Diese Arbeit widmet sich der Evolutionstheorie Darwins, wie er sie in seinem ersten Buch „Über die Entstehung der Arten“ darstellt. Es sollen die wesentlichen Thesen dieses immensen Werkes zusammengefasst und die Kernbegriffe seiner Theorie erläutert werden. Dem wird die „Schöpferische Evolution“ von Henri Bergson gegenübergestellt, ein metaphysischer Entwurf, dessen Kernbegriff der „Elan vital“ ist, der Lebensschwung. Der Lebensphilosoph Henri Bergson nimmt die Theorie Darwins auf. Sie ist der Ansatzpunkt und Ausgangspunkt seines ganz eigenen metaphysischen Entwurfs. Es wird sich im Laufe der Arbeit zeigen, wie Bergson zum einen Darwins Evolutionstheorie anerkennt und bejaht, zum anderen aber Darwins Kernbegriff der Anpassung kritisiert. Bergsons Hauptanliegen ist, dem Mechanismus Darwins etwas entgegenzusetzen, weil es dem Objekt des Denkens, dem Leben, nicht entspricht. So wird zu zeigen sein, was auf Darwins starke Antwort nach der Vielfalt des Lebendigen die Antwort des Lebensphilosophen Bergson ist.
Was heute von den beiden Entwürfen noch bedeutsam ist, wird die abschließende Frage sein.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Evolutionstheorie Charles Darwins
1. Zusammenfassung der Evolutionstheorie Darwins und ihrer Kernbegriffe
2. Der Begriff der „Anpassung“
3. Persönliche Beobachtungen zum Werk „Entstehung der Arten“
a) Die Einleitung
b) Darwin– ein Naturforscher oder ein Naturphilosoph?
4. Die Evolutionstheorie Darwins in philosophische Begriffe gefasst
5. Zur Argumentationsweise Darwins
III Henri Bergsons „Schöpferische Evolution“ – eine lebensphilosophische Antwort auf die Evolutionstheorie Darwins
1. Philosophiegeschichtliche Einordnung:
2. Schöpferische Evolution
a) Der Ausgangspunkt – Bergsons philosophische Entdeckung der „Dauer“ (duree)
b) Bergsons Stellung zur Evolutionslehre Darwins und seiner Nachfolger
c)Der Èlan vital – Lebensschwung, Lebensdrang
d) Eigene Beobachtungen zu Bergsons Schilderung und Deutung von Naturformen und -geschehnissen
e) Die Intuition– der tiefe Blick in das Innere des Lebens
IV. Vergleich der beiden Deutungen der Evolutionstheorien
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Ansätze von Charles Darwin und Henri Bergson zur Evolutionstheorie, um eine Verbindung zwischen naturwissenschaftlicher Mechanik und lebensphilosophischer Metaphysik herzustellen.
- Analyse der evolutionären Kernbegriffe nach Charles Darwin
- Kritische Auseinandersetzung mit Mechanismus und Determinismus
- Untersuchung von Henri Bergsons Konzept des „Élan vital“
- Gegenüberstellung von empirischer Induktion und philosophischer Intuition
- Reflektion über den Wert des Lebens und schöpferische Prozesse
Auszug aus dem Buch
Die Evolutionstheorie Darwins in philosophische Begriffe gefasst
Im Folgenden soll nun von einer Meta-Ebene auf die Evolutionstheorie Darwins geschaut werden, oder einfacher gesagt: Wir fragen uns, wie Darwins Evolutionstheorie durch die philosophische Brille gesehen ausschaut. Wir fragen dabei nicht nach der Metapher „Kampf ums Dasein“, die eine unheilvolle Wirkungsgeschichte gehabt hat. Sie soll hier keine Rolle spielen, da sie im Vergleichswerk Bergsons kaum eine Rolle spielt.
Es soll im Folgenden darum gehen, in welche philosophischen Begriffen wir das Prinzip der natürlichen Selektion und der Anpassung fassen können.
Rekapitulieren wir knapp: Wie geschah die Evolution der Arten nach Darwins Theorie? Durch zufällige Abänderungen (heute: Mutation) und dem Mechanismus der natürlichen Zuchtwahl, der an den Individuen wirkt. Dieser Mechanismus ergibt eine Anpassung an die Umwelt oder eine Auslese der nicht „fitten“ Lebewesen. Die Organismen und Lebewesen sind also nicht Subjekte ihrer Veränderung, sondern Objekte, an denen der biologische Mechanismus wirkt oder anders ausgedrückt, an denen die Umwelt wirkt.
