Altersarmut - Wie wohnen wir in Zukunft?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

37 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Demographischer Wandel – Die Pyramide wird zur Vase
2.1 Auswirkungen auf den Städtebau

3 Verdeckte Armut heute
3.1 Altersarmut und demographischer Wandel

4 Wohnungsmarkt
4.1 Wohnen im Alter – Ein Rückblick
4.2 Die allgemeine Wohnungsversorgung in Deutschland

5 Wohnformen im Alter
5.1 Wohnen im vertrauten Zuhause
5.1.1 Wohnberatung
5.2 Nachbarschaftshilfe
5.3 Betreutes Wohnen zu Hause
5.4 Leistungen der Pflegeversicherung
5.5 Teilstationäre Betreuung

6 Veränderung der Wohnsituation
6.1 Wohngemeinschaften
6.2 Hausgemeinschaften
6.3 Projekte zum gemeinschaftlichen Wohnen
6.4 Betreutes Wohnen
6.5 Altenwohnanlagen

7 Wohnen mit Rund-um Betreuung
7.1 Betreute Wohngemeinschaften
7.2 Betreute Hausgemeinschaften
7.3 Alten- und Pflegeheime

8 Ausblick: Quartiersbezogene Wohnkonzepte

9 Zukunftsplanung: Altersarmut und Wohnen in der Zukunft
9.1 Die „Neuen“ Alten

10 Altersarmut
10.1 Altersarmut und heutige Lebensbiographien
10.2 Altersarmut und Arbeitslosigkeit
10.3 Altersarmut und gesundheitliche Beeinträchtigung
10.4 Altersarmut und Frauen
10.5 Altersarmut durch Erwerbsbiographien

11 Schlussbetrachtung

12 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Übergänge im Laufe eines Lebens sind oft mit räumlichen Veränderungen gekoppelt, also etwa einem Wohnungswechsel, baulichen Maßnahmen in der Wohnung oder einer veränderten Nutzungsweise der verfügbaren Wohnfläche. Zudem gehören zu jeder Lebensphase zumindest teilweise eigene Wertvorstellungen, Lebensperspektiven und damit auch eigene Wohnwünsche. In diesem Sinne kann man sich jede Lebensphase vereinfacht auch als altersspezifische Nachfragesegmente mit je eigener Einkommens- und Vermögenssituation vorstellen. Jede Lebensphase hat ihren eigenen Wohnraumbedarf. Trotz einer Vielfalt von Lebensstilen und Lebensentwürfen kann man deshalb nach wie vor von einem engen Zusammenhang zwischen der demographischen Struktur einer Bevölkerung und der Nachfrage nach Wohnraum ausgehen. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der über 50-jährigen auf die Hälfte der Bevölkerung ansteigen und die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich in den nächsten 15 Jahren um die Hälfte erhöhen (vgl. Andritzky, 2004, S. 10).

Auch ältere und pflegebedürftige Menschen wollen in bestimmtem Rahmen ihr Leben selbst bestimmen, selbst organisieren und selbst gestalten. Die Qualität des selbstbestimmten Lebens im Alter wird damit entscheidend vom Wohnraum und Wohnumfeld des Menschen abhängig sein. Dabei stehen im Alter auch Dinge wie Preissicherheit, Kündigungsschutz, Leben im vertrauten Nachbarschaftsgefüge und verlässliche Unterstützung im Falle von Hilfsbedürftigkeit im Vordergrund.

Damit wird die Wohnfrage eine Schlüsselfrage für die Probleme sein, die sich aus der der alternden Gesellschaft ergeben. Diese Schlüsselfrage wird hauptsächlich eine Frage nach sinnvollen Wohnalternativen sein.

In unserer Arbeit möchten wir uns hauptsächlich mit diesen Wohnalternativen beschäftigen, die dem alternden Menschen ein sicheres, eigenständiges und selbstbestimmtes Wohnen ermöglichen. Dazu war nötig, die demographischen Entwicklungen zu skizzieren, den derzeitigen Stand des Wohnungsmarktes zu beleuchten und über die herkömmlichen Wohnformen im Alter aufzuklären. Weiterhin war zu untersuchen, welche Faktoren die Altersarmut beeinflussen, da diese in direkter Beziehung zum Wohnraum und speziell zur Qualität des Wohnraumes im Alter stehen.

