Andalucismo vs. Antiandalucismo: eine Gegenüberstellung


Hausarbeit, 2010

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die andalusische Varietät
2.1 Welche linguitischen Phänomene bezeichnen die anda- lusische Varietät?

3. Die Andalucismo-These
3.1 Argumentation der Andalucismo-These
3.2 Argumentation der Antiandalucismo-These

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Spanien bietet – dank seiner vielen Varietäten – für Linguisten einen interessanten Untersuchungsgegenstand. Was die Entwicklung der „kastilischen Norm“, wie die spanische Sprache oft in der Literatur genannt wird, betrifft, ist sich die Wissenschaft bis auf ein paar ungeklärte Detailfragen sicher. Es herrscht die belegte Überzeugung, dass die kastilische Sprache, welche später die Nationalsprache der spanischen Krone wurde, sich aus dem so genannten „Vulgärlatein“, also dem mündlich übertragenen Latein der Soldaten und des Volkes, entwickelt hat. Hinzu kamen noch die Einflüsse des Arabischen, das beinahe 700 Jahre die iberische Halbinsel bis zur „Wiedereroberung“ durch die Christen prägte.

Etwas weniger eindeutig wird jedoch hingegen die Verbreitung der spanischen Sprache in der „Neuen Welt“, also dem amerikanischen Kontinent, gesehen. Sicher ist hingegen, dass viele in Lateinamerika verbreitete linguistische Phänomene große Ähnlichkeiten mit der andalusischen Varietät des Kastilischen aufweisen. So existieren in der linguistischen Wissenschaft – etwas vereinfacht formuliert – zwei Strömungen, die jeweils für oder gegen einen andalusischen Ursprung argumentieren, wobei hierbei auch immer die Frage nach der Beeinflussung durch indigene Sprachen gestellt wird. Es ist allerdings stets die Vorsicht geboten, das lateinamerikanische Spanisch nicht zu verallgemeinern, da zum Teil große Unterschiede bei der lokalen Verbreitung der linguistischen Phänomene herrschen. Eine weitgehend akzeptierte Unterteilung, die eine Kategorisierung einfacher gestaltet, ist die Gruppierung der Phänomene in „tierras bajas“ und „tierras altas“, worauf aber noch näher eingegangen wird.

Die vorliegende Arbeit untersteht somit dem Versuch, die Argumentationen beider „Lager“ genauer zu untersuchen. Dabei soll zu allererst die andalusische Varietät als solche im Fokus sein, um später die Gemeinsamkeiten stärker illustrieren zu können. Das Augenmerk liegt diesbezüglich hauptsächlich auf dem phonetischen Bereich, da dort die meisten Abweichungen zur kastilischen Norm vorzufinden sind. Letztendlich soll auf diesem Wege eine abschließende Aussage zur Fragestellung gefunden werden, ob ein andalusischer Ursprung in der Geschichte des hispanoamerikanischen Spanisch angenommen werden kann, oder nicht.

2. Die andalusische Varietät

2.1 Welche linguitischen Phänomene bezeichnen die andalusische Varietät?

Hendel verweist darauf, dass die linguistischen Phänomene, die den andalusischen Dialekt von der kastilischen Norm trennen, hauptsächlich im Bereich der Phonetik und Phonologie anzutreffen sind (vgl. Hendel, 2007, S. 3). Es finden sich aber auch hinsichtlich der Morphologie und Syntax kleinere Abweichungen, die hilfreich erscheinen, um die dialektalen Unterschiede deutlich aufzuzeigen (vgl. Hendel, 2007, S. 3). Als jene erwähnenswerte dominante Erscheinungen können also die folgenden betrachtet werden:

1. In der andalusischen Varietät dominiert die Abwesenheit einer phonetischen Unterscheidung von /s/ und /0/, die zu /s/ zusammenfallen (casar, cazar [ka'sar]). Dieses Phänomen ist unter dem Begriff „seseo“ bekannt geworden und hat bis auf die Küstengebiete um Cádiz und Malaga, wo das gegenteilige Phänomen, der „ceceo“, beobachtbar ist, ganz Andalusien erfasst (vgl. Mackenzie, 2001, S. 132).

