Frege gilt zu Recht als Pionier der analytischen Philosophie und der modernen Logik. Dennoch sind viele seiner Thesen sehr umstritten und werden heute zum Teil sogar als obsolet oder widerlegt angesehen. So beharrt er z. B. in seiner Semantik auf einer strikten Unterscheidung zwischen Begriff und Gegenstand, obwohl in diesem Zusammenhang eine Widersprüchlichkeit auftaucht, die in der Fachliteratur auch als das Paradox des Begriffes "Pferd", bezeichnet wird. Dieses interessante Paradox beschäftigt die analytische Philosophie seit geraumer Zeit, ist noch immer aktuell und eine völlig befriedigende Lösung scheint schwer auffindbar zu sein. Die hier vorliegende Arbeit ist deshalb in erster Linie der Erklärung und Diskussion dieses Phänomens und erst in zweiter Linie dessen Lösung gewidmet.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HAUPTTEIL
2.1 Zum Hintergrund: Freges semantische Theorie
2.1.1 Freges Begriffsschrift
2.1.2 Unterscheidung zwischen Sinn und Bedeutung
2.1.3 Zur Analogie von Funktion und Begriff
2.1.4 Freges Unterscheidung von Begriff und Gegenstand
2.2 Das Paradox des Begriffes „Pferd“
2.2.1 Vorstellung des Paradoxons
2.2.2 Der Diskurs zwischen Frege und Kerry
2.2.3 Wiggins Reparatur
2.2.4 Wrights Alternative
3 SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Gottlob Freges semantischer Unterscheidung zwischen Begriff und Gegenstand auseinander und analysiert die daraus resultierende Problematik, die in der Fachliteratur als das „Paradox des Begriffes ‚Pferd‘“ bekannt ist. Ziel der Untersuchung ist es, die Ursachen dieses Widerspruchs aufzuzeigen und alternative Lösungsansätze zu diskutieren.
- Grundlagen von Freges semantischer Theorie (Sinn, Bedeutung, Funktion)
- Die strikte Trennung von Begriff und Gegenstand
- Analyse des Paradoxes des Begriffes „Pferd“
- Kritische Würdigung der Lösungsansätze von Wiggins und Wright
- Verhältnis von Syntax, Semantik und logischer Kopula
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Vorstellung des Paradoxons
Wir werden uns nun der Diskussion des Paradoxes vom Begriff „Pferd“ zuwenden. Dieses Paradox ergibt sich aus den bereits kennen gelernten Prämissen und einer weiteren intuitiven Annahme. Es lässt sich wie folgt darstellen:
(P1) Ein Ausdruck bedeutet entweder einen Begriff oder einen Gegenstand, nicht beides
(P2) Eigennamen sind vollständige Ausdrücke, die Gegenstände bedeuten
(P3) Ausdrücke der Form „der/die/das F“ sind in der Regel Eigennamen
(K1) „Der Begriff ,Pferd‘“ ist ein Eigenname (aus P3)
(K2) Die Bedeutung von „Der Begriff ‚Pferd‘“ ist ein Gegenstand (aus P2 und K1)
(P4) Die Bedeutung von „Der Begriff ‚Pferd‘“ ist der Begriff „Pferd“
(K3) Die Bedeutung von „Der Begriff ‚Pferd‘“ ist ein Gegenstand und ein Begriff (aus K2 und P4) – Widerspruch zu (P1)
Das Paradox kommt also zustande, wenn man einerseits Freges Annahmen heranzieht und zu dem Schluss (K2) gelangt und andererseits die Prämisse (P4) hinzuzieht, die uns durch die Intuition nahe gelegt wird und deren Negierung die Frage aufwerfen würde, wie man sonst auf einen Begriff referieren soll, wenn man über ihn reden möchte. Das Paradox lässt sich auf den Punkt bringen in der Behauptung: „Der Begriff ‚Pferd‘ ist kein Begriff“. Für Frege liegt hier jedoch eine „unvermeidbare sprachliche Härte“ vor (vergl. BG, S. 196-197).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der analytischen Philosophie Freges und Hinführung zum „Paradox des Begriffes ‚Pferd‘“.
2 HAUPTTEIL: Detaillierte Darstellung von Freges semantischen Grundannahmen sowie kritische Analyse des Paradoxes und verschiedener Lösungsversuche.
3 SCHLUSS: Zusammenfassende Beurteilung der Fregeschen Lehre, wobei insbesondere die Rolle der Kopula und die Unterscheidung von Syntax und Semantik betont werden.
Schlüsselwörter
Gottlob Frege, Semantik, Begriff, Gegenstand, Paradox, Pferd, Sinn, Bedeutung, Begriffsschrift, Funktion, Prädikation, Kopula, Wiggins, Wright, analytische Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht eine spezifische logische Widersprüchlichkeit in der Semantik von Gottlob Frege, das sogenannte „Paradox des Begriffes ‚Pferd‘“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind Freges Theorie von Sinn und Bedeutung, die logische Unterscheidung zwischen Begriffen und Gegenständen sowie die Problematik von Prädikaten in der logischen Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Entstehung des Paradoxes und die kritische Diskussion der Lösungsansätze von Philosophen wie Wiggins und Wright.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische und philosophiegeschichtliche Untersuchung, die Freges Originalschriften kritisch gegen die Interpretationen seiner Zeitgenossen und nachfolgender Philosophen abwägt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den theoretischen Hintergrund (Sinn, Bedeutung, Funktion) und die detaillierte Debatte über das Paradox unter Einbeziehung von Kerry, Wiggins und Wright.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Gottlob Frege, Semantik, Begriff, Gegenstand und logisches Paradoxon charakterisieren.
Wie versucht Wiggins, das Paradox zu lösen?
Wiggins schlägt eine „Reparatur“ vor, bei der die Kopula eine tragende Rolle übernimmt und das Prädikat nicht mehr als Bedeutungsträger für einen Begriff als Entität fungiert.
Welchen Lösungsansatz verfolgt Wright?
Wright führt eine zusätzliche Beziehung ein, die sogenannte „Zuschreibung“ (ascription), um zwischen Referenz und prädikativer Funktion zu unterscheiden.
Warum hält der Autor die Lösungsansätze für unzureichend?
Der Autor argumentiert, dass Frege, Wiggins und Wright die Unterscheidung zwischen Syntax und Semantik sowie die Rolle der Kopula missverstehen und das Paradox durch ontologische Vermischungen nicht vollständig auflösen können.
Welcher Zusammenhang besteht zur Russellschen Antinomie?
Der Autor weist darauf hin, dass das „Pferd“-Paradox eng mit der Rückbezüglichkeit von Prädikaten verwandt ist, die in ihrer extremen Form als Russellsche Antinomie bekannt ist.
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- Jan Nilbock (Author), 2007, Zu Freges Semantik der Prädikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152289