Die folgende Arbeit verfolgt das Ziel, anhand der Ergebnisse der IGLU-Studie darzustellen, welche migrationsspezifischen Disparitäten deutsche Grundschulkinder mit Migrationshintergrund aufzeigen und inwiefern ein evaluiertes Sprachförderprogramm einen Ansatz zur Verminderung jener Disparitäten ermöglicht. In den ersten beiden Abschnitten werden hierfür die Theorien von Raymond Boudon und James Coleman dargestellt. Daraufhin wird die Frage nach migrationsspezifischen Disparitäten anhand des Forschungsstands der IGLU beantwortet und die Fragestellung dieser Arbeit konkretisiert. Darauffolgend werden allgemeine Ansätze zur Verminderung migrationsspezifischer Disparitäten sowie im Spezifischen das Berliner Sprachförderprogramm ‚MITsprache‘ erläutert. Die Frage nach der Wirksamkeit des Sprachförderprogramms wird dann in den folgenden Kapiteln beantwortet, indem auf die Evaluation eingegangen wird. Die Ergebnisse werden abschließend diskutiert und gemeinsam mit dem Arbeitsprozess des Schreibens reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Ansätze zur Erklärung migrationsspezifischer Disparitäten
2.1. Theorie der Herkunftseffekte nach Raymond Boudon
2.2. Sozialkapitaltheorie nach James Coleman
3. Migrationsspezifische Disparitäten anhand des Forschungsstands der IGLU
4. Konkretisierung der Fragestellung
5. Ansätze zur Verminderung von migrationsspezifischen Disparitäten
6. Sprachförderprogramm MITsprache
6.1. Evaluation der Ludwig-Maximilians-Universität München
6.2. Kritische Reflexion
7. Diskussion
8. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht migrationsspezifische Disparitäten bei Grundschulkindern in Deutschland anhand von IGLU-Studienergebnissen und prüft die Wirksamkeit des Sprachförderprogramms „MITsprache“ als Ansatz zur Verminderung dieser Bildungsungleichheiten.
- Analyse bildungssoziologischer Theorien (Boudon und Coleman) zur Erklärung sozialer Ungleichheit.
- Darstellung des Forschungsstands zu migrationsbedingten Leistungsunterschieden im Grundschulalter.
- Evaluierung des Sprachförderprogramms „MITsprache“ hinsichtlich seiner inhaltlichen und didaktischen Ansätze.
- Kritische Reflexion der Wirksamkeit kompensatorischer Fördermaßnahmen in der Migrationspädagogik.
Auszug aus dem Buch
2. Theoretische Ansätze zur Erklärung migrationsspezifischer Disparitäten
Bei der Erklärung migrationsspezifischer Disparitäten erwiesen sich in der Vergangenheit bestimmte Theorien als besonders nützlich, von denen für die folgende Arbeit zwei ausgewählt wurden. Gerade bei der Erfassung von Leistungsdisparitäten von Schüler*innen unterschiedlicher sozialer Herkunft zeigte sich bereits seit geraumer Zeit der Ansatz, auf verschiedene Arten des Kapitals zu verweisen, welche einen stärkeren oder geringeren Einfluss auf den Bildungserfolg haben, als hilfreich (vgl. Reinders et al., 2011). Neben der bekannten Kapitaltheorie des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, auf welche in dieser Arbeit nicht näher eingegangen wird, wird in vorhandener Literatur nicht selten auf die Sozialkapitaltheorie des Soziologen James Coleman verwiesen. Im Rahmen dieser Arbeit erwies es sich als sinnvoll, die genannte Theorie von Coleman gemeinsam mit der Theorie der Herkunftseffekte von Raymond Boudon als Grundlage zu nutzen.
