Dieser Arbeit liegt die Hypothese zugrunde, dass eine einseitige Fokussierung der Bildungsabsichten entweder zugunsten der materialen oder der formalen Seite von Bildung, einem Konzept nachsteht, dass beide Seiten miteinander zu vereinen sucht. Dieser Ansatz geht auf die in Deutschland sehr einflussreiche Bildungstheorie von W. KLAFKI zurück. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Grundzüge des Allgemeinbildungskonzept KLAFKIS einer Analyse zu unterziehen: erstens hinsichtlich seiner expliziten Verweise auf die Tradition der Aufklärung und zweitens hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit den in Deutschland eingeführten Bildungsstandards.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Definition
2.1) Bildung
2.2) Erziehung
3.) Darstellung der Textgrundlage
3.1) „Abschied von der Aufklärung?“
3.2) Gegenüberstellung
4.) Bildungsstandards und Allgemeinbildung
4.1) Vereinbarkeit der Begriffe
4.2) Vereinbarkeit der Konzepte
5.) Schluss
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vereinbarkeit zwischen dem bildungstheoretischen Ansatz von W. Klafki und den in Deutschland eingeführten Bildungsstandards. Ziel ist es, die Konzepte auf ihre theoretischen Grundlagen in der Aufklärung sowie ihre praktische Anwendbarkeit zu prüfen, um ein tieferes Verständnis für das Spannungsfeld zwischen formalen Leistungsvorgaben und ganzheitlichen Bildungszielen zu schaffen.
- Klafki's Konzept der Allgemeinbildung
- Die Tradition der Aufklärung in der Bildungstheorie
- Vergleich zwischen Leistungsstandards und Bildungsbegriff
- Möglichkeiten einer integrativen pädagogischen Praxis
Auszug aus dem Buch
3.2) Gegenüberstellung
Da der soeben dargestellte Text explizit auf die Aufklärung verweist, ist zu klären, inwieweit er tatsächlich an diese Denktradition anknüpft und wo er eventuell über sie hinaus geht oder mit ihr bricht. Als Vergleichsbasis dienen die Aufsätze von KANT mit den Titeln „Was ist Aufklärung“ und „Über Erziehung“ (zitiert nach Baumgart, 2007, S. 39-40; S. 42-46).
Eine deutliche Übereinstimmung beider Theorien liegt in der grundlegenden Forderung, den eigenen Verstand selbstständig zu gebrauchen: „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung“ (ebd., S. 39); „Bildung muß m. E. heute als selbstständig erarbeiteter und personal verantworteter Zusammenhang dreier Grundfähigkeiten verstanden werden“ (Klafki, 1990, S. 93). An den ausgewählten Zitaten lässt sich jedoch auch ein Unterschied vernehmen. KLAFKI bewertet den eigenen Verstandesgebrauch nicht ausschließlich als Selbstzweck, sondern sieht ihn auch als ein Mittel zugunsten des Erwerbs dreier Grundfähigkeiten an. Allerdings verkörpern in seinem Konzept auch diese Grundfähigkeiten und noch weniger die ihnen untergeordneten instrumentellen Fähigkeiten nicht den Endzweck von Bildung. Schließlich sagt das Vorhandensein von Fähigkeiten noch nichts über ihren Gebrauch aus: „die als solche nichts über ihre begründbare, verantwortbare Verwendung sagen“ (ebd., S. 102).
Zwar betont auch KANT den höchsten Gebrauch des Verstandes in Bezug auf das moralisches Handeln: „Der Mensch soll nicht bloß zu allerlei Zwecken geschickt sein, sondern auch die Gesinnung bekommen, daß er nur lauter gute Zwecke erwähle“ (zit. nach Baumgart, 2007, S. 44), doch haftet seiner Beschreibung der menschlichen Verstandesfähigkeit und dessen, was Erziehung leisten kann, eine überhöhende Wirkung an, was durch die Positionierung in einem Begriffsfeld zwischen „gut“ und „böse“ zusätzlich unterstrichen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Herausforderung ein, zwischen dem Anspruch auf Qualitätssicherung durch Bildungsstandards und dem traditionellen, auf Aufklärung fußenden Bildungsbegriff zu vermitteln.
2.) Definition: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten Bildung und Erziehung theoretisch fundiert und voneinander differenziert, um die Grundlage für die spätere Analyse zu schaffen.
3.) Darstellung der Textgrundlage: In diesem Kapitel wird Klaus Klafkis Aufsatz zu den Grundlinien einer zeitgemäßen Bildung kritisch analysiert und direkt der Philosophie Kants gegenübergestellt.
4.) Bildungsstandards und Allgemeinbildung: Das Kapitel diskutiert die Vereinbarkeit beider Konzepte und arbeitet die begrifflichen Unterschiede sowie die Gefahr einer Verengung des Bildungsbegriffs auf bloße Leistungsstandards heraus.
5.) Schluss: Der Schluss resümiert die Ergebnisse der Analyse und fordert eine Erweiterung des professionellen Lehrerwissens über rein instrumentelle Bildungskonzepte hinaus.
Schlüsselwörter
Bildung, Erziehung, Bildungsstandards, Allgemeinbildung, Klafki, Aufklärung, Schulpflicht, Leistungsstandards, Kerncurricula, Mündigkeit, Verstandesgebrauch, Didaktik, Bildsamkeit, Pädagogik, Schlüsselprobleme
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die mögliche Vereinbarkeit zwischen dem klassischen Allgemeinbildungskonzept nach Wolfgang Klafki und der modernen, standardorientierten Steuerung des Bildungssystems in Deutschland ("Bildungsstandards").
Welche Konzepte werden in der Arbeit hervorgehoben?
Im Zentrum stehen der Bildungsbegriff nach Klafki, der Bezug zu klassischen Aufklärungstheorien (Kant) und die Konzeption der bundesweit verpflichtenden Bildungsstandards.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Bildungsstandards den Anspruch an eine umfassende Allgemeinbildung erfüllen können oder ob sie lediglich als ein (formal) begrenztes Instrument zur Leistungsmessung zu verstehen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, bei der zentrale Texte klafkischer und kantischer Herkunft sowie offizielle Dokumente zur Einführung von Bildungsstandards kritisch gegeneinandergestellt und ausgewertet werden.
Wie ist der Hauptteil inhaltlich gegliedert?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Annäherung an die Basisbegriffe, die detaillierte Analyse der Thesen von Klafki, einen philosophischen Vergleich zur Aufklärung und die anschließende kritische Diskussion mit den modernen Bildungsstandards.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Schlüsselbegriffe wie Bildsamkeit, Mündigkeit, Leistungsstandards, Schlüsselprobleme, rationale Autonomie und die Kritik an einer rein funktionalistischen Sichtweise von Bildung.
Inwiefern beeinflusst Kants Philosophie die Argumentation in dieser Arbeit?
Kants Texte dienen als Referenzpunkt, um Klafkis Bildungskonzept in die Tradition der Aufklärung einzuordnen und festzustellen, wo Klafki diese Tradition weiterführt oder durch gesellschaftswissenschaftliche Ansätze präzisiert.
Warum warnt die Arbeit vor einer rein standardorientierten Bildung?
Die Arbeit warnt, dass eine alleinige Ausrichtung am Konzept der Bildungsstandards die Gefahr birgt, Schüler lediglich als funktionierende Teile der Gesellschaft zu betrachten und das eigentliche Bildungsziel der Mündigkeit und moralischen Urteilskraft zu untergraben.
- Arbeit zitieren
- Deborah Weißer (Autor:in), 2015, Bildungsstandards ohne Allgemeinbildung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1516846