Menschenrechte - Zwischen Eurozentrismus und Universalität?

Eine Analyse zur weltweiten Durchsetzbarkeit der Menschenrechte


Seminararbeit, 2010
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Menschenrechte: ethisch-religiöse Wurzeln, universaler Baum?
2.1 Ethisch-religiöse Wurzeln?
2.2 Kulturspezifischer Ursprung der Menschenrechte?

3 Zur Problematik der weltweiten Menschenrechtsdurchsetzung
3.1 Durchsetzbarkeit im weiteren Sinne
3.2 Durchsetzbarkeit im engeren Sinne: nationalstaatliche Souveränität und militärische Interventionen

4 Zur Universalität der Menschenrechte
4.1 Eine Welt, eine Gemeinschaft?
4.2 (Nur) Ein kleinster gemeinsamer Nenner für die Menschenrechte?

5 Schlussbetrachtung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“[1]

So lautet Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 im Pariser Palais de Chaillot als ausdrückliches Bekenntnis der Staaten zu den allgemeinen Grundsätzen der Menschenrechte verkündet wurde. Nach dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das 1945 erstmalig als völkerrechtlicher Strafbestand im Londoner Statut vertraglich festgehalten wurde, verfassten die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen diese universelle Erklärung. Jedoch stieß diese im Laufe der Jahre auf immer lauter werdende Zweifel. „Besonders deutlich wurden sie [die Zweifel] auf der UN Konferenz von 1993 in Wien, insbesondere von Vertretern der Volksrepublik China, aber auch von anderen asiatischen Staaten, vorgebracht.“[2] Thesen, die behaupten, die Menschenrechte seien christlich-europäischen Ursprungs und demzufolge auch nur in einem speziellen religiös-kulturellen Umfeld anwendbar werden seit einigen Jahren in Wissenschaft und Politik kontrovers diskutiert. Demzufolge stünden die individuellen Freiheitsrechte im Widerspruch zum universellen Anspruch, da sich in nichteuropäischen Kultur- und Moralkreisen die Interessen des Einzelnen denen der Gemeinschaft unterwerfen und nicht umgekehrt, wie in Europa üblich.[3]

Darüber hinaus sind Zweifel an der völkerrechtlichen Vertragsbindung einiger Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen zu erheben. Empirische Untersuchungen belegen, dass einzelne Staaten sich nicht an die Allgemeine Erklärung von 1948 halten. So musste im Jubiläumsjahr der Deklaration 1998 Amnesty International Menschenrechtsverletzungen in 141 Staaten feststellen: „Die Organisation spricht sogar davon, dass die ‚zutiefst beunruhigende Entwicklung' das auf dem Gebiet des internationalen Menschenrechtschutzes Erreichte wieder gefährden könnte, weil viele Regierungen nur Lippenbekenntnisse ablegen oder gar die Unteilbarkeit und Universalität der Menschenrechte in Frage stellten.“[4]

Ziel dieser Arbeit ist es, der Universalitätsfrage der Menschenrechte nachzugehen und deren Durchsetzung kritisch zu hinterfragen. Hierfür wurde die dialektische Methode ausgewählt, die sich zum Teil auf falsifizierende Elemente stützt.

Im Folgenden soll auf den religiösen, sowie kulturellen Ursprung der Menschenrechte eingegangen und der Frage, ob hiervon eine Gefahr der kulturgenetischen Vereinnahmung der Menschenrechtsidee (Bielefeldt) ausgehen kann, nachgegangen werden. Anschließend beleuchtet eine, aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit, kurze Kant’sche Analyse die Problematik der Durchsetzbarkeit der Menschenrechte. Der letzte Teil der Arbeit befasst sich mit der (eingeschränkten) Universalität der Menschenrechte. Hier soll, neben Peter Singers Argumentation der Weltgemeinschaft, die Alternative zu den Menschenrechten, die Menschenpflichten des InterAction Councils, angeschnitten werden.

2 Menschenrechte: ethisch-religiöse Wurzeln, universaler Baum?

Menschenrechte unterscheiden sich einerseits von Grundrechten, verfügen andererseits jedoch über eine moralische, supranationale Dimension.

Im Gegensatz zu den Grundrechten trennen sie sich von „den politischen Erzeugungs- und Durchsetzungsbedingungen staatlicher Herrschaft.“[5] Es bedarf nur der Gattungszugehörigkeit als einziger Voraussetzung um Träger von Menschenrechten zu sein. Als komplexe Rechte müssen sie moralisch begründbar sein, aber bezugnehmend auf ihre volle Wirksamkeit als legale Grundrechte, sind sie – so Lohmann - in das positive nationale Recht eingebunden, und somit von den jeweiligen nationalen Verfassungen abhängig.[6] Im Folgenden soll, ausgehend von den Ursprüngen, der universale Charakter der Menschenrechte untersucht werden. Hierfür werden christliche Ansätze der relativistischen Position gegenübergestellt. Für Relativisten hängt beispielsweise die „Bewertung einer Handlung als rational davon ab, was innerhalb einer bestimmten Gemeinschaft als guter Grund für eine bestimmte Handlung betrachtet wird.“[7] Demzufolge bestreiten sie die universelle Geltung der Menschenrechte, die als „Euro- oder Ethnozentrismus gebrandmarkt“[8] wird. Die relativistische Theorie zeichnet sich unter anderem durch eine Pluralitätsannahme von Werten und Normen in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext, sowie durch eine Annahme eines Gleichwertigkeitspostulats aus.[9]