Den Abschluss unserer Arbeit bildet ein Ausblick darauf, wie die Wohnsituation durch die vermehrte Altersarmut beeinflusst wird. Dazu sollen Lösungsansätze aufgezeigt werden, wie attraktives altersgerechtes Wohnen im Alter bezahlbar gemacht werden kann.

2 Demographischer Wandel – Die Pyramide wird zur Vase

In den Siebzigern gab es noch so viele Kinder, dass noch nicht mal genügend Pädagogen für die Klassen vorhanden waren. Da kam es schon mal vor, dass die Schüler schulfrei hatten, weil die Lehrerin krank war. Heute schließen Schulen, weil nicht genügend Kinder da sind (vgl. Lixenfeld, 2008, S. 20).

Immer mehr älteren Menschen stehen immer weniger jüngere gegenüber. Diesem Phänomen steht ein doppelter Alterungsprozess gegenüber: Die Alten werden immer älter und der Anteil der jüngeren Menschen sinkt durch schwache Geburtenraten. Damit werden die jungen Menschen zur demographischen Minderheit (vgl. Huber, 2008, S. 31).

An der Verteilung hat sich schon sehr früh etwas geändert. 1881 war der letzte Jahrgang, der sich mit der Zahl seiner Kinder selbst ersetzte. Danach war jeder Jahrgang in Deutschland zahlenmäßig kleiner als die Elternjahrgänge. Das hatte jedoch im Verlauf der Zeit nur leichte Auswirkungen. Einen deutlichen Knick gab es erst in den 60iger Jahren durch die Pille und den Anstieg der Lebenserwartung (vgl. Lixenfeld, 2008, S. 28). Auch die unsichere Arbeitsmarktsituation, die Karriere der Frau und natürlich auch die Entwicklung des Gesundheitswesens, sind ausschlaggebende Faktoren für die Geburtenabnahme und für die Abnahme der Sterberate. Damit sind wir bei dem doppelten Alterungsprozess unserer Gesellschaft. Bereits in den kommenden zwei Jahrzehnten werden die Auswirkungen spürbar sein, sagen Experten voraus. Die Sozialsysteme werden enorme Belastungen tragen müssen. Es wird in vielen Berufszweigen an Nachwuchskräften mangeln. Die regionalen Unterschiede werden sich verstärken - es wird "Schwundregionen" und "Wachstumsinseln" geben.

2.1 Auswirkungen auf den Städtebau

Demographische Entwicklungen haben immer auch Auswirkungen auf den Städtebau. Deshalb müssen sich Planer beispielsweise mit Geburtenrückgang und sinkender Alterssterblichkeit auseinandersetzen. Prognosen, welche Folgen der Demographische Wandel in 50 Jahren hat, lassen sich nur schwer treffen, da immer wieder auch unvorhergesehene Entwicklungen auftreten können. Doch Fakt ist, dass unsere Bevölkerung immer älter wird und der Städtebau auch darauf reagieren muss (vgl. Andritzky, 2004, S. 18).

Die Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs für die deutschen Städte sind beträchtlich. Nicht nur in heute schon stagnierenden Städten, auch in zurzeit noch wachsenden Städten und Regionen wird mittel- bis langfristig ein quantitativer Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen sein. Dies hat Stadtschrumpfungen zur Folge. Und Stadtschrumpfungen verursachen hohe Kosten durch Umbau- und Rückbaumaßnahmen(vgl. ebenda, S.25).

Fast 80 % aller Pflege- und Versorgungsleistungen für ältere Menschen werden im Moment noch von der Familie aufgefangen. Das bedeutet auch, dass ein Großteil der alten Menschen mit Ihren Kindern beispielsweise im Eigenheim unter einem Dach wohnt. Dadurch wird Pflege und Betreuung vereinfacht. Allerdings wird in Zukunft durch den emanzipatorischen Fortschritt der traditionelle Familienverband aufgelöst.

Die wachsende Zahl von älteren alleinstehenden Menschen wird vor allem in Zukunft zu einem steigenden Bedarf an altersgerechten, weitgehend barrierefreien Wohnungen führen. Das bestehende Wohn- und Versorgungsangebot ist diesen veränderten Anforderungen in vielen Bereichen nicht gewachsen und muss entsprechend angepasst werden. Zum einen müssen bei Neubaumaßnahmen die Anforderungen an eine barrierefreie Gestaltung berücksichtigt werden. Bedeutsamer ist aber zum anderen, dass bestehende Wohnungen durch individuelle und strukturelle Anpassungsmaßnahmen an diese veränderten Anforderungen angepasst werden.

