Johann Christoph Friedrich von Schiller ist neben Goethe eine zentrale Gestalt der Literaturgeschichte. Obwohl vor allem Schillers Dramen zur Weltliteratur gehören, erlangte er zugleich ansehnlichen Ruhm mit einer Vielzahl theoretischer Schriften. Von daher ist das Werk "Über den Grund des Vergnügens an Tragischen Gegenständen" Thema der vorliegenden Analyse. Die Abhandlung über das Ästhetische in der Tragödie ist insofern von beträchtlichem Interesse, da durch sie eine kennzeichnende Weltanschauung zum Vorschein kommt. Welche für die damalige Zeit typischen Begrifflichkeiten und Darstellungsfragen aufgegriffen werden und inwiefern diese Themenbereiche in einem ethisch aufklärenden Kontext zu betrachten sind, wird ferner verdeutlicht. Somit kann sich nun der Leser dieser Arbeit auf einen ästhetischen Diskurs einlassen, um Schillers anregende Überlegungen auch tatsächlich nachzuvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorüberlegungen zum historischen Kontext und zum Aufbau der Schrift
3 Analyse
3.1 Die Zweckmäßigkeit in der Kunst
3.2 Das Freie Vergnügen und die Sinnliche Lust
3.3 Über den Grund des Erhabenen
3.4 Über die Zweckmäßigkeit und Zweckwidrigkeit als Grund für die Rührung
3.5 Über den Grund der Faszination am Bösen in der Kunst
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit analysiert Friedrich Schillers theoretische Schrift "Über den Grund des Vergnügens an Tragischen Gegenständen", um das Verhältnis zwischen Ethik und Ästhetik zu beleuchten. Ziel ist es, Schillers Argumentation zur moralischen Zweckmäßigkeit in der Kunst und die Faszination des Rezipienten für das tragische Geschehen und das Böse nachzuvollziehen.
- Die Rolle der moralischen Zweckmäßigkeit in Schillers Ästhetik
- Die psychologische Wirkung der Tragödie auf den Zuschauer
- Unterscheidung zwischen dem Erhabenen und dem Rührenden
- Schillers Auseinandersetzung mit Kants Philosophie
- Die Faszination am Bösen innerhalb der Kunst
Auszug aus dem Buch
3.5 Über den Grund der Faszination am Bösen in der Kunst
Schillers abschließende Überlegungen zur Ästhetik in der Tragödie erörtern den Grund für die menschliche Faszination an Bösartigkeiten. Vorab stellt er fest, dass es gerade die Zweckmäßigkeit ist, die dem Menschen allzeit Vergnügen bereitet. Dabei ist es jedoch nicht wichtig, ob sie sich auf die Sittlichkeit bezieht oder ihr sogar gänzlich widerspricht. Genüssliches Vergnügen ist demnach immer die Konsequenz einer Zweckmäßigkeit, „solange wir uns keines sittlichen Zwecks erinnern, dem dadurch widersprochen wird.“ (370). Der Zuschauer vergnügt sich demnach solang an sittlicher Zweckwidrigkeit, bis sein Moralverständnis zum Vorschein kommt und er sich der zweckwidrigen Moral bewusst wird.
[...] erinnern wir uns, daß es die Handlung eines moralischen Wesens ist, so tritt eine tiefe Indignation an die Stelle jenes ersten Vergnügens, und keine noch so große Verstandeszweckmäßigkeit ist fähig, uns mit der Vorstellung einer sittlichen Zweckwidrigkeit zu versöhnen. (370)
Ist es nicht bemerkenswert, dass der Mensch derart beeinflussbar ist, dass er zuerst händereibendes Vergnügen am Beobachten von zweckwidrigen Handlungen hat und doch sehr schnell zum Moralapostel umschwingt, wenn ihm bewusst wird, dass diese Handlungen der sittlichen Zweckmäßigkeit widersprechen? Genau das, was ihn gerade noch amüsiert hat, stellt sich nach der sittlichen Reflexion als moralisch verwerflich dar und erzeugt nun anstelle von Vergnügen Entrüstung. Wahrscheinlich aber löst genau dieser Prozess die fesselnde Wirkung auf den Menschen aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt Schiller als zentrale Figur der Literaturgeschichte vor und erläutert die Relevanz seiner theoretischen Schrift für die ästhetische Debatte.
