Die vorliegende Eruierung beschäftigt sich beginnend mit den sprachlichen Besonderheiten der SMS-Kommunikation. Dazu sollen zunächst die Kommunikationsform SMS und ihre Funktionen untersucht werden. Um dem begrenzten Umfang der Arbeit gerecht zu werden, sollen anschließend drei ausgewählte sprachliche Phänomene, die besonders häufig in Kurznachrichten Anwendung finden, einer genaueren Betrachtung unterzogen werden: die Verwendung von Abkürzungen und Akronymen, die Groß- und Kleinschreibung in SMS und die Verwendung von Emoticons.
Bei allen Erscheinungen soll herausgearbeitet werden, wie sie im Einzelnen in Textnachrichten zu finden sind und welche Funktion sie erfüllen. Die Ergebnisse beanspruchen dabei keinesfalls ein absolutes Höchstmaß an Allgemeingültigkeit und Validität, da die sprachlichen Merkmale von SMS-Botschaften nicht nur durch das Medium Mobiltelefon bestimmt sind, sondern eben auch durch die Eigenschaften und persönlichen Beziehungen der Kommunizierenden.
Da SMS im Alltag von Kindern und Jugendlichen eine immense Rolle spielen – sowohl in kommunikativer als auch finanzieller Hinsicht –, soll im zweiten Teil der Arbeit untersucht werden, inwieweit aktuelle Deutsch-Schulbücher und die Fachdidaktik die Thematik aufnehmen, wie sie sie präsentieren und inwiefern es überhaupt sinnvoll ist, eine sich so schnell verändernde Technik in Schulbüchern bzw. im Unterricht zu verorten. Die Ergebnisse des theoretischen Teils der Arbeit werden dabei mit etwaigen bereits vorhandenen Unterrichtsmaterialien abgeglichen, um so ihre Durchführbarkeit und wissenschaftliche Korrektheit zu evaluieren sowie gegebenenfalls Vorschläge zu unterbreiten, wie diese verbessert oder ergänzt werden können.
Als Grundlage für die Argumentation dieser Arbeit dienten vor allem die Beiträge von Nicola Döring, Christa Dürscheid, Jannis Androutsopoulos und Peter Schlobinski. Insgesamt ist die Forschungsliteratur zum Thema jedoch als übersichtlich einzuschätzen. Da sich der Mobilfunkmarkt in den letzten Jahren preislich sehr zugunsten der Verbraucher verändert hat, werden auch wesentlich mehr SMS (auch in der Massenkommunikation) gesendet.
Hierzu fehlen allerdings neuere Studien, sodass für die vorliegende Arbeit noch mit den SMS-Korpora und Untersuchungsergebnissen von 2001/2002 gearbeitet werden muss, deren Argumentation und Ergebnisse angesichts der rasant fortschreitenden technologischen Entwicklung im Jahre 2010 zuweilen äußerst veraltet und beinahe lächerlich wirken.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Die Eigenschaften von SMS und ihre Funktionen
2 Sprachliche Besonderheiten in der SMS-Kommunikation
2.1 Abkürzungen, Akronyme und Reduktionen
2.2 Besonderheiten hinsichtlich der Groß- und Kleinschreibung
2.3 Emoticons
3 SMS als Unterrichtsgegenstand
3.1 SMS in Lehrbüchern
3.2 Bewusstmachung der Abweichungen von standard(schrift)sprachlichen Normen in SMS?
3.3 Christa Dürscheid und die Unsichtbarkeit des Mediums
4 Fazit
5 Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Besonderheiten der SMS-Kommunikation und analysiert kritisch, inwieweit aktuelle Deutsch-Schulbücher und die Fachdidaktik diesem Phänomen als Unterrichtsgegenstand gerecht werden. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der didaktischen Sinnhaftigkeit einer Einbindung sich schnell wandelnder digitaler Kommunikationstechniken in den Schulunterricht.
- Sprachliche Analyse von Abkürzungen, Akronymen und Reduktionen in SMS
- Untersuchung der Verwendung von Groß- und Kleinschreibung sowie Emoticons
- Kritische Evaluation der Darstellung von SMS-Kommunikation in Deutsch-Lehrbüchern
- Reflexion des Spannungsfeldes zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und medialer Schriftlichkeit
- Diskussion der didaktischen Relevanz und Umsetzbarkeit im Fach Deutsch
Auszug aus dem Buch
(Lexikalische) Abkürzungen in Textnachrichten
(Lexikalische) Abkürzungen in Textnachrichten lassen sich in zwei Klassen unterscheiden: zum einen können sie allgemeinsprachlich und konventionalisiert sein, wie zum Beispiel „AB“ für Anrufbeantworter oder „usw.“ für und so weiter. Diese Abkürzungen lassen sich auch in anderen Bereichen der schriftlichen (oder gar mündlichen wie bei „AB“) Kommunikation finden.
