O Novo Acordo Ortográfico. Auswirkungen der Rechtschreibreform zur Vereinheitlichung der portugiesischen Orthographie

Aufgezeigt an den Problemen der Umsetzung in einzelnen Ländern


Magisterarbeit, 2010
125 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Der Acordo 1990 – Aktuelle Diskussion
1.2 Eingrenzung des Themas

2. Graphietradition
2.1 Einführung
2.2 Reforma Ortográfica de 1911
2.3 Acordo Ortográfico de 1931
2.4 Formulário Ortográfico de 1943 - Oficial no Brasil
2.5 Acordo Ortográfico 1945
2.6 Reforma Ortográfica de 1971
2.7 Acordo Ortográfico de 1973
2.8 Acordo Ortográfico 1986
2.9 Acordo Ortográfico de 1990

3. Geschichte des Acordo Ortográfico

4. Sprachpolitische Grundlagen
4.1 Einführung in die Sprachpolitik
4.2 Die Sprachpolitik in Portugal
4.3 Die Sprachpolitik in Brasilien
4.4 Die Sprachpolitik in Angola

5. Maßnahmen und Bewertung der Implementierung
5.1 Einführung
5.2 Acordo in Portugal
5.2.1 Maßnahmen zur Umsetzung in Portugal
5.2.2 Auswirkungen und Bewertung der Maßnahmen in Portugal
5.3 Acordo in Brasilien
5.3.1 Maßnahmen zur Umsetzung in Brasilien
5.3.2 Auswirkungen und Bewertung der Maßnahmen in Brasilien
5.4 Acordo in Angola
5.4.1 Maßnahmen zur Umsetzung in Angola
5.4.2 Auswirkungen und Bewertung der Maßnahmen in Angola

6. Schlussbetrachtung
6.1 Zusammenfassung der Arbeit
6.2 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Der Acordo 1990 – Aktuelle Diskussion

Neun Länder, eine Sprache und bald auch eine gemeinsame Schreibweise. Kaum ein anderes verabschiedetes Gesetz beschäftigt die lusophone Welt derzeit so wie der Novo Acordo Ortográfico. Das am 16. Dezember 1990 von den Mitgliedern der CPLP ratifizierte Gesetz dient zur Vereinheitlichung der portugiesischen Orthographie[1], welche aktuell in zwei Varianten angewendet wird: der europäischen, die in allen portugiesischsprachigen Ländern mit Ausnahme Brasiliens verwendet wird, und der brasilianischen [2] .

Das nun aktuell ratifizierte Dokument für die neue Orthographie verlangt eine Schreibweise, die der Variante des Sprechers entspricht. Ebenfalls sollen die Schreibweisen möglichst transparent und stringent die heutige Aussprache der Wörter reflektieren[3]. Der Großteil der Veränderungen findet in der europäischen Orthographie statt. An der brasilianischen Ortographie werden weitaus weniger Änderungen vorgenommen. Grund dafür ist, dass die Orthographie in Brasilien bereits in der Vergangenheit stärker an der Aussprache orientiert wurde[4].

Es ist nicht das erste Mal, dass der Versuch unternommen wird, die portugiesische Orthographie einer Vereinheitlichung zu unterziehen. Die ersten gemeinsamen Bestrebungen von der Academia das Ciências de Lisboa und der Academia Brasileira de Letras gehen auf das Jahr 1911 zurück. Seitdem gab es mehrere erfolglose Versuche, die Sprache anzugleichen[5]. Der portugiesischsprachigen Welt würde die Internationalisierung ihres Idioms gelingen, wenn alle Mitglieder der CPLP die Dokumente des Novo Acordo endgültig ratifizieren, was bisher nicht der Fall ist – diese Mitglieder sind Portugal, Brasilien, Osttimor, Angola, Mosambik, Guinea-Bissau, Kapverden sowie São Tomé und Príncipe[6].

Die Auswirkungen der Umsetzung sind je nach Sprachgebiet unterschiedlich und es stellt sich die Frage, ob sich alle Mitglieder der CPLP auf das neue Abkommen einigen können. Beachtlich dabei ist, dass das Abkommen von 1990 in demselben Jahr von allen lusophonen Ländern unterzeichnet wurde, es aber erst Jahre später und zudem sehr langsam damit begonnen wurde, die Vereinheitlichung umzusetzen[7]. Da die Implementierung nach sprachpolitischen Vorgaben der einzelnen Länder geschieht, stellt sich die Frage nach den Gründen für das langsame Voranschreiten bzw. für die Verzögerung.

Die Einführung der neuen Orthographie wäre unkompliziert und würde problemlos erfolgen, wenn sich nicht einige Gruppen aus den genannten Ländern der Implementierung des Acordos widersetzen würden. Die Vereinheitlichung könnte überwiegend von Vorteil sein, denn die unterschiedlichen Sprachräume versuchen, einen einheitlichen Rahmen für die Orthographie zu schaffen. Dabei entstehen jedoch Probleme, über die oft u. a. in öffentlichen Medien (z. B. in der Zeitung) diskutiert wird. Bei genauer Betrachtung werden viele Probleme offenkundig, welche von Kritikern als Argument gegen das neue Abkommen verwendet werden. Jedoch gibt es nicht nur kritische Stimmen bezüglich des neuen Abkommens. Es existieren ebenso viele Befürworter, welche für die Implementierung des Acordos argumentieren.

Besonders in Portugal gibt es bezüglich des Acordos zahlreiche kritische Stimmen. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Veränderungen an der europäischen Orthographie umfangreicher sind als an der brasilianischen und damit aus Sicht vieler Portugiesen die Vereinheitlichung eher in Richtung der europäischen anstatt der brasilianischen Orthographie stattfinden sollte[8]. Erfahrungen anderer Länder zufolge, bedarf es einer langen Auseinandersetzung über die „korrekte“ Schreibweise[9]. Der aufkommende Zeitaufwand für den Druck neuer Bücher sowie die Kosten für den Endverbraucher erschweren die Lage noch zusätzlich[10]. Die portugiesische Linguistin Maria Mira Mateus behauptet, der Acordo sei mehr aus politischen als theoretischen oder wissenschaftlichen Interessen geschlossen worden[11]. Doch ist dies wirklich der Fall? Und wenn, wäre es ein berechtigter Kritikpunkt? Schließlich erfolgen viele Entscheidungen auf politischer Basis, um das Land aufzuwerten. Kritiker führen weiterhin als Argument an, der Lernprozess in der Schriftsprache sei komplizierter, Befürworter behaupten das Gegenteil[12]. Auch die öffentlichen Medien in Portugal beteiligen sich an der Diskussion. Sie sprechen in ihren Artikeln von dem „Rückschlag oder der linguistischen Rache Brasiliens“ und heizen damit die öffentliche Diskussion weiter an[13].

