Im Zuge des Fortschreitens der Klimakrise sieht sich das Management freier Träger zunehmend vor der Herausforderung, den sich dadurch wandelnden Anforderungen zu begegnen.
Die Arbeit nutzt diesen theoretischen Rahmen, um folgender Forschungsfrage nachzugehen: Welche Auswirkungen hat die Klimakrise auf freie Träger der Sozialen Arbeit und inwiefern kann diesen durch systemisches Management begegnet werden?
Um sich dieser Frage zu nähern, wird der Bezug zwischen der Klimakrise und ihren sozialen Auswirkungen hergestellt, sodass ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit heraussticht. Anschließend wird die Rolle der freien Träger in der Klimakrise untersucht. Ein besonderes Augenmerk gilt hier den Auswirkungen der Klimakrise auf freie Träger, um veränderte Anforderungen an selbige darzulegen. Wie diesen durch ein systemisches Management begegnet werden kann, wird nach einer kurzen Einführung in das systemische Management durch die exemplarisch in verschiedenen Steuerungsbereichen dargestellten Chancen und Grenzen thematisiert.
Dadurch, dass das Thema der Auswirkungen der Klimakrise auf die freien Träger der Sozialen Arbeit bislang in der Fachliteratur kaum präsent ist, die rar gesäten Werke fast ausschließlich von der Perspektive der Freien Wohlfahrtspflege geprägt sind und Werke des Sozialmanagements, denen eine systemtheoretische Perspektive zugrunde liegt und diese bislang nur andeutungsweise mit dem Thema der Nachhaltigkeit verknüpft wird, unternimmt der Autor mit der vorliegenden Arbeit den Versuch, in ebendiese abgebildete Lücke zu stoßen.
Das zentrale Forschungsergebnis ist, dass die Verknüpfung eines systemischen Managementverständnisses mit den sich durch die Klimakrise wandelnden Anforderungen an freie Träger, Orientierungshilfen in der sozial-ökologischen Transformation im Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem bereitzuhalten vermag.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klimakrise und ihre sozialen Auswirkungen
2.1 Ursachen und Entwicklungen der Klimakrise
2.2 Biopsychosoziale Folgen der Klimakrise
2.3 Bedeutung der Sozialen Arbeit in der Klimakrise
3. Freie Träger der Sozialen Arbeit und ihre Rolle in der Klimakrise
3.1 Definition und Charakteristika freier Träger
3.2 Bedeutung freier Träger in der Klimakrise
3.3 Auswirkungen der Klimakrise auf freie Träger
3.3.1 Auswirkungen der Klimakrise auf die Klientel
3.3.2 Auswirkungen der Klimakrise auf Mitarbeitende
3.3.3 Auswirkungen der Klimakrise auf das Management
3.4 Veränderte Anforderungen an freie Träger als Folge der Klimakrise
4. Systemisches Management zur Begegnung der Klimakrise
4.1 Systemisches Management
4.1.1 Organisationsbegriff
4.1.2 Managementbegriff
4.1.3 Steuerungsbegriff
4.2 Chancen des systemischen Managements zur Eindämmung der Klimakrise
4.2.1 Fachliche Steuerung
4.2.2 Reflexion und Gestaltung der Außenbezüge
4.2.3 Betriebswirtschaftliche Steuerung
4.2.4 Mitarbeiter*innenbezogene Steuerung
4.2.5 Organisationsbezogene Steuerung
4.3 Grenzen des systemischen Managements bei der Eindämmung der Klimakrise
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Klimakrise auf freie Träger der Sozialen Arbeit und analysiert, inwieweit systemisches Management als Ansatz zur Bewältigung dieser komplexen Herausforderungen dienen kann. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Organisationen ihre Strukturen und Steuerungsprozesse transformieren können, um ökologische und soziale Ziele nachhaltig zu vereinbaren.
- Soziale Dimensionen und Folgen der globalen Klimakrise
- Die spezifische Rolle und Verantwortung freier Träger der Wohlfahrtspflege
- Systemtheoretische Fundierung von Organisation und Management im Sozialwesen
- Methoden und Chancen einer sozial-ökologischen Transformation
- Herausforderungen der Finanzierung und Refinanzierung von Klimaschutzmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Auswirkungen der Klimakrise auf das Management
Das folgende Unterkapitel soll darlegen, wie die vielfältigen Auswirkungen der Klimakrise den aktuellen Nachhaltigkeitsdiskurs im Sozialmanagement, aber auch in den Organisationen prägen. Darauf, dass der Bezugnahme auf Veröffentlichungen der Organisationen die Gefahr innewohnt, dass die Organisationen sich von ihrer „Schauseite“ (Kühl 2011, S. 136 ff.) präsentieren und potenziell Divergenzen zum tatsächlichen organisationalen Handeln bestehen, wurde bereits in der Einleitung (s. Kap. 1.) hingewiesen.
