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Resonanz und soziale Gerechtigkeit im Musikunterricht. Hartmut Rosas Theorie und Augusto Boals Theater der Unterdrückten als Ansatz für benachteiligte Schüler:innen

Title: Resonanz und soziale Gerechtigkeit im Musikunterricht. Hartmut Rosas Theorie und Augusto Boals Theater der Unterdrückten als Ansatz für benachteiligte Schüler:innen

Examination Thesis , 2022 , 82 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Felix Metz (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit beschäftigt sich bildungstheoretisch mit der Resonanztheorie nach Hartmut Rosa. Auf dieser Grundlage entwickelt sie mit einer Zusammenführung von Gedanken der Pädagogik der Unterdrückten nach Paulo Freire und konzeptionellen Ansätzen aus dem Theater der Unterdrückten nach Augusto Boal Ideen für einen resonanzförderlichen Musikunterricht. Die Arbeit konzentriert sich auf das Feld soziale Benachteiligung im Kontext Schule und Förderschule und hat den sonderpädagogischen Blickwinkel des Schwerpunkts Lernbeeinträchtigungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitungsgeschichte

2 Soziologische Implikationen des bildungsbürgerlich geprägten Musikunterrichts

2.1 Schule als bildungsbürgerliche Institution mit benachteiligenden Strukturen

2.1.1 Strukturelle Benachteiligung bestimmter Milieus im Bildungssystem

2.1.2 Zielsetzung der Förderschule für Schüler:innen mit Lernbeeinträchtigungen

2.1.3 Habitus nach Pierre Bourdieu als Betrachtungsfokus von Benachteiligung

2.2 Resonanztheorie und Musik(-unterricht)

2.2.1 Resonanztheorie: Resonanzfähigkeit und Schule

2.2.2 Benachteiligtes Resonanzerleben in der Schule

2.2.3 Potenzial von Musik für Resonanzerfahrung

2.2.4 Resonanzerfahrungen im Musikunterricht – kritische Gedanken

3 Vorschlag zur konzeptionellen Weiterentwicklung des „Theaters der Unterdrückten“ von Augusto Boal für den Musikunterricht

3.1 Theater der Unterdrückten – Einführung

3.2 Der Zusammenhang von Augusto Boal und Hartmut Rosa

3.2.1 Strukturelle Benachteiligung als Unterdrückung und Entfremdung

3.2.2 Resonanzfähigkeit durch eigenmächtige innere Beteiligung

3.3 Grundlegende Prinzipien und ihre Weiterentwicklung für einen resonanzfähigeren Unterricht

3.3.1 Reflexion der Übertragbarkeit des Ansatzes in Musikunterricht

3.3.2 Einbringen eigener Themen

3.3.3 Emanzipation aus der Rolle der Zuschauenden

3.3.4 Prinzip des Mythostheaters

3.3.5 Prinzip des Statuentheaters

3.3.6 Prinzip des Forumtheaters

3.4 Reflexion der politischen Dimension

3.5 Voraussetzungen für eine Umsetzung dieses konzeptionellen Entwurfs

3.5.1 Voraussetzungen auf Seiten der Lehrperson

3.5.2 Voraussetzungen auf Seiten der Schüler:innen

4 Skizzierter Vorschlag einer möglichen Unterrichtssequenz

4.1.1 Lehrplanbezüge

4.1.2 Einzelne Unterrichtseinheiten

4.1.3 Leistungsüberprüfung

4.1.4 Unterrichtsskizze: „Rhythmus erfahren mit unserer Lieblingsmusik“

4.2 Einordnung der Sequenz und Skizze in die Übertragungen aus dem Theater der Unterdrückten

5 Anschlussforschungsfragen und Rückbezug zur einleitenden Geschichte

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Hauptziel, das Potenzial für Resonanzerfahrungen (im Sinne von Hartmut Rosa) im Musikunterricht für sozial benachteiligte Schüler:innen zu erschließen, indem theoretische und konzeptionelle Ansätze des „Theaters der Unterdrückten“ nach Augusto Boal für den Musikunterricht adaptiert werden. Dabei wird untersucht, wie eine emanzipatorische Pädagogik dazu beitragen kann, Entfremdungstendenzen im schulischen Alltag entgegenzuwirken.

  • Soziologische Analyse struktureller Benachteiligung im Bildungssystem.
  • Anwendung der Resonanztheorie auf den Förderschwerpunkt Lernen.
  • Konzeptionelle Übertragung des Theaters der Unterdrückten in den Musikunterricht.
  • Etablierung eines resonanzförderlichen und milieusensiblen Unterrichts.
  • Entwicklung konkreter Unterrichtssequenzen zur Rhythmusvermittlung.

