Die Erforschung der jiddischen Sprache hat sich seit dem letzten Jahrhundert entwickelt und das Interesse an der jiddischen Sprache sowohl selbst bei Juden als auch bei Nichtjuden gewinnt immer mehr Aufmerksamkeit.
Das Jiddische, das für fast tausend Jahre die Muttersprache der aschkenasischen Juden war, wurde in verschiedenen historischen und kulturellen Lebensbereichen von anderen Sprachen stark beeinflusst. Durch die Zerstreuung der Juden in die verschiedenen Länder kam es zu einem Sprachwechsel in neuer Sprachumgebung. Diese Sprachen haben in der Entwicklung des Jiddischen auf fast alle Spracheebenen ihre Spur hinterlassen, weswegen das Jiddische zahlreiche Sprachmerkmale aufweist, die für die jeweilige Sprache typisch sind (Simon).
Der Begriff „jiddisch“ ist ein neues Kunstwort und tritt erst im 20. Jahrhundert in deutschsprachigen Kontexten auf. Der Begriff geht auf die englische Form „Yiddish“ zurück, welcher eine Anglisierung des Deutschen „jüdisch“ ist (Simon, S 27). Bei der Anglisierung wurde der Konsonant „d“ verdoppelt, um die Aussprache „i“ zu erhalten und der sonst im Englischen naheliegenden Aussprache „ai“ vorzubeugen. Von da aus wurde das Wort in der Form „jiddisch“ auch ins Deutsche übernommen.
Unter Jiddisch versteht man die Sprache der nicht– assimilierten jüdischen Bevölkerung Ost– und (zum Teil auch) Mitteleuropas und zählt wie das Deutsche, das Englische oder das Niederländische, zu den westgermanischen Sprachen. In dieser Gruppe nimmt es jedoch eine besondere Position ein. Einerseits wird es nicht in lateinischen, sondern in hebräischen Schriftzeichen notiert, andererseits ist es von zahlreichen Einflüssen aus anderen Sprachfamilien geprägt, wobei die slawischen Sprachen eine besonders bedeutende Rolle spielen (Bihari).
In den slawischen Ländern kam die Sprache der Juden in enge Berührung mit den slawischen Sprachen und somit begann eine direkte, starke Einwirkung dieser Sprachen auf das Jiddische. Aus diesen Sprachen wurden hauptsächlich Wörter des täglichen Gebrauchs übernommen, die sich hauptsächlich auf das tägliche Leben, insbesondere auf Ernährung, Kleidung, Beruf und Familie beziehen. Mehr als ein Zehntel des Gesamtwortschatzes wurde übernommen (Birnbaum).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Im Bereich der Morphologie
Internationale Slawismen im Jiddischen
Abweichendes Genus von Internationalismen
Abweichendes Genus von Substantiven germanischer Herkunft
Die Plural von Nomen im Jiddischen
Andere morphologische Merkmale
Im Bereich der Syntax
Doppelte Negation
Steigerungsformen im Jiddischen
Flektierte Adjektive
Wortstellung
Partizip 2 am Ende des Satzes
Im Bereich des Wortschatzes
Die Konjunktion und Partikel „chotsch"
Die Konjunktion „zi"
Slawisches „nu" im Jiddischen
„Jetzt verkochen wir die Kasche"
Andere slawische Wörter im Jiddischen
Pronomen im Jiddischen
Reflexivpronomen „sich"
Possessivpronomen „sein"
Relativpronomen „wos"
Weglassen des Personalpronomens
Hybride Formen im Jiddischen
Deutsch - slawische hybride Formen
Slawisch - hebräische hybride Formen
Slawisch - deutsche hybride Formen
Verben im Jiddischen
Verben im Plusquamperfekt
Verben mit ge-, et- Konjugation
Verben mit „hobn" Konjugation
Infinitivsätze
Weglassen des Partizip Perfekts
Starker Gebrauch reflexiven Formen
Slawische Verbalpräfixe im Jiddischen
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der slawischen Sprachen auf das Jiddische anhand der literarischen Werke des Nobelpreisträgers I. Bashevis Singer. Ziel ist es, sprachliche Phänomene in Morphologie, Syntax, Wortschatz und Verbalsystem zu identifizieren, die durch den Kontakt mit slawischen Sprachen wie Polnisch, Russisch oder Ukrainisch entstanden sind.