2 Vorüberlegungen zum historischen Kontext und zum Aufbau der Schrift: Das Kapitel verortet Schillers Arbeit im Kontext seiner Auseinandersetzung mit Kants "Kritik der Urtheilskraft" und beschreibt den Entstehungshintergrund.
3 Analyse: Dieser Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der ästhetischen Argumentation Schillers von der Zweckmäßigkeit bis zur Faszination am Bösen.
3.1 Die Zweckmäßigkeit in der Kunst: Es wird Schillers These erläutert, dass die Kunst eine ihr innewohnende Zweckmäßigkeit zur Erzeugung von Vergnügen besitzt, die nicht moralisch abverdient werden muss.
3.2 Das Freie Vergnügen und die Sinnliche Lust: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen dem reinen freien Vergnügen und der sinnlichen Lust, wobei beide auf der Zweckmäßigkeit basieren.
3.3 Über den Grund des Erhabenen: Die Analyse von Schillers Konzept des Erhabenen zeigt den Übergang zur Tragödie auf, wobei das Gefühl von Ohnmacht und Übermacht im Vordergrund steht.
3.4 Über die Zweckmäßigkeit und Zweckwidrigkeit als Grund für die Rührung: Hier wird untersucht, wie Schmerz und Vergnügen in der Rührung zusammenwirken, um moralisches Bewusstsein beim Zuschauer zu schärfen.
3.5 Über den Grund der Faszination am Bösen in der Kunst: Das Kapitel erklärt, warum der Zuschauer eine Faszination für das Böse und moralisch Verwerfliche in der Kunst empfindet, sofern das Moralverständnis letztlich triumphiert.
4 Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Zweckmäßigkeit in der Tragödie den wahren Kenner der Kunst durch die Verbindung von Gefühl und Verstand befriedigt.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Ästhetik, Tragödie, Zweckmäßigkeit, Erhabenes, Rührung, Sittlichkeit, moralisches Bewusstsein, Kant, freies Vergnügen, Kunsttheorie, Faszination am Bösen, Rezeptionsästhetik, Philosophie, Geistesgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Friedrich Schillers theoretische Schrift "Über den Grund des Vergnügens an Tragischen Gegenständen" hinsichtlich ihrer ästhetischen und ethischen Konzepte.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Begriffe der Zweckmäßigkeit, des Erhabenen, der Rührung sowie das komplexe Verhältnis zwischen menschlichem Vergnügen und moralischer Pflicht in der Tragödie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Schillers Argumentation zu verstehen, wie Kunst – insbesondere das Tragische – durch die bewusste Ausgestaltung moralischer Zweckmäßigkeit eine intellektuelle und emotionale Wirkung auf den Zuschauer erzielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische und literaturwissenschaftliche Analyse, die Schillers Thesen strukturiert aufarbeitet und durch Bezüge zu zeitgenössischen Philosophen wie Kant sowie Sekundärliteratur einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Abschnitte, die Schillers Begriffe (Zweckmäßigkeit, freies Vergnügen, Erhabenes, Rührung) definieren und anhand von literarischen Beispielen wie Othello oder Coriolanus konkretisieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Schillers Ästhetik, moralische Zweckmäßigkeit, Tragödie, das Erhabene und die Rezeption des Bösen.
Warum fasziniert das Böse laut Schiller den Zuschauer?
Der Zuschauer empfindet Faszination, weil der Bösewicht eine Unabhängigkeit vom Sittengesetz suggeriert, während der Zuschauer selbst bei der Betrachtung eine Bestätigung seines eigenen moralischen Bewusstseins erfährt.
In welchem Verhältnis stehen Schmerz und Vergnügen in der Tragödie?
Laut Schiller sind sie kein Widerspruch: Der Schmerz des Geschehens dient als Mittel, um eine höhere moralische Zweckmäßigkeit und damit ein "höheres Vergnügen" beim Betrachter zu erzeugen.
- Arbeit zitieren
- Elisabeth Jung (Autor:in), 2008, Analyse von Friedrich Schillers theoretischer Schrift , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151787