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Beleuchtung von Wolfgang Isers Leerstellen bei Oliver Reeses "Bartsch, Kindermörder"

Title: Beleuchtung von Wolfgang Isers Leerstellen bei Oliver Reeses "Bartsch, Kindermörder"

Seminar Paper , 2010 , 12 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Greta Schmidt (Author)

Theater Studies, Dance
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2. Einleitung

Für die Interpretation eines Textes setzt Schlegel das Missverstehen voraus. Das heißt, dass literarische Texte vielfach gedeutet werden können und die Unverständlichkeit des Textes zur Interpretationsmaxime wird. Die Interpretation ist demnach ein fortlaufender Prozess, der nicht final ist. Durch diese Theorie in der romantischen Hermeneutik, wird der Rezipient literarischer Texte enorm aufgewertet.
In der rezeptionsästhetischen Schule stellt die Text- Leser- Auseinandersetzung den wichtigsten Bezugspunkt für die Konstitution von Sinn im Konsumieren der textlichen Grundlage dar. Von Konsumenten, als Leser, wird ein Vorwissen erwartet, auf das er zurückgreifen kann. Nur durch Konsultieren seines Weltwissens oder literarischer Vorkenntnis kann sich die Strategie eines Textes für den Rezipienten erfassen und lässt ihn den Text selbst für sich interpretieren und somit hermeneutisch aktiv werden. Im Gegenzug zu den Aussagen eines Sachtextes, benötigt der literarische Text ebenjenes Vorwissen des Lesers, dass er mit den geschilderten Ereignissen und Geschehnissen verbinden muss, um seine eigenen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Das Konsumieren eines literarischen Textes ist also eine aktive Beschäftigung bei der die offenen Bezügen mit seiner eigenen Erfahrung und Vorwissen gefüllt werden. Wolfgang Iser nennt diese offenen Bezüge „Leerstellen“.
Nehmen wir hingegen die Wirkungsästhetische Seite, so müssen wir uns fragen ob bei dramatischen Texten nicht eher die Produktionsmechanismen untersucht werden sollten, um einen Text zu interpretieren.
Gegenwärtig räumt man ein, dass sowohl die Produktion als auch die Rezeption eines literarischen oder theatralen Werkes erfasst werden sollen und dass man die Produktion von Wirkungen und die Art, wie sie vom Leser bzw. Zuschauer aufgenommen werden, nicht voneinander trennen sollte.
Die vorliegende Arbeit soll sich mit Wolfgang Isers oben erwähnten Leerstellen
und seinen ästhetischen Modellen, wie er sie in Der Akt des Lesens3 entwickelt
hat, aber auch damit, welch große Rolle seine Leerstellen in seiner Rezeptions- bzw. Wirkungsästhetik spielen, beschäftigen. Diese Fragen und Modelle möchte
ich anhand des im Seminar behandelten Stückes Bartsch, Kindermörder von
Oliver Reese überprüfen. Meine Bemühungen werden hierbei besonders sein,
Isers „Leser“ auf einen Theaterrezipenten zu übertragen um dadurch den Umgang
des Zuschauers mit den Leerstellen zu verdeutlichen.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

Hauptteil

3. Vorüberlegung

3.1 Überlegungen zu Bartsch, Kindermörder

4. Leerstellen

4.1 Paradigmatische Leerstellen bei Bartsch, Kindermörder

4.2 Negative Paradigmatische Leerstellen

4.3 Kritik und Ergänzungen zu Isers Leerstellentheorie

5. Beispiele einiger Leerstellen in Bartsch, Kindermörder

5.1 Zaubertricks

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Wolfgang Isers Leerstellentheorie auf den Theatermonolog "Bartsch, Kindermörder" von Oliver Reese, um die Rolle des Zuschauers bei der Konstitution von Sinn zu analysieren.

  • Rezeptions- und Wirkungsästhetik im Theater
  • Funktion und Wirkung von Leerstellen in dramatischen Texten
  • Die Rolle des Vorwissens bei der Interpretation
  • Analyse von negativen paradigmatischen Leerstellen
  • Das Spannungsfeld zwischen Täter- und Opferrolle

Auszug aus dem Buch

4.2 Negative Paradigmatische Leerstellen

Zahlreiche Beispiele im Text Bartsch, Kindermörder, möchte ich gerne als „negative paradigmatische Leerstellen“ bezeichnen. Oft werden von Bartsch Vorgänge und Erlebnisse als selbstverständlich und gänzlich ohne Kritik geschildert, die im Rezipienten Verwunderung und Empörung hervorrufen, gleicht er diese mit seinem Weltbild ab.

Zum Beispiel erzählt Bartsch im Text wie er bis zu seiner Verhaftung in seinem 19. Lebensjahr immer noch von seiner Mutter gebadet und gewaschen wurde. Er berichtet davon völlig wertfrei, lässt jedoch durch diese Wertfreiheit durchblicken, dass er sich der Tatsache bewusst ist, dass solche Vorgänge nicht unter den gängigen Konventionen „normal“ sind.

