Gewalt im schulischen Kontext


Zwischenprüfungsarbeit, 2009

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsklärungen
2.1 Aggression
2.2 Gewaltdimensionen
2.2.1 Physische Gewalt
2.2.2 Psychische Gewalt

3 Gewalt im schulischen Kontext
3.1 Geschlechtsspezifisches Aggressionspotential
3.2 Herkunft und Sozialisation
3.3 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund.
3.4 Alterstypische Besonderheiten
3.5 Die Peergroup

4 Das Opfer

5 Der Einfluss von Schule auf das Aggressionsverhalten der Schüler
5.1 Schul- und Klassengröße.
5.2 Schulform
5.3 Lehrerverhalten

6 Schulgewalt in der Öffentlichkeit

7 Präventions- und Interventionsmaßnahmen
7.1 Konzeptionelle Rahmenbedingungen.
7.1.1 Identifikation mit der Institution Schule.
7.1.2 Kooperationspartner
7.2 Konfrontative Pädagogik
7.2.1 Konfrontatives Soziales Training (KST)
7.2.2 Coolness – Training (CT)

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Überall im Alltag begegnet uns Gewalt in seinen typischen Erscheinungsformen. Auch und gerade in der Schule ist dies ein wichtiges Thema, auf das weiterhin aufmerksam gemacht werden muss. Im ersten Teil meiner Arbeit habe ich mich mit den Begriffsklärungen beschäftigt. Das war nötig, um eine genauere Differenzierung vornehmen zu können.

Weiterhin wurde die Gewalt im schulischen Kontext untersucht und aufgezeigt, welche Bedeutung Geschlecht, Alter und Sozialisation auf das Gewaltverhalten haben.

Aber nicht nur die Aggressionspotentiale der ausführenden Kinder und Jugendlichen sollen in dieser Arbeit beleuchtet werden sondern auch die Opferrolle mit ihren typischen Merkmalen. Denn in der Vergangenheit ist deutlich geworden, dass bestimmte Auffälligkeiten einen bevorzugten Reiz für gewaltbereites Handeln darstellen. Schlussendlich sollen einige Lösungsvorschläge oder Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie gewalttätige und aggressive Handlungen vermindert werden können und welche Kooperationen dabei unterstützend einwirken.

2 Begriffsklärungen

Um das Thema sinnvoll bearbeiten zu können, sind zunächst einige Begriffsklärungen notwendig. Denn oft werden Begriffe wie Gewalt und Aggressivität gleichbedeutend verwendet. Dies trifft nicht uneingeschränkt zu, denn auch hier gibt es wichtige Unterschiede. Im Folgenden sollen nun diese Unterschiede deutlich gemacht und auf die verschiedenen Gewaltdimensionen eingegangen werden.

2.1 Aggression

Für den Begriff Aggression gibt es in der Literatur viele Definitionsvorschläge. Besonders geeignet sind meiner Meinung nach die Definitionen des Brockhaus Multimedial 2003, weil er den Begriff aus drei verschiedenen Sichtweisen beleuchtet:

1. Allgemeine Definition

„Unter Aggression versteht man ein Angriffsverhalten (körperlich oder sprachlich) gegenüber Sachen oder Lebewesen.“ (Brockhaus Multimedial 2003)

2. Psychologische Definition

„Aggression, [lateinisch] die, Psychologie: affektbedingtes Angriffsverhalten, zum Teil (Psychoanalyse, Verhaltensforschung) auf einen angeborenen Aggressionstrieb (Aggressivität), zum Teil auf Versagungen (Frustrationen) oder auch auf milieubedingte Verhaltensprägungen zurückgeführt […]“ (ebenda).

3. Völkerrechtliche Definition

„Aggression, ein manifestes Verhalten, dessen Ziel die körperliche oder bloß symbolische Schädigung oder Verletzung einer anderen Person, eines Tiers oder auch einer Sache ist […]“ (ebenda).

Obwohl noch keine allgemeingültige Definition für Aggression gefunden wurde, ist es für alle Autoren wichtig herauszustellen, dass Aggressionen schädigende Handlungen und Verhaltensweisen sind, die von einzelnen Personen ausgehen.