Es gibt jedoch nicht nur Gegner des Novo Acordo. Einer der wichtigsten Gründe, der für den Acordo spricht ist, dass es nach der Vereinheitlichung nur eine Orthographie geben soll. Somit wird u. a. bei Rechtschreibprogrammen oder Wörterbüchern im Internet lediglich eine Version benötigt[14] und es müssten in offiziellen Dokumenten nicht mehr zwei unterschiedliche Versionen erstellt werden[15]. Ebenso ist der Acordo von Vorteil für alle lusophonen Leser. Laut dem brasilianischen Verleger, Houaiss, würde dessen Einführung darüber hinaus die Auflagen von Verlagen erhöhen, da ihre Bücher in mehr Ländern verkauft werden können und somit mehr lusophone Kunden erreichen.

Der Aufwand, der bei der Implementierung des Abkommens betrieben werden muss, ist ein entscheidender Faktor. Es müssen Maßnahmen getroffen werden, um die neuen Regeln der Bevölkerung vermitteln zu können. In Portugal gibt es laufende Debatten über den Novo Acordo, welche u. a. dazu führen, dass die neuen Regeln noch nicht offiziell angewendet werden, obwohl die Regierung Portugals bereits das Gesetz ratifiziert hat. Jedoch kann für Portugal kein genaues Datum sowohl für die Implementierung als auch für das in Kraft treten des Acordos genannt werden[16].

Anders ist es in Brasilien und Angola. In Brasilien sind die Regeln bereits implementiert worden[17]. Angola dagegen hält weiterhin eine gewisse Distanz gegenüber der zu unterschreibenen Dokumente und kann noch kein genaues Datum für die Ratifizierung nennen[18].

Was sind nun die Herausforderungen bei der Umsetzung des Abkommens und wer hat dieses veranlasst? Wo liegen die Vorteile und welche Chancen werden der lusophonen Welt dadurch geboten? Welcher Aufwand muss für die Umsetzung der neuen Regeln betrieben werden? Welche Probleme gibt es bei der Implementierung?

Dies sind die Kernfragen, mit denen sich diese Arbeit befasst.

1.2 Eingrenzung des Themas

Diese Arbeit beginnt mit der Graphietradition der lusophonen Welt. Es wird erläutert, wann und wie in der portugiesischen Sprache die ersten orthographischen Regeln entstanden sind und wie sie sich von Zeit zu Zeit veränderten. Im nächsten Schritt wird ein Überblick über die ersten gemeinsamen Bestrebungen, die portugiesische Orthographie zu vereinheitlichen, gewährt. Dabei erfolgt eine Erläuterung der grundlegenden Änderungen von jedem Versuch einer Vereinheitlichung in den verschiedenen Jahren.

Der darauf folgende Abschnitt geht auf die Geschichte des Acordo Ortográfico ein. Wie die portugiesische Orthographie entstanden ist und wie sich diese weiter entwickelt hat. Ebenfalls wird der Grund erläutert, warum es zwei unterschiedliche Normen in der Lusophonie gibt und diese zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Akademien Brasiliens und Portugals führten. Wichtig zu wissen ist, weshalb sich die Akademien nie auf eine einheitliche Orthographie einigen konnten. Dieser Absatz geht gezielter und ausführlicher auf das orthographische Abkommen des Jahres 1990 ein.

Der nächste Punkt behandelt die sprachpolitischen Grundlagen Portugals, Brasiliens und Angolas. Welche Sprachen in welchen Ländern neben portugiesisch ebenfalls gesprochen werden. Die Sprachpolitik in den einzelnen Ländern ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit und deren Ziele werden kritisch im Laufe dieser Arbeit hinterfragt. Ebenso erfolgt eine genauere Darstellung des Bildungssystems in den einzelnen Ländern.

Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit den Maßnahmen der Umsetzung des Acordos sowie mit den Auswirkungen und der Bewertung dieser Maßnahmen. Hierbei ist es wichtig, welche Maßnahmen für die Implementierung getroffen werden müssen und ob diese vorteilhaft sind oder nicht. Es gibt Gegner und Befürworter verschiedener Interessensgruppen hinsichtlich des neuen Abkommens. Ihre Argumente werden aufgelistet und auf Wichtigkeit und Richtigkeit bewertet. Dabei werden die Vor- und Nachteile beider Sichtweisen hervorgehoben. Da es sich hierbei um aktuelle Diskussionen und Berichte handelt, sind die Argumente größtenteils Artikeln aus dem Internet entnommen.

Da der Umfang dieser Arbeit beschränkt ist, wird der Schwerpunkt lediglich auf Portugal, Brasilien und Angola gelegt.

2. Graphietradition

2.1 Einführung

Was macht eigentlich eine Orthographie aus? Sie ist ein wichtiger Bestandteil für die Menschheit, um miteinander schriftlich zu kommunizieren. In diesem Sinne lernt der Mensch zuerst sprechen, dann schreiben. Zuerst lernt er die Klänge und die Artikulation, dann repräsentiert er sie graphisch. Diese Verbindung zwischen Mündlichem und Schriftlichem, zwischen Klang und Graphik ist das Ziel der Orthographie[19].

