Handelt es sich bei den Riesen um Mischwesen, eine Vermischung von himmlischen und irdischen Wesen? Warum ist es wichtig, dass diese Riesen erwähnt werden, denn nach V. 1 könnte es auch einfach bei V. 5 ohne die Nefilim weitergehen, ohne etwas am Verständnis der folgenden Sintflut-Geschichte zu ändern? Gibt es einen Zusammenhang mit den Riesen aus Num 13, 32-33 und Goliath dem Philister? Wenn ja, wie konnten sie die Sintflut überleben? Hat die Geschichte einen Einfluss aufs NT? Was will uns diese Geschichte sagen und welche Bedeutung hat sie für uns heute noch? Bei dieser exegetischen Arbeit möchte ich mich vor allem auf die Bedeutung der Riesen fokussieren und herausfinden, welche Stellung und theologische «Funktion» sie in der Bibel haben.
Der behandelte Bibeltext steht nach dem Stammbaum von Adam bis Noah. Noah wird als Tröster (seine Namensbedeutung) über die mühsame Arbeit auf dem von Gott verfluchten Erdboden vorgestellt und dass er drei Söhne hat. Nach der Riesen-Erzählung folgt die Auserwählung von Noah und die Sintflut-Geschichte, bei der alles Leben, was nicht im Schutz der Arche ist, ausgelöscht wird.
Die Geschichte aus Gen 6,1-8 wirkt sehr mythisch und ist für manchen Bibelleser ein Stolperstein. Entweder man liest darüber hinweg und macht sich nicht zu viele Gedanken oder man akzeptiert es einfach als eine bisschen speziellere Bibelstelle. Doch dort darf man nicht stehen bleiben, auch wenn „Gen 6,1-4 […] zu den in der Auslegung umstrittensten Versen der Bibel [gehört].“
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Übersetzungsvergleich
3 Auslegung
3.1 Exkurs – Söhne Gottes
3.1.1 Sethiten
3.1.2 Männer
3.1.3 Herrscher
3.1.4 Engel
3.1.5 Eigene Meinung
3.2 Vers-für-Vers
3.3 Die Riesen nach der Flut
4 Theologische Überlegungen
5 Predigt und Bibelarbeit Grundlage
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der exegetischen Untersuchung von Genesis 6,1-8, wobei der Fokus insbesondere auf der Identität der „Riesen“ (Nefilim) und der „Söhne Gottes“ sowie deren theologischer Funktion innerhalb des biblischen Kontextes liegt. Ziel ist es, die umstrittene Interpretation dieser Verse zu analysieren und zu hinterfragen, welche Bedeutung diese Erzählung für das Verständnis von Gott und Mensch sowie des Sintflut-Gerichts hat.
- Exegetische Analyse von Genesis 6,1-8 und Vergleich verschiedener Übersetzungen.
- Untersuchung der verschiedenen Interpretationsansätze zu den „Söhnen Gottes“.
- Theologische Einordnung der „Riesen“ (Nefilim) und ihrer Rolle im Text.
- Reflektion über Gericht, Gnade und das Handeln Gottes im Alten Testament.
- Übertragung der Erkenntnisse auf moderne Predigt- und Bibelarbeitspraxis.
Auszug aus dem Buch
3.1 Exkurs – Söhne Gottes
Wer die Söhne Gottes sind, wurde auf verschiedene Weise interpretiert. Hier möchte ich 4 Interpretationen ausführen und dazu Stellung nehmen. Zuerst möchte ich kurz klären was dieser Begriff bedeutet. Sohn Gottes an sich gilt als ein Ehrentitel, den auch Könige erhalten haben (2 Sam 7,14; Ps 2,7) oder Israel als Volk (Ex 4,22-23; Dtn 14,1). Im Plural wird er auch für den Hofstaat JHWHs verwendet (Ijob 1,6; 38,7; Ps 89,7). Die Wurzeln des Begriffes könnten jedoch aus dem mythologischen, polytheistischen Bereich stammen. Im NT bezieht Jesus diesen Titel auf sich als Gottes Sohn. Im Judentum wird die Bezeichnung ‘Sohn’ als eine bestimmte Zugehörigkeit verstanden. So z.B. auch Söhne des Reichs (Mt 13,38), Donnersöhne (Mk 3,17), Sohn des Teufels (Joh 8,44; Apg 13,10).10 Gottes Sohn oder Söhne Gottes soll also nicht als eine Abstammung verstanden, sondern als eine Zugehörigkeit verstanden werden. Dies öffnet jedoch die Interpretation in Gen 6,1-8.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die mythische Problematik von Gen 6,1-8 ein und stellt die zentralen Forschungsfragen zur Identität der „Riesen“ sowie ihrer theologischen Bedeutung.
