Seit dem Jahr 2004 befasst sich das IASB zusammen mit dem FASB mit der Verbesserung der Jahresabschlussdarstellung. Ziel der Boards ist es, diesbezüglich einen einheitlichen Standard zu schaffen. Grund für die Überlegungen der beiden Standardsetter ist die Kritik der Adressaten. Diese bemängelten, dass es zu viele, zum Teil inkonsistente Möglichkeiten der Abschlussdarstellung gebe und sich diese in ihrer Qualität und Quantität unterscheiden. Dies macht es schwieriger, Erfolgs- und Ergebnisgrößen zu verstehen und zu vergleichen.
Das Projekt „Financial Statement Presentation“ wurde ursprünglich unter dem Namen „Performance Reporting“ vom IASB bereits im Jahr 2001 ins Leben gerufen. Die Umbenennung erfolgte im Jahr 2006 auf Grund einer inhaltlichen Erweiterung, denn es sollte nicht allein bei einer Umgestaltung der Erfolgsrechnung bleiben. Vielmehr soll nun der Informationsnutzen für die Adressaten gesteigert und ihnen so die Möglichkeit gegeben werden, infolge eines besseren Verständnisses, entsprechende Entscheidungen treffen zu können. Ansatz und Bewertung sind keine Bestandteile des Projekts.
Auf Grund der Komplexität des Projekts wurde dieses in drei Phasen gegliedert. Bereits im Jahr 2007 wurde Phase A mit der Überarbeitung des IAS1 Presentation of Financial Statements abgeschlossen. Diese befasste sich damit, welche Bestandteile ein Jahresabschluss haben muss und welche Informationen diese enthalten sollen. Die erarbeiteten Vorschriften sind für Geschäftsjahre, die nach dem 31.Dezember 2008 beginnen, zwingend vorgeschrieben. Am 16.Oktober2008 wurde das Diskussionspapier „Preliminary Views on Financial Statement Presentation“ durch IASB und FASB veröffentlicht. Bis zum 14.April2009 hatten Interessierte die Möglichkeit, dieses zu kommentieren. Das Diskussionspapier gehört zur Phase B des IASB/ FASB-Projekts und beschäftigt sich mit der Darstellung der Informationen im Jahresabschluss.
Im Rahmen dieser Arbeit werden die Neuregelungen des „Financial Statement Presentation“-Projekts kritisch analysiert. Insbesondere wird untersucht, inwieweit die Neuerungen zu einer Verbesserung des true and fair view führen und somit den Informationsnutzen für die Hauptadressaten des IFRS-Abschlusses, die Kapitalgeber, steigern. Zudem wird geklärt, ob es durch die Änderungen zu einer Erleichterung für die Bilanzierenden bei der Jahresabschlusserstellung kommt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Fundamentale Grundlagen
2.1 Zweck des Jahresabschlusses
2.2 Allgemeine Ziele, Struktur und Status des Projekts
3 Bisherige Darstellung des Jahresabschlusses nach IAS 1 (amended 2005)
3.1 Bilanz
3.2 Gewinn- und Verlustrechnung
3.3 Kapitalflussrechnung
3.4 Eigenkapitalveränderungsrechnung
3.5 Anhang
4 Inhalt und Darstellung des Jahresabschlusses nach dem „Financial Statement Presentation“-Projekt
4.1 Phase A
4.1.1 Ziele
4.1.2 Neuregelungen
4.1.2.1 Umbenennung der Abschlussbestandteile
4.1.2.2 Bilanz
4.1.2.3 Gesamtergebnisrechnung
4.1.2.4 Eigenkapitalveränderungsrechnung
4.1.3 Anwendungszeitpunkt
4.2 Phase B
4.2.1 Ziele
4.2.2 Prinzipien
4.2.3 Geplante Neuregelungen
4.2.3.1 Klassifizierung von Informationen
4.2.3.2 Bilanz
4.2.3.3 Gesamtergebnisrechnung
4.2.3.4 Kapitalflussrechnung
4.2.3.5 Anhang
4.3 Phase C
5 Kritische Würdigung des Projekts
5.1 Kriterien für die Verbesserung des true and fair view
5.2 Phase A
5.2.1 Positive Aspekte
5.2.2 Negative Aspekte
5.3 Phase B
5.3.1 Die einheitliche Gliederungssystematik
5.3.1.1 Ausnahmen und Inkonsistenzen
5.3.1.2 Lösungsvorschläge
5.3.2 Anforderungen an die Rechnungslegung
5.3.2.1 Entscheidungsrelevanz
5.3.2.2 Verlässlichkeit
5.3.2.3 Vergleichbarkeit
5.3.2.4 Verständlichkeit
5.3.3 Kosten-Nutzen-Vergleich
5.4 Fazit
6 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Neuregelungen des gemeinsamen IASB/FASB-Projekts „Financial Statement Presentation“ kritisch zu analysieren und zu prüfen, inwieweit diese den Informationsnutzen für Kapitalgeber steigern sowie die Jahresabschlusserstellung für Bilanzierende erleichtern können.