2. Die zweite dominante Erscheinung im Andalusischen ist die Tendenz zur Schwächung der Konsonanten, was auch unter dem Begriff „labiler Konsonantismus“ bekannt ist (vgl. Mackenzie, 2001, S. 132). Dies äußert sich in diversen Ausprägungen: im Silbenanlaut kommt es zum Beispiel zu einer Modifikation des Phonems [x] zu [h] (jugar [hu'gar]) und der Tendenz zur Eliminierung zwischenvokalischer Obstruenten (vestido [best'io]) (vgl. Mackenzie, 2001, S. 132). Im Silbenauslaut zeigt sich der labile Konsonantismus hingegen in Form der Realisierung von /s/ als [h] (españa [eh'paμa]), der Elision von /s/ (las olas [la'ola]) und der Assimilierung von /s/ an den folgenden Konsonanten, insofern dieser ein stimmloser Obstruent oder Sonorant ist (mismo ['mimmo]) (vgl. Mackenzie, 2001, S. 132).

Mackenzie erwähnt noch ein weiteres Phänomen des labilen Konsonantismus, welches er allerdings auf soziolektale Ursachen zurückführt und den niederen Soziolekten zuordnet: die Realisierung des Phonems /r/ als /l/ (el cuerpo [el'kwelpo] und umgekehrt (balcón ['barkon]). Alternativ kommt es bei Fließlauten, so genannten „Luiquida“, im Silbenauslaut entweder zu einer Assimilierung an den folgenden Konsonanten (burla ['bulla]), oder aber gar zur Elision, die häufig auch von einer Nasalierung des vorhergehenden Vokals begleitet wird (mujer [mu'he]) (vgl. Mackenzie, 2001, S. 133).

3. Die Andalucismo-These

3.1 Argumentation der Andalucismo-These

Die Andalucismo-These trägt vor allem der Tatsache Rechnung, dass zwischen dem lateinamerikanischen Spanisch – insbesondere der Tieflandgebiete – und der andalusischen Varietät auf den ersten Blick große Gemeinsamkeiten erkennbar sind (vgl. Mar-Molinero, 2000, S. 30). Ihre Argumentation besteht deshalb hauptsächlich darin, die andalusische Abweichung von der kastilischen Norm als Ursprung des hispanoamerikanischen Spanisch anzusehen (vgl. Dietrich & Geckeler, 2007, S. 175). Sie impliziert somit die Annahme, die linguistischen Phänomene des lateinamerikanischen Spanisch sozusagen als „Mitbringsel“ der spanischen Siedler in der Neuen Welt zu betrachten. Als Belege für jene Behauptung dienen insbesondere die wie folgt kategorisierbaren Indizien:

3.1.1 Die Ähnlichkeit der linguistischen Phänomene

Ein Hauptargument, auf welches sich die Befürworter der Andalucismo-These stützen, sind selbstverständlich die linguistischen Verwandheiten des lateinamerikanischen Spanisch mit der andalusischen Varietät. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass in Opposition zu einigen Phänomene, die eine allgemeine Verbreitung fanden, wie zum Beispiel dem Seseo, andere wiederum lediglich lokal in den Küstengebieten wiederzufinden sind, wofür zum Teil siedlungstechnische und auch klimatische Gründe angegeben werden (vgl. Kabatek & Pusch, 2009, S. 273). Besonders auffällig sind die Gemeinsamkeiten allerdings vor allem bei den folgenden Charakteristika der Aussprache, sprich der Phonetik und Phonologie:

a) Seseo

Unter dem Seseo versteht man das Phänomen der Aufhebung der kastilischen Opposition von /s/ : /0/ in /s/, wie unter 2.1 beschrieben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Andalucismo vs. Antiandalucismo: eine Gegenüberstellung
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften (Romanistik))
Veranstaltung
Spanisch in Amerika
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V152279
ISBN (eBook)
9783640641703
ISBN (Buch)
9783640859818
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit wägt die Argumente der Andalucismo-Debatte gegeneinander ab
Schlagworte
Spanisch, Amerika, Andalucismo, Antiandalucismo
Arbeit zitieren
Daniel Wehnhardt (Autor), 2010, Andalucismo vs. Antiandalucismo: eine Gegenüberstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152279

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