Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne und Cytotec

Eine mehrdimensionale Betrachtung


Hausarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemaufriss
1.2 Zielstellung

2 Die Entwicklung und Etablierung von Mifegyne®
2.1 Die Entdeckung
2.2 Die Zulassung

3 Die Wirkung von Mifepriston in Verbindung mit Prostaglandin

4 Der Behandlungsablauf beim medikamentösen Abbruch
4.1 Der erste Termin
4.2 Der zweite Termin
4.3 Der dritte Termin

5 Ausschlusskriterien für die Behandlung mit Mifepriston und Prostaglandin

6 Der Chirurgsche Abbruch als Alternative
6.1 Die Aspiration
6.2 Die klassische Kürettage

7 Vor- und Nachteile des Aborts mit RU 486 im Vergleich zum instrumentellen Eingriff
7.1 Medizinische Vorteile
7.2 Medizinische Nachteile
7.3 Psychologische Vorteile
7.4 Psychologische Nachteile

8 Die seelische Verträglichkeit des pharmakologischen Abbruchs
8.1 Die Hemmerling – Studie
8.2 Schlussfolgerungen für die psychische Akzeptanz von RU

9 Die Gegner von Mifegyne®
9.1 Argumente kirchlicher Organisationen
9.2 Argumente feministischer Gegner

10 Mifegyne® im Blickpunkt der medizinischen Ethik

11 Zusammenfassung

12 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemaufriss

„Schwangerschaft ist definiert als Zustand des mütterlichen Körpers während der Fruchtentwicklung von der Befruchtung des Eies bis zur Geburt.“[1]

Im Jahr 2009 entschieden sich ca. 650 000 Frauen in Deutschland für eine Schwangerschaft und das erfolgreiche Austragen eines Kindes.

„Unter Schwangerschaftsabbruch […] versteht man die absichtliche Entfernung oder Herbeiführung der Ausstoßung einer außerhalb des Mutterleibes noch nicht lebensfähigen, vitalen Leibesfrucht (Embryo oder Fetus) aus der Gebärmutter.“[2]

Deutsche Ärzte meldeten 2009 etwa 110 700 Fälle von Abortionen. Die Zahl der nicht registrierten Fälle liegt nach Schätzungen bei ca. 250 000.[3] Nimmt man nur die Summe der bestätigten Abbrüche, entschied sich im Vorjahr annähernd jede siebte schwangere Frau gegen die Weiterführung und für die Beendigung ihrer Schwangerschaft.

Obwohl die Zahl der gemeldeten Abtreibungen von Jahr zu Jahr kontinuierlich sinkt, bleibt dieses Thema ein brisantes und höchst umstrittenes. Mit der Einführung der Abtreibungspille RU 486 unter dem Markenamen Mifegyne® erhielten deutsche Frauen im November 1999 erstmals die Möglichkeit, zwischen einem chirurgischen und einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch zu wählen. Die Umstrittenheit dieser Zulassung zeigen nicht zuletzt die hitzigen Debatten im Vorfeld und der Kampf der Anti-Fraktion um das Verbot der Pille in vielen Ländern weltweit.

In nunmehr über zehn Jahren konnten in Deutschland sowohl betroffene Frauen, als auch praktizierende Ärzte wichtige Erfahrungen mit dem Präparat sammeln. Seit der Einführung der Pille wird vor allem die emotionale Verträglichkeit von Mifegyne® gegenüber altherkömmlichen Abtreibungsmethoden immer wieder kritisch in Frage gestellt. Obwohl es nur wenige tiefgründige und vor allem objektive Auseinandersetzungen zum Thema RU 486 gibt, steigt der Anteil dieser Methode 2009 von 12% im Vorjahr auf 14% Anteil an den Gesamtabbrüchen[4]. Nicht zuletzt ist dies ein Grund, sich nach wie vor mit dem Thema wissenschaftlich und patientinnenorientiert zu befassen. Den medizinischen Spagat zwischen Innovation und Verträglichkeit gilt es weiterhin objektiv und kritisch unter die Lupe zu nehmen.

1.2 Zielstellung

Die wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung zur Behandlung, Verlauf und Verträglichkeit der Abbruchspille Mifegyne®. Dabei werden auch Vergleiche zu bekannten chirurgischen Methoden gezogen.

Ferner werden unter Einbezug gegnerischer Meinungen ethische Aspekte des medikamentösen Schwangerschaftsabbruches beleuchtet, sowie Vor-/Nachteile des Verfahrens eruiert.

2 Die Entwicklung und Etablierung von Mifegyne®

2.1 Die Entdeckung

Seit Entdeckung der Antibabypille im Jahr 1958 stieg das wissenschaftliche Interesse an der Untersuchung von Hormonen. Vor allem die komplexen hormonellen Vorgänge im weiblichen Körper rückten in den Blickpunkt vieler Endokrinologen.

Unter Leitung von Edouard Sakiz und Etienne-Emile Baulieu entdeckte in den 60er Jahren eine Forschergruppe des französischen Pharmaunternehmens „Roussel Uclaf“ in der Gebärmutter die Rezeptoren des Gelbkörperhormons Progesteron, das den weiblichen Körper auf eine Schwangerschaft vorbereitet und für die Einnistung der befruchteten Eizelle sorgt. Über zehn Jahre später entwickelten sie ein Molekül, das sich anstelle von Progesteron an diese Rezeptoren anknüpfen und somit eine Schwangerschaft verhindern oder abbrechen kann. So war 1980 die Pille RU 38486 entstanden – RU steht für die Anfangsbuchstaben des Pharmakonzerns, 38486 ist die Forschungsziffer (später verkürzt auf 486).

