dunklen Umgebung. Da das Gesicht der Frau als einziges von Goya klar ausgearbeitet wurde und somit gut erkennbar ist, wird auch ersichtlich, dass die Frau leidvoll aufschreit. Die Angststarre der Frau und die Anonymität der Täter lassen das Capricho Nr.8 noch unheimlicher und dramatischer wirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, die Darstellung von Frauen in Goyas Caprichos zu analysieren und in den Kontext des Spaniens des 18. Jahrhunderts zu setzen.
2. Francisco de Goya: Dieses Kapitel erläutert die Biografie Goyas, insbesondere seinen künstlerischen Richtungswechsel infolge einer schweren Krankheit und seine ambivalente Stellung zum spanischen Königshaus.
3. Die Caprichos: Hier wird die Bedeutung und Entstehung der Caprichos als gesellschaftskritische Satire beschrieben, die Goya ohne direkten Auftrag zur Verarbeitung seiner Ängste und Visionen schuf.
4. Rolle der Frau in der Gesellschaft des 18.Jahrhunderts in Spanien: Dieses Kapitel skizziert die gesellschaftliche Stellung der Frau, die trotz zunehmender öffentlicher Präsenz weiterhin stark untergeordnet war und mit Vorurteilen über einen „schwachen Charakter“ zu kämpfen hatte.
5. Darstellung der Frauen in den Caprichos: Das Hauptkapitel untersucht die vielschichtige und oft negative Abbildung von Frauen, wobei die Diversität der Rollen von der Hexe bis zum Opfer hervorgehoben wird.
5.1 Darstellung der Frauen als Hexen: Die Analyse zeigt, wie Goya durch die Darstellung alter Frauen als Hexen den zeitgenössischen Aberglauben satirisch kommentierte und mit traditionellen Schönheitsidealen brach.
5.2 Die Darstellung der Frau als Opfer: In diesem Teil wird analysiert, wie Goya Frauen als Leidtragende von Gewalt durch Klerus und Inquisition bei gleichzeitiger impliziter Mitschuld diskutiert.
5.3 Darstellung der Frau bei der Eheschließung: Das Kapitel behandelt die Kritik Goyas an rational begründeten Zweckehen innerhalb der Aristokratie und die damit verbundene Rolle der Frau als „Opfer“ oder „Komplizin“.
5.4 Darstellung der Frau als Prostituierte: Hier wird beleuchtet, wie Goya in den Caprichos Prostituierte als Täterinnen inszeniert, während er gleichzeitig die männliche Verantwortung für das Milieu hinterfragt.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Goyas Frauenbild ambivalent bleibt, insgesamt jedoch eine latente Frauenfeindlichkeit im Spiegel des satirischen Charakters der Werke erkennbar ist.
7. Bibliographische Angaben: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur zur Unterstützung der Analyse.
Schlüsselwörter
Francisco de Goya, Caprichos, Frauenbild, 18. Jahrhundert, Spanien, Inquisition, Satire, Zwangsheirat, Hexenwesen, Prostitution, Opferrolle, Gesellschaftskritik, Radierung, Aquatinta, Männermacht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Frauenbild in Francisco de Goyas berühmter Radierserie Caprichos und analysiert, wie Goya weibliche Figuren in seinem gesellschaftskritischen Werk darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind der Einfluss von Religion und Inquisition, die gesellschaftliche Stellung der Frau im 18. Jahrhundert, die Kritik an Zwangsehen sowie die Darstellung von Frauen in unterschiedlichen Rollen wie Opfern, Täterinnen oder Hexen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob Goya ein einheitliches Frauenbild vertritt oder ob die Darstellung in den Caprichos als Ausdruck der satirischen Kritik an der damaligen spanischen Gesellschaft zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Bei der Untersuchung handelt es sich um eine kunsthistorische und kulturwissenschaftliche Analyse, die den Werkkontext mit bildanalytischen Aspekten kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Fallanalysen einzelner Caprichos, die jeweils die Darstellung von Frauen als Hexen, Opfer, Bräute in Zweckehen und Prostituierte untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Goya, Caprichos, Frauenbild, Gesellschaftskritik, Inquisition, Opferrolle und Satire.
Wie unterscheidet Goya in den Caprichos zwischen jungen und alten Frauen?
Junge Frauen werden meist mit klaren, schönen Gesichtern dargestellt, während er alte Frauen oft in verzerrter, hässlicher oder gar „maskulinisierter“ Form abbildet, um bestimmte satirische Effekte zu erzielen.
Gibt Goya Frauen eine Mitschuld an ihrer prekären Lage?
Ja, in einigen Kommentaren zu seinen Werken deutet Goya an, dass Frauen durch ihr eigenes Verhalten – etwa mangelnde Vorsicht oder Oberflächlichkeit bei der Partnerwahl – eine Mitschuld an ihren Schicksalen, wie Entführungen oder erzwungenen Ehen, tragen.
- Arbeit zitieren
- Eva Langguth (Autor:in), 2014, Auf welche Weise stellt Francisco de Goya die Frauen in seinen gesellschaftskritischen Caprichos dar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1516196