Das Taschenbuch „Deutschland im Eiszeitalter“ des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst schildert den wechselvollen Verlauf der von starken Klimaschwankungen geprägten Epoche der Erdgeschichte vor etwa 2,6 Millionen bis 11.700 Jahren. In diesem Zeitabschnitt, der Eiszeitalter oder Pleistozän genannt wird, gab es Warmzeiten, in denen zwischen Nordseeküste und Alpenrand ähnliche Verhältnisse wie heute in Afrika herrschten. Andererseits rückten in Eiszeiten die Gletscher aus dem Norden bis in die Gegend von Dresden, Erfurt und Recklinghausen sowie aus dem Süden bis Biberach an der Riss, Fürstenfeldbruck und Burghausen an der Salzach vor und begruben die Landschaft unter einem dicken Eispanzer. Während der Warmphasen schwammen Flusspferde im Rhein und in anderen Flüssen. Dagegen lebten in Kaltphasen zottelige Mammute, Fellnashörner und Moschusochsen auf dem Festland. Im Eiszeitalter existierten zu unterschiedlichen Zeiten die „Heidelberg-Menschen“, Neandertaler und ersten anatomisch modernen Menschen. Aus der Feder von Ernst Probst stammen auch die Taschenbücher „Rekorde der Urzeit“, „Rekorde der Urmenschen“, „Der Ur-Rhein“, „Höhlenlöwen“, „Der Mosbacher Löwe“, Säbelzahnkatzen“ und „Der Höhlenbär“.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort: Gletscher bis Dresden und Fürstenfeldbruck
Deutschland im Eiszeitalter
Die Prätegelen-Kaltzeit und die Biber-Eiszeiten
Die Tegelen-Warmzeit
Die Eburon-Kaltzeit und die Donau-Kaltzeiten
Die Waal-Warmzeit
Das Bavelium
Die Menap-Kaltzeit und die Günz-Eiszeit
Der Cromer-Komplex
Die Elster- und die Mindel-Eiszeit
Die Holstein-Warmzeit
Die Saale- und die Riss-Eiszeit
Die Eem-Warmzeit
Die Weichsel- und die Würm-Eiszeit
Der Autor
Zielsetzung & Themen
Das Werk bietet einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die geologische Epoche des Eiszeitalters (Pleistozän) in Deutschland. Dabei wird der komplexe Wechsel von Kalt- und Warmzeiten sowie die damit verbundene Dynamik der Fauna, Flora und menschlichen Besiedlung anschaulich nachgezeichnet.
- Chronologische Darstellung der pleistozänen Klimaentwicklung in Deutschland.
- Methodische Grundlagen der quartären Geologie und Paläoklimatologie.
- Faunen- und Florengeschichte unter dem Einfluss von Gletschervorstößen und Warmphasen.
- Einfluss der klimatischen Bedingungen auf die Entwicklung der Urmenschen.
- Dokumentation bedeutender Fundstellen und wissenschaftlicher Entdeckungen.
Auszug aus dem Buch
Die Eem-Warmzeit
Das Oberpleistozän (etwa 127.000 bis 11.700 Jahre) beginnt mit der Eem-Warmzeit (etwa 127.000 bis 115.000 Jahre). Marine Ablagerungen aus dem Eem wurden 1874 erstmals von dem niederländischen Mediziner und Botaniker Pieter Harting (1812–1885) aus Utrecht beschrieben. Das Eem ist die jüngste Warmzeit des Eiszeitalters.
In der frühen Eem-Warmzeit überflutete das Meer das Nordseebecken und das Ostseebecken bis nach Ostpreußen. Diese Meeresstraße trennte Skandinavien von Europa. Die marine Tierwelt des Eem enthielt etliche südwesteuropäische Schneckenarten, die eine höhere Wassertemperatur als die heute bei uns lebenden benötigen. Offenbar sind diese Mollusken durch den Ärmelkanal eingedrungen.
Die Pflanzenreste in den eemzeitlichen Ablagerungen von Stuttgart-Bad Cannstatt, Weimar-Ehringsdorf und Zeifen am Waginger See in Oberbayern sprechen für ein mildes Klima. Zum Fundgut zählen Stein- und Traubeneiche, Sommer- und Winterlinde, Efeu, Lebensbaum, südeuropäische Schwarzkiefer, Buchs, Stechpalme und thüringischer Flieder.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Gletscher bis Dresden und Fürstenfeldbruck: Einführung in die Thematik der starken Klimaschwankungen des Eiszeitalters und deren Auswirkungen auf die Landschaftsgestaltung in Deutschland.