2.2 Die Zulassung

Nach einigen medizinischen Studien in verschiedenen Ländern, die mit einer 80%igen Erfolgsrate positiv verliefen, wurde der Wirkstoff Mifepriston unter dem Handelsnamen Mifegyne® am 23.09.1988 erstmals in Frankreich als Abtreibungsmittel zugelassen. Nach heftigen Protesten von Abtreibungsgegnern wurde sie nur kurze Zeit später wieder vom französischen Markt genommen, um Ende Oktober erneut - und diesmal auf unbestimmte Zeit - zugelassen zu werden. Im selben Jahr kopierte China den Wirkstoff und brachte ihn mit dem Namen „ Chinesisches RU 486“ auf den inländischen Markt.

Nur drei Jahre später vermarktete auch Großbritannien Mifegyne® nach Abschluss der medizinischen Studien; kurze Zeit später zog Schweden nach.

1992 wurde die Abtreibungspille von einer kleinen amerikanischen Forschergruppe unter Ausschluss der US-Öffentlichkeit nachkonstruiert, zehn Kliniken wurden zu Testzwecken mit dem Präparat beliefert. Die amerikanische Zulassung und Etablierung von Mifegyne® wurde durch Bill Clinton selbst vorangetrieben, 1994 erhielt die USA die inländischen Patente für RU 486.

Edouard Sakiz gründet 1997 „Exelgyn“ in Paris und vertreibt über diese Firma als weltweiter Patentinhaber (außer USA) bis heute in vielen europäischen Ländern den Wirkstoff Mifepriston unter dem Handelsnamen Mifegyne®.

3 Die Wirkung von Mifepriston in Verbindung mit Prostaglandin

Mifepriston ist ein chemisch hergestelltes Antihormon, das sich anstelle von Progesteron an die Rezeptoren der Gebärmutterzellen bindet und somit die schwangerschaftsfördernde bzw. -erhaltende Wirkung des Gelbkörperhormons verhindert. Mifepriston selbst ruft am Rezeptor keine Wirkung hervor, macht den Körper allerdings empfänglicher für die Aufnahme von Prostaglandin. In Folge der Rezeptorenblockierung kommt es zu einem Abschrumpfen der Gebärmutterschleimhaut. Der Embryo löst sich dadurch von der Gebärmutterwand, der Körper stellt die Produktion des Schwangerschaftshormons hCG (human Choriongonadotropin) ein. Progesteron wird nach und nach kontinuierlich abgebaut. Im weiteren Verlauf beginnt die Gebärmutter sich aufgrund des Mifepriston zusammenzuziehen, der Muttermund wird weicher und dehnt sich leicht. Der Körper entledigt sich der Frucht mittels einer künstlich herbeigeführten Blutung.

36 bis 48 Stunden nach der Gabe von Mifepriston muss zusätzlich Prostaglandin verabreicht werden. Dieses Hormon fördert neben der Öffnung des Muttermundes auch die Kontraktion der Gebärmutter und damit die Ausstoßung des Embryos.

In der Regel wird in Deutschland das Präparat Mifegyne® in Verbindung mit dem Prostaglandin Cytotec® verwendet. In 96% der Fälle, in denen Mifepriston mit Prostaglandin kombiniert wird, ist der pharmakologische Abbruch allein erfolgreich. In den restlichen Fällen muss aufgrund eines unvollständigen, oder fehlgeschlagenen Aborts instrumentell nachbehandelt werden.

[...]


[1] Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Schwangerschaft. Online im Internet/URL: http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gastg&p_aid=&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=8651::Vakuumaspiration. Zugriffsdatum: 29.03.2010.

[2] Wikipedia. Schwangerschaftsabbruch. Online im Internet/URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Schwangerschaftsabbruch. Zugriffsdatum: 29.03.2010.

[3] Vgl. Prof. Dr. med. Dr. h.c. Thomas Rabe (2010). Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland und Notfallkontrazeption. Online im Internet/URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Newsletter/NL_2010_02_Rabe-Pressemitt_DGGEF.pdf [PDF-Datei] Zugriffsdatum: 29.03.2010.

[4] Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland. Schwangerschaftsabbrüche. Ergebnisse der Statistik. Online im Internet/URL: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Gesundheit/Schwangerschaftsabbrueche/Aktuell,templateId=renderPrint.psml Zugriffsdatum: 29.03.2010.

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Details

Titel
Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne und Cytotec
Untertitel
Eine mehrdimensionale Betrachtung
Hochschule
Fachhochschule Erfurt  (Fakultät Sozialwesen)
Veranstaltung
Medizinische Ethik
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V151667
ISBN (eBook)
9783640633111
ISBN (Buch)
9783640632954
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mifeygyne, Cytotec, Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch, Abtreibung, Medizinische Ethik, RU 486, Schwangerschaftsabbruch, Mifepriston, Prostaglandin, Banlieue
Arbeit zitieren
Melanie Röder (Autor), 2010, Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne und Cytotec, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151667

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