Ein erzähltextanalytischer und inhaltlicher Vergleich der Werke "Mikromegas" (Voltaire) und "Der Marsspion" (Carl Grunert) im Rahmen einer Proseminararbeit im Fach Neuere Deutsche Literatur/Germanistik. Untersucht werden u.a. Histoire (Motivierung, Closure) und Discours (Zeit, Modus, Erzählstimme) sowie die Geschichte der Science-Fiction-Literatur, ihre wichtigsten Werke um 1900 und die Entwicklung der deutschen Science-Fiction nach 1945.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Geschichte der Science-Fiction-Literatur und ihre wichtigsten Werke um 1900
2 Über die Gattung der Science-Fiction
2.1 Carl Grunert Der Marsspion – über den Autor
2.1.1 Inhaltszusammenfassung
2.1.2 Erzähltextanalyse
2.1.2.1 Histoire
2.1.2.1.1 Motivierung
2.1.2.1.2 Closure
2.1.2.2 Discours
2.1.2.2.1 Zeit
2.1.2.2.2 Modus
2.1.2.2.3 Erzählstimme
2.1.3 Grunerts Außerirdischer – eine Interpretation
2.1.3.1 Erscheinungsbild des Außerirdischen
2.1.3.2 Fähigkeiten und Verhaltensweise des Außerirdischen
2.1.3.3 Beweggründe des Außerirdischen für seine Reise
2.1.4 Intention des Autors
2.2 Voltaire Mikromegas – über den Autor
2.2.1 Inhaltszusammenfassung
2.2.2 Erzähltextanalyse
2.2.2.1 Histoire
2.2.2.1.1 Motivierung
2.2.2.1.2 Closure
2.2.2.2 Discours
2.2.2.2.1 Zeit
2.2.2.2.2 Modus
2.2.2.2.3 Erzählstimme
2.2.3 Voltaires Außerirdischer – eine Interpretation
2.2.3.1 Erscheinungsbild des Außerirdischen
2.2.3.2 Fähigkeiten und Verhaltensweise des Außerirdischen
2.2.3.3 Beweggründe des Außerirdischen für seine Reise
2.2.4 Intention des Autors
2.3 Gemeinsamkeiten und Abweichungen der beiden Texte
3 Entwicklung der deutschen Science-Fiction nach 1945
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, durch einen erzähltextanalytischen und inhaltlichen Vergleich zweier ausgewählter Science-Fiction-Werke – Carl Grunerts „Der Marsspion“ und Voltaires „Mikromegas“ – die Gattung der Science-Fiction in ihrem historischen Kontext zu untersuchen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in ihrer literarischen Gestaltung herauszuarbeiten.
- Historische Entwicklung der Science-Fiction-Literatur um 1900.
- Erzähltextanalytische Untersuchung (Histoire und Discours) der beiden Werke.
- Interpretation des Erscheinungsbildes und der Beweggründe von Außerirdischen in der Literatur.
- Vergleichende Analyse von Intentionen der Autoren und der Darstellung der menschlichen Spezies.
- Reflexion über die Entwicklung der deutschen Science-Fiction nach 1945.
Auszug aus dem Buch
2.1.3.1 Erscheinungsbild des Außerirdischen
Gleich zu Beginn stellt Grunert den Außerirdischen als „seltsames Wesen“ vor. Im weiteren Verlauf der Novelle wird er als „ungemein zierliche, fast knabenhafte Gestalt“ (Grunert 1908: 15) beschrieben. Darüber hinaus besitzt er ein merkwürdig altes Gesicht sowie pergamentartige, durchscheinende Haut. Eine Binde bedeckt bis zur Enthüllung seiner wahren Identität seine Stirn. Erst zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass er über drei Augen sowie über je vier Finger verfügt.
Gerade die erste Anzahl lässt Raum für Spekulationen: Ein drittes Auge kann möglicherweise als Symbolik eines alles sehenden Auges betrachtet werden, durch welche dem Außerirdischen eine überlegene Psyche zugeschrieben wird. Hauptsächlich in fernöstlichen Religionen und der Esoterik gilt dieses noch heute als hellsichtiges Wahrnehmungsorgan. Im Fall von Grunerts Novelle wird es aber wohl eingesetzt, um dem Leser überlegene Sinnesorgane des Außerirdischen zu vermitteln.
