Die im Rahmen eines linguistischen Proseminars durchgeführte Studie untersucht die Verbalisierung von Bewegungsereignissen bei vier- und fünfjährigen deutschsprachigen Kindergartenkindern. Da zum Zeitpunkt der Studie auf diesem Themengebiet weiterer Forschungsbedarf bestand, beschäftigte sich damit zeitgleich eine weitere Studie namens "Die Repräsentation des Raumes bei Kindern" (wiss. Ltg.: Prof. Dr. Maya Hickmann/Universität Paris), deren Ergebnisse diese Proseminararbeit miteinbezieht.
Inhaltsverzeichnis
1 Thema und Ziel der Seminararbeit
2 Forschungsstand
2.1 Theorien des Spracherwerbs
2.2 Ausdruck von Bewegungsereignissen im Deutschen
3 Experiment an deutschsprachigen Vier- und Fünfjährigen
3.1 Die Methode
3.1.1 Probanden
3.1.2 Design
3.1.3 Vorgehen
3.2 Datenauswertung
3.2.1 Analyse der gewonnenen Daten
3.2.2 Ergebnisse der Vier- und Fünfjährigen
3.2.3 Vergleich mit Zehnjährigen und Erwachsenen
4 Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit
5 Weiterer Forschungsbedarf
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht, wie deutschsprachige vier- und fünfjährige Kinder Bewegungsereignisse verbalisieren und setzt diese Ergebnisse in einen Vergleich zu älteren Altersgruppen (Zehnjährige und Erwachsene), um Erkenntnisse über die kognitive und sprachliche Entwicklung im Bereich der Raumrepräsentation zu gewinnen.
- Theorien des kindlichen Spracherwerbs
- Verbale Ausdrucksformen von Bewegungsereignissen im Deutschen
- Empirische Untersuchung zur Sprachproduktion bei Vier- und Fünfjährigen
- Vergleichende Analyse von Altersgruppen (Kinder vs. Erwachsene)
- Rolle von light-Verben und manner-Verben in der kindlichen Sprache
Auszug aus dem Buch
2.1 Theorien des Spracherwerbs
Zu Beginn der durchgeführten Studie über die kindliche Repräsentation des Raumes, ist zunächst die Frage nach dem generellen Vorgang des Spracherwerbs zu beantworten. Dazu sollen die wichtigsten Inhalte der angesehenen Spracherwerbstheorien kurz vorgestellt werden, die da wären: Behaviorismus, Interaktionismus, Kognitivismus, Nativismus und schließlich das usage-based model.
Der Behaviorismus wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den amerikanischen Psychologen John Broadus Watson begründet und fand in den 1950er Jahren seinen wohl bekanntesten Vertreter in Burrhus Frederic Skinner. In dieser Theorie wird der Spracherwerb als Konditionierung verstanden, wobei nur durch die eigene Erfahrung ein Lernen vonstatten gehen kann. Kritiker bemängeln jedoch, dass psychische Vorgänge und Erkenntnisprozesse im Behaviorismus nicht berücksichtigt werden.
Eine weitere Spracherwerbstheorie ist der Interaktionismus. Jerome Burner gilt als vorrangiger Begründer dieser Theorie, welche besagt, dass Kinder nur „durch Kommunikation und Interaktion mit direkten Bezugspersonen [...] ihre Erstsprache erwerben.“ Die Funktionalität der Sprache, wie sie hier vorliegt, äußert sich unter anderem in der Anpassung des Sprachniveaus eines Kindes, woraufhin eine Elaboration folgt, bis die finale „Erwachsenensprache“ erreicht ist. Veranlagungen des Kindes werden dabei jedoch nicht berücksichtigt, weswegen es zweifelhaft bleibt, dieses Modell für alle Kulturen angewendet werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Thema und Ziel der Seminararbeit: Einleitung in die Thematik der kindlichen Raumrepräsentation und Darlegung des Forschungsziels dieser Untersuchung.
2 Forschungsstand: Überblick über existierende Spracherwerbstheorien und die linguistische Einordnung von Bewegungsereignissen.
3 Experiment an deutschsprachigen Vier- und Fünfjährigen: Detaillierte Darstellung der empirischen Untersuchung, ihrer Durchführung und der methodischen Datenauswertung.
4 Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und Einordnung in den Entwicklungs- und Lernkontext.
5 Weiterer Forschungsbedarf: Reflexion über offene Fragen und Ausblick auf zukünftige Studienmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Raumrepräsentation, Bewegungsereignisse, Linguistik, Kindersprache, Verb-Typen, light-Verben, manner-Verben, Sprachtypologie, Kognition, Entwicklung, Sprachproduktion, empirische Studie, Vierjährige, Fünfjährige
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Art und Weise, wie deutschsprachige Kinder im Alter von vier und fünf Jahren Bewegungsereignisse sprachlich ausdrücken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Theorien des Spracherwerbs sowie die spezifischen linguistischen Mechanismen, mit denen im Deutschen Raumbeziehungen und Bewegungen verbalisiert werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob und wie Vier- und Fünfjährige Bewegungsereignisse beschreiben, und diese Sprachmuster mit denen von Zehnjährigen und Erwachsenen zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein empirisches Experiment durchgeführt, bei dem zehn Kinder mit Spielzeug zu Handlungen angeregt und ihre Äußerungen anschließend via CHILDES-Programm transkribiert und analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Spracherwerbs und die detaillierte Vorstellung sowie Auswertung des durchgeführten Experiments, unterteilt in vier verschiedene Handlungskategorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Spracherwerb, Raumrepräsentation, Bewegungsereignisse und den Kontrast zwischen light-Verben und manner-Verben charakterisieren.
Warum weichen die Ergebnisse der Kinder von denen der Erwachsenen ab?
Die Arbeit deutet darauf hin, dass die sprachliche Präzision bei Kindern durch eine stärkere Unsicherheit in der Testsituation und eine noch in Entwicklung befindliche Sprachkompetenz beeinflusst wird, während Erwachsene die Sprache deutlich zielgerichteter nutzen.
Welche Rolle spielen light-Verben bei den untersuchten Kindern?
Vier- und Fünfjährige greifen bei unbekannten oder abstrakten Handlungen häufig auf sogenannte light-Verben (wie "machen" oder "tun") zurück, da diese eine einfache, universelle Beschreibung ermöglichen, wenn die spezifische Bewegungsart noch nicht lexikalisiert ist.
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- Lisa Ungewiss (Author), 2009, Die Verbalisierung von Bewegungsereignissen im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152253