Portugiesisch gilt als „Weltsprache“ und ist laut den meisten Quellen die 5. am häufigsten gesprochene Sprache von über 200 Millionen Sprechern aus Europa, Afrika, Asien und Südamerika. Mit dementsprechend vielen Sprechern aus so zahlreichen Ländern und unterschiedlichen Kulturen ist es nahezu unmöglich, eine komplett einheitliche Orthographie umzusetzen. Es ist offensichtlich, dass es Unterschiede sowohl in der Artikulation als auch in der Orthographie gibt[20]. Zwei unterschiedliche Varianten der portugiesischen Sprache werden angewendet: die europäische und die brasilianische. Sie unterscheiden sich in der Orthographie, Syntax, Phonolgie[21], Lexik, Morphologie, Pragmatik und der Phonetik[22].

Es existieren zwei verschiedene Varianten der Orthographie, da die Wörter in Portugal und Brasilien teilweise unterschiedlich ausgesprochen werden und weil die Mutterländer bei früheren Reformen abweichende Entscheidungen getroffen haben. Die unterschiedlichen Wege bei vergangenen Reformen waren auch der Auslöser des aktuellen Abkommens. Das nun aktuell ratifizierte Dokument für die neue Orthographie verlangt eine Schreibweise, die der Variante des Sprechers entspricht. Ebenfalls sollen die Schreibweisen möglichst eindeutig die heutige Aussprache der Wörter darstellen[23]. Trotz der neuen Orthgraphie wird es jedoch weiterhin u. a. grammatikalische, semantische sowie phonetische Unterschiede in der europäischen und brasilianischen Norm geben[24], da der Novo Acordo Ortográfico lediglich die Rechtschreibung ändern soll[25]. Zugleich wird die Sprache und ihre Variationen von kulturellen Aspekten gelenkt[26].

Es ist bei Rechtschreibreformen üblich, dass der größte Teil des Wortschatzes völlig unberührt von Veränderungen bleibt. Bei dem Acordo findet ein Großteil der Veränderungen auf Seiten der europäischen Orthographie statt. Die brasilianische Orthographie erfährt dagegen weitaus weniger Änderungen. Grund dafür ist, dass in der Vergangenheit ihre Reformen bereits stärker an der Aussprache orientiert wurden[27].

Trotz der Unabhängigkeit Afrikas wurde das europäische Portugiesisch, sowohl in Wort als auch in Schrift, von der afrikanischen Regierung eingeführt und größtenteils beibehalten, um die Entwicklung des Landes zu fördern und um die nationale Einheit zu stärken[28]. Ferner schlossen sich die afrikanischen Staaten im Jahre 1996 der Gemeinschaft portugiesischsprachiger Länder (Comunidade dos Países de Língua Portuguesa - CPLP) an und nennen sich seitdem die afrikanischen Staaten mit der Amtssprache Portugiesisch (Países Africanos de Língua Oficial Portuguesa - PALOP).

Osttimor schloss sich der Gemeinschaft direkt nach seiner Unabhängigkeit am 20.05.2002 an und übernahm somit ebenso das europäische Portugiesisch in Wort und Schrift[29]. Grund dafür war, Anschluss an die EU zu finden und sich sowohl politisch als auch kulturell von Indonesien abzugrenzen[30].

Die PALOP sind zusammengesetzt aus den afrikanischen Staaten Angola, Mosambik, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe sowie Kap Verde. Portugal und die PALOP schlossen sich aufgrund gemeinsamer ökonomischer und kommerzieller Interessen zusammen. Ihre Zusammenarbeit ist darüber hinaus kulturell bedingt[31].

Die CPLP ist eine internationale Organisation mit Sitz in Lissabon und umfasst die fünf PALOP, Osttimor, Portugal und Brasilien[32]. Die ersten Initiativen zu einer verstärkten Kooperation der lusophonen Länder gehen bereits auf das Jahr 1983 zurück. Die CPLP wurde zwar erst 1996 von dem damaligen Kultusminister José Aparecido de Oliveira, gegründet, jedoch wurde der erste Schritt für die Gründung der CPLP bereits 1989 in São Luís do Maranhão in Brasilien gemacht. Dabei trafen sich die Staats- und Regierungschefs von den zu der Zeit noch sieben Mitgliedsstaaten Angola, Brasilien, Kap Verde, Guinea-Bissau, Mosambik, Portugal und São Tomé und Príncipe[33]. Bei der Versammlung von 1989 entschieden sie sich, ein Internationales Portugiesisches Sprachinstitut (Instituto Internacional da Língua Portuguesa - IILP) zu erschaffen, welches zur Förderung und Verbreitung des portugiesischen Idioms beitragen sollte[34].

Die CPLP wurde gegründet, um den kulturellen Austausch zu pflegen und eine ökonomische sowie unternehmerische Zusammenarbeit der lusophonen Länder zu veranlassen. Die Grundlage der Gründung basiert auf die Idee von dem damaligen brasilianischen Präsidenten José Sarney (1985-1990)[35]. Die Gemeinschaft ist sehr auf die Gleichheit der Staatsmitglieder bedacht, da Portugal zu Anfangszeiten keine sehr gute Beziehung zu seinen nun ehemaligen Kolonien hatte und zudem Portugal ebenfalls eine schwache wirtschaftspolitische Position einnahm und immer noch einnimmt[36]. Deshalb hat sich die CPLP ebenso zum Ziel gesetzt, die portugiesische Sprache als Verkehrssprache bezüglich der „Internationalisierung“ zu etablieren und die portugiesische Sprache zu fördern und zu verbreiten[37]. Die Portugiesische Sprache gehört zwar zu den meistgesprochenen Sprachen der Welt, trotzdem ist der tatsächliche Einfluss des Idioms vor allem verglichen mit dem Spanischen gering. Portugal hat über Jahre hinweg die Etablierung einer internationalen Sprachpolitik versäumt[38].

Die Ziele der CPLPsind demnach, die portugiesische Sprache und Kultur aller beteiligten Staaten international aufzuwerten, den peripheren Status Portugals innerhalb der EU zu verbessern und dessen „besondere Beziehungen“ zu seinen ehemaligen Kolonien zu intensivieren. Ebenso ist es wichtig für die Mitglieder der CPLP, gemeinsam auf wirtschaftlichem, sozialem, kulturellem, juristischem und technisch-wissenschaftlichem Gebiet zusammen zu arbeiten. Die Staats- und Regierungschefs sind das höchste Organ der CPLP. Sie geben die politischen Leitlinien der Gemeinschaft vor und ergreifen juristische Maßnahmen zur Durchsetzung gefasster Beschlüsse, wie z. B. die des Acordo s[39].