- Kritische Analyse der Projektphasen A und B des IASB/FASB-Projekts.
- Untersuchung der Auswirkungen der Änderungen auf die Entscheidungsnützlichkeit für Adressaten.
- Gegenüberstellung von Informationsnutzen und Umstellungskosten für Unternehmen.
- Beurteilung der einheitlichen Gliederungssystematik hinsichtlich Konsistenz und Transparenz.
- Prüfung, ob die Neuerungen den qualitativen Anforderungen an die Rechnungslegung (true and fair view) entsprechen.
Auszug aus dem Buch
4.2.3.1 Klassifizierung von Informationen
Die Einteilung der im Jahresabschluss darzustellenden Geschäftsvorfälle in eine Kategorie richtet sich nach der Einteilung der Vermögenswerte und Schulden (DP 2.27). Die dazugehörigen Aufwendungen, Erträge und Zahlungsströme werden dann identisch zugeordnet (DP 2.29). Bei der Geschäftstätigkeit sind diejenigen Vermögenswerte und Schulden einzuordnen, die in Verbindung mit der Fortführung des Unternehmens stehen (DP 2.31). Die operative Tätigkeit beinhaltet die Bilanzpositionen, die der gewöhnlichen Betriebstätigkeit zuzuordnen sind (DP 2.32), z. B. Produktion oder erbrachte Dienstleistungen. Zur investiven Geschäftstätigkeit sind die Vermögenswerte und Schulden zu zählen, die das Unternehmen zur Erwirtschaftung von Zinsen, Dividenden oder Wertsteigerungen hält. Mit dem tatsächlichen Geschäft haben diese Posten nichts zu tun (DP 2.33).
Sofern Vermögenswerte und Schulden dazu dienen, die Geschäftstätigkeit zu finanzieren, sind sie der Finanzierungstätigkeit zuzuordnen (DP 2.34). Für den Fall, dass eine Zuordnung zu einer Kategorie nicht möglich ist, soll eine Zugehörigkeit zur operativen Tätigkeit unterstellt werden (DP 2.35). Welche Vermögenswerte, Aufwendungen, Erträge oder Cashflows den Bereichen Eigenkapital, aufgegebene Geschäftsbereiche und Ertragsteuern zuzuordnen sind, regelt das IFRS-Rahmenkonzept bzw. die entsprechenden Rechnungslegungsstandards (F.49, F.65 bis F.68, IFRS 5 und IAS 12).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, die aus der Kritik an der inkonsistenten Jahresabschlussdarstellung resultiert, und Erläuterung des methodischen Vorgehens.
2 Fundamentale Grundlagen: Darlegung des Informationszwecks des Jahresabschlusses und Einführung in die Ziele, Struktur und den Status des „Financial Statement Presentation“-Projekts.
