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Uniformierte Jugend - Ein Vergleich der Jugendorganisationen des Dritten Reiches und der DDR

Title: Uniformierte Jugend - Ein Vergleich der Jugendorganisationen des Dritten Reiches und der DDR

Thesis (M.A.) , 2009 , 109 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: M.A. Kathleen Bärs (Author)

World History - Modern History
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Summary Excerpt Details

Die Bilder ähneln sich. Die Darstellungen im Gleichschritt marschierender, fahnenschwenkender,
ihrer Führung zujubelnder Kinder und Jugendlicher scheinen austauschbar. Auch der Gestus, mit
der die Gefolgschaft eingefordert wird, scheint Ähnlichkeiten zu assoziieren. Eine solche Analogie
darf jedoch nicht im Bildhaften und Äußerlichen stecken bleiben. Vielmehr ist zu fragen, ob diese
wahrnehmbaren ähnlichen Erscheinungsformen )formierter Jugend)1 auf grundlegende Gemeinsamkeiten
schließen lassen.
Der Blick richtet sich somit auf die Kinder- und Jugendorganisationen der beiden deutschen
Diktaturen2, auf die Hitlerjugend (HJ) und den Bund Deutscher Mädel (BDM), sowie auf die Freie
Deutsche Jugend (FDJ) und die Pionierorganisation (PO), die in vergleichender Analyse gegenübergestellt
werden sollen.
Typologisch gesehen stellt der Vergleich der NS- mit der SED-Diktatur eine spezielle Variante des
klassischen Diktaturvergleichs zwischen Kommunismus und Faschismus bzw. Nationalsozialismus
dar, der seit nunmehr einem dreiviertel Jahrhundert praktiziert wird. Mit Beginn der 1990er Jahre
wurde dieser Ansatz populär, markierte doch der Zusammenbruch der kommunistischen Regimes
im europäischen Osten nicht nur eine global- politische Wende, sondern auch eine wissenschaftliche.
Seitdem sind vergleichende Analysen totalitärer Regime rechter und linker Prägung auf
einer ähnlich breiten dokumentarischen Basis möglich. Aber jeder historische Vergleich ist
umstritten oder zumindest fragwürdig. Dies gilt in besonderer Weise für den Vergleich der NS- mit
der SED- Diktatur.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

1. Problembeschreibung Diktaturvergleich

2. Methode und Forschungsstand

3. Aufbau der Arbeit – Fragestellungen – Literatur

B. Analytischer Teil

1. Weltanschauung und Ideologie

1.1 Zur Rolle der Staatsjugend: Systemerhalt und Symbolik

1.2 Menschenbild, Gesellschaftsbild, Weltbild, Feindbild

1.3 Ideologisch-programmatische Vorstellungen zur Erziehung der Jugend im Dritten Reich

1.3.1 Zielsituation ‚soldatischer Mann‘

1.3.2 Zielsituation ‚kommende Mutter‘

1.4 Ideologisch-programmatische Vorstellungen zur Erziehung der Jugend in der DDR

1.5 Zwischenfazit

2. Machtetablierung und ‚Verrechtlichung‘ der Jugend

2.1 Eroberung der Macht und die Auswirkungen auf den Konstituierungsprozess der Kinder- und Jugendorganisationen

2.2 Entwicklung zu Massenorganisationen

2.3 Organisationsstrukturen und –grad

2.4 Zwischenfazit

3. Zusammenarbeit oder Konkurrenz: Das unterschiedliche Verhältnis zur Schule

3.1 Zwischenfazit

4. Militärische Inhalte in den Jugendorganisationen: Jugend zwischen Angriff und Verteidigung

4.1 Ausbildung zum politischen Soldaten

4.2 Ausbildung zum Verteidiger des Sozialismus

4.3 Zwischenfazit

5. Die Bekämpfung der Konkurrenz: Kirchliche Kinder- und Jugendarbeit im Dritten Reich und der DDR

5.1 Zielsetzungen der NS- und SED Kirchenpolitik

5.2 Geplante und durchgeführte Maßnahmen

5.3 Ergebnisse der Politik

5.4 Zwischenfazit

C. Abschließende Reflexionen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit vergleicht die Kinder- und Jugendorganisationen des Dritten Reiches (HJ/BDM) mit denen der DDR (FDJ/PO), um Ähnlichkeiten und Unterschiede in Bezug auf ihre Sozialisierungsfunktion unter totalitären Herrschaftsbedingungen herauszuarbeiten und die jeweilige „Totalität“ der Systeme zu bewerten.

  • Ideologische Grundlagen der Jugenderziehung in NS-Diktatur und DDR-System.
  • Prozesse der Machtetablierung und zunehmenden „Verrechtlichung“ der Jugendorganisationen.
  • Spannungsverhältnis zwischen staatlichen Jugendorganisationen und der Erziehungsinstitution Schule.
  • Militarisierung der Erziehung zur Vorbereitung auf Angriff oder Verteidigung.
  • Umgang mit kirchlicher Konkurrenz und deren Verdrängung aus der Jugendarbeit.