2.2 Gewaltdimensionen

Auch bei der Auseinandersetzung mit dem Gewaltbegriff gibt es zwischen den wissenschaftlichen Fachrichtungen kein allgemeines Verständnis des Begriffes. Eine für mich jedoch treffende und dem Thema der Arbeit dienende Definition, ist die des Wörterbuches für Pädagogik:

„[…] In den Verhaltenswissenschaften wird Gewalt zumeist in Anlehnung an den Aggres-sionsbegriff definiert, wobei als Besonderheit von Gewalt die Anwendung von Zwang angesehen wird, durch den anderen Menschen vorsätzlich Schaden zugefügt oder Sachen zerstört werden sollen. Gewalt wird darüber hinaus im gesellschaftlichen und politischen Bereich als legitimes Zwangsmittel zur Sicherung von Recht und Ordnung (lat. potestas = Amtsgewalt), aber auch als unrechtmäßiges Mittel zur Durchsetzung von Herrschaft gegen den Willen der Opfer (lat. violentia = Gewalttätigkeit, Unterwerfung, Terror) verstanden. Auf die Vielgestaltigkeit der Gewalt verweisen Attribute wie direkte oder indirekte, offene oder versteckte, personale, institutionelle oder strukturelle Gewalt […]“ (Schaub u.a. 2007, S. 229).

Im Folgenden werden nun die unterschiedlichen Gewaltformen näher erläutert, wobei insbesondere Intention und Ausmaß von Gewalt berücksichtigt sind.

2.2.1 Physische Gewalt

Körperliche Gewalt ist definiert, ,, […] als die intentionale Ausübung physischer Stärke durch Menschen, die sich unmittelbar oder mittelbar gegen andere Mitglieder der Gesellschaft richtet, sowie die ernsthafte Androhung eines solchen physischen Krafteinsatzes, die sich auf den Rahmen einer sozialen Interaktion beschränkt “ (Holtappels u.a. 2006, S.158).

Wie auch schon in der Definition deutlich geworden, unterscheidet man zusätzlich noch zwischen mittelbarer und unmittelbarer Gewalt. Unmittelbare Gewalt richtet sich immer direkt gegen den Körper anderer Personen. Mittelbare Gewalt dagegen spricht vom Einsetzen physischer Stärke gegen Sachen, die sich anderen Gesellschaftsmitgliedern oder sozialen Einheiten bzw. Organisationen zuordnen lassen (vgl. ebenda, S.158).

Es wird weiterhin deutlich gemacht, dass in obengenannter Definition nur solche Handlungen als physische Gewalt bezeichnet werden, die aufgrund einer Intention erfolgen. Zerstörungen oder Verletzungen, die vom „Täter“ nicht gewollt wurden, zählen nicht zu physischer Gewalt (vgl. ebenda, S.158).

2.2.2 Psychische Gewalt

Die psychische Gewalt wird meist „Mobbing“ genannt. Trotz des Wortursprungs, der das Wirken mehrerer Personen impliziert, ist eine allgemeine Verwendung auch beim Schädigen von einer Person gegen eine andere Person mit psychischen Mitteln anerkannt (vgl. Gallschütz u.a. 1996, S.38). Mobbing bedeutet „die Schädigung und Verletzung eines oder mehrerer Menschen durch Abwendung, Ablehnung, Entzug von Vertrauen, Entmutigung und Erpressung“ (Bründel u.a. 2007, S.19). Diese Form der Gewalt ist also normalerweise subtiler als die körperliche Art. Mobbing kann sowohl das Verbreiten von Unwahrheiten zur Schädigung anderer Menschen bedeuten, als auch das Belegen mit beleidigenden Spitznahmen. Psychische Gewaltausübung hat das Ziel, sich selbst besser dastehen zu lassen durch das gezielte Ausgrenzen und/oder das Lächerlichmachen des „Gemobbten“ (vgl. Struck 2001, S.14). Als Ausgangslage für psychische Gewalt können etliche Merkmale dienen. Körperliche Unzulänglichkeiten, Geschlecht, Herkunft oder sonstige Gründe können Auslöser sein, die den Gewalttäter aktiv werden lassen. Wichtig zu erwähnen ist, dass durch die perfide Art des „Mobbings“ - ein rechtzeitiges Erkennen oftmals schwierig ist. Während physische Auseinandersetzungen eher stark im Fokus stehen, kann psychische Gewalt über einen langen Zeitraum unbemerkt bleiben.

3 Gewalt im schulischen Kontext

Schule ist ein wichtiger Bereich des Kindes, in dem es soziale Kontakte und Erziehung erfährt. Auch Schule kann aggressive Muster hervorbringen oder verstärken. Da Schüler heutzutage einen, im Vergleich zu früheren Generationen, langen Zeitraum in der Schule verbleiben, ist die Schule als soziale Stätte heute noch wichtiger als damals (vgl. Bründel u.a. 2007, S. 104).