„Wenn die sozialen Probleme und deren Ursachen nachhaltig angegangen werden sollen, muss dies auch Konsequenzen für das Management sozialer Organisationen haben. Umwelt und Nachhaltigkeit müssen Themen Sozialer Arbeit werden.“ (Schneider 2017, S. 214)
Die Klimakrise findet im bisherigen Sozialmanagementdiskurs jedoch nicht ausreichende Berücksichtigung (vgl. Löhe/Aldendorff 2022, S. 29). Dabei sind die Auswirkungen der Klimakrise auf das Management von freien Trägern mannigfaltig. Es geht sowohl um die Prävention durch eine Sensibilisierung der Gesellschaft als auch einen Umgang mit den sozialen Folgen der Klimakrise (vgl. ebd., S. 19). Über diesen generellen Bezug zur Gesellschaft lassen sich in der Gemengelage der Interessen unterschiedliche Interessensvertreter*innen identifizieren: die Klientel, Ehrenamtliche, die Mitarbeitenden, die Spitzenverbände (sofern vorhanden), die (Lokal-)Politik, Spender*innen, Förderer wie Stiftungen, Kooperationspartner*innen und Netzwerkmitglieder und Lieferant*innen. Die Herausforderung für das Management ist es, dass es dabei die Auswirkungen auf alle jeweils relevanten Stakeholder im Blick haben muss. Zudem ist der Konkurrenzdruck gestiegen und kein Träger möchte ins Hintertreffen geraten. Es liegt zunächst aber im ureigenen Interesse des Managements, die Werte der eigenen Organisation zu leben, zu verteidigen und weiterzuverbreiten. Viele sozialwirtschaftliche Betriebe – insbesondere die der Freien Wohlfahrtspflege – sind wertegebunden ausgerichtet (vgl. Lembke 2017, S. 287). Das Selbstverständnis ist im Unterschied zu Unternehmen aus anderen Wirtschaftssektoren nicht primär auf Gewinnmaximierung, Wachstum oder Shareholder-Value ausgerichtet (vgl. ebd.). Im Fokus stehen stattdessen gesellschaftliche Wertziele (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Klimakrise für freie Träger der Sozialen Arbeit ein und legt den forschungstheoretischen Rahmen fest.
2. Klimakrise und ihre sozialen Auswirkungen: Dieses Kapitel erläutert die Ursachen des Klimawandels und analysiert dessen biopsychosoziale Folgen für Gesellschaft und Individuum.
3. Freie Träger der Sozialen Arbeit und ihre Rolle in der Klimakrise: Hier werden Merkmale freier Träger definiert und konkret untersucht, wie die Krise Klienten, Mitarbeitende und Leitungen beeinflusst.
4. Systemisches Management zur Begegnung der Klimakrise: Der Hauptteil analysiert, wie systemische Managementinstrumente genutzt werden können, um organisationale Anpassungsprozesse strategisch zu steuern.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Potenziale des systemischen Managements sowie den weiterhin bestehenden Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Klimakrise, Soziale Arbeit, freie Träger, Sozialmanagement, systemisches Management, ökologische Transformation, Nachhaltigkeit, Klimagerechtigkeit, Sozialwirtschaft, Organisationskultur, Organisationsentwicklung, Gemeinwohl, soziale Gerechtigkeit, Klimaanpassung, professionelle Identität
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie freie Träger der Sozialen Arbeit auf die Klimakrise reagieren können und welche Rolle ein systemisches Management bei der sozial-ökologischen Transformation dieser Organisationen spielt.
Welche Akteure stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum stehen primär die freien Träger der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland, einschließlich ihrer Einrichtungen, Mitarbeitenden und Leitungsebenen.
Was sind die zentralen Forschungsfragen?
Die Hauptfragen sind, welche konkreten Auswirkungen die Klimakrise auf die freien Träger hat und inwiefern ein systemischer Managementansatz bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unterstützen kann.
Welcher theoretische Ansatz wird zur Analyse genutzt?
Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf die Systemtheorie, um Organisationen als komplexe soziale Systeme zu verstehen und deren Anpassungsmechanismen vor dem Hintergrund der Klimakrise zu deuten.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit inhaltlich?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme zu den Auswirkungen der Klimakrise und eine detaillierte Auseinandersetzung mit fünf Steuerungsbereichen des Managements, von fachlicher Steuerung über Personalsteuerung bis hin zur Organisationskultur.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Klimagerechtigkeit, sozial-ökologische Transformation, systemisches Sozialmanagement, organisationale Resilienz und nachhaltige Organisationsführung charakterisiert.
Warum wird das St. Galler-Modell im Kontext der Arbeit diskutiert?
Das Modell wird als theoretischer Bezugspunkt für das systemische Management beleuchtet, wobei kritisch hinterfragt wird, inwiefern es der Komplexität sozialer Einrichtungen und den spezifischen Anforderungen der Sozialen Arbeit gerecht wird.
Welche Bedeutung hat das Qualitätsmanagement nach Ansicht des Autors?
Das Qualitätsmanagement wird nicht bloß als technisches Instrument, sondern als wesentliches Element der betrieblichen Krisenvorsorge gesehen, das bei korrekter Integration eine reflexive Anpassung der Leistungserbringung ermöglichen kann.
Warum ist das Vertrauen der Stakeholder für freie Träger in diesem Kontext zentral?
Soziale Dienstleistungen sind sogenannte Vertrauensgüter. Die Arbeit argumentiert, dass eine glaubwürdige, am Klimaschutz ausgerichtete Organisationshaltung notwendig ist, um das Vertrauen der Klientel und der Zivilgesellschaft in Zeiten des Wandels zu erhalten.
- Citation du texte
- Hans Eder (Auteur), 2023, Freie Träger vor den Herausforderungen der Klimakrise. Chancen und Grenzen des systemischen Managements, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1517628