Daneben wachsen auch Anforderungen an die Wohnungsversorgung, die über die Bereitstellung alterstauglicher Wohnungen herausgehen. Neben einem barrierefreien Wohnumfeld, der Bereitstellung wohnortnaher Infrastruktur, der Integration von sozialen Angeboten wie Nachbarschaftstreffs oder häuslicher Pflege müssen Wohnungsanbieter zusammen mit anderen wichtigen Akteuren, wie zum Beispiel Kommunen und Wohlfahrtsverbänden, dazu beitragen, dass das soziale Zusammenleben unter und zwischen den Generationen gestärkt wird. Darüber hinaus muss sich das Wohnungsangebot auch für neue Wohnformen öffnen, wie etwa das selbstständige gemeinschaftliche Wohnen oder auch gruppenorientierte Wohnformen für Pflegebedürftige. In diesem Zusammenhang spielen städtebauliche Maßnahmen eine zentrale Rolle und haben die Aufgabe, den derzeitigen Bestand und den aktuellen sowie zukünftigen Bedarf an altersgerechten Wohnangeboten zu quantifizieren.

3 Verdeckte Armut heute

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein entsprach die Formel "alt gleich arm" weitestgehend der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Vor allem für Angehörige unterer Einkommensgruppen, bei denen die verfügbare Körperkraft über das Einkommen entschied, war Armut eine meist unumgängliche Begleiterscheinung des Alters. Die Altersarmut reduzierte sich dadurch, dass die Armen oft starben, bevor sie ein höheres Alter erreichten. Die Einführung der Rentenversicherung und die individuelle Absicherung von Einzelfällen seit den 60er Jahren durch das Bundessozialhilfegesetz führten zu einer generellen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage älterer Menschen (vgl. Steffen, 2008, S.1).

Trotzdem lag das Armutsrisiko der älteren Bevölkerung bis in die 80er Jahre über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. 2003 erreicht die Altersarmut nach offiziellen Zahlen einen Tiefststand. Eine Grundsicherung für ältere Menschen nach dem Grundsicherungsgesetz (GSiG) schafft seit 2003 zusätzlich Entlastung. Trotzdem wird sich die künftige Einkommenslage der Älteren auf Grund ökonomischer und politischer Entwicklungen deutlich von der jetzigen Lage unterscheiden. Diese Veränderung wird alle Bereiche umfassen, d.h. sowohl das Niveau und die Verteilung des Einkommens sowie die Struktur der Einkommen nach Einkunftsarten. Im Klartext heißt das: Die „Alten“ von morgen werden ärmer sein, als die „Alten“ von heute (vgl. 5. Altenbericht, 202).

Auch heute schon ist verschämte Altersarmut weit verbreitet. Bereits 1993 hat die Armutsuntersuchung des DCV nachgewiesen, dass die Quote der verdeckten Armut bei älteren Menschen bei 50 % lag. Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung verzichteten bis Ende 2004 etwa 1,8 bis 2,8 Mio. Anspruchsberechtigte auf staatliche Leistungen (BSHG - Hilfe zum Lebensunterhalt). Alleinstehende Frauen über 60 melden ihre Ansprüche auf staatliche Unterstützung selten an, vermutlich, um nicht als "Schmarotzer" zu gelten. Hauptursache für den Verzicht auf gesetzliche Ansprüche sind Fehlinformationen und Angst vor Stigmatisierung. Auch mit Einführung der Hartz-Gesetze hat sich diese Zahl nicht deutlich reduziert. Verdeckt arme ältere Menschen tauchen häufiger in Beratungsdiensten der Caritas auf oder nehmen vermehrt anonym Suppenküchen, Tafelläden, Kleiderkammern oder Sozialkaufhäuser in Anspruch.

