Der pragmatische Ansatz von Watzlawick, Beavin und Jackson unter besonderer Berücksichtigung des Teufelskreismodells von Schulz von Thun

Anwendung in einem Kritikgespräch mit dem Partner


Hausarbeit, 2007

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1 Definition des Begriffs Kommunikation
2.1.1 Kommunikationsverständnis nach Watzlawick
2.1.2 Kommunikationsverständnis nach Schulz von Thun
2.2 Definition des Begriffs Konflikt

3. Die fünf pragmatischen Axiome und ihre Störungen nach Watzlawick und das Teufelskreismodell von Schulz von Thun
3.1 Axiom 1: Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren
3.2 Axiom 2: Der Inhalts- und der Beziehungsaspekt der Kommunikation
3.3 Axiom 3: Die Interpunktion von Ereignisfolgen
3.4 Das Teufelskreismodell von Schulz von Thun
3.5 Axiom 4: Digitale und analoge Kommunikation
3.6 Axiom 5: Symmetrische und komplementäre Interaktionen

4. Anwendungsbeispiel: Anwendung des Modells auf eine selbsterlebte Konfliktsituation unter einem Ehepaar
4.1 Darstellung der Ausgangssituation und Vorbereitung des Gesprächs
4.2 Analyse des Konflikts nach den zwei Modellen
4.2.1 Analyse des Konflikts nach den pragmatischen Axiomen
4.2.2 Analyse des Konflikts nach dem Teufelskreismodell
4.3 Durchführung und Ergebnis des Gesprächs auf Metaebene
4.4 Interpretation des Gesprächs

5. Zusammenfassende Beurteilung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„… Anstatt über das mangelnde Geld zu klagen, solltest Du Dich lieber nach einem gut bezahlten Job umschauen! …“ antwortete ich meinem Mann mit erhobener Stimme, als wir uns über unsere künftigen Urlaubspläne unterhielten. Die meisten Menschen kennen Situationen wie diese, in denen sie der Verzweiflung nahe sind, weil sie die Reaktionen des Gesprächspartners nicht nachvollziehen und einschätzen können. Wie geht man mit Situationen wie dieser um, in der zwei Menschen mit unterschiedlichen Erwartungen zwar dieselbe Sprache sprechen, aber dennoch an- einander vorbeireden? Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden. Insbesondere soll anhand einer real erlebten Situation dargestellt werden, inwieweit die vorherige bewusste Analyse und die Anwendung des pragmatischen Ansatzes von Watzlawick, Beavin und Jackson und des Teufelskreismodells von Schulz von Thun die nachfolgende Kommunikation beeinflussen und so zu einem störungs- freieren Gespräch beitragen kann. Dies soll das primäre Ziel dieser Arbeit sein.

Hierfür wird zunächst erläutert (Kapitel 2), wie die Begriffe „Kommunikation“ und „Konflikt“ in diesem Zusammenhang zu verstehen sind. Danach werden die fünf pragmatischen Axiome und ihre Störungen nach Watzlawick et al. unter besonderer Berücksichtigung des Teufelskreismodells von Schulz von Thun als theoretische Grundlage für diese Hausarbeit erläutert (Kapitel 3). Es sei vorab bemerkt, dass ich im Folgenden im Text (außerhalb der Quellenangaben) ausschließlich den Namen Watzlawick verwenden werde und damit auch die beiden Autoren Janet H. Beavin und Don D. Jackson mit einschließe. Im Anschluss an den theoretischen Teil, welcher als Grundlage für den Praxisteil dient, wird ein real erlebtes Beispiel mit meinem Ehemann reflektiert (Kapitel 4). Nachdem die Ausgangssituation des Konflikts und die Gesprächsvorbereitung kurz beschrieben werden, soll dieses Kommunikationsbeispiel anhand der beiden genannten Modelle einer Analyse unter- zogen werden. Anschließend wird das Gespräch geschildert, welches im Anschluss an den Konflikt stattgefunden hat und der gesamte Gesprächsverlauf mit dem Ergeb- nis interpretiert. Abschließend wird dargelegt (Kapitel 5), ob sich die pragmatische Kommunikationstheorie und das Teufelskreismodell in dieser geplanten Gesprächs- situation bewährt haben. Es sei weiter angemerkt, dass auf der Metaebene die Personen als „Ehefrau“ und „Ehemann“ bezeichnet werden. Die hier beschriebene Person ist über meine Hausarbeit informiert und mit der Verarbeitung des Gesprächs im Rahmen dieser Arbeit einverstanden. Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf geschlechtsneutralisierende Formulierungen verzichtet.