3 Bisherige Darstellung des Jahresabschlusses nach IAS 1 (amended 2005): Beschreibung des Status quo der Jahresabschlussbestandteile Bilanz, GuV, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalveränderungsrechnung und Anhang vor den Reformen.
4 Inhalt und Darstellung des Jahresabschlusses nach dem „Financial Statement Presentation“-Projekt: Detaillierte Darstellung der Neuregelungen in den Phasen A, B und C, inklusive Umbenennungen, Klassifizierungen und der einheitlichen Gliederungssystematik.
5 Kritische Würdigung des Projekts: Kritische Beurteilung der Reformen anhand von Kriterien wie Entscheidungsnützlichkeit, Verlässlichkeit und Vergleichbarkeit sowie ein Kosten-Nutzen-Vergleich für Unternehmen.
6 Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einschätzung zur weiteren Entwicklung sowie zu den Aussichten auf eine Umsetzung der geplanten Maßnahmen.
Schlüsselwörter
IASB, FASB, Financial Statement Presentation, Jahresabschluss, Bilanz, IFRS, Kapitalflussrechnung, Gesamtergebnisrechnung, Entscheidungsnützlichkeit, Management Approach, true and fair view, Rechnungslegung, Disaggregation, Kohäsion, Klassifizierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des gemeinsamen IASB/FASB-Projekts zur Neugestaltung der „Financial Statement Presentation“ und dessen Auswirkungen auf die Qualität der IFRS-Rechnungslegung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Strukturreformen des Jahresabschlusses, die Einführung einer einheitlichen Gliederungssystematik, die Klassifizierung von Geschäftsvorfällen und die Auswirkungen auf die Informationsqualität für Kapitalgeber.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Evaluierung, ob die geplanten Neuregelungen tatsächlich zu einer Verbesserung des „true and fair view“ beitragen und ob sie für Unternehmen praktikabel bzw. mit dem Kosten-Nutzen-Prinzip vereinbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine kritische Literaturanalyse und Auseinandersetzung mit offiziellen Diskussionspapieren (Discussion Papers) und Standards der Standardsetter IASB und FASB.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme nach bisherigen Standards, die detaillierte Vorstellung der geplanten Projektphasen A, B und C sowie eine kritische Würdigung hinsichtlich der qualitativen Anforderungen an die Rechnungslegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie IFRS, IASB/FASB-Projekt, Finanzberichterstattung, Entscheidungsnützlichkeit, Kapitalflussrechnung und Management Approach geprägt.
Warum wird die Umbenennung der Abschlussbestandteile kritisch hinterfragt?
Der Nutzen einer bloßen Umbenennung wird angezweifelt, da sie mit Anpassungskosten verbunden ist und die Vergleichbarkeit stören könnte, sofern sie nicht zwingend und einheitlich umgesetzt wird.
Was versteht man im Kontext der Arbeit unter dem „Management Approach“?
Es ist ein Ansatz, bei dem das Management eines Unternehmens die Zuordnung von Vermögenswerten und Schulden zu den Kategorien „operativ“, „investiv“ oder „Finanzierung“ basierend auf deren Funktion selbst festlegt.
Welche Rolle spielt die „dritte Bilanz“ in der Argumentation?
Die dritte Bilanz soll die Transparenz erhöhen, insbesondere bei retrospektiven Korrekturen von Fehlern oder Methodenänderungen, bringt jedoch für die Unternehmen einen zusätzlichen Aufwand mit sich.
Wie steht die Autorin zu der geplanten „direkten Methode“ bei der Kapitalflussrechnung?
Die Autorin befürwortet diese Methode aufgrund ihres Beitrags zur Entscheidungsnützlichkeit und Verständlichkeit, räumt jedoch ein, dass dies für viele Unternehmen eine erhebliche Umstellung der bisherigen indirekten Praxis bedeutet.
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- Doreen Schröder (Author), 2009, Kritische Würdigung des gemeinsamen IASB/FASB-Projekts "Financial Statement Presentation", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152141