Die Wirtschaftsakademie von Lissabon (Academia das Ciências de Lisboa – ACL) wurde im Jahre 1779[40] von dem zweiten Herzog von Lafões, D. João Carlos de Bragança de Sousa Ligne Tavares Mascarenhas da Silva[41], unter dem Namen Academia Real das Sciências de Lisboa gegründet[42], um zur Sprachpflege beizutragen[43]. Die brasilianische Akademie für Geisteswissenschaften (Academia Brasileira de Letras– ABL) wurde im Jahre 1896 gegründet, angeführt von dem Brasilianer Machado de Assis, einer der bedeutendsten Schriftsteller der portugiesischen Sprache[44]. Im Gegensatz zur ACL war die Rolle der ABL zur Sprachkodifizierung der Rechtschreibung begrenzt[45].

Die Mitglieder der ACL und der ABL sowie die Regierungschefs der jeweiligen Länder waren der Meinung, dass zwei unterschiedliche Reformen schädlich für die interkontinentale Einheit des Portugiesischen und für sein Prestige auf der Welt sein würden[46]. Sie waren der Auffassung, dass zwei unterschiedliche Graphien die Dynamik der Sprache beschränken würden. Ebenso würden die Unterschiede schriftliche Hindernisse erzeugen, wie z. B. in kulturellen Diffusionen (Literatur, Kino, Theater), in den Medien (Journal, Zeitschriften, Internet, Fernsehen) oder bei kommerziellen Verbindungen (Verhandlungen, Verträge)[47]. Die Einführung des neuen Abkommens sollte also den Prozess des kulturellen und wissenschaftlichen Austausches zwischen den lusophonen Ländern vereinfachen und eine weite Ausbreitung der Sprache garantieren[48]. Die portugiesische Sprache gilt als einzige internationale Sprache, welche immer noch zwei unterschiedliche Orthographien aufweist[49].

Jede Sprache verändert sich von Zeit zu Zeit. So besteht die portugiesische Sprache aus einer langen orthographische Geschichte[50]. Das portugiesische Idiom ist nicht spontan entstanden. Es durchquerte laut Verfassern wie Edwin Williams (in ´ From Latin to Portuguese, Historical Phonology and Morphology of the Portuguese Language´) drei unterschiedliche Phasen[51]:

- Die phonetische Phase

In Portugal führt sie auf das Jahr 1214 zurück, in dem der portugiesische König Alfonso II. sein Testament schrieb, welches als das älteste Dokument des Altportugiesischen gilt[52]. Die portugiesische Verschriftlichung gilt in Afrika seit dem 15. Jh. und in Brasilien seit dem 16. Jh.. In den frühen Phasen der Kodifizierung, als noch auf die lateinische Grammatik zurückgegriffen wurde[53], gab es noch keine zusammengefassten Rechtschreibregeln. Die Schreibweise wurde nach der Aussprache gerichtet, als noch die galicisch-portugiesische Sprache herrschte. Mitte des 16. Jahrhunderts endete diese sogenannte “phonetische Phase”, als der erste Buchdruck erschien[54]. Die portugiesische Grammatik wurde das erste Mal in Portugal und seinen Kolonien in Afrika und Brasilien schriftlich erfasst und somit normiert. Das erste Buch von Fernão de Oliveira, einem Mönch und Grammatiker, erschien im Jahre 1536 mit dem Titel „ Grammatica da linguagem portuguesa “. Gefolgt von der zweiten Veröffentlichung, der “Gramática da lingua portugueza” in den Jahren 1539/ 1540, welche von einem der ersten großen portugiesischen Historiker und Schriftsteller, João de Barros, stammt[55]. Im Jahre 1574 legte Pêro de Magalhães de Gândavo die ersten portugiesischen Rechtschreibregeln, also die “regras que ensinam a maneira de escrever e a orthographia da lingua Portuguesa” fest[56].

- Die pseudo-etymologische Phase

Die portugiesische Orthoepie des 17. und 18. Jh. wurde von dem klassischen Latein und dem Griechischen während der Renaissance beeinflusst. Dadurch entsanden verschiedene Varietäten in der Schreibweise der Portugiesen. In dieser Phase waren die Grammatiker sehr auf orthographische Normen festgelegt. Das Portugiesisch in Europa und Afrika durchlief im 18. Jh. eine starke Veränderung, wobei das brasilianische Portugiesisch hingegen in der ursprünglichen Form erhalten blieb[57].

- Die historisch-wissenschaftliche Phase

Diese Phase begann ab dem Jahre 1911 und beschäftigt sich bis heute mit der Vereinfachung der portugieischen Orthographie[58]. Die portugiesischen Grammatiker Cuesta und Luz nennen diese Periode die “Periode der orthographischen Reformen”[59], wobei im 20. und 21. Jh. das Ziel angestrebt wird, eine einheitliche Orthographie zu erreichen[60].

2.2 Reforma Ortográfica de 1911

Die orthographische Reform (Diário do Governo, n.º 213) vom 12. September 1911 basiert auf die im Jahre 1885 veröffentlichten Grundlagen (Bases da Ortografia Portuguesa de 1885) [61] von Aniceto dos Reis Gonçalves Vianna und Guilherme de Vasconcelos Abreu. Vianna, ein portugiesischer Philologe, Linguist und Lexikograph und Vasconcelos Abreu, ein portugiesischer Schriftsteller und Literat , veröffentlichten diese Grundlagen, um die Normungder portugiesischen Schreibweise schriftlich festzuhalten[62]. Die wichtigsten Änderungen der Reform von 1911:

- Entfernung der Digraphe griechischen Ursprungs und Ersetzen einfacher Grapheme:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Abschaffung doppelter Konsonante zu einem einzigen Konsonanten, mit Ausnahme bei / rr/ und / ss /: ich)[63] [64]

- Entfernung stummer Konsonante, solange sie nicht die Aussprache des vorherigen Vokals beeinflussen:)[65]