2. Begriffsdefinitionen

2.1 Definition des Begriffs Kommunikation

In der Wissenschaft gibt es bis heute keine einheitliche Definition über den Begriff der Kommunikation. Dieser kann allgemein als ein „komplexes Phänomen“ auf- gefasst werden, „dem eine kurze und einfache Definition nicht gerecht wird“ (Maletzke, 1998, S.40). Daher wird der Begriff aus unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet. Das Wort Kommunikation stammt aus dem lateinischen „communicatio“ und lässt sich als „Verbindung“ oder als „Mitteilung“ übersetzen (Hillmann, 2007, S.435).

Forgas (1999, S. 106) versteht Kommunikation als einen Prozess, in dessen Verlauf der Sender an den Empfänger Informationen übermittelt. Somit wirken an jeder Kommunikation drei Elemente mit, und zwar ein Sender, der eine Botschaft kodiert, die dann über einen speziellen Kanal an einen Sender übermittelt wird, der seiner- seits die Botschaft dekodiert.

2.1.1 Kommunikationsverständnis nach Watzlawick

Diese Arbeit beschränkt sich auf das hier relevante Verständnis von Kommunikation im Sinne von Watzlawick.

„Alle Teile des Organismus bilden einen Kreis. Daher ist jeder Teil sowohl Anfang als auch Ende“ (Hippokrates)(Watzlawick, Beavin, Jackson 2007, S.47).

Nach dieser Metapher definiert Watzlawick in seinem Buch „Menschliche Kommunikation“ den Prozess der Kommunikation als ein kreisförmiges Phänomen, das keinen Anfang und kein Ende hat. Das heißt, dass in einem Kommunikations- prozess zwischen zwei Personen nicht zwei Einzelwesen miteinander in Beziehung stehen, sondern beide miteinander ein Ganzes, ein System, bilden. In diesem System betrachtet Watzlawick die Kommunikation, die Interaktion und die Beziehung, welche die wesentlichen Bestandteile des Systems darstellen (Watzlawick et al., 2007, S.115f.). Diesem ganzheitlichen Zusammenhang wird ein lineares bzw. traditionelles Sender-/Empfänger-Schema nicht gerecht (vgl. Watzlawick et al., 2007, S.23).

Für Watzlawick ist Kommunikation „ganz offensichtlich eine Conditio sine qua non menschlichen Lebens und gesellschaftlicher Ordnung“(Watzlawick et al., 2007, S.13). Er befasst sich hierbei mit den pragmatischen (den verhaltensmäßigen) Wirkungen der menschlichen Kommunikation und verwendet die Begriffe „Kommunikation“ und „Verhalten“ gleichbedeutend. Danach ist in dieser pragmatischen Sicht „nicht nur die Sprache, sondern alles Verhalten Kommunikation, und jede Kommunikation beeinflusst das Verhalten“ (Watzlawick et al., 2007, S. 23). Somit differenziert er zwei Bedeutungen von „Kommunikation“, und zwar Kommunikation als Wissensgebiet und Kommunikation als Verhaltenseinheit (vgl. Watzlawick et al., 2007, S. 50). In Bezug auf die Verhaltenseinheit macht er eine Unterteilung. Zum einen ist Kommunikation eine „Mitteilung“, zum anderen wird der „wechselseitige Ablauf von Mitteilungen zwischen zwei oder mehreren Personen als Interaktion bezeichnet“ (Watzlawick et al., 2007, S. 50-51). Eine Interaktion ist mehr als nur eine Mitteilung, doch sie findet nicht unbegrenzt statt. Strukturen von Interaktionen („patterns of interaction“) beschreiben noch komplexere Einheiten menschlicher Kommunikation (Watzlawick et al., 2007, S.51). Zwar gibt es einige Autoren, wie z.B. Hein Retter (2002, S.16), die zwischen den Begriffen Kommunikation und Interaktion unter- scheiden und Interaktion als den weiter gefassten Begriff verstehen, welcher Kommunikation einschließt. Bei Watzlawick jedoch wird der Begriff Kommunikation synonym zu dem der menschlichen Interaktion gebraucht, wie dies auch in der Soziologie und der Psychologie häufig der Fall ist. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit auf eine Differenzierung der beiden Termini verzichtet.