Zum anderen treten häufig nicht-allgemeinsprachliche Abkürzungen, die zum Teil nur in SMS (auch Chat) verwendet werden, auf. Bekanntestes Beispiel ist das Akronym „hdgdl“. Dieses steht für „hab dich ganz doll lieb“ und befindet sich häufig am Ende einer Textnachricht. Da es mittlerweile sehr bekannt ist, zählt es zu den konventionalisierten nicht-allgemeinsprachlichen Abkürzungen.
Demgegenüber steht eine große Anzahl von unkonventionalisierten Abkürzungen, die von den Textproduzenten frei gewählt werden. Das bedeutet nicht, dass diese keinem Muster bei der Bildung folgen. Vielmehr basieren die Abkürzungen auf dem gemeinsamen grammatischen und lexikalischen Wissen, welches der Produzent und der Rezipient teilen. Die Regeln, nach denen der Verfasser seine Wörter abkürzt, sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Allerdings lässt sich beobachten, dass die Schreiber den Zeichenkörper mehr oder weniger stark reduzieren. Dabei kann die Vollform des Wortes noch erkennbar sein, wie zum Beispiel bei „Abrechn.“ für Abrechnung, oder sie kann, wie bei der Initialabkürzung (v. für vielleicht), vollkommen wegfallen. Initialabkürzungen treten besonders häufig bei Funktionswörtern auf, also bei Artikeln und Präpositionen. Eine SMS mit beiden Kürzungen wäre beispielsweise: „Hab d Abrechn. vorbereitet, bin jetzt b Tobi.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die enorme Popularität der SMS-Kommunikation und skizziert die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung sprachlicher Phänomene und deren didaktischer Einordnung.
1 Die Eigenschaften von SMS und ihre Funktionen: Dieses Kapitel erläutert die technischen Rahmenbedingungen sowie die primären sozialen und kommunikativen Funktionen der SMS im Alltag.
2 Sprachliche Besonderheiten in der SMS-Kommunikation: Eine detaillierte Analyse spezifischer Phänomene wie Abkürzungen, syntaktische Reduktionen, Schreibweisen bei Groß- und Kleinschreibung sowie der Einsatz von Emoticons.
3 SMS als Unterrichtsgegenstand: Eine kritische Bestandsaufnahme der Behandlung von SMS in verschiedenen Deutsch-Schulbüchern sowie eine fachdidaktische Diskussion über die Notwendigkeit und Umsetzung einer Sprachreflexion im Unterricht.
4 Fazit: Das Fazit stellt fest, dass ein erheblicher Hiatus zwischen der Lebenswelt der Jugendlichen und der didaktischen Aufarbeitung existiert, und hinterfragt die Zukunftsfähigkeit der SMS als festem Unterrichtsgegenstand.
5 Literatur- und Quellenverzeichnis: Umfassende Auflistung der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Literatur, Schulbücher und Internetquellen.
Schlüsselwörter
SMS-Kommunikation, Sprachwissenschaft, Didaktik, Deutschunterricht, Medienkompetenz, Abkürzungen, Akronyme, Emoticons, konzeptionelle Mündlichkeit, digitale Kommunikation, Sprachwandel, Lehrbuchanalyse, Sprachreflexion, Jugendliche, mobile Medien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Eigenheiten der SMS-Kommunikation und hinterfragt, ob und wie dieses Medium sinnvoll als Gegenstand in den Deutschunterricht der Sekundarstufen integriert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören die Verwendung von Kürzeln und Emoticons, die bewusste Manipulation von Rechtschreibnormen durch Jugendliche sowie die didaktische Aufarbeitung neuer Medien in aktuellen Lehrwerken.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, die sprachliche Realität der SMS-Kommunikation zu analysieren und kritisch zu prüfen, ob die in Schulbüchern enthaltenen didaktischen Ansätze der tatsächlichen Praxis und Lebenswelt von Jugendlichen entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Forschungsarbeiten und führt eine kriterienbasierte Untersuchung ausgewählter Deutsch-Schulbücher durch, um die didaktische Behandlung des Themas zu bewerten.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine linguistische Analyse der SMS-spezifischen Sprachmerkmale und einen didaktischen Teil, der die Diskrepanz zwischen der rasanten technologischen Entwicklung und der eher trägen schulischen Aufbereitung beleuchtet.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Medienkompetenz, Sprachwandel, konzeptionelle Mündlichkeit und didaktische Fachreflexion charakterisieren.
Wie bewertet die Autorin die Darstellung von SMS in den untersuchten Schulbüchern?
Die Autorin kritisiert die didaktische Behandlung in vielen Schulbüchern als teilweise veraltet, praxisfern oder inkonsequent, da sie oft nicht die tatsächlichen Schreibgewohnheiten der Jugendlichen abbildet.
Warum wird die "Unsichtbarkeit des Mediums" thematisiert?
Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass ein Medium bei zunehmender Allgegenwart für die Nutzer "unsichtbar" wird und seine spezifischen Anforderungen an die Kommunikation nicht mehr bewusst reflektiert werden, was für den Unterricht eine besondere Herausforderung darstellt.
- Quote paper
- Daniel Sosna (Author), 2010, SMS als Unterrichtsgegenstand? Sprachliche Besonderheiten der Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151702