2.3 Acordo Ortográfico de 1931

Die Grundlagen des ersten Abkommens wurden am 25. Mai 1931 von der ACL (Diário do Governo n°. 120, I. Série) und am 22. Juli 1931 von der ABL (Decreto n°. 20.108) [66] festgelegt. Ziel war es, die Orthographie der portugiesischen Sprache zu vereinheitlichen[67]. Dabei sollten die Unterschiede zwischen den brasilianischen sowie den portugiesischen Orthographien aufgehoben bzw. reduziert sowie die Sprache vereinfacht werden[68]. Die Präsidenten und die Botschafter von den Akademien Brasiliens und Portugals unterzeichneten dieses Abkommen. Es sollte die Grundlagen der modernen Orthographie der portugiesischen Sprache festlegen. Da das Abkommen von 1931 jedoch auf die Reform von 1911 aufbaut, gab es besonders in Brasilien geteilte Meinungen. Somit wurde in Brasilien die Orthographie von 1891 beibehalten und Portugal sollte die neue Rechtschreibreform umgeetzt werden. Die wichtigsten Änderungen:

- Abschaffung der stummen Konsonante:[69]
- Abschaffung des stummen / h /:
- Entfernung der Digraphe griechischen Ursprungs und Ersetzen einfacher Grapheme:
- Ersetzen des / s / durch ein / z / nach einem betonten Vokal:
- Abschaffung des / k/, /w / und / y/ bei portugiesischen bzw. portugiesierten Wörtern:
- das /k/ wird ersetzt durch / qu /, wenn es vor einem /e / oder einem /i / steht:[70]
- das / w / wird ersetzt durch / u / oder / v /, je nach Aussprache:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- das / y / wird ersetzt durch /i /:)[71]

2.4 Formulário Ortográfico de 1943 - Oficial no Brasil

Die wichtigsten Änderungen des orthographischen Formulars (Lei 2.623) [72] vom 12. August 1943, welches lediglich bis Ende 2012 aktuell bleibt:

- Das Alphabet besteht aus 23 Buchstaben, jedoch dürfen die Buchstaben / k/, /w / und /y / bei Fremdwörtern angewendet werden

- Die stummen Konsonanten fallen weg:

asthma > asma (Asthma)

director > diretor (Direktor)

óptimo > ótimo (prima, ausgezeichnet)

- Der Umlautpunkt bei dem /u / wird verwendet, wenn dieser nach einem / g / oder / q / steht und von einem / e / oder / i / gefolgt wird:

aguentar > agüentar (aushalten)

eloquente > eloqüente (gesprächig)

tranquilo > tranqüilo (ruhig)

- Der Umlautpunkt darf bei unbetontem Hiatus verwendet werden:

saüdade > saudade (Gesundheit)

vaϊdade > vaidade (Eitelkeit)[73]

2.5 Acordo Ortográfico 1945

Das Abkommen von 1945 (Decreto n°. 35.228) [74] wurde zwar von Brasilien laut Decreto-Lei n°. 8.286 genehmigt, jedoch ist es nie von dem brasilianischen Parlament ratifiziert worden. Deshalb richten sich die Brasilianer weiterhin nach dem orthographischen Formular von 1943. Im Jahre 1955 wurde die Genehmigung von dem Decreto-Lei n°. 8.286 in dem Gesetz, Lei n°. 2.623 [75], widerrufen. Veranlasst wurde der Acordo 1945 von Professor Francisco da Luz Rebelo Gonçalves, einem portugiesischen Philologen und Lexikographen[76].

Die wichtigsten Änderungen des orthographischen Abkommens vom 8. Dezember 1945, welches lediglich in Portugal und den anderen lusophonen Ländern, ausser Brasilien, als Norm gilt[77]:

- Erhaltung von / k/, / w / und / y / bei Derivaten von Fremdwörtern (frankliniano, kantismo, darwinismo, taylorista), jedoch besteht das Alphabet aus 23 Buchstaben

- Lediglich bei Wörtern hebräischen Ursprungs biblischer Traditionen gibt es keine Änderungen: / ch / wird nicht zu / c /, / ph / wird nicht zu /f/ und / th / wird nicht zu / t /: Baruch, Loth, Moloch, Ziph

Ausnahme: Sollten diese Wörter jedoch einen stummen Konsonanten beinhalten, wird der letzte Vokal dieses Wortes mit einem Akut geschrieben:

Joseph > José

Nazareth > Nazaré

- Am Anfang jeden Wortes soll kein / ç / mehr stehen, deswegen wird dieses nun durch ein / s / ersetzt:

çafio > safio (Seeaal)

çapato > sapato (Schuh)

- Bei einem stummen / c /, /ct/, / pç/ und /pt/ werden die Wörter nun folgendermaßen geschrieben:

aflicção > aflição (Aufregung)

aflicto > aflito (aufgeregt)

assumpção > assunção (Beförderung)

captivar > cativar (bezaubern)

Ausnahme : Die Graphien /cç/, /ct/, / pç/ und /pt/ bleiben erhalten, wenn sie ausgesprochen werden: pacto (Pakt) , contacto (Kontakt), ficção (Fiktion) sowie wenn sie nach den Vokalen /a /, /e / und / o / verwendet werden: protecção (Schutz) , correcção (Korrektur), optimismo (Optimismus)

- Der Diphtong / ei / auf der Endung – eia wird nicht mit Akut geschrieben:

boleia (Mitfahrgelegenheit)

ideia (Idee)

sereia (Sirene)[78]

2.6 Reforma Ortográfica de 1971

Die aktuelle Rechtschreibreform in Brasilien basiert auf das orthographische Formular von 1943 (Lei n°. 5.765) [79] und durchlief kleine Änderungen, die in der Reform vom 18. Dezember 1971 enthalten sind. Hierbei passen sich alle Änderungen der europäischen Schreibweise an:

- Aufhebung des Umlautpunktes bei unbetontem Hiatus:

saüdade > saudade (Gesundheit)

vaϊdade > vaidade (Eitelkeit)

- Unterdrückung von Zirkumflex bei /e/ und / o / bei der Wortsilbe von Homographen:

almôço > almoço (Mittagessen)

êle > ele (er)

enderêço > enderêço (Anschrift)

gôsto > gosto (Geschmack)

