Da in unserer demokratischen Gesellschaft Mündigkeit in jeder erziehungswissenschaftlichen Rhetorik als höchstes erzieherisches Leitbild gepriesen wird und dieses Leitziel auch in meinem Praxiseinsatz im Kindergarten stark thematisiert wurde, gehe ich in dieser Hausarbeit folgender Frage nach: Das Konzept „Partizipation im Kindergarten“ – Ist Partizipation im Kindesalter überhaupt möglich und sinnvoll? Der pädagogische Begriff von Partizipation beschränkt sich nicht nur auf die Anteilnahme in der Politik, er meint darüber hinaus auch die Vorstellung vom freien und autonomen Menschen. Dabei sollten diese Vorstellungen im geschichtlichen Kontext betrachten werden.
Aus diesem Grunde wird zum Einstieg ein Blick in die Geschichte der Kindheitsverständnisse geworfen. Dabei beziehe ich mich auf die Ansätze einiger großer Denker der früheren Epochen, wie Platon und Jean-Jacques Rousseau. Anschließend erläutere ich die Entstehung und den pädagogischen Grundgedanken des Kindergartens nach dem Gründer Friedrich Fröbel, um so im Anschluss auch in die Ideen, welche hinter den unterschiedlichsten Kindergartenkonzepten stecken, Einsicht zu gewinnen.
Im darauf folgenden Schritt wird die Bedeutung von „Partizipation im Kindergarten“ definiert sowie die Methoden der Umsetzung von Partizipation im Kindergarten erläutert.
In diesem Zusammenhang wird der Versuch unternommen, das Ziel der Partizipation, die Kinder nach dem Grundsatz einer demokratischen Gesellschaft zur Mündigkeit zu erziehen, deutlich zu machen. Da Mündigkeit ein erzieherisches Leitbild der Pädagogik ist, werde ich im nächsten Schritt die Theorie der Mündigkeit analysieren und mich im darauf folgenden Schritt mit dem Verständnis der Mündigkeit nach dem Philosophen Theodor W. Adorno auseinandersetzen. Des Weiteren zeige ich verschiedene Grenzen der Partizipation im Kindergarten auf, um auch die Schwächen des Konzeptes ins Visier zu nehmen. Abschließend werde ich die am Anfang dieser Arbeit gestellte Frage noch einmal betrachten und versuchen, diese zu beantworten sowie mit weiteren Ideen zu verknüpfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein Blick in die Geschichte der Kindheit
2.1 Kindheit in der Antike
2.2 Kindheit im Mittelalter
2.3 Kindheit in der Neuzeit
2.4 Kindheit heute
3. Entstehung und pädagogischer Grundgedanke des Kindergartens
4. Was sind Kindergarten-Konzepte?
5. Bedeutung von „Partizipation im Kindergarten“
6. Methoden der Umsetzung
7. Ziel der Partizipation im Kindergarten
7.1 Theorie der Mündigkeit
7.2 Mündigkeit nach Adorno
8. Grenzen der Partizipation im Kindergarten
9. Fazit
10. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit von Partizipation bereits im Kindesalter, konkret in der Einrichtung Kindergarten, unter der zentralen Forschungsfrage, ob und wie die Beteiligung der Kinder demokratische Lernprozesse fördern kann.
- Historische Betrachtung des Kindheitsverständnisses
- Entwicklung und Grundgedanken der Kindergartenpädagogik
- Differenzierung verschiedener Kindergarten-Konzepte
- Methodische Aspekte der Partizipationsumsetzung
- Die philosophische Fundierung von Mündigkeit und Partizipation
- Kritische Analyse der Grenzen von Partizipation im frühkindlichen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1 Kindheit in der Antike
Die vorhandenen Quellen über das Leben der Kinder in der Antike (3500 v.Chr. - 6. Jhd. n.Chr.) sind sehr dürftig. Die wenigen vorhandenen Informationen wurden den Überlieferungen der Philosophen entnommen, oder handeln überwiegend vom Leben der privilegierten Kinder. Es scheint, dass Kinder zu der Zeit nicht als Individuen mit eigenen Gedanken und Interessen galten. Seit der Antike ist die verbreitete Sitte der Kindstötung bekannt. Neugeborene, welche aufgrund von Missbildungen, Schwäche oder ihres weiblichen Geschlechts ungewollt waren, durften von der eigenen Familie ohne Weiteres getötet werden.
Schulen wurden nur von Kindern der oberen, wohlhabenden Schicht besucht. Mädchen waren von diesem Privileg ausgeschlossen. Für die Söhne bedeutete dies allerdings einen sehr harten Alltag. Sie wurden unter anderem in Gymnastik und Wettkämpfen unterwiesen, um somit schon früh auf ein soldatisches Leben gedrillt zu werden (vgl. Sünker/Swiderek, 1997, S.176-177).
Gilt die Zeit der Antike als sehr grausam und primitiv, gab es aber dennoch auch Ansätze und Ideen einer „richtigen“ Erziehung, die heute in den Schriften des griechischen Philosophen Platons zu finden sind. Platon war einer der Ersten, der die Frage nach der Bestimmung des Menschen und dessen Befreiung aus seiner Unmündigkeit stellte.