Die Spezifika der Darwin‘schen Evolutionstheorie können im Vergleich zur Evolutionstheorie seines Zeitgenossen Lamarck besonders gut aufgezeigt werden:
Für Lamarck ist Bewegung das Kennzeichen des Lebens. Die Eigenbewegung eines Lebenswesen hängt ab von seiner Umgebung. Hat das Lebewesen durch Veränderung der Umgebung veränderte Bedürfnisse, wird es mit veränderter Bewegung reagieren. Durch dieses Zusammenspiel von Veränderung der Umgebung und von veränderter Eigenbewegung als Anpassung an die Umwelt entsteht eine Veränderung an den Organen des Lebewesens. Nach Lamarcks Theorie ist das Lebewesen also nicht passiv, sondern aktiv, da es mit seiner ganz eigenen Bewegung auf seine äußere Umgebung antwortet (vgl. Zunke, S. 81).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische und philosophische Neugier an der Vielfalt der Lebewesen ein und stellt Darwins Evolutionstheorie als bahnbrechendes Paradigma sowie Bergsons philosophische Antwort darauf vor.
II. Die Evolutionstheorie Charles Darwins: Das Kapitel fasst die Kernaspekte Darwins zusammen, beleuchtet den Anpassungsbegriff und die Rolle der natürlichen Zuchtwahl sowie Darwins induktive Arbeitsweise.
III Henri Bergsons „Schöpferische Evolution“ – eine lebensphilosophische Antwort auf die Evolutionstheorie Darwins: Hier wird Bergsons lebensphilosophischer Entwurf vorgestellt, wobei sein Konzept des Lebensschwungs (Élan vital) und die Bedeutung der Intuition zentral sind.
IV. Vergleich der beiden Deutungen der Evolutionstheorien: Dieses Kapitel konfrontiert die empirisch-induktive Methode Darwins mit dem metaphysischen Intuitionismus Bergsons, um die unterschiedlichen Sichtweisen auf die schöpferische Kraft des Lebens zu synthetisieren.
Schlüsselwörter
Evolutionstheorie, Charles Darwin, Henri Bergson, Lebensphilosophie, Anpassung, Natürliche Zuchtwahl, Élan vital, Lebensschwung, Schöpferische Evolution, Induktion, Intuition, Determinismus, Mechanismus, Artenentstehung, Biologie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Vergleich zwischen Darwins mechanistischer Evolutionstheorie und Bergsons lebensphilosophischer Antwort, der „Schöpferischen Evolution“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die biologische Evolution, der Mechanismus der natürlichen Zuchtwahl, der ontologische Status von Lebewesen sowie der philosophische Begriff des Élan vital.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Bergson Darwins Theorie sowohl nutzt als auch kritisiert, um eine nicht-mechanistische Deutung der Evolution und des Lebens zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der sowohl naturwissenschaftliche Grundlagenwerke (Darwin) als auch philosophische Primärquellen (Bergson) in eine wissenschaftstheoretische Meta-Ebene eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise die Kernbegriffe Darwins und Bergsons, diskutiert deren Argumentationsweisen und beleuchtet die Unterscheidung zwischen einem passiven Naturstoff und einem schöpferischen Lebensdrang.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Evolutionstheorie, Élan vital, Lebensphilosophie, natürliche Zuchtwahl, Intuition, Determinismus und schöpferische Evolution.
Wie unterscheidet Bergson zwischen dem Lebensschwung und reinem Mechanismus?
Während der Mechanismus die Natur als vorhersehbares System aufgrund von Naturgesetzen betrachtet, postuliert Bergson den Élan vital als eine immanente, unvorhersehbare Kraft, die Schöpfung und Kreativität erst ermöglicht.
Warum spielt die Intuition bei Bergson eine solche Schlüsselrolle?
Die Intuition ist für Bergson das einzige Erkenntnisvermögen, das tief in das Wesen des Lebens und den Élan vital vordringen kann, während die Intelligenz primär auf den Umgang mit Materie ausgelegt ist.
- Arbeit zitieren
- Friederike Quapp (Autor:in), 2024, Darwins Determinismus und Bergsons Lebensschwung. Zwei Interpretationen der Evolutionstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1523061