- Abschaffung von Zirkumflex und Gravis, bei Derivationen mit dem Suffix –mente oder bei der Bildung mit einem / z /:

bebêzinho > bebezinho (Babylein)

vovôzinho > vovozinho (Großvaterlein)

sòmente > somente (lediglich)

sòzinho > sozinho (alleine)

ùltimamente > ultimamente (kürzlich, zuletzt)[80]

2.7 Acordo Ortográfico de 1973

Die aktuelle Rechtschreibreform Portugals basiert auf dem Abkommen von 1945 (Decreto-Lei n°. 32) [81] und durchlief kleine Änderungen, die in der Reform vom 6. Februar 1973 enthalten sind. Die Änderungen dieses Abkommens nähern sich der Schreibweise des brasilianischen Portugiesisch an:

- Aufhebung von Zirkumflex und Gravis, wenn sie eine betonte Silbe markieren, bei Derivaten mit dem Suffix – mente und bei einem mit z beginnenden Suffix:

pràticamente > praticamente (praktisch)

sòzinho > sozinho (alleine)[82]

2.8 Acordo Ortográfico 1986

Im Jahre 1986 gab es erneut ein Treffen zwischen den Akademien Portugals und Brasiliens sowie den Delegationen der restlichen Mitgliedern der CPLP, um über eine Vereinheitlichung zu verhandeln. Die Orthographie sollte vereinfacht werden, wobei u. a. die Akzente abgeschafft und die Verwendung des Bindestrichs reduziert werden sollte. Doch es gab weiterhin keine Einigung für eine Vereinheitlichung. Nichtsdestotrotz resultiert der Acordo 1990 aus den vorschlagenden Änderungen der Gespräche von 1986[83].

2.9 Acordo Ortográfico de 1990

Das neue Abkommen wurde von den Repräsentanten der lusophonen Länder am 16. Dezember 1990 in Lissabon unterzeichnet. Es wurde am 23. August 1991 von dem portugiesischen Parlament in dem Gesetz nº. 26/91[84] verabschiedet und in dem Diário da República nº. 193, Série I-A, auf den Seiten 4370 bis 4388 veröffentlicht[85]. Verabschiedet wurde es von dem portugiesischen Parlament (Assembleia da República) am 7. November 1991 in dem Decreto n°. 19 [86]. Der Acordo von 1990 ist in vier Teile aufgebaut:

- Acordo Ortográfico da Língua Portuguesa : Der Gesetzestext

- Anexo I — Acordo Ortográfico da Língua Portuguesa (1990): Eine Liste mit 21 orthographischen Grundlagen (Bases Ortográficas) mit dem neuen portugiesischen Alphabet und den Charakteristiken der neuen Orthographie; inklusive Beispielen

- Anexo II — Nota Explicativa do Acordo Ortográfico da Língua Portuguesa (1990) : Ein Text, in dem erklärt wird, aus welchen Gründen die Änderungen stattgefunden haben

- Rectificação : Richtigstellung der Ungenauigkeiten des Textes[87]

In Brasilien wurde der Acordo am 18. April 1995 durch das Decreto n°. 54[88] verabschiedet und die neuen Regelungen sind im Decreto n°. 6.583 zu lesen[89].

Die Änderungen in dem Acordo von 1990:

Allgemeine Änderungen:

- Das portugiesische Alphabet besteht nun seit der Einführung des Acordos aus 26 Buchstaben[90], vorher waren es lediglich 23. Die drei Buchstaben /k /, /w/ und /y/ wurden nun dem Alphabet „offiziell“ hinzugefügt. „Offiziell“, weil diese drei Buchstaben zwar vorher nicht im Alphabet erwähnt, jedoch trotzdem bei Fremdwörtern angewendet wurden[91].

Der Gebrauch dieser drei Buchstaben kann u. a. bei Fremdwörtern festgestellt werden:

- Währungen: kina, kwanza, yuan

- internationalen Symbole n: kg (portug: quilograma - Kilogramm), W (portug: watt - Watt; portug: oeste - Westen), Yd (portug: jarda - yard)[92]

- Kleinschreibung:

Das neue Abkommen schreibt die Kleinschreibung am Anfang eines Wortes vor. So werden nun wie auch bereits die Wochentage ebenso

- die Monate: janeiro, fevereiro, março, abril, maio, junho, julho, agosto, setembro, outubro, novembro, dezembro [93]

- die Himmelsrichtungen: norte - Norden , sul - Süden , este - Osten , oeste - Westen , nordeste - Nordosten , noroeste - Nordwest , sudeste - Südost ( oder sueste), sudoeste - Südwest , és-nordeste - Ostnordost , és-sudeste - Ostsüdost ( oder és-sueste), nor-noroeste - Nordnordwest , nor-nordeste - Nordnordost , oés-noroeste - Westnordwest , oés-sudoeste - Westsüdwest , su-sudeste - Südsüdost ( oder su-sueste), su-sudoeste - Südsüdwest

zu Beginn in Kleinbuchstaben geschrieben.

Ausnahme: Bei der Abkürzung der Himmelsrichtungen sowie bei der Bestimmung von Regionen bleibt die Großschreibung bestehen:

Beispiel:

O avião virou-se para N. – Das Flugzeug wendete sich in Richtung N(orden).

O Sul está em festa. – Der Süden ist in Feierstimmung[94].