Das Leistungsdenken an Schulen wird häufig auch als Gewalt empfunden und setzt die Schüler unter Druck. Noten, Zeugnisse, erbrachte Standards werden hochgeschätzt und sind ausschlaggebend für die Beurteilung eines Schülers. Andere Bereiche, wie Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft etc. fallen aus diesem Raster heraus. Dem Heranwachsenden wird auf diese Weise vermittelt, dass die erbrachten Schulleistungen entscheidend sind, um Zugang zu Einfluss, Macht und Einkommen zu erhalten. Werden nun aber diese Forderungen nicht erfüllt, kann sich beim frustrierten Schüler ein aggressives Potenzial bilden (vgl. ebenda, S.105). Oftmals empfindet er die Schule, bzw. die Lehrer als deren Repräsentanten, als herrisch und ungerecht, als Zwang von oben, ohne Aussichten auf Erfolg. Die vorgegebenen Denkmuster und Interpretationen, der aufgegebene Zeitrahmen, das permanente Abverlangen von Leistungen - all diese Dinge können im Schüler/ in der Schülerin Frust erzeugen, der leicht zur Aggression werden kann (vgl. Gallschütz u.a. 1996, S. 32).

Dieses leistungsorientierte Denkschema kann auch dazu führen, dass zum „Lernen am Erfolg“ (Permissivität) in einer ungünstigen Ausprägung führt. Kommt zu diesem, sicherlich nicht nur schulisch sondern auch familiär bzw. gesellschaftlichen eingeforderten, „Erfolgszwang“ das Erleben, dass aggressives bis gewalttätiges Verhalten dem Einzelnen durchaus persönliche Vorteile verschaffen kann, so bestätigt es das Kind. Solch ein sich aus der Erziehung zur Leistung entwickelndes Muster lässt sich vor allem auf Pausenhöfen oder auf dem Schulweg beobachten (vgl. Bäuerle u.a. 1999, S.49 f).

Schulen sind ein Sammelbecken von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster Erziehung, Herkunft, sowohl auf der sozialen wie auch der nationalen oder kulturellen Ebene, und verschiedensten Alters. Aber auch die Geschlechtsunterschiede spielen hier eine Rolle. Darauf soll nun im Folgenden eingegangen werden.

3.1 Geschlechtsspezifisches Aggressionspotential

Hier lässt sich eine scheinbar eindeutige Aussage treffen: Jungen sind gewalttätiger als Mädchen. Die meisten Untersuchungen beziehen sich jedoch vorwiegend auf physische Gewalt (vgl. Olweus 2006, S.30f). Oft kommt es vor, dass Mädchen auf raffinierte Art Gewalt ausüben, z.B. auf psychischem Wege (vgl. Nolting 2007, S.150ff). Dazu gehört das bereits erwähnte „Mobbing“, in spezieller Form die Isolation oder die Entwertung anderer Personen. Nur lässt sich diese Gewaltform schwieriger eruieren. Das Gewaltpotential ist deshalb bei Mädchen nicht geringer als bei Jungen.

Doch woher kommt das unterschiedliche Geschlechterverhalten, dass sich ja auch besonders im Schulleben manifestiert? Warum die Jungen offensichtlich physisch gewaltbereiter sind als Mädchen, ist in verschiedenen Hypothesen zum Ausdruck gebracht worden. Die Hormonhypothese beispielsweise, führt aggressives Verhalten auf das männliche Geschlechtshormon Testosteron zurück (vgl. ebenda, S.152). Auch die unterschiedliche Hirnstruktur von Jungen und Mädchen ist als Grund angeführt worden. Eine weitere Hypothese ist die Evolutionshypothese. Hier wird die Ur-Intention des Mannes, möglichst sein genetisches Material zu verbreiten, aufgegriffen. Gesteigerte Aggression verschaffte den Männern in der Konkurrenz zu ihren Artgenossen höhere Chancen die ideale Frau bzw. möglichst viele Frauen zu bekommen. Dieses Verhalten hat sich nach dieser Hypothese evolutionär verfestigt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Gewalt im schulischen Kontext
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V152371
ISBN (eBook)
9783640643301
ISBN (Buch)
9783640644070
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Kontext
Arbeit zitieren
Tobias Isenhuth (Autor), 2009, Gewalt im schulischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152371

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