Bei der Charakterisierung von Altersarmut spielt das zur Verfügung stehende Einkommen selbstverständlich eine große Rolle. Wo Geld knapp ist, wirkt sich dies auf andere Lebensbereiche entscheidend aus wie z. B. Wohnen, Gesundheit bzw. gesundheitliche Versorgung, soziale Einbindung und nicht angemessene Teilhabe an gemeinschaftlichen Lebensvollzügen. Wer im Alter über wenig Geld verfügt, bewohnt meist auch die schlechtere Wohnung, ist kränker und sozial isolierter. Soziale Kontakte mit Freunden, Besuche bei Kindern, Theater oder Freizeitaktivitäten entscheiden sich bei einkommensarmen älteren Menschen nicht über psychosoziale Bedürfnisse oder Notwendigkeiten, sondern werden eher über den Geldbeutel geregelt. Mit einem entsprechenden Einkommen fällt es leichter, bei medizinischen Leistungen zuzuzahlen, notwendige Chefarztbehandlungen zu bezahlen oder medizinische Therapie- und Prophylaxemaßnahmen durchzuführen. Für die Betroffenen bedeutet Armut Ausgrenzung, eine Verringerung von Lebensqualität sowie existenzielle Unsicherheiten, obwohl man sich gerade für diesen Lebensabschnitt etwas anderes erhofft hatte.

Altersarmut wird häufig begleitet von Versagen und Gefühlen der Demütigung, das Selbstwertgefühl sinkt, der Glaube daran, sich aus eigener Kraft aus der schwierigen Situation zu befreien, wird geringer. Auch nimmt das Vertrauen in die Umwelt und gegenüber anderen Menschen eher ab. Charakteristisch hierbei ist, dass betroffene Menschen versuchen, ihre schwierige Lage so lange wie möglich vor anderen zu verbergen, und sich häufig zurückziehen.

Durch geringere Beschäftigungszeiten, Teilzeitbeschäftigungen, Minijobs, den Ausbau des Niedriglohnsektors, durch den Abbau von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, Betriebsmodernisierung mit weniger Beschäftigten, Verlagerung von Produktionsstätten in Billiglohnländer u. Ä. ist es in den vergangenen Jahrzehnten zu einer faktischen Neubewertung von Normalarbeitsverhältnissen gekommen. Zwischenzeitlich wurde die Erwerbsarbeitszeit nach dem SGB II zwischen 15 und 65 Jahren festgelegt und das Rentenalter auf 67 Jahre hochgesetzt. Am Arbeitsmarkt kristallisieren sich Praktiken heraus, die ältere Arbeitnehmer aus Kostengründen freisetzen, dass über 50-Jährige realistisch wenig Chancen auf normale Erwerbsarbeit haben und jeder Beschäftigungswechsel Einkommenseinbußen nach sich zieht. Die Konsequenzen: Wer wegen Arbeitslosigkeit früher in Rente geht, muss Abschläge von 3,6 Prozent pro Jahr hinnehmen. 2003 betraf das mit 300 000 Menschen ein Drittel aller Neurentner, und die Zahl steigt kontinuierlich. Damit verzichten die Betroffenen im Durchschnitt auf 10 % ihrer Altersrente - bis zum Lebensende (vgl. Steffen, 2008, S. 2 ff).

Damit ist weitere Altersarmut vorprogrammiert. Die Gesellschaft besitzt offenkundig Gerechtigkeitslücken, wenn vielen älteren Menschen im Rentenalter kein angemessenes Einkommen zur Verfügung steht und sie zukünftig mehr als früher auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind. Diese Krise wird zur Krise der Sozialpolitik, die immer mehr den sozialen Aspekt zum Schutze schwächerer Bürger(innen) vernachlässigt hat. Denn die Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung sind nach wie vor auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse von vor 40 Jahren zugeschnitten, begünstigen den (männlichen) vollbeschäftigten Arbeitnehmer und lassen die Entwicklung am Arbeits- und Sozialmarkt seit den 70er Jahren unberücksichtigt. Die sozialstaatlichen Instrumente bedürfen angesichts steigender Zahlen von Leistungsbeziehern und angesichts niedriger Beitrags- und Steuereinnahmen einer grundsätzlichen Neuorientierung (vgl. ebenda, S. 6).

3.1 Altersarmut und demographischer Wandel

Vor diesem Hintergrund besteht ein Zusammenhang zwischen Altersarmut und demographischem Wandel. Der demographische Wandel und die damit verbundene Zunahme älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung stellt die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. In vielen Regionen wird aufgrund des allgemeinen Bevölkerungsrückgangs langfristig ein deutlicher Abbau von Infrastrukturen, z.B. im Bereich der gesundheitlichen Versorgung, der Freizeitaktivitäten, Einkaufsmöglichkeiten und des öffentlichen Nahverkehrs, erfolgen. Viele ältere Menschen – vor allem in ländlichen Regionen – sind hiervon aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität in besonderem Maße betroffen. Gleichzeitig werden durch zunehmende Kinderlosigkeit oder eine große räumliche Entfernung zu den Angehörigen in Zukunft weniger familiale Netzwerke zur Verfügung stehen, die im Alltag Unterstützung leisten können. Die Inanspruchnahme professioneller Dienstleistungen dagegen ist teuer und für viele Betroffene schwer zu organisieren. Dies wirkt sich auch auf Möglichkeiten der sozialen Teilhabe aus.