Aber vor allem in den Schilderungen seiner Taten und Phantasien finden sich im Text immens viele negative paradigmatische Leerstellen. Natürlich könnte man argumentieren, dass Bartsch selbst beschreibt wie diese Taten in seinem Wahn für ihn das selbstverständlichste der Welt gewesen sind; „Aber wenn ich so erregt bin, dann gibt es für mich nichts Normaleres als eben solche Gedanken, die finde ich dann selbstverständlich.“ Eben jene „Selbstverständlichkeit“, mit der er erzählt beleuchten das Geschehen aus einer anderen Richtung als das Gesagte. Der Wahnsinn und Horror entfaltet sich beim Zuschauer erst durch die Teilnahmslosigkeit, die beinahe an Kaltblütigkeit grenzen könnte, würde das Stück mit Bartsch Rolle als Täter und zugleich Opfer spielen.

Zusammenfassung der Kapitel

2. Einleitung: Einführung in die rezeptionsästhetische Schule und die Bedeutung von Leerstellen nach Wolfgang Iser für die aktive Sinnkonstitution des Lesers.

3. Vorüberlegung: Theoretische Herleitung der Verbindung von Rezeptions- und Wirkungsästhetik im Theater unter Einbeziehung des Stücks von Oliver Reese.

3.1 Überlegungen zu Bartsch, Kindermörder: Analyse der Struktur des Monologs, der den Rezipienten durch das Fehlen der Gegenseite (Paul Moor) zur aktiven Rekonstruktion zwingt.

4. Leerstellen: Definition der Unbestimmtheit und der spezifischen Funktion von Leerstellen als Motor der Sinnbildung.

4.1 Paradigmatische Leerstellen bei Bartsch, Kindermörder: Untersuchung der kritischen Beleuchtung von Normen und Konventionen im Text.

4.2 Negative Paradigmatische Leerstellen: Analyse der wertfreien Schilderung schockierender Ereignisse, die beim Rezipienten Empörung auslösen.

4.3 Kritik und Ergänzungen zu Isers Leerstellentheorie: Diskussion der Problematik, dass Iser das Auffüllen von Leerstellen als automatischen Prozess voraussetzt.

5. Beispiele einiger Leerstellen in Bartsch, Kindermörder: Konkrete Anwendung der Theorie auf diverse Textstellen des Monologs.

5.1 Zaubertricks: Analyse der symbolischen Bedeutung des Zauberns als Fluchtmechanismus für Bartsch.

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Reflektion über die begrenzte didaktische Anwendbarkeit der Theorie und die Erkenntnis, dass es keine endgültige Deutung gibt.

Schlüsselwörter

Wolfgang Iser, Leerstellentheorie, Rezeptionsästhetik, Wirkungsästhetik, Bartsch Kindermörder, Oliver Reese, Theatermonolog, Sinnkonstitution, Paradigmatische Leerstellen, Unbestimmtheit, Literaturwissenschaft, Interpretation, Zuschauerrolle, Dramentheorie, Literarische Offenheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie literarische Texte, speziell das Theaterstück "Bartsch, Kindermörder", durch gezielte Leerstellen den Rezipienten aktiv in den Prozess der Sinnfindung einbinden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit bewegt sich im Bereich der Rezeptions- und Wirkungsästhetik, wobei der Fokus auf der Interaktion zwischen Textstruktur und dem Vorwissen des Zuschauers liegt.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, Wolfgang Isers Theorie der Leerstellen auf ein dramatisches Werk anzuwenden und aufzuzeigen, wie ein Regisseur und Zuschauer durch die Auslassungen im Text gezwungen werden, aktiv zu interpretieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse auf Grundlage der rezeptionsästhetischen Konzepte von Wolfgang Iser sowie ergänzender Ansätze zur Theatertheorie durchgeführt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Vorüberlegungen, die Kategorisierung spezifischer Leerstellenarten sowie deren praktische Analyse anhand von Textbeispielen aus dem Stück.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben der Leerstellentheorie und Unbestimmtheit auch die negative paradigmatische Leerstelle, das Textverständnis und der Rezipient als aktiver Sinnstifter.

Wie spielt das Stück mit der Täter- und Opferrolle?

Das Stück nutzt eine wertfreie Erzählweise, die Bartsch einerseits als Mörder zeigt, ihn durch die Schilderung seiner Kindheit aber gleichzeitig als Opfer erscheinen lässt, was den Zuschauer zur moralischen Einordnung zwingt.

Warum spielt das Zaubern im Stück eine so wichtige Rolle?

Das Zaubern dient Bartsch als Fluchtmechanismus in eine private Traumwelt und als Methode, um bei belastenden Erinnerungen zur Ruhe zu kommen.

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Details

Title
Beleuchtung von Wolfgang Isers Leerstellen bei Oliver Reeses "Bartsch, Kindermörder"
College
LMU Munich  (Theaterwissenschaft)
Course
Proseminar
Grade
1,5
Author
Greta Schmidt (Author)
Publication Year
2010
Pages
12
Catalog Number
V151935
ISBN (eBook)
9783640638222
ISBN (Book)
9783640638154
Language
German
Tags
Beleuchtung Wolfgang Isers Leerstellen Oliver Reeses Bartsch Kindermörder
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Greta Schmidt (Author), 2010, Beleuchtung von Wolfgang Isers Leerstellen bei Oliver Reeses "Bartsch, Kindermörder", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151935
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