- Groß- und Kleinschreibung:

In folgenden Fällen können Wörter sowohl klein als auch groß geschrieben werden:

- Buchtitel (hierbei werden sowohl das erste Element als auch Eigennamen immer groß geschrieben) :

A Ilustre Casa de Ramires oder A ilustre casa de Ramires (Das vornehme Haus von Ramires)

O Senhor do Paço de Ninães oder O senhor do paço de ninães (Der Herr des Hofes von Ninães)

As Pupilas do Senhor Reitor oder As pupilas do senhor reitor (Die Pupillen des Herrn Reitor)[95]

- Förmliche Anreden, Rangordnungen, Höflichkeitsformen:

Senhor Professor oder senhor professor (Herr Professor, Herr Lehrer)

Exm. Sr. oder exmo. sr. (Sehr geehrter Herr…)

Vossa Santidade oder vossa santidade (seine Heiligkeit)

- Bezeichnung der Unterrichtsfächer:

Português oder português (Portugiesisch)

Matemática oder matemática (Mathematik)

- Öffentliche Anlagen, Kirchen oder Gebäude:

Avenida da Liberdade oder avenida da liberdade (Allee der Freiheit)

Torre dos Clérigos oder torre dos clérigos (Turm der Geistlichen)[96]

- Der graphische Akzent:

Seit dem neuen Abkommen werden alle Wörter, deren Betonung auf der vorletzten Silbe stattfinden, besonders die Verben in der sekundären Konjugation, in der das / e/ betont wird (3. Person Plural im Indikativ oder Konjunktiv Präsens) und mit dem Suffix em enden, nicht mehr mit einem Zirkumflex geschrieben:[97]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weglassen des Akutes, wo die Betonung auf der vorletzten Silbe, in diesem Fall mit dem Diphtong / oi/, stattfindet:[98]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahme: Ähnliche Formen wie comboio (Zug) und dezoito (achtzehn) wurden schon immer ohne Akut geschrieben[99].

- Der Bindestrich

Die Convenção Ortográfica Luso-Brasileira von 1945 deckt einige Schwierigkeiten in Bezug auf die Regeln der Anwendung des Bindestriches (hífen) auf. Es kann eine Schwankung bezüglich der Schreibweise einiger Wörter der europäischen und der brasilianischen Norm festgestellt werden. Dies ist vor allem bei Ableitungen von Präfixen und neu zusammengesetzten Wörtern der Fall, wie z. B. bei den Präfixen anti-, auto-, hiper- und super-, pluri- und multi, etc.[100].

Auf diese Art und Weise wird der Bindestrich bei Formen mit Präfixen und neu gebildeten Wörtern weggelassen, wobei der Bindestrich durch einen Vokal ersetzt wird. Wenn ein Präfix mit einem Vokal endet[101] und das nächste Element mit einem / r/ oder / s/ beginnt, wird genau eines dieser Konsonante an das Ende des Präfixes angehängt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch fällt der Bindestrich bei Präfixen und neu gebildeten Wörtern weg, welche mit einem Vokal enden und wo das nächste Element ebenfalls mit einem Vokal beginnt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Bindestrich wird bei Präfixen und neu gebildeten Wörtern benutzt, wenn ein Präfix mit einem Vokal endet und das dazu gefügte Element mit demselben Vokal beginnt, ausgenommen bei dem Präfix co-, auch wenn es mit dem Vokal / o/ endet:[102]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahme: Bei zusammengesetzten Wörtern gilt diese Regel nicht, z. B. bei arco-íris (Regenbogen), guarda-sol (Sonnenschirm), guarda-roupa (Kleiderschrank), etc.[103]

Wörter, deren Ursprung aus der Botanik oder der Zoologie stammen, werden jedoch immer mit Bindestrich geschrieben:[104]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine andere Veränderung kann man bei / de/ in Verbindung mit dem Verb haver (haben) (im Präsens) feststellen:[105]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Änderungen in der europäischen Norm

Eine der bedeutendsten Veränderungen des Acordos ist der Wegfall der Konsonanten in der europäisch portugiesischen Norm:

Beispiel:

O prote c cionismo evidenciado pelo sindicato não lhe provocou qualquer reacção, mas fê-lo refle c tir sobre a a c tual situação dos arquite c tos.

Seit dem neuen Abkommen soll es jedoch nun so geschrieben werden:

O protecionismo evidenciado pelo sindicato não lhe provocou qualquer reação, mas fê-lo reflectir sobre a atual situação dos arquitetos .

Beispiel:[106]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahme: In den Fällen, in denen die Konsonanten ausgesprochen werden, bleibt er bestehen:

friccionar (reiben, frottieren), perfeccionismo (Perfektionismus)[107].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahme: Beim Aussprechen diesen Konsonantes bleibt er bestehen:

convicção (Überzeugung), ficção (Fiktion).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahme: Wo der Konsonant ausgesprochen wird, bleibt er bestehen:

bactéria (Bakterie), facto (Fakt).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahme: Wenn man den Konsonanten ausspricht, bleibt er bestehen:

núpcias (Heirat), opcional (optional).[108]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahme: In den Fällen, wo man diesen Konsonanten ausspricht, bleibt er bestehen: corrupção (Korruption), opção (Option).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahme: Wenn dieser Konsonant ausgesprochen wird, bleibt er bestehen:

eucalipto (Eukalyptus), rapto (Entführung, Raub)[109].

- Änderungen in der brasilianischen Norm

- Weglassen des Umlautpunktes

Das neue Abkommen gibt auch Änderungen in der brasilianischen Norm vor. Eine dieser Änderungen ist das Weglassen des Umlautpunktes (trema) bei Wörtern mit der Betonung auf der vorletzten Silbe:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahme: Bei Eigennamen von Fremdwörtern bleibt er bestehen:

hübneriano von Hübner, mülleriano von Müller[110].

- Der graphische Akzent:

Der Akut:

Im Gegensatz zu der portugiesischen Norm werden die Wörter in der brasilianischen Norm, welche das Diphtong /ei/ als Silbe besitzen, mit einem Akut (acento agudo)[111] geschrieben. Seit dem neuen Abkommen wird er jedoch weggelassen, sowohl bei Silben mit dem Diphtong /oi/ als auch mit dem Diphtong /ei/: [112]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] vgl. Mafra, 2009, S. 3

[2] vgl. Baxter, 1992, S. 35

[3] vgl. Stefanowitsch, 2008

[4] ebenda

[5] vgl. Silva, 2006, S. 180

[6] vgl. LUSA, 2008

[7] vgl. Junior, 2003, S. 108

[8] vgl. Centro de Alfabetização, Leitura e Escrita, 2009, S. 15

[9] vgl. Stefanowitsch, 2008

[10] vgl. Garcez, 1993, S. 60

[11] vgl. Garcez, 1993, S. 55

[12] vgl. Piqueras-Brunet, 2008, S. 8

[13] vgl. Stefanowitsch, 2008

[14] vgl. Moura, 2009

[15] vgl. Piqueras-Brunet, 2008, S. 6

[16] vgl. Madeira, 2009

[17] vgl. Bonino, 2009

[18] vgl. LUSA, 2008

[19] vgl. Mafra, 2009, S. 3

[20] vgl. Moreira, 2009, S. 8

[21] vgl. Coulmas, 1999, S. 415

[22] vgl. Baxter, 1992, S. 35

[23] vgl. Stefanowitsch, 2008

[24] vgl. Moreira, 2009, S. 8

[25] vgl. Casteleiro, 2008, S. 6

[26] vgl. Moreira, 2009, S. 8

[27] vgl. Stefanowitsch, 2008

[28] vgl. Baxter, 1992, S. 15

[29] vgl. Winter, 2008, S. 22 ff.

