Vorliegende Arbeit widmet sich grundlegenden theoretischen und methodisch-praktischen Aspekten der Oral History und zeigt Möglichkeiten und Grenzen dieses geschichtswissenschaftlichen Ansatzes auf. Kapitel 2 bemüht sich zunächst um eine Begriffsklärung, skizziert Ursprung und Entwicklung der Methode und zeigt, wie ein Erinnerungsinterview, dessen Erhebung und Auswertung, funktioniert. Kapitel 3 behandelt den spezifischen Quellenwert mündlicher Erzählungen und geht einerseits auf bevorzugte Anwendungsbereiche der Oral History ein, also jene Forschungsgebiete und Fragestellungen, bei denen die Methode ihre Stärken ausspielt, andererseits auf kritische Einwände sowie theoretische und methodologische Probleme. Kapitel 4 stellt als Schlussbemerkung die Bedeutung der Oral History für eine aktuelle zeitgeschichtliche Fragestellung heraus.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was heißt „Oral History“?
2.1 Ursprung und Entwicklung der Oral History
2.2 Oral History als geschichtswissenschaftliche Methode
3 Möglichkeiten und Grenzen der Oral History
3.1 Der Quellenwert mündlicher Erzählungen
3.2 Möglichkeiten
3.3 Grenzen
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen sowie die methodisch-praktischen Aspekte der Oral History als geschichtswissenschaftliches Verfahren. Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen dieser Methode kritisch zu beleuchten und ihre Bedeutung für die zeitgeschichtliche Forschung sowie die historische Wissensvermittlung herauszuarbeiten.
- Grundlagen und Definitionen der Oral History
- Die methodische Vorgehensweise bei Zeitzeugeninterviews
- Kritische Analyse des Quellenwerts mündlicher Überlieferungen
- Anwendungsmöglichkeiten in der Sozial- und Mikrogeschichte
- Forschungsethische Herausforderungen bei der Interviewpraxis
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Quellenwert mündlicher Erzählungen
Aus quellenkritischer Sicht stellt die Oral-History eine Besonderheit resp. ein Problem dar, denn das Interview ist Resultat einer kooperativen Anstrengung zwischen der Historikerin und dem Zeitzeugen. Die Historikerin wird dadurch selbst Teil der Quelle und quellenkritische Arbeit wird, im besten Fall, zur selbstkritischen Analyse. Yow benennt dieses Problem sehr direkt, indem sie darauf hinweist, dass es sich dabei gleichsam um die „Herstellung von Beweismaterial“ handelt.
“Social scientists, in general, are trained to view manufacturing the evidence as the worst thing one can do. They will permit evidence to be ‘massaged’ and ‘manipulated’, but not made up. In the sense that the evidence was not tangible in these words exactly until the interviewer recorded it, and that the evidence is the result of the interviewer's questioning, this is the making of evidence.”
Auf den Subjektivismus-Vorwurf an die Oral History Bezug nehmend nennt Alexander von Plato als gängige Urteile ihrer Kritiker: „Die Oral History dokumentiere … nicht nur eine ‚subjektive Sicht der Geschichte‘, sondern sei überdies eine modisch-kurzlebige Strömung, schaffe sich eigene, beliebig interpretierbare Quellen aus der Gegenwart über eine persönliche Vergangenheit, sei eher – wenn überhaupt – schöne Literatur als Wissenschaft.“
Auch vonseiten der Neurologie und Psychologie wird Kritik an der Vorgehensweise der Oral History geäußert, da das menschliche Erinnerungsvermögen defizitär, Erinnerungen daher unzuverlässig, vage oder gar falsch seien und mitnichten ein genaues Abbild vergangener Ereignisse darstellten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Oral History als geschichtswissenschaftliches Verfahren und ordnet sie in den wissenschaftlichen Methodenbestand ein.
2 Was heißt „Oral History“?: Dieses Kapitel widmet sich der Begriffsklärung sowie der historischen Herleitung der Methode, insbesondere ihrer Entwicklung in den USA.
3 Möglichkeiten und Grenzen der Oral History: Hier werden der quellenkritische Wert mündlicher Zeugnisse sowie die Stärken und Schwächen der Methode im Forschungsprozess analysiert.
4 Schluss: Das Kapitel reflektiert den Stellenwert der Oral History angesichts des Generationenwechsels und dem damit verbundenen Verlust von Zeitzeugen.
Schlüsselwörter
Oral History, Zeitzeugen, Geschichtswissenschaft, Mündliche Überlieferung, Erinnerungskultur, Quellenkritik, Interviewmethode, Subjektivität, Mikrogeschichte, Gedächtnisforschung, Zeitgeschichte, Narration, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Oral History als wissenschaftlicher Methode zur Erforschung von Geschichte durch Zeitzeugeninterviews.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definition der Methode, deren Entstehungsgeschichte, der Quellenwert von Erinnerungen sowie die forschungsethischen Aspekte bei Interviews.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Würdigung der Möglichkeiten und Grenzen der Oral History innerhalb der Geschichtswissenschaft.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und einer Auseinandersetzung mit der Fachliteratur zur Oral-History-Praxis und -Methodik.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die methodischen Standards von Interviews sowie die quellenkritische Auseinandersetzung mit dem Subjektivitätsvorwurf.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Oral History, Quellenkritik, Erinnerung und Zeitzeugenforschung beschreiben.
Warum wird die Oral History oft kritisiert?
Kritiker werfen der Methode vor, die Quellen selbst zu produzieren und aufgrund der Subjektivität sowie der Unzuverlässigkeit menschlicher Erinnerung nicht als wissenschaftlich verlässlich zu gelten.
Welche Rolle spielt das "floating gap" für die Methodik?
Das "floating gap" beschreibt die zunehmende Distanz zu zeitgeschichtlichen Ereignissen, bei der persönliche Erinnerungen in eine institutionalisierte Erinnerungskultur übergehen, was den Einsatz von Oral History dringlich macht.
Warum ist das Interview laut Autor eine "kooperative Anstrengung"?
Die Qualität des Interviews hängt stark von der Interaktion zwischen Historiker und Befragtem ab, wodurch der Interviewer aktiv am Entstehungsprozess der Quelle beteiligt ist.
Welche Bedeutung hat Oral History für den Geschichtsunterricht?
Sie ermöglicht Schülern eine authentische Begegnung mit Zeitzeugen und fördert das Interesse an historischer Forschung jenseits von Lehrbüchern.
- Arbeit zitieren
- Sascha Papke (Autor:in), 2010, Möglichkeiten und Grenzen der Oral History als geschichtswissenschaftliche Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152313