1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Obwohl die Sozialgeschichte der Literatur im Allgemeinen als erschöpft gilt, widmet sich diese Seminararbeit der Fragestellung, inwiefern REINHARD WITTMANNs Beiträge der Sozialgeschichte als solches gedient haben beziehungsweise immer noch dienen.
Die Problematik bei sozialgeschichtlichen Analysen innerhalb der Literaturwissenschaft liegt eben in der Weite des Bearbeitungs- und Forschungsfeldes selbst. Denn die Sozialgeschichte der Literatur ist eine junge wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Literatur und deren Geschichte in gesellschaftlich- kulturellen, sozialen so-wie ökonomischen Kontexten, gleichwohl unter Beachtung ästhetischer und philosophischer Aspekte auseinandersetzt. Prozessbildungen und Verläufe des gesellschaft-lichen Lebens zeichnen sich in literarischen Feldern ab und ermöglichen das Ab- und Herleiten sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse und das Aufschlüsseln in Begründungszusammenhänge. So weit der Untersuchungs- und Forschungsbereich der Sozialgeschichte der Literatur sich erstrecken vermag, so „verschwimmend“ und „inein-ander- und über- greifend“ scheinen die Grenzen der einzelnen Sektionen innerhalb der soziageschichtlichen Betrachtungsweise der Literatur zu sein (wie zum Beispiel die Untersuchungen von Politischem und dem Ökonomischen und/ oder Religiösem). Ebenso existieren im sozialgeschichtlichen Diskurs differente Herangehensweisen und Schwerpunktsetzungen, sodass es schier unmöglich scheint ganzheitliche Er-kenntnisse und Aussagen zu fixieren. Relevant für eine sozialgeschichtliche Arbeit in der Literaturwissenschaft ist es also das Bearbeitungsfeld sowie die zu untersuchen-den Fragestellungen einzugrenzen und diesen schließlich im Detail nachzugehen. Zugleich darf dennoch der Gesamtkontext nicht außer Acht gelassen werden, sodass erbrachte Erkenntnisse in den sozialgeschichtlichen Zusammenhang gebracht werden müssen.
Im Rahmen dieser Seminararbeit sollen zunächst wichtige Komponenten (Wissen-schaftsgeschichte der Soziologie, Teile der Rezeptions- und Wirkungsforschung, wichtige Eckdaten der Buchhandelsgeschichte) einer sozialgeschichtlichen Literatur dargestellt werden, welche für die Verständnisbildung weiterer Abschnitte innerhalb dieser Arbeit unabdingbar sind. Im Folgenden erhält der Leser Informationen im Detail über den Buchhandelhistoriker und Philologen REINHARD WITTMANN selbst sowie über ausgewählte relevante Werke von ihm.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Methodisches Vorgehen und Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Sozialgeschichte im Kontext
2.1 Wissenschaftsgeschichte der Literatursoziologie
2.2 Leser- und Wirkungsforschung
2.3 Buchhandelsgeschichte
3 Reinhard Wittmann
3.1 Werke
3.2 Quellen
3.3 Methoden, Arbeitsweis(en) und Zielsetzungen
3.4 Bedeutung für die Nachwissenschaft
4 Auswertung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der wissenschaftlichen Beiträge des Buchhandelshistorikers Reinhard Wittmann für die Sozialgeschichte der Literatur. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Wittmanns Arbeiten prägend für die Disziplin waren und inwieweit sein methodischer Ansatz, den Buchhandel als zentrales Element in den literaturwissenschaftlichen Gesamtkontext einzubinden, auch heute noch als Referenz für weitere Forschungsprojekte dienen kann.
- Sozialgeschichtliche Grundlagen der Literaturwissenschaft
- Methoden der Leser- und Wirkungsforschung
- Geschichte des deutschen Buchhandels als historischer Prozess
- Analytische Auseinandersetzung mit ausgewählten Werken von Reinhard Wittmann
- Bedeutung der Buchhandelsgeschichte für die moderne Literaturwissenschaft
Auszug aus dem Buch
3.1 Werke
WITTMANNs Geschichte des deutschen Buchhandels stellt den Versuch dar, einen Überblick über den Buchhandel zu schaffen, dessen Hauptakzent darin liegt, innerhalb der Schwerpunktsetzung „Geschichte des Publikums- und Literaturverlags und des Vermittlungsprozesses vom Autor zum Leser“(WITTMANN, 1999, S.10), Entwicklungslinien nachzuzeichnen und an Hand von Exempeln aufzuzeigen. Knapp die Hälfte des Buches beschäftigt sich mit dem Buchhandel der frühen Neuzeit, von Gutenberg bis einschließlich dem Ende des Alten Reiches, ein Viertel ist dem 19. Jahrhundert und ein weiteres Viertel ist dem 20. Jahrhundert gewidmet.