- Morphologische Einflüsse und Affix-Bildungen
- Syntaktische Besonderheiten und Wortstellungsregeln
- Entlehnungen aus dem slawischen Wortschatz
- Hybride Sprachformen und Mischbildung
- Besonderheiten des Verbsystems unter slawischem Einfluss
Auszug aus dem Buch
.Im Bereich der Morphologie
Das Jiddische hat eine Vielzahl von Affixen aus den slawischen Sprachen aufgenommen und im Bereich der Wortbildung produktiv eingesetzt. Diese Affixe sollen vor allem das bestehende System erweitern und präzisieren (Weissberg, S 220). Sie werden sowohl slawischen als auch deutschen und hebräischen Wörtern angehängt. Es handelt es sich überwiegend um Suffixe, die zur Bildung von Personenbezeichnungen sehr produktiv geworden sind:
-nik (männlich), -nice (weiblich) - personifizierendes oder agensbildendes Suffix:
„ejn mol sogt zu mir a pempik: sejde, ß'is alz di ejgene *majße. (Gimpl der Narr, S 10, Z 2) Dickmops, Wettwanst (Duden Jiddisches Wörterbuch, S 141). .In der Übersetzung - Lausekerl, (Ein dicker Junge sagte einmal zu mir: „Großvater, das ist doch dasselbe, was du uns früher erzählt hast". Der kleine Lausekerl, er hatte Recht).
„di parschojnen woß flegn do arajnkumen senen ale schrekleche nudnikeß" (di Kafeterje, S 5, Z 55 - 56). Nudnik - Nervensäge, Jiddisches Wörterbuch, S 128) in der Übersetzung (die Männer, die hierherkommen, sind furchtbar langweilig).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Geschichte und linguistische Entwicklung des Jiddischen sowie die Erläuterung der Textbasis (I. Bashevis Singer).
Im Bereich der Morphologie: Analyse slawischer Affixe und Suffixe, die zur Bildung von Personenbezeichnungen und zur Diminutivbildung im Jiddischen dienen.
Im Bereich der Syntax: Untersuchung der doppelten Negation, der Steigerungsformen, der Adjektivflexion sowie der Satzstellung und Partizip-Verwendung.
Im Bereich des Wortschatzes: Vorstellung von Lehnwörtern und slawischen Partikeln/Konjunktionen sowie deren Integration in den jiddischen Sprachgebrauch.
Pronomen im Jiddischen: Analyse der Reflexiv- und Possessivpronomen sowie der Bedeutung des Relativpronomens „wos“ und Besonderheiten bei der Pronomennutzung.
Hybride Formen im Jiddischen: Betrachtung von Wortbildungen, bei denen Elemente aus verschiedenen Sprachen zu neuen Morphemen verschmelzen.
Verben im Jiddischen: Untersuchung der Konjugationsbesonderheiten, Infinitivsätze und des Gebrauchs reflexiver Formen im jiddischen Verbalsystem.
Slawische Verbalpräfixe im Jiddischen: Erklärung der Funktion slawisch beeinflusster Präfixe als Mittel zur Aspektbildung oder Handlungsintensivierung.
Zusammenfassung: Fazit über die Rolle der slawischen Einflüsse als Ergänzung und Bereicherung der jiddischen Sprache.
Schlüsselwörter
Jiddisch, Slawisch, Sprachkontakt, I. Bashevis Singer, Morphologie, Syntax, Wortschatz, Verben, Hybride Formen, Sprachwandel, Lehnwörter, Linguistik, Ostjiddisch, Aschkenasische Juden, Grammatik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den slawischen Einfluss auf die jiddische Sprache anhand von Erzählungen des Schriftstellers I. Bashevis Singer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Bereiche Morphologie, Syntax, Wortschatz, Pronomina sowie das Verbalsystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, nachzuweisen, wie slawische Strukturen und Wörter das Jiddische über Jahrhunderte geprägt und durch direkte Kontakte beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Analyse ausgewählter Primärtexte (Werke von Singer), ergänzt um philologische Theorien und Wörterbücher.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil detailliert die spezifischen linguistischen Übernahmen, von Suffixen über Satzbau-Besonderheiten bis hin zu hybriden Wortbildungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Jiddisch, Sprachkontakt, slawische Elemente, Morphologie, Syntax und hybride Sprachformen.
Wie unterscheidet sich die jiddische Syntax von der deutschen?
Durch den slawischen Einfluss weist das Jiddische Besonderheiten wie die doppelte Negation oder eine flexiblere Stellung des Verbs/Partizips auf.
Welche Bedeutung hat das Wort „nu“ im Jiddischen?
„Nu“ dient als emotionaler Übergang (analog zu „na“ im Deutschen) zur Einleitung von Äußerungen, die Ungeduld, Zuspruch oder Überraschung ausdrücken können.
Was sind hybride Formen im Jiddischen?
Dies sind Wörter, bei denen Elemente aus verschiedenen Sprachen (z.B. slawisches Grundwort und deutsches Suffix) zu einem neuen Morphem verschmelzen.
Spielen die Werke von I. Bashevis Singer eine Rolle als Sprachbeleg?
Ja, der Autor dient als Hauptquelle, da in seinen Texten der slawische Einfluss aufgrund seiner Biografie und Themenwahl besonders deutlich erkennbar ist.
- Arbeit zitieren
- Arayik Abgaryan (Autor:in), 2023, Der slawische Einfluss im Jiddischen. Eine Analyse anhand der Texte von I. Bashevis Singer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1516242