Auszug aus dem Buch

2.2.4 Resonanzerfahrungen im Musikunterricht – kritische Gedanken

„Der Musikunterricht stellte dabei den subtilsten, aber auch brutalsten Test darauf dar, ob man das beherrschte, was als "die Kultur" bezeichnet wird, ob sie einem vertraut und verständlich oder fremd und unzugänglich war. Der Lehrer brachte Schallplatten mit und spielte uns irgendwelche Ausschnitte vor. Während die Bürgerkinder schwärmerische Mienen aufsetzten, machten wir Arbeiterkinder hinter vorgehaltener Hand alberne Witze; […] All das trägt insgeheim dazu bei, dass jenen, denen es ohnehin schon schwerfällt, den sozialen Anforderungen des Schulbetriebs in allen seinen Aspekten zu genügen, das Gefühl gegeben wird, sie gehörten nicht dazu und seien dort irgendwie fehl am Platz.“ (Haberkorn & Eribon 2020, 160)

Das Zitat von Eribon ist als Episode schulischen Alltags vorstellbar, gerade für Musikunterricht der höheren Schulformen. Im Gegenzug könnte es weniger wahrscheinlich sein, dass Lehrer:innen der Förderschule „die Kultur“ (ebd.) im Unterricht thematisieren, weil sie vielleicht davon ausgehen, dass ihre Schüler:innen dazu keinen Bezug haben und auch nicht aufbauen können – was wiederum Teil der strukturellen Problematiken ist. Deswegen soll der Musikunterricht nun im Hinblick auf die vorangegangenen Analysen betrachtet werden, vor allem hinsichtlich bildungsbürgerlicher Wertsysteme, die die Schulgestaltung prägen. ROSA selbst formuliert in diesem Kontext:

„Ob uns Musik etwas "zu sagen" hat und welche Musik uns anspricht und welchen Raum wir dieser Resonanzachse geben, entscheidet sich an den Erfahrungen, die wir im Musikunterricht, vielleicht im Chor oder in der Geigenstunde, und ganz gewiss mit den Gleichaltrigen machen. Haben wir einen uninspirierten Musiklehrer und vielleicht verhassten elterlichen Druck, der uns an die Geige zwingen will, während wir für unsere Lieblingslieder von den Klassenkameraden ausgelacht werden, kommen wir vermutlich rasch zu dem Ergebnis, dass wir nicht so der musikalische Typ sind.“ (Rosa 2016, 404)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitungsgeschichte: Eine einleitende Erzählung illustriert die Diskrepanz zwischen der persönlichen Bedeutung von Musik außerhalb der Schule und dem als fremd empfundenen Musikunterricht bei einem betroffenen Schüler.

2 Soziologische Implikationen des bildungsbürgerlich geprägten Musikunterrichts: Dieses Kapitel analysiert die strukturellen Benachteiligungen im deutschen Bildungssystem sowie die Relevanz des Habitus nach Bourdieu und der Resonanztheorie nach Rosa für den schulischen Kontext.

3 Vorschlag zur konzeptionellen Weiterentwicklung des „Theaters der Unterdrückten“ von Augusto Boal für den Musikunterricht: Hier wird der theaterpädagogische Ansatz von Boal in den Musikunterricht übertragen, wobei Konzepte wie das Forumtheater genutzt werden, um Schüler:innen aktiv in den Gestaltungsprozess einzubeziehen.

4 Skizzierter Vorschlag einer möglichen Unterrichtssequenz: Es wird eine praktische Unterrichtseinheit entworfen, welche die theoretischen Prinzipien von Resonanz und Theatertechniken in einer 4. Klasse einer Förderschule implementiert.

5 Anschlussforschungsfragen und Rückbezug zur einleitenden Geschichte: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Utopie eines resonanzorientierten Unterrichts und einem Rückblick auf die eingangs geschilderte fiktive Geschichte des Schülers Ben.

Schlüsselwörter

Resonanz, Soziale Benachteiligung, Theater der Unterdrückten, Musikunterricht, Habitus, Schulentwicklung, Weltbeziehung, Teilhabe, Förderschule, Entfremdung, Musikpädagogik, Chancengerechtigkeit, Augusto Boal, Hartmut Rosa, Rhythmus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Musikunterricht an Förderschulen für sozial benachteiligte Schüler:innen gestaltet werden kann, damit er zu mehr Resonanzerfahrung und gelingender Weltbeziehungsbildung führt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind soziologische Benachteiligung im Bildungssystem, die Resonanztheorie von Hartmut Rosa sowie die theaterpädagogischen Ansätze von Augusto Boal zur Emanzipation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Erarbeitung von Strategien, um Musikunterricht von einer distanzierenden, bildungsbürgerlich geprägten Institution zu einem Raum echter Resonanz und Eigenbeteiligung zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer und pädagogischer Literatur sowie auf die Konzepte der kritischen Theorie und der theaterpädagogischen Praxis.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der strukturellen Ungleichheit, den Prinzipien der Resonanztheorie und der konzeptionellen Übertragung von Methoden des "Theaters der Unterdrückten" auf das Fach Musik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte umfassen Resonanz, soziale Benachteiligung, Musikpädagogik, Habitus sowie die Etablierung aktiver Teilhabe durch künstlerische Methoden.

Wie kann Unterricht konkret resonanzreicher gestaltet werden?

Durch die Einbeziehung der Lebenswelten der Schüler:innen, das Zulassen ihrer eigenen Musik und die Anwendung von partizipativen Methoden, bei denen die Schüler