WITTMANN versteht unter Buchhandel die Gesamtprozesse der Vermittlung von geistigem Kulturgut eines Autors über die materielle Speicherung dieses geistigen Produkts in Form von Büchern, die Finanzierung und Verbreitung durch Verlage und Sortimentsbuchhandlungen bis hin zum Leser. Er teilt das von ihm behandelte halbe Jahrtausend seit Erfindung des Buchdrucks in zwölf Epochen auf und geht in jedem dieser Kapitel eben nicht nur auf Fragen der Herstellung und Verbreitung von Büchern ein (also die eigentliche Druck-, Verlags- und Buchhandelsgeschichte), sondern stellt auch jeweils fundierte Reflexionen über das Bild und die Rolle von Autoren sowie die Erwartungshaltungen, Vorlieben und Kenntnisse der Leser an. Mit diesem Blickwinkel geht die Tatsache einher, dass das Material nicht detailliert dargeboten wird und kann. Wittmann beschränkt sich häufig auf prägnante Beispiele für die jeweiligen Forschungsperspektiven.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung der sozialgeschichtlichen Literaturanalyse ein, erläutert das methodische Vorgehen und skizziert den weiteren Aufbau der Arbeit.
2 Sozialgeschichte im Kontext: Hier werden die wissenschaftshistorischen Grundlagen der Literatursoziologie, der Leser- und Wirkungsforschung sowie der Buchhandelsgeschichte als notwendiger Kontext für die Analyse erarbeitet.
3 Reinhard Wittmann: Dieser Hauptteil analysiert das Schaffen von Reinhard Wittmann anhand ausgewählter Werke, untersucht die Quellenlage, seine Arbeitsweisen und beleuchtet seine Bedeutung für die nachfolgende wissenschaftliche Forschung.
4 Auswertung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet Wittmanns Rolle als Pionier der Buchhandelsgeschichte und gibt Anregungen für zukünftige Forschungsansätze in der Sozialgeschichte der Literatur.
Schlüsselwörter
Sozialgeschichte, Literaturwissenschaft, Reinhard Wittmann, Buchhandelsgeschichte, Literatursoziologie, Leserforschung, Wirkungsforschung, Buchhandel, Literaturproduktion, Distributionswege, Literaturgeschichtsschreibung, Frühe Neuzeit, Medienlandschaft, Rezeption, Editionswissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den wissenschaftlichen Beiträgen des Buchhandelshistorikers Reinhard Wittmann und deren Relevanz für die deutsche Sozialgeschichte der Literatur.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Buchhandels, die Rolle von Autoren, Verlagen und Publikum sowie die theoretischen Ansätze der Literatursoziologie und Leserforschung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wittmanns Arbeitsweise zu analysieren und aufzuzeigen, inwiefern seine methodischen Ansätze die Literaturgeschichte geprägt haben und als Basis für weitere Projekte dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt primär einem hermeneutischen Verfahren, bei dem Texte und Textquellen analysiert und in den historischen sowie sozialwissenschaftlichen Kontext eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden vier ausgewählte Werke von Wittmann hinsichtlich ihrer Quellen, Methoden und Zielsetzungen untersucht, um daraus Rückschlüsse auf seine wissenschaftliche Bedeutung zu ziehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sozialgeschichte der Literatur, Buchhandelsgeschichte, Literatursoziologie, Rezeption und Medienlandschaft charakterisiert.
Welche Rolle spielt die "Frühe Neuzeit" in Wittmanns Arbeiten?
Die Frühe Neuzeit bildet ein wissenschaftliches "Steckenpferd" Wittmanns, in dem er besonders intensiv die Strukturen der Buchproduktion und -distribution erforscht hat.
Warum betont die Autorin die Notwendigkeit neuer Forschungsprojekte?
Die Autorin argumentiert gegen die Auffassung, die Sozialgeschichte sei "erschöpft", und fordert stattdessen eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit der heutigen Medienlandschaft und den Produktionsbedingungen von Literatur.
- Citation du texte
- Anika Bleckmann (Auteur), 2009, Reinhard Wittmanns Arbeiten unter Beachtung einer sozialgeschichtlichen Ergebnisorientierung für die Nachwissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152245