[30] vgl. Fleschenberg, 2006, S. 27

[31] vgl. Mendoza, 2001. S. 46

[32] vgl. Gomes, 2001, S. 28

[33] vgl. Júnior, 2003, S. 92

[34] ebenda

[35] vgl. Chaparro, 2008, S. 22

[36] vgl. Lloyd-Jones et al., 2003, S. 69

[37] vgl. Fürstenau, 2004, S. 61

[38] vgl. Schwartmann, 2008

[39] vgl. Mählich, 2000/2001, S. 10

[40] vgl. Kemmler, 2007, S. 104

[41] vgl. Kemmler, 2007, S. 105

[42] vgl. Janich et al., 2002, S. 214

[43] ebenda

[44] vgl. Lang et al., 2005, S. 144

[45] vgl. Baxter, 1992, S. 19

[46] vgl. Garcez, 1993, S. 55 f.

[47] vgl. CPLP, 2009

[48] vgl. Garcez, 1993, S. 55 f.

[49] vgl. Garcez, 1993, S. 56

[50] vgl. Gomes, 2008, S. 60

[51] vgl. Gomes, 2008, S. 61

[52] vgl. Janich et al., 2002, S. 212

[53] ebenda

[54] vgl. Janich et al., 2002, S. 212

[55] vgl. Schmidt-Radefeldt, 1983, S. 287

[56] vgl. Meisenburg, 1998, S. 97

[57] vgl. Garcez, 1993, S. 48

[58] ebenda

[59] vgl. Garcez, 1993, S. 49

[60] vgl. Janich et al., 2002, S. 212

[61] vgl. http://purl.pt/437/3/l-11025-5-v_PDF/l-11025-5-v_PDF_01-B-R0300/l-11025-5-v_0001_rosto- 16_t01-B-R0300.pdf

[62] vgl. Brumme, 2006, S. 1505

[63] vgl.Vianna et al., 1885, S. 9

[64] vgl. Kanashiro, 2008, S. 5

[65] ebenda

[66] vgl. http://www.planalto.gov.br/CCIVIL/decreto/1930-1949/D20108.htm

[67] vgl. Silva, 2006, S. 180

[68] vgl. Centro de Alfabetização, Leitura e Escrita, 2009, S. 11

[69] vgl. Decreto n°. 20.108

[70] vgl. Decreto n°. 20.108

[71] ebenda

[72] vgl. http://www.portaldalinguaportuguesa.org/index.php?action=acordo&version=1943

[73] vgl. Lei 2.623

[74] vgl. http://www.portaldalinguaportuguesa.org/?action=acordo&version=1945

[75] vgl. http://www6.senado.gov.br/legislacao/ListaTextoIntegral.action?id=214167

[76] vgl. Brumme, 2006, S. 1505

[77] vgl. Santos, 2009, S. 83

[78] vgl. Decreto n°. 35.228

[79] vgl. http://www.planalto.gov.br/ccivil_03/LEIS/L5765.htm

[80] vgl. Kanashiro, 2008, S. 6

[81] vgl. http://www.portaldalinguaportuguesa.org/?action=acordo&version=1945

[82] vgl. Decreto-Lei n°. 32

[83] vgl. Fontenla, 200, S. 537

[84] vgl. http://www.priberam.pt/docs/AcOrtog90.pdf

[85] siehe dazu Anhang Seite 109

[86] vgl. Mafra, 2009, S. 3

[87] vgl. http://www.priberam.pt/docs/AcOrtog90.pdf

[88] siehe dazu Anhang Seite 110 ff.

[89] vgl. http://www.planalto.gov.br/ccivil_03/_Ato2007-2010/2008/Decreto/D6583.htm

[90] vgl. Casteleiro, 2008, S. 7 ff.

[91] vgl. Casteleiro, 2008, S. 8 f.

[92] vgl. Casteleiro, 2008, S. 9

[93] vgl. Casteleiro, 2008, S. 11

[94] vgl. Casteleiro, 2008, S. 11

[95] vgl. Casteleiro, 2008, S. 12

[96] vgl. Casteleiro, 2008, S. 12

[97] vgl. Casteleiro, 2008, S. 18 f.

[98] ebenda

[99] ebenda

[100] ebenda

[101] vgl. Casteleiro, 2008, S. 18 f.

[102] vgl. Araújo, 2008, S. 155

[103] vgl. Araújo, 2008, S. 156

[104] vgl. Casteleiro, 2008, S. 19

[105] ebenda

[106] vgl. Casteleiro, 2008, S. 14 f.

[107] ebenda

[108] vgl. Casteleiro, 2008, S. 15

[109] ebenda

[110] vgl. Araújo, 2008, S. 152

[111] vgl. Casteleiro, 2008, S. 21

[112] vgl. Araújo, 2008, S. 154

Ende der Leseprobe aus 125 Seiten

Details

Titel
O Novo Acordo Ortográfico. Auswirkungen der Rechtschreibreform zur Vereinheitlichung der portugiesischen Orthographie
Untertitel
Aufgezeigt an den Problemen der Umsetzung in einzelnen Ländern
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
125
Katalognummer
V152018
ISBN (eBook)
9783668756892
ISBN (Buch)
9783668756908
Dateigröße
2620 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Sabina Puth (Autor), 2010, O Novo Acordo Ortográfico. Auswirkungen der Rechtschreibreform zur Vereinheitlichung der portugiesischen Orthographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152018

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