Deutschland im Eiszeitalter: Überblick über die geologischen Epochen Pleistozän und Holozän sowie die historische Entwicklung der wissenschaftlichen Gliederung durch deutsche Forscher.
Die Prätegelen-Kaltzeit und die Biber-Eiszeiten: Beschreibung des ältesten Abschnitts des Eiszeitalters, der durch trockene Bedingungen und fehlende Gletschervorstöße im Norden gekennzeichnet ist.
Die Tegelen-Warmzeit: Schilderung der Klimaverbesserung, die eine Wiederbewaldung ermöglichte, benannt nach Funden im niederländischen Tegelen.
Die Eburon-Kaltzeit und die Donau-Kaltzeiten: Analyse der Abkühlung in den Niederlanden und der damit korrespondierenden Vergletscherung im Alpenvorland.
Die Waal-Warmzeit: Darstellung einer Warmzeit, in der vulkanische Aktivitäten in der Eifel wieder zunahmen.
Das Bavelium: Vorstellung des Bavelium-Komplexes mit Fokus auf das bedeutende Wirbeltier-Leichenfeld von Untermaßfeld.
Die Menap-Kaltzeit und die Günz-Eiszeit: Untersuchung der klimatischen Bedingungen, die zum Verschwinden der wärmeorientierten Tertiärflora führten.
Der Cromer-Komplex: Detaillierte Betrachtung des Klimawechsels und der reichhaltigen Fauna, inklusive der Funde von Urmenschen.
Die Elster- und die Mindel-Eiszeit: Erläuterung der ersten großflächigen Vereisung durch skandinavische Gletscher und die damit verbundene Einwanderung kälteangepasster Tierarten.
Die Holstein-Warmzeit: Beschreibung einer sehr milden Periode, in der sogar Wasserbüffel in Deutschland heimisch waren.
Die Saale- und die Riss-Eiszeit: Analyse der massiven Gletschervorstöße und der Bildung von Urstromtälern sowie Tundren- und Steppenlandschaften.
Die Eem-Warmzeit: Zusammenfassung der letzten großen Warmphase des Eiszeitalters vor dem Einsetzen der letzten Vereisungsphase.
Die Weichsel- und die Würm-Eiszeit: Untersuchung der letzten Eiszeit des Pleistozäns mit Fokus auf die Gliederung in Früh-, Hoch- und Spätglazial.
Schlüsselwörter
Eiszeitalter, Pleistozän, Quartär, Klimawandel, Vergletscherung, Warmzeit, Kaltzeit, Paläontologie, Geologie, Urgeschichte, Säugetierfauna, Neandertaler, Fauna, Flora, Erdgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Das Buch schildert den wechselvollen Verlauf der von starken Klimaschwankungen geprägten Epoche des Eiszeitalters (Pleistozän) auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die geologische Gliederung in Warm- und Kaltzeiten, die damit verbundene Veränderung der Fauna und Flora sowie die archäologischen Funde zu Urmenschen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die anschauliche Vermittlung der eiszeitlichen Entwicklung in Deutschland, basierend auf geologischen Erkenntnissen und paläontologischen Funden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Synthese aus geowissenschaftlicher Forschung, Pollenanalyse, Stratigraphie und der Auswertung bedeutender paläontologischer Ausgrabungsberichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist chronologisch gegliedert und behandelt detailliert die verschiedenen Eiszeiten wie Elster- und Weichsel-Eiszeit sowie die zwischenzeitlich herrschenden Warmzeiten wie Holstein- und Eem-Warmzeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Eiszeitalter, Pleistozän, Klimawandel, Vergletscherung und Paläontologie beschreiben.
Warum ist das Fundfeld von Untermaßfeld so bedeutend?
Es gilt als die mit Abstand wichtigste und reichhaltigste Fundstelle ihrer Zeitstellung in Europa, die über 15.000 Wirbeltierreste von rund 100 Arten geliefert hat.
Welchen Einfluss hatte der Laacher-See-Vulkan auf das Klima?
Die Explosion im Alleröd führte zu einer großflächigen Verschüttung von Wäldern durch Bimsschichten und wirkte sich durch vulkanische Aschen negativ auf das Pflanzenwachstum aus.
- Quote paper
- Ernst Probst (Author), 2010, Deutschland im Eiszeitalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151809