Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung der klassischen utilitaristischen Ethik von Jeremy Bentham durch John Stuart Mill. Die Schriften Benthams hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die moralphilosophischen Debatten seiner Zeit. Anstatt die Grundlage der Moral in besonderen intrinsischen Eigenschaften der Handlung oder der Motivation zu suchen, macht er die Folgen einer Handlung zu den Faktoren, die bestimmen, ob eine Handlung moralisch legitim oder illegitim erscheint. Wenn eine Handlung verspricht, das Glück derjenigen, die von ihr betroffen sind, zu erhöhen, spricht das nach Bentham für die moralische Güte dieser Handlung. Er betrachtete das Glück, als das im Handeln zu erstrebende Gut, aber als einen rein quantitativen Betrag. John Stuart Mill baute diese Theorie weiter aus, indem er forderte, dass die qualitativen Aspekte des menschlichen Glücksempfindens mit in die moralische Beurteilung einfließen müssen. Im Verlauf der Arbeit soll diese Weiterentwicklung der Theorie Benthams durch Mill dargestellt und an einigen Punkten kritisiert werden.
Zu Beginn der Arbeit wird die Theorie Benthams und sein Verfahren der ethischen Reflexion gemäß dem Nutzenkalkül vorgestellt. Anschließend wird im Zusammenhang mit der an Bentham geäußerten Kritik erklärt, an welchem Punkt Mill ansetzt, um dessen Theorie weiterzuentwickeln, und welche Aspekte der ethischen Theorie diese Weiterentwicklung umfasst. Abschließend wird diese Weiterentwicklung selbst wiederum zum Gegenstand der Kritik gemacht, indem gefragt wird, inwieweit die Theorie Mills in der Praxis tatsächlich Anwendung finden kann, und inwiefern sie möglicherweise hinter den Ansprüchen des klassischen Utilitarismus zurückbleibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Der bentham’sche Utilitarismus
2.1.1 Kritik gegenläufiger Prinzipien
2.1.2 Bentham’s Nutzenkalkül
2.2 Der Utilitarismus von John Stuart Mill
2.2.1 Qualitativer versus quantitativer Utilitarismus
2.2.2 Mills Fehlschlüsse
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Weiterentwicklung der klassischen utilitaristischen Ethik von Jeremy Bentham durch John Stuart Mill. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie durch die Einbeziehung qualitativer Aspekte des menschlichen Glücksempfindens die ursprüngliche Theorie Benthams verfeinert wird und mit welchen kritischen Herausforderungen sich diese Modifikation konfrontiert sieht.
- Grundlagen des klassischen Utilitarismus nach Jeremy Bentham
- Methodik des Nutzenkalküls und dessen Kritik
- Transformation zum qualitativen Utilitarismus durch John Stuart Mill
- Kritische Analyse von Mills Argumentation und dessen logischen Schlussfolgerungen
- Untersuchung der praktischen Anwendbarkeit und theoretischen Konsistenz beider Ansätze
Auszug aus dem Buch
Qualitativer versus quantitativer Utilitarismus
Dem klassischen Utilitarismus Benthams wurde wiederholt der Vorwurf gemacht, für einen rein quantitativen Hedonismus zu plädieren. Einem so verstandenen Hedonismus zufolge hängt die moralische Qualität einer Handlung allein davon ab, ein wie großes Quantum eines in sich völlig undifferenzierten Lustgefühls durch sie hervorgebracht wird. Ein solcher Hedonismus macht beispielsweise keinen Unterschied zwischen der Lust, die durch das Essen einer Tafel Schokolade, und der Lust, die empfunden wird, wenn man eine schöne Melodie vernimmt. Die Wertigkeit einer Sache liegt damit nicht in ihr selbst, sondern in ihrer Relation zu dem Lustempfinden eines ganz bestimmten Individuums an einem ganz bestimmten Punkt in der Raumzeit. Wenn jemand am Verzehr einer Schokolade genau die gleiche Menge an Lust empfindet wie an dem Vernehmen einer schönen Melodie, dann sind die beiden Erlebnisse auch hinsichtlich ihrer ethischen Güte gleichwertig. Mill wendet sich gegen ein solches eindimensionales Verständnis des utilitaristischen Lustbegriffes. Sein Vorgehen hierbei orientiert sich einem bestimmten Verständnis der menschlichen Natur, welches ihm als Leitbegriff dient.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die utilitaristische Tradition ein und skizziert das Vorhaben, Benthams quantitative Theorie durch Mills qualitative Erweiterung kritisch aufzuarbeiten.
Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert zunächst Benthams Nutzenkalkül als objektives, aber kritisierbares Verfahren, stellt dann Mills qualitativen Ansatz gegenüber und hinterfragt schließlich die logische Fundierung von Mills Thesen.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Mill den Utilitarismus zwar vor einer rein animalischen Reduktion bewahrt, jedoch durch die Hierarchisierung von Lüsten neue Probleme hinsichtlich der praktischen Anwendung und theoretischen Präzision schafft.
Schlüsselwörter
Utilitarismus, Jeremy Bentham, John Stuart Mill, Nutzenkalkül, Konsequentialismus, Glücksmaximierung, Qualitativer Utilitarismus, Quantitativer Utilitarismus, Hedonismus, Moralphilosophie, Ethik, Handlungsutilitarismus, Normen, Lustempfinden, Menschliche Natur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des Utilitarismus vom quantitativen Ansatz Jeremy Benthams hin zum qualitativen Utilitarismus John Stuart Mills.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die moralische Bewertung von Handlungen anhand von Folgen, der Nutzenkalkül, die Hierarchisierung von Lustempfindungen und die kritische Würdigung beider Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung der theoretischen Weiterentwicklung durch Mill sowie die kritische Reflexion darüber, ob Mills Modifikationen die Konsistenz des Utilitarismus stärken oder schwächen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textanalytischen und philosophisch-kritischen Untersuchung der Primärquellen von Bentham und Mill unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Benthams Nutzenkalkül, die Einführung von Mills Qualitätsansatz sowie eine vertiefte Auseinandersetzung mit den logischen Schwachstellen („Fehlschlüssen“) in Mills Argumentation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Utilitarismus, Glücksmaximierung, Konsequentialismus, qualitativer vs. quantitativer Hedonismus und die menschliche Befähigung zur differenzierten Lustbewertung.
Warum lehnt Bentham das Prinzip von „Zuneigung und Abneigung“ ab?
Bentham sieht darin ein subjektivistisches Prinzip, das moralische Urteile von individuellen Neigungen abhängig macht und somit keinen objektiven Orientierungsrahmen bietet.
Was genau kritisiert Mill an der „intuitiven Schule“?
Mill kritisiert, dass intuitive Ansätze moralische Gesetze als a priori gegeben betrachten, ohne eine hinreichend empirische oder praktisch handelbare Leitlinie für die jeweilige Situation anzubieten.
Inwiefern ist das „Nutzenkalkül“ laut dem Autor problematisch?
Es ist schwierig, die Wünsche und Interessen aller Betroffenen exakt zu bestimmen und eine rein quantitative Abwägung von Lust und Unlust in der Praxis in vollem Umfang durchzuführen.
Was ist der Kern von Mills „Fehlschluss“ bezüglich des Erstrebenswerten?
Mill setzt „was Menschen tatsächlich erstreben“ (Faktum) zu schnell mit „was erstrebenswert ist“ (Norm) gleich, womit er einen logisch nicht zwingenden Übergang von einer deskriptiven zu einer normativen Ebene vollzieht.
- Arbeit zitieren
- Julian Eberle (Autor:in), 2022, Die Weiterentwicklung der utilitaristischen Ethik Jeremy Benthams durch John Stuart Mill, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1523962