Das Eingreifen des Papstes Innocenz III. in den staufisch-welfischen Thronstreit


Essay, 2006

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Innocenz’ Haltung zu den drei Kandidaten
2.1. Innocenz’ Haltung zu Friedrich II
2.2. Innocenz’ Haltung zu Philipp von Schwaben
2.3. Innocenz’ Haltung zu Otto IV

3. Bewertung der Thronstreitpolitik Innocenz’ III

4. Wie rechtfertigt Papst Innocenz III. sein Eingreifen in den Thronstreit?

5. Resümee

QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Man ist sich in der Forschung weitgehend darüber einig, dass der Verlauf des staufisch-welfischen Thronstreites zwischen Otto von Braunschweig und Philipp von Schwaben mit der Entscheidung des Papstes Innocenz III. sehr eng verknüpft ist. Innocenz III. war seit dem Jahre 1198 bis zum Jahr 1216 Papst und er war außerdem einer der bedeutendsten Päpste des Mittelalters. Bis zum Mai 1199 hatte sich Papst Innocenz III. völlig aus dem deutschen Thronstreit herausgehalten und die deutschen Fürsten dachten zunächst auch nicht daran, eine Vermittlung des Papstes anzurufen. Gegen die erfolgten Wahlen, in welchen man entweder Philipp von Schwaben oder Otto von Braunschweig zum deutschen König gewählt hatte, hat der Papst zunächst keine ernsten Einwände erhoben. Doch um die Jahreswende 1200/1201 war in Rom eine Entscheidung gefallen, die schwere Folgen nach sich zog. Papst Innocenz III. hatte in einer Ansprache im Konsistorium, welche allerdings geheim war, gegenüber den Kardinälen seine Überlegungen zu der Doppelwahl von Philipp von Schwaben und Otto IV. dargelegt. Dabei bezog er ebenfalls den jungen Friedrich II. ein, welcher durch die Wahl der Fürsten im Jahre 1196 zum eigentlichen Nachfolger Heinrichs VI. designiert war. Es stellt sich nun die Frage, welche Beweggründe es waren, die Papst Innocenz doch noch zum Eingreifen in den staufisch-welfischen Thronstreit veranlassten? Welche Position hat er gegenüber den drei unterschiedlichen Kandidaten eingenommen? Und schließlich – Für wen hat Innocenz III. sich letztendlich entschieden? All diese Fragen sollen im Weiteren geklärt werden. Zum Verständnis des Textes sollte nun noch ein Begriff geklärt werden. Wenn im Nachfolgenden von ,Rekuperationen’ die Rede ist, so sind damit Gebietsforderungen gemeint, die durch Papst Innocenz III. erhoben worden.

2. Innocenz’ Haltung zu den drei Kandidaten

Papst Innocenz wurde im Jahre 1199 durch die Ankunft von Gesandtschaften der beiden rivalisierenden Könige zu einer Stellungnahme im staufisch-welfischen Thronstreit veranlasst. Der Papst wollte seine Entscheidung zunächst angeblich auf der Basis von Neutralität fällen. Er legte die Gründe, die für oder gegen die Kandidaten sprachen, nach dem scholastischen Schema quid liceat – quid deceat – quid expediat dar. Er überlegte also ,, was zulässig, was geziemend, was vorteilhaft sei.“[1] Somit wollte er die Eignung der einzelnen Kandidaten überprüfen. Der Papst zielt mit den drei Kriterien einerseits auf die Rechtsgrundlagen der Wahl und somit auf die Rechtsgrundlagen des Königtums, andererseits auf die Rolle des Papstes und somit was aus päpstlicher Sicht für oder gegen einen Kandidaten spricht und schließlich machte sich Innocenz noch darüber Gedanken, welcher Kandidat von Vorteil für die Römische Kirche war. Dieses Schema wendete der Papst bei allen drei Kandidaten an.

2.1. Innocenz’ Haltung zu Friedrich II.

Papst Innocenz bemühte sich in der Ansprache im Konsistorium, die gegebene Situation exakt zu umreißen und hatte dabei natürlich eine eindeutige Tendenz. Als ersten gewählten Kandidaten erwog Innocenz III. den jungen Friedrich II.. Er war, als Sohn Heinrichs VI., zum König gewählt worden und der Eid der an der Wahl beteiligten Fürsten hatte dies bekräftigt, weshalb eigentlich nichts gegen diese Wahl sprechen dürfte. Allerdings war ebendiese Wahl durch Kaiser Heinrich VI. erzwungen worden und somit war der Eid der Fürsten im Prinzip wirkungslos. Im Weiteren hatte der 2 – Jahre alte Friedrich noch nicht einmal die Heilige Taufe empfangen. Und wie konnte man außerdem von einem Kleinkind aussagen, ob er eines Tages möglicherweise ein geeigneter Herrscher sein könnte? Natürlich dürfte die Römische Kirche dem jungen Knaben sein Recht nicht vorenthalten, da er sie dafür später im Erwachsenenalter auf jeden Fall zur Rechenschaft ziehen könnte, und davor hatte man natürlich Angst. Auf der anderen Seite könne ein kleines Kind kein Kaiser sein und Vertretern war es nicht gestattet, für das Reich zu sorgen. Der Papst habe im Weiteren von der Kaiserin Konstanze lediglich den Auftrag erhalten, ihrem Sohn das Königreich Sizilien zu sichern, nicht aber das gesamte Reich. Innocenz III. wehrte sich vehement gegen eine Vereinigung Siziliens mit dem Reich, da er der Meinung war, Friedrich würde sich als Kaiser weigern, der Kirche für das Königreich Sizilien den Lehenseid zu erbringen, wie das Heinrich VI. getan habe. Trotzdem betonte Innocenz die Tatsache, dass es nicht die Römische Kirche war, die Friedrich sowohl das väterliche als auch das mütterliche Erbe und das Reich streitig machen wollte, sondern Friedrichs Onkel, Philipp von Schwaben. Da sich der Papst als Lehnsherr über Sizilien sah, konnte er einen Anspruch des Reichs auf Sizilien, wie ihn Philipp in der traditionellen Reichspolitik zu beabsichtigen versuchte, unter keinen Umständen ruhig anerkennen.

[...]


[1] Das Register Innocenz’ III. über die Reichsfrage, S.68

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Eingreifen des Papstes Innocenz III. in den staufisch-welfischen Thronstreit
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
GM Mittelalter - Der staufisch-welfische Thronstreit
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V152181
ISBN (eBook)
9783640642618
ISBN (Buch)
9783640642519
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Innocenz III., Friedrich II., Philipp von Schwaben, Otto IV., Staufer, Welfen, Thronstreit, Papst, Kirchenpolitik, Vatikan, Heiliges Römisches Reich, Kaiser, König, Mittelalter
Arbeit zitieren
Christin Oelmann (Autor), 2006, Das Eingreifen des Papstes Innocenz III. in den staufisch-welfischen Thronstreit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152181

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