Die Sozialkapitaltheorie von James Coleman, welche in den späteren Kapiteln noch näher erläutert wird, stellt die Annahme in den Fokus, dass eine intensive Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind sowie den Eltern und der Schule zu einem Netzwerk an zwischenmenschlichen Beziehungen führt (vgl. Coleman, 1988). Jenes entstandene Netzwerk und häufige Interaktionen innerhalb diesem, führen zu einer intergenerationalen Bindung, welche außerhalb der Lehrinstitution entsteht (vgl. Stocke, 2010). „Soziale Kontrolle und Kohäsion führen zur Entstehung effektiver Bildungsnormen“ (Stocke 2010, S.83). Obgleich auch negative Nebenwirkungen jener Netzwerke entstehen können, so wird tendenziell davon ausgegangen, dass die Folge eine positive Werthaltung gegenüber Bildung sowie höhere Bildungsaspirationen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik der Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund und führt in die theoretischen Grundlagen sowie das Ziel der Arbeit ein.
2. Theoretische Ansätze zur Erklärung migrationsspezifischer Disparitäten: Dieser Abschnitt erläutert die Theorien von Boudon und Coleman, die als Basis für das Verständnis von Bildungsungleichheiten dienen.
3. Migrationsspezifische Disparitäten anhand des Forschungsstands der IGLU: Hierbei werden empirische Befunde der IGLU-Studien herangezogen, um das Ausmaß migrationsbezogener Leistungsunterschiede in der Primarstufe zu belegen.
4. Konkretisierung der Fragestellung: Das Kapitel verknüpft den Migrationshintergrund mit dem sozioökonomischen Status und leitet den Bedarf an gezielter Sprachförderung ab.
5. Ansätze zur Verminderung von migrationsspezifischen Disparitäten: Dieser Teil ordnet Sprachförderprogramme in den pädagogischen Kontext der Migrationspädagogik und den kompensatorischen Ansatz ein.
6. Sprachförderprogramm MITsprache: Das Programm wird detailliert vorgestellt, seine Evaluation durch die LMU München beschrieben und eine kritische Reflexion des Ansatzes vorgenommen.
7. Diskussion: Die Ergebnisse werden im Kontext komplexer Definitionsmöglichkeiten von Migrationshintergrund sowie der methodischen Limitationen bestehender Studien diskutiert.
8. Reflexion: Abschließend fasst die Arbeit die zentralen Erkenntnisse zusammen und resümiert die Notwendigkeit weiterer Forschung in diesem Bereich.
Schlüsselwörter
Migrationshintergrund, Bildungsungleichheit, IGLU, Sozialkapitaltheorie, Raymond Boudon, James Coleman, Sprachförderprogramm, MITsprache, Grundschule, Lesekompetenz, Kompensatorischer Ansatz, Bildungsbeteiligung, Chancengleichheit, Bildungssoziologie, Migrationspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse migrationsspezifischer Disparitäten bei Grundschulkindern in Deutschland und der Evaluierung des Sprachförderprogramms „MITsprache“.
Welche soziologischen Theorien werden als Grundlage herangezogen?
Es werden primär die Theorie der Herkunftseffekte von Raymond Boudon sowie die Sozialkapitaltheorie von James Coleman verwendet.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, mittels IGLU-Daten Bildungsdisparitäten aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit das Programm „MITsprache“ als kompensatorische Maßnahme zu deren Verminderung beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Sekundäranalyse von Studienergebnissen (insbesondere IGLU) und der Evaluation einer quasisexperimentellen Feldstudie basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Analyse des Forschungsstands zu Disparitäten, die migrationspädagogischen Ansätze und die detaillierte Vorstellung sowie Reflexion des Sprachförderprogramms „MITsprache“.
Welche Rolle spielt der sozioökonomische Status?
Der ökonomische Status wird neben der Familiensprache als wesentlicher, jedoch nicht alleiniger Erklärungsfaktor für Leistungsunterschiede identifiziert.
Wie effektiv bewertet die Autorin das Programm „MITsprache“?
Das Programm wird als geeigneter Ansatz eingestuft, insbesondere durch die didaktische Fundierung, wobei die Autorin jedoch auf notwendige Weiterentwicklungen und methodische Lücken bei der Evaluation hinweist.
Was sind die zentralen Kritikpunkte an kompensatorischen Förderansätzen?
Kritisiert werden unter anderem die potenzielle Stigmatisierung der Kinder und die Gefahr, dass das Bildungssystem durch diese Programme aus der Verantwortung für strukturelle Veränderungen gezogen wird.
- Quote paper
- Iman Meister (Author), 2024, Migrationsspezifische Disparitäten bei Grundschulkindern in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1517068