Sein zierlicher Körper hingegen weist auf eine unterlegene Physis hin. Dass der Marsspion über lediglich vier Finger verfügt, sonst aber dem Äußeren des Menschen so sehr ähnelt, dass er seine wahre Identität verbergen kann, ist wohl ein Zugeständnis an den Leser. Grunert könnte die Intention gehabt haben, seinen Außerirdischen so menschlich wie möglich zu gestalten, um die Leserschaft nicht mit einem vermeintlich unrealistischen Aussehen abzuschrecken und den Realitätseffekt zu verlieren.
Eine andere Möglichkeit ist die Tatsache, dass der Mars zu Beginn des 19. Jahrhunderts in vielen Kreisen noch als bewohnter Planet gehandelt wurde. Da er fälschlicherweise der Erde ähnlich galt, lag die Vermutung nahe, dass auch seine Bewohner den Menschen glichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Geschichte der Science-Fiction-Literatur und ihre wichtigsten Werke um 1900: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historische Entwicklung der Science-Fiction-Literatur um die Jahrhundertwende und nennt wichtige Autoren dieser Epoche.
2 Über die Gattung der Science-Fiction: Hier erfolgt eine theoretische und praktische Auseinandersetzung mit der Gattung, unterteilt in die Analyse zweier spezifischer Werke sowie einen anschließenden Vergleich.
2.1 Carl Grunert Der Marsspion – über den Autor: Das Kapitel widmet sich dem Autor Carl Grunert und führt eine detaillierte Erzähltextanalyse sowie eine Interpretation seines Werkes „Der Marsspion“ durch.
2.2 Voltaire Mikromegas – über den Autor: Dieser Abschnitt analysiert Voltaires philosophische Erzählung „Mikromegas“ mittels erzähltextanalytischer Methoden und untersucht die Absichten des Autors hinter dem Werk.
2.3 Gemeinsamkeiten und Abweichungen der beiden Texte: Hier werden die Ergebnisse der Analysen zu Grunerts und Voltaires Texten einander gegenübergestellt, um zentrale Parallelen und Unterschiede aufzuzeigen.
3 Entwicklung der deutschen Science-Fiction nach 1945: Das abschließende Kapitel beleuchtet den Wandel und die Entwicklung der deutschen Science-Fiction-Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zur Gegenwart.
Schlüsselwörter
Science-Fiction, Erzähltextanalyse, Der Marsspion, Mikromegas, Carl Grunert, Voltaire, Außerirdische, Histoire, Discours, Literaturvergleich, Literaturtheorie, Motivierung, Closure, Narratologie, Phantastik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer erzähltextanalytischen und inhaltlichen Gegenüberstellung der zwei Science-Fiction-Werke „Der Marsspion“ von Carl Grunert und „Mikromegas“ von Voltaire.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der strukturellen Untersuchung der Texte (Histoire und Discours), der Interpretation der Darstellung außerirdischer Figuren sowie dem Vergleich der Autorententionen im historischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die literarische Gestaltung der Gattung Science-Fiction anhand dieser Werke zu untersuchen und herauszufinden, wie die Autoren komplexe Themen wie fremde Intelligenz und wissenschaftliche Erkenntnis verarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine klassische Erzähltextanalyse angewandt, die Begriffe wie Histoire und Discours, Fokalisierung, Erzählstimme, Zeit und Modus einsetzt, um die narrativen Strukturen zu ergründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der beiden gewählten Novellen bzw. Erzählungen, gefolgt von einem Kapitel, das Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Werke explizit gegenüberstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Science-Fiction, Erzähltextanalyse, Narratologie, Außerirdische und Literaturvergleich beschreiben.
Inwiefern unterscheiden sich die beiden analysierten Werke im Hinblick auf das Ende?
Beide Texte weisen eine offene Struktur auf, die keine klassische Konfliktlösung (Closure) bietet, sondern den Leser dazu anregt, über die aufgeworfenen philosophischen oder technologischen Fragen weiter nachzudenken.
Welche Rolle spielen die Außerirdischen in den beiden Werken?
In beiden Werken dienen die außerirdischen Protagonisten als Spiegel für die menschliche Gesellschaft, um menschliche Schwächen, religiöse Dogmen oder wissenschaftliche Engstirnigkeit aus einer distanzierten Perspektive zu kritisieren.
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- Lisa Ungewiss (Author), 2009, Die frühe Science-Fiction in der Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152248