Wer nicht rechtzeitig privat vorgesorgt hat, wird durch das Sinken des gesetzlichen Rentenniveaus besonders im Pflegefall Schwierigkeiten haben, entsprechende Bedarfe zu decken. Vor allem die zunehmende Zahl an Menschen mit Brüchen in ihrer Erwerbsbiographie hat für eine private Vorsorge häufig kaum Gelegenheit gehabt und trägt daher in Zukunft ein besonderes Armutsrisiko. Doch auch heute besteht bereits eine nicht hinreichend beachtete Heterogenität der Einkommen – bezüglich der Höhe wie auch der Struktur. Es existieren Unterschiede zwischen Frauen und Männern und zwischen Ost- und Westdeutschland. Je nach Altersgruppe fällt dabei eine nicht geringe Quote unter die Armutsschwelle. Diese liegt nach Angaben des 2. Armuts- und Reichtumsberichts für Gesamtdeutschland bei 870,- Euro pro Monat (vgl. 2. Armuts- und Reichtumsbericht, 2005, S. 70).

Gegenwärtig sind die Armutsrisikoquoten der „alten“ Einpersonenhaushalte weit überdurchschnittlich hoch. Hier sind insbesondere alleinlebende, hochaltrige Frauen betroffen, was eng mit der Erwerbsbiographie und sonstigen Versorgungsleistungen von Frauen der entsprechenden Generationen zusammenhängt. Die Armut in dieser Bevölkerungsgruppe ist durchschnittlich doppelt so hoch wie die der Gesamtbevölkerung. Auch die regionalen Unterschiede – vor allem zwischen West und Ost – werden noch längere Zeit überdauern. Liegt ein Migrationshintergrund vor, dann gilt auch für die ältere Generation, dass sie stärker von Armut betroffen ist als vergleichbare Gruppen ohne Migrationshintergrund. Auch hier ist das Armutsrisiko bei alleinstehenden Frauen besonders hoch (vgl. 5. Altenbericht, S. 420).

4 Wohnungsmarkt

Das Aufeinandertreffen von sinkenden Alterseinkommen und steigenden Wohnkosten bedroht die wirtschaftliche Existenz der kommenden Rentnergeneration teilweise dramatisch. Die Miete für seniorengerecht gestaltete Wohnungen können die meisten dieser Haushalte nicht aufbringen. Sollte mit der Bereitstellung altersgerechter Wohnungen die Erhöhung der ambulanten Versorgung gelingen, ergibt sich laut Pestel Institut ein gesamtwirtschaftlicher Einspareffekt von bis zu 2,9 Milliarden Euro.

Doch welchem Anspruch müssen altersgerechte Wohnungen in zwanzig bis dreißig Jahren gerecht werden. Schon heute unterscheiden sich die Alten der Nachkriegsgeneration von den heutigen Senioren in puncto Werthaltungen, Lebensführung und Lebensstil (vgl. Poddig, 2006, S. 211).

4.1 Wohnen im Alter – Ein Rückblick

Immer wieder hört man bei sogenannten „Stammtischgesprächen“ Leute schwärmen, mit wie viel Respekt und Umsorge der alte Mensch in der Familie damals altern durfte. Aber das bleibt ein Mythos, wenn auch ein hartnäckiger Mythos. Sicherlich gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den ländlichen Regionen, beeinflusst durch die gestiegene Lebenserwartung, Familien, die mit drei Generationen unter einem Dach lebten. In früheren Epochen bestanden jedoch die Haushalte nur aus 2 Generationen. Die geringe Lebenserwartung begrenzte ein längeres Zusammenleben der Generationen (vgl. Krämer, 2004, S. 15).

[...]

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Altersarmut - Wie wohnen wir in Zukunft?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Autor
Jahr
2010
Seiten
37
Katalognummer
V152369
ISBN (eBook)
9783640643295
ISBN (Buch)
9783640644056
Dateigröße
753 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altersarmut, Zukunft
Arbeit zitieren
Tobias Isenhuth (Autor), 2010, Altersarmut - Wie wohnen wir in Zukunft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152369

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