In vielerlei Hinsicht stellt Frankreich in seiner Entwicklung einen Sonderfall im europäischen Vergleich dar. Sowohl die wirtschaftliche, wie auch die Entwicklung der Bevölkerung verlaufen keineswegs so, wie man es von solch einem Land erwarten würde. Gerade aus heutiger Sicht könnte man davon ausgehen, dass sich die Republik ähnlich wie ihr Nachbarstaat Deutschland entwickelt hat – doch die Unterschiede zur Bundesrepublik und zum europäischen Durchschnitt sind in vielen Bereichen beträchtlich.
Inhaltsverzeichnis
1 Frankreich – ein europäischer Sonderfall
2 Die historische Bevölkerungsentwicklung Frankreichs im Vergleich zu Deutschland
3 Frankreich und Deutschland nach 1945
3.1 Bevölkerungsanstieg bis zu den 60er und 70er Jahren
3.2 Rückläufige Geburtenraten im Anschluss
4 Frankreich und Deutschland: Die demographische Situation der letzten Jahre
4.1 Die Bevölkerungsstruktur der beiden Länder
4.1.1 Altersstruktur
4.1.2 Bevölkerungsdichte und –verteilung
4.1.3 Einkommen und Wohlstand
4.1.4 Sprachen, Ethnien und Religionen
4.2 Prognosen und Vorausberechnungen
5 Fazit: Viele Unterschiede, einige Gemeinsamkeiten
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Bevölkerungsstruktur und der demographischen Entwicklung von Frankreich und Deutschland, um aufzuzeigen, warum Frankreich im europäischen Vergleich eine Sonderrolle einnimmt.
- Historische Bevölkerungsentwicklung und der Einfluss von Krisen und Kriegen
- Vergleichende Analyse der Fertilitätsraten und demographischen Trends nach 1945
- Strukturelle Unterschiede bei Bevölkerungsdichte, Alter und Erwerbsbeteiligung
- Sozioökonomische Faktoren, Migration und religiöse Zusammensetzung
- Zukunftsprognosen und die Herausforderungen des demographischen Wandels
Auszug aus dem Buch
3.1 Bevölkerungsanstieg bis zu den 60er und 70er Jahren
In Frankreich stieg die Einwohnerzahl von 41,5 Millionen 1944 auf mittlerweile weit über 60 Millionen. Dies liegt hauptsächlich an der explosionsartig steigenden Geburtenziffer, dem sogenannten Baby Boom: „die Geburtenzahl stieg von 620.000 im Jahr 1945 auf 850.000 im Jahr darauf. Bis 1973 blieb die Zahl der Geburten bei über 800.000 pro Jahr“ (BPB 2004).
Der sprunghafte Anstieg der Bevölkerung ist in Abbildung 2 (Seite 7) sehr gut zu erkennen. Interessant ist hierbei, dass die Bevölkerung Frankreichs nach dem zweiten Weltkrieg bis 1975 um 12 Millionen zunahm, genauso viel wie im Zeitraum von 1801 bis 1946 (Pletsch 2003, 113). Die in der Grafik als „Demographic recovery“ bezeichnete Phase hat mehrere Gründe. Zum einen wurde die Bevölkerungspolitik Frankreichs grundlegend reformiert, mit dem 1939 erlassenen „Code de la famille“ wurden die äußeren Bedingungen für Familien umfangreich verbessert. Es wurden damit mehr Beihilfen gewährt, eine bessere Kinderbetreuung versichert und die Familie rechtlich bessergestellt (Große 1996, 170).
Zudem wurde die Wirtschaft in Zeiten des Wiederaufbaus stark belebt, was sich ebenfalls fördernd auf die Geburtenrate auswirkte. Außerdem sank die Sterberate bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung, was zum positiven Wachstum beitrug. Diese beiden Phänomene sind hauptsächlich auf die besseren hygienischen Zustände, sowie eine bessere medizinsche Versorgung zurückzuführen. Vor allem die Säuglingssterblichkeit ging stark zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Frankreich – ein europäischer Sonderfall: Einleitung in die Thematik, die Frankreichs demographische Entwicklung als atypisch im europäischen Vergleich charakterisiert.
2 Die historische Bevölkerungsentwicklung Frankreichs im Vergleich zu Deutschland: Historischer Rückblick auf die Bevölkerungszahlen von der Antike bis zum 20. Jahrhundert unter Berücksichtigung von Pestwellen und Kriegen.
3 Frankreich und Deutschland nach 1945: Betrachtung der demographischen Erholung und des Bevölkerungswachstums nach den Weltkriegen.
3.1 Bevölkerungsanstieg bis zu den 60er und 70er Jahren: Analyse der Baby-Boom-Phase, beeinflusst durch den „Code de la famille“ und verbesserte medizinische Standards.
3.2 Rückläufige Geburtenraten im Anschluss: Untersuchung der Ursachen für den Geburtenrückgang, insbesondere in Deutschland, und die Bedeutung des sozialen Wandels.
4 Frankreich und Deutschland: Die demographische Situation der letzten Jahre: Darstellung der aktuellen demographischen Divergenz zwischen beiden Nationen.
4.1 Die Bevölkerungsstruktur der beiden Länder: Detaillierter Vergleich von Altersaufbau, Dichte und sozioökonomischen Indikatoren.
4.1.1 Altersstruktur: Gegenüberstellung der Überalterung in Deutschland und der stabilen demographischen Situation in Frankreich.
4.1.2 Bevölkerungsdichte und –verteilung: Analyse der räumlichen Verteilung und des Urbanisierungsgrades.
4.1.3 Einkommen und Wohlstand: Untersuchung der sozialen Schichtung und Arbeitsmarktsituation in beiden Ländern.
4.1.4 Sprachen, Ethnien und Religionen: Vergleich der kulturellen Vielfalt, der Migrationshintergründe und des Einflusses der Säkularisierung.
4.2 Prognosen und Vorausberechnungen: Ausblick auf die zukünftige Bevölkerungsentwicklung basierend auf aktuellen Statistiken.
5 Fazit: Viele Unterschiede, einige Gemeinsamkeiten: Zusammenfassende Einschätzung der demographischen Trends und Zukunftsherausforderungen.
Schlüsselwörter
Demographie, Bevölkerungsentwicklung, Frankreich, Deutschland, Baby-Boom, Fertilität, Altersstruktur, Migration, Urbanisierung, Sozialstaat, Lebenswerwartung, Bevölkerungsdichte, Säkularisierung, Wirtschaftsentwicklung, Geburtenrückgang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht vergleichend die Bevölkerungsgeschichte und aktuelle demographische Trends in Frankreich und Deutschland, um zu erklären, warum sich beide Länder trotz ihrer Nachbarschaft unterschiedlich entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der historischen Bevölkerungsentwicklung, dem Phänomen des "Baby-Boom", der aktuellen Altersstruktur, den Migrationsbewegungen sowie sozioökonomischen Faktoren wie Erwerbstätigkeit und Religion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für die demographische Sonderstellung Frankreichs zu identifizieren und einen fundierten Vergleich zur Entwicklung in Deutschland zu ziehen, insbesondere im Hinblick auf den "demographischen Wandel".
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung statistischer Daten nationaler und internationaler Behörden, ergänzt durch historische und geographische Kontextualisierungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Bevölkerungsentwicklung nach 1945 und einen detaillierten Vergleich aktueller Strukturen, inklusive Altersaufbau, Einkommensverhältnissen und ethno-religiöser Zusammensetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Bevölkerungswachstum, Geburtenziffer, Alterung der Gesellschaft, Familienpolitik und das Zentrum-Peripherie-Modell Frankreichs.
Warum spielt der „Code de la famille“ eine Rolle in der französischen Demographie?
Der 1939 erlassene „Code de la famille“ legte durch staatliche Anreize, wie Kinderbeihilfen und eine verbesserte rechtliche Stellung der Familie, ein Fundament für das nach 1945 einsetzende Bevölkerungswachstum.
Wie unterscheidet sich die Säkularisierung in Frankreich von der in Deutschland?
Während Deutschland einen stärkeren Säkularisierungsprozess durchläuft, der insbesondere in der ehemaligen DDR vorangetrieben wurde, ist Frankreich laizistisch geprägt, wobei die Religion im öffentlichen Leben jedoch eine andere historische und strukturelle Bedeutung beibehält.
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- Simon Hämmerle (Author), 2009, Bevölkerungsstruktur und -entwicklung in Frankreich und Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151989