2.1.2 Kommunikationsverständnis nach Schulz von Thun

Watzlawicks Ansatz hat auch den Psychologen Friedemann Schulz von Thun beein- flusst, der ein eigenes Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation entwickelt hat. In seiner dreibändigen Taschenbuchausgabe „Miteinander reden“ (2006) greift er auf die Arbeiten Karl Bühlers (1934) und Paul Watzlawicks zurück, wobei er in seinem Modell den Zusammenhang von Inhaltsaspekt und diverse Facetten des Be- ziehungsaspektes noch differenzierter als Watzlawick herausgearbeitet hat. Laut Schulz von Thun besteht das Kommunikationsquadrat aus den vier Seiten Sach- inhalt, Appell, Beziehung und Selbstoffenbarung (vgl. Schulz von Thun, 2006, Band 1, S.14f.). Während Watzlawick zwischen dem Inhalts- und dem Beziehungsaspekt von Nachrichten unterscheidet, bezieht sich Schulz von Thun mit seinem Begriff „Sach- inhalt“ auf den „Inhaltsaspekt“ von Watzlawick. Die anderen drei Aspekte „Selbst- offenbarung“, „Beziehung“ (im engeren Sinne) und „Appell“, womit auch der Aspekt der „Metakommunikation“ miteingeschlossen ist, sind dagegen an den „Be- ziehungsaspekt“ von Watzlawick angelehnt (Schulz von Thun, 2006, Band 1, S. 30). Ähnlich wie Watzlawick versteht auch Schulz von Thun den Kommunikations- prozess als kreisförmig. Dieser Prozess tritt in der Interaktion (d.h. die Reaktion des Empfängers auf die Nachricht des Senders und umgekehrt), der Interpunktion und in den Grundzügen der systemtheoretischen Betrachtungsweise auf (Schulz von Thun, 2006, Band 1, S.82 ff., 85ff. und 87ff.). Diese Kreisförmigkeit wird in den Kapiteln 3.3 und 3.4 näher erläutert. Folglich ist der Begriff „Kommunikation“ für diese Arbeit klar umrissen.

2.2 Definition des Begriffs Konflikt

Ein Blick in die wissenschaftliche Literatur lässt schnell erkennen, dass der Begriff „Konflikt“ ähnlich wie der Begriff „Kommunikation“ nicht einheitlich definiert worden ist. Im alltäglichen Leben sind Konflikte unvermeidbar und treten im ge- meinsamen Zusammenleben von Menschen auf.

In seinem Buch „Konfliktmanagement“ stellt Friedrich Glasl (1997) eine kommentierte Auswahl wissenschaftlicher Definitionen von sozialen Konflikten dar, die hinsichtlich ihrer Bandbreite und ihres Erklärungsgehalts sehr different ausfallen. Einige von diesen sollen kurz vorgestellt werden (Glasl, 1997, S.12 ff.):

Nach Dahrendorf (1961, S.201) soll der Begriff des Konflikts „ zunächst jede Be- ziehung von Elementen bezeichnen, die sich durch objektive (latente) oder subjektive (manifeste) Gegensätzlichkeit auszeichnet“. Diese Formulierung des Konfliktbegriffs ist laut Glasl weit und unbestimmt (Glasl, 1997, S.13).

Rüttinger (1980, S. 22) versteht Konflikte als soziale Spannungssituationen, „in denen zwei oder mehrere Parteien, die voneinander abhängig sind, mit Nachdruck versuchen, scheinbare oder tatsächlich unvereinbare Handlungspläne zu verwirk- lichen und sich dabei ihrer Gegnerschaft bewusst sind“. Glasl hingegen bezweifelt bei dieser Definition, ob beide Parteien voneinander abhängig sein und ihrer Gegner- schaft bewusst sein müssen (Glasl, 1997, S.14). Daher soll nun auf die Definition von Glasl eingegangen werden. Nach Glasl (1997, S.14-15) stellt „der soziale Konflikt eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.) dar, wobei wenigstens ein Aktor Differenzen im Wahr- nehmen und im Denken, im Vorstellen und/oder im Fühlen, im Wollen mit dem anderen Aktor in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor erfolgt“.

Damit legt er die grundlegenden Elemente von Konflikt fest. Es darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass nicht jede Differenz schon ein Konflikt ist (vgl. Glasl, 1997, S. 16-17). Unterschiede in der Wahrnehmung von Ereignissen, in den Meinungen und Ansichten, in der Analyse von Sachverhalten können zu Meinungs- verschiedenheiten führen. Solange diese unterschiedlichen Positionen in einem Dialog ausgetragen und konstruktiv bewältigt werden, ist es falsch, von einem Konflikt zu sprechen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der pragmatische Ansatz von Watzlawick, Beavin und Jackson unter besonderer Berücksichtigung des Teufelskreismodells von Schulz von Thun
Untertitel
Anwendung in einem Kritikgespräch mit dem Partner
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Psychologie, LG Sozialpsychologie )
Veranstaltung
Kommunikation und Beratung
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V152090
ISBN (eBook)
9783640645053
ISBN (Buch)
9783640645213
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Watzlawick, Teufelskreismodell, Schulz von Thun, Kommunikation, Axiome, Kritikgespräch
Arbeit zitieren
Tülay Bilgen-Yildiz (Autor), 2007, Der pragmatische Ansatz von Watzlawick, Beavin und Jackson unter besonderer Berücksichtigung des Teufelskreismodells von Schulz von Thun , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152090

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