2.1 Ethisch-religiöse Wurzeln?

„Die Natur der übrigen Geschöpfe ist fest bestimmt und wird innerhalb von uns vorgeschriebener Gesetzte begrenzt. Du solltest dir deine [Welt] ohne jede Einschränkung und Enge, nach deinem Ermessen, dem ich dich anvertraut habe, selbst bestimmen. [...] Weder haben wir dich himmlisch noch irdisch, weder sterblich noch unsterblich geschaffen, damit du wieder in eigener, in Ehre frei entscheidender, schöpferischer Bildhauer dich selbst zu der Gestalt ausformst, die du bevorzugst. Du kannst zum Niedrigeren, zum Tierischen entarten; du kannst aber auch zum Höheren, zum Göttlichen wiedergeboren werden, wenn deine Seele es beschließt.“[10]

Dieses mirandolische Freiheitsaxiom, welches sich zweifelsohne dem Renaissancehumanismus zuordnen lässt, wird bei einigen Autoren als Ursprung der Universalität betrachtet. Damit begründen beispielsweise Di Fabio und Burchhardt die Entscheidung Gottes über die Stellung des Menschen.[11] Der Auszug aus Pico Della Mirandola

„wird von Jakob Burchhardt nicht zufällig als der geistige Fixpunkt des Renaissancehumanismus zitiert, denn hier geht es um einen letztbegründenden, axiomatischen Entwurf des Menschen von dem sich die modernen Forderungen nach Bildung, eigener Leistung, Persönlichkeit und Selbstverantwortung zwingend ableiten, und es geht auch um eine religiöse Brücke zu einer säkularen Selbstfundierung des Menschen. Der Mensch ist danach sein eigener Schöpfer, er entwirft sich nach eigenem Plan. Seine Projektionen ergeben die humane Welt von morgen. Dem Menschen ist danach gegeben, zu sein, was er will.“[12]

Der Renaissancehumanismus distanziert sich von kollektiv verankerten Prämissen, wie heiligen Traditionen, der Gemeinschaft der Gläubigen oder etwa spezifischen Volksgruppen. „Seine Mitte ist jeder einzelne Mensch, und zwar ohne jede mitgedachte oder zugefügte Differenzierung nach Geschlecht, Nationalität, Rasse oder Stand: aus der Prämisse folgt der Gedanke der Universalität.“[13] Die Würde eines jeden Menschen liege – so Di Fabio - in dieser göttlich abgeleiteten Fähigkeit zum Selbstentwurf. Dadurch würde ihm die Substanz des Menschseins, die individuelle Willensfreiheit, garantiert.[14] Der Abstrahierungscharakter, der Rechte unabhängig von herrschenden politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Gegebenheiten garantiert, scheint erst in der Neuzeit möglich und stützt sich auf den prägenden Humanismus, „der Naturrechtsidee und der kontraktualistischen Gesellschaftstheorie.“[15]

[...]


[1] Vereinte Nationen, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Resolution 217 A (III) der Generalversammlung vom 10. Dezember 1948), Art. 1.

[2] Lohmann 2008, S. 47.

[3] Vgl. Lohmann 2008, S. 50 f.

[4] Saberschinsky 2005, S. 53.

[5] Di Fabio 2008, S. 63.

[6] Vgl. Lohmann 2008, S. 52.

[7] Hinkmann 2002, S. 43 f.

[8] Ebd.

[9] Vgl. Hinkmann 2002, S. 46.

[10] Della Pico Mirandola 1990, S. 5 f.

[11] Vgl. z.B. Di Fabio 2008, S. 67.

[12] Ebd.

[13] Di Fabio 2008, S. 69.

[14] Vgl. Di Fabio 2008, S. 68.

[15] Di Fabio 2008, S. 63.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Menschenrechte - Zwischen Eurozentrismus und Universalität?
Untertitel
Eine Analyse zur weltweiten Durchsetzbarkeit der Menschenrechte
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V152124
ISBN (eBook)
9783640639632
ISBN (Buch)
9783640639731
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Human Rights, Menschenrechte, Europa, Universalität, Durchsetzbarkeit, Eurozentrismus, One world, One community, Peter Singer, Kant, Friede, Peace
Arbeit zitieren
Jean Charar (Autor), 2010, Menschenrechte - Zwischen Eurozentrismus und Universalität?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152124

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