Er war der Meinung, dass auch Frauen und Mädchen ein Recht auf Bildung besäßen, und forderte deswegen, Schulen auch für sie zugänglich gemacht werden sollen. (vgl. Kuhlmann, 2013, S.15) „Bildung vermittelt die Fähigkeit, die Wahrheit zu erkennen“ (Platon, 370 v.Chr., Der Staat). Die Ideen Platons waren für die damalige Zeit schon sehr fortschrittlich. Man könnte also meinen, dass auch seine Ideen die heutige Pädagogik beeinflusst haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Modul „Berufsfeldorientierung“ ein, stellt das gewählte Thema der Partizipation im Kindergarten vor und formuliert die leitende Forschungsfrage.
2. Ein Blick in die Geschichte der Kindheit: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss des Kindheitsbegriffs von der Antike bis heute, um heutige Erziehungsansätze in einen Kontext zu setzen.
3. Entstehung und pädagogischer Grundgedanke des Kindergartens: Hier wird die Gründung des Kindergartens durch Friedrich Fröbel und seine Intention einer behütenden und bildenden Erziehung skizziert.
4. Was sind Kindergarten-Konzepte?: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Konzept“ und stellt verschiedene pädagogische Orientierungen wie autoritäre, partizipative sowie offene und geschlossene Kindergartenkonzepte gegenüber.
5. Bedeutung von „Partizipation im Kindergarten“: Das Kapitel erläutert den Begriff der Partizipation im pädagogischen Sinne als aktive Einbeziehung von Kindern in Entscheidungsprozesse ihres Alltags.
6. Methoden der Umsetzung: Hier werden praxisnahe Methoden der Partizipation vorgestellt, wie projektbezogene Beteiligung, offene Gesprächsformen und die Etablierung eines Kinderrates.
7. Ziel der Partizipation im Kindergarten: Das Kapitel begründet das politische und pädagogische Mündigkeitsziel, gestützt durch theoretische Überlegungen zur Mündigkeit unter anderem nach Kant und Adorno.
8. Grenzen der Partizipation im Kindergarten: Es werden kritische Grenzen aufgezeigt, wie die Notwendigkeit von Sicherheit, Hygiene und die Rolle der Fachkraft als notwendige Autoritätsperson.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Partizipation im Kindergarten sinnvoll ist, wenn sie in einem begrenzten Rahmen unter Begleitung stattfindet.
10. Literaturverzeichnis: Dies ist das abschließende Verzeichnis aller verwendeten Quellen innerhalb der Arbeit.
Schlüsselwörter
Partizipation, Kindergarten, Kindheit, Pädagogik, Demokratie, Mündigkeit, Friedrich Fröbel, Elementarbildung, Entscheidungsprozesse, Mitbestimmung, Kindheitsgeschichte, Erziehung, Kinderrechte, Pädagogische Konzepte, Partizipation im Kindesalter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept der Partizipation in Kindertagesstätten, um zu prüfen, ob die frühzeitige Einbeziehung von Kindern in Entscheidungsprozesse pädagogisch möglich und sinnvoll ist.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung des Kindheitsbegriffs, die grundlegenden pädagogischen Ideen von Kindergartenkonzepten sowie die philosophische Verankerung von Mündigkeit und demokratischer Mitbestimmung frühkindlicher Bildung.
Was ist die primäre Zielsetzung oder die leitende Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob Partizipation im Kindesalter im Kindergarten überhaupt möglich und sinnvoll ist, um eine demokratische Mündigkeit vorzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?
Die Arbeit erfolgt als theoretische Hausarbeit, die auf einer Literaturanalyse basiert, um den historischen und theoretischen Rahmen abzustecken und durch aktuelle Begriffsdefinitionen und Studien zu stützen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil spannt den Bogen von der Historie (Antike bis heute) über die Entstehung des Kindergartens nach Fröbel und verschiedene pädagogische Konzepte bis hin zu konkreten Umsetzungsmethoden der Partizipation und einer theoretischen Reflexion des Mündigkeitsbegriffs.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die fachliche Ausrichtung charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Partizipation, Kindergartenpädagogik, Demokratieerziehung, Mündigkeit, Kindheitsgeschichte und frühkindliche Bildung charakterisiert.
Inwiefern spielt der historische Wandel der Kindheit eine Rolle für die Partizipation?
Die Historie dient als Hintergrund, da sie zeigt, dass das heutige Verständnis des Kindes als gleichberechtigter Akteur erst durch einen langsamen Wertewandel möglich wurde, den die moderne Pädagogik heute unterstreicht.
Warum wird im Kontext der Partizipation die Philosophie von Immanuel Kant und Theodor W. Adorno bemüht?
Diese Philosophen dienen dazu, den Erziehungsbegriff der Mündigkeit theoretisch zu fundieren, indem sie den Mut zum selbstständigen Denken und Handeln als grundlegendes Ziel menschlicher Entwicklung definieren.
Was sind laut der Arbeit die notwendigen Grenzen der kindlichen Partizipation?
Die Arbeit betont, dass Partizipation dort an Grenzen stößt, wo die Sicherheit, die Hygiene oder die notwendige Orientierung der Kinder gefährdet ist, weshalb die pädagogische Fachkraft ihre Rolle als Autoritätsperson beibehalten muss.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Mitbestimmung der Kleinsten. Der Kindergarten als Lernort der Demokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1522708