Auszug aus dem Buch

1. Weltanschauung und Ideologie

Die Jugend spielt in jedem politischen System eine gewichtige Rolle, denn sie ist für das Weiterbestehen der politischen Ordnung von existenzieller Bedeutung. Daher ist es erforderlich, sie im Sinne der bestehenden Ordnung zu erziehen. Dies wird auch in demokratisch verfassten Staaten getan, in Form von politischer Bildung und Partizipation. Aber warum spricht man in Demokratien von der ‚Jugend‘, in Diktaturen aber von der ‚Staatsjugend‘? Der Unterschied liegt in der totalen Vereinnahmung der Staatsjugend im Sinne des jeweiligen Systems – so wie es im Dritten Reich und der DDR geschah. Der jungen Generation kam die zentrale Rolle als Träger, Mitgestalter und Garant einer Zukunft auf Grundlage des Nationalsozialismus bzw. des Marxismus-Leninismus zu. Diese zentrale Rolle war im Nationalsozialismus sogar fixiert. Die Hitlerjugend (HJ) erhielt eine gesetzlich festgeschriebene Staatsfunktion, die sie mit staatsautoritären Vollmachten ausstattete. Sie verkörperte demzufolge eine staatliche Instanz. Dagegen war die Freie Deutsche Jugend (FDJ) juristisch gesehen keine legitimierte Staatsautorität – allerdings erlauben die tatsächlichen Verhältnisse auch hier von einer Staatsjugend zu reden. Doch wie kommt eine totale Vereinnahmung zustande? Diese kann nur gewährleistet werden, wenn jeder Bereich, so auch der private jenseits der Schule gelegene Bereich, kontrolliert wird. ANSORG spricht von einem ‚Zugriff über die Freizeit‘. Dieser erfolgte durch die Schaffung einheitlicher Jugendorganisationen, die eine systemkonform gestaltete Freizeit gewährleisten sollten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Weltanschauung und Ideologie: Untersuchung der ideologischen Grundlagen der Jugendarbeit in beiden Systemen, wobei die Instrumentalisierung der „Jugend“ als Symbol für den Staat im Vordergrund steht.

2. Machtetablierung und ‚Verrechtlichung‘ der Jugend: Analyse der Organisationsentwicklung von der freien Jugendbewegung hin zu staatlich gelenkten Massenorganisationen unter dem Diktat der jeweiligen Partei.

3. Zusammenarbeit oder Konkurrenz: Das unterschiedliche Verhältnis zur Schule: Beleuchtung des Konflikt- und Kooperationspotenzials zwischen den Jugendorganisationen und der Erziehungsinstitution Schule als wichtigster Bildungsort.

4. Militärische Inhalte in den Jugendorganisationen: Jugend zwischen Angriff und Verteidigung: Vergleich der vormilitärischen Ausbildung, die im NS-Staat offensiv-militaristisch und in der DDR (später) defensiv-verteidigungsorientiert geprägt war.

5. Die Bekämpfung der Konkurrenz: Kirchliche Kinder- und Jugendarbeit im Dritten Reich und der DDR: Darstellung der Strategien beider Diktaturen, um kirchliche Jugendarbeit als Konkurrenz zur Staatsideologie auszuschalten oder zu unterdrücken.

Schlüsselwörter

Jugendorganisationen, Dritter Reich, DDR, Totalitarismus, Hitlerjugend, Freie Deutsche Jugend, Staatsjugend, Erziehung, Ideologie, Militarisierung, Kirche, Machtetablierung, Sozialisation, Gleichschaltung, Indoktrination.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Magisterarbeit befasst sich mit einem rechts- und sozialhistorischen Vergleich der Jugendorganisationen in der NS-Diktatur und in der DDR.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Felder sind die Ideologiebildung, der Organisationsaufbau, das Verhältnis zur Schule, die militärische Erziehung und die Verdrängung kirchlicher Jugendarbeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Sozialisierung Jugendlicher in den beiden deutschen Diktaturen aufzuzeigen und zu analysieren, welches System die totale Vereinnahmung der Jugend konsequenter umsetzte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse, die sich an der Typologie totalitärer Systeme orientiert und einen sektoralen Vergleich der Jugendorganisationen vornimmt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in fünf thematische Schwerpunkte, die von der ideologischen Weltanschauung bis hin zur gezielten Bekämpfung konkurrierender kirchlicher Jugendarbeit reichen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Schlüsselbegriffe sind Jugendorganisationen, Diktaturvergleich, Machtetablierung, militärische Erziehung, Ideologie und Konkurrenz zur Kirche.

Wie unterscheidet sich die militärische Ausbildung im NS-Staat von der in der DDR?

Während im Dritten Reich die vormilitärische Ausbildung direkt auf den Angriffs- und Vernichtungskrieg hin ausgelegt war, fokussierte die DDR primär auf die Verteidigung des Sozialismus im Kontext der Blockkonfrontation.

Warum war die Schule in beiden Systemen so hart umkämpft?

Die Schule galt als entscheidender Ort zur Verankerung der jeweiligen Parteidoktrin; die Jugendorganisationen versuchten, den staatlichen Bildungsauftrag mit ihrem eigenen ideologischen Erziehungsziel zu überlagern.

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Details

Title
Uniformierte Jugend - Ein Vergleich der Jugendorganisationen des Dritten Reiches und der DDR
College
University of Heidelberg  (Historisches Seminar)
Grade
1,3
Author
M.A. Kathleen Bärs (Author)
Publication Year
2009
Pages
109
Catalog Number
V152120
ISBN (eBook)
9783640639915
ISBN (Book)
9783640640119
Language
German
Tags
Diktatur Drittes Reich DDR Jugend Vergleich Jugendorganisationen Hitlerjugend BDM Junge Pioniere
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Kathleen Bärs (Author), 2009, Uniformierte Jugend - Ein Vergleich der Jugendorganisationen des Dritten Reiches und der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152120
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