2 Übersetzungsvergleich: Dieses Kapitel präsentiert eine detaillierte Gegenüberstellung des Bibeltextes Gen 6,1-8 mitsamt philologischer Anmerkungen zum hebräischen Wortlaut und der Bedeutung wichtiger Begriffe.
3 Auslegung: Dieses Hauptkapitel untersucht die verschiedenen Interpretationsmodelle der „Söhne Gottes“ (Sethiten, Männer, Herrscher, Engel), geht versweise auf den Text ein und diskutiert die Existenz der Riesen vor und nach der Sintflut.
4 Theologische Überlegungen: Hier wird die zentrale Botschaft der Verdorbenheit des Menschen und des darauf folgenden göttlichen Gerichtshandelns theologisch reflektiert und in einen breiteren biblischen Kontext gestellt.
5 Predigt und Bibelarbeit Grundlage: Das letzte Kapitel entwirft ein Modell, wie die gewonnenen exegetischen Erkenntnisse für eine fundierte Predigt oder eine Bibelarbeit über Gnade und Sohnschaft strukturiert werden können.
Schlüsselwörter
Genesis 6,1-8, Nefilim, Riesen, Söhne Gottes, Exegese, Sintflut, Gericht, Gnade, Sohnschaft, Sethiten, Engel, Bibelarbeit, Altes Testament, Bosheit, Theologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer exegetischen Ausarbeitung des Bibeltextes Genesis 6,1-8 und der darin vorkommenden, umstrittenen Darstellung der Söhne Gottes und der Riesen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind neben der Exegese der Verse 1-8 die Identität der Söhne Gottes, die Deutung der Nefilim (Riesen) sowie die Verbindung von göttlichem Gericht und Gnade.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die „Funktion“ der Riesen in der Bibel zu ergründen und ein tieferes Verständnis dafür zu gewinnen, warum diese Erzählung im Kontext des Sintflut-Berichts steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die exegetische Methode, bestehend aus einem Übersetzungsvergleich, der Analyse verschiedener wissenschaftlicher Interpretationsansätze (Sethiten, Engel, etc.) und deren theologischer Einordnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden vier verschiedene Interpretationen der „Söhne Gottes“ diskutiert, der Text wird Vers-für-Vers ausgelegt und die Frage nach dem Überleben der Riesen nach der Sintflut beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Genesis 6, Nefilim, Exegese, Sohnschaft, Gericht und Gnade Gottes.
Welche Theorie zur Identität der „Söhne Gottes“ bevorzugt der Autor?
Der Autor neigt zur Interpretation der Söhne Gottes als Himmelswesen (Engel), da dies für ihn die ganzheitlichste Erklärung bietet, wenngleich er auch hier Schwierigkeiten in der Beantwortung offener Fragen einräumt.
Wie werden die „Riesen“ nach der Sintflut in der Arbeit erklärt?
Die Arbeit weist auf die Schwierigkeit hin, das Überleben der Riesen nach der Sintflut zu erklären, und stellt verschiedene Lösungsansätze vor, ohne dabei zu einem eindeutigen, unumstößlichen Ergebnis zu kommen.
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- Anonym (Autor:in), 2024, Die Riesen in Genesis 6,1-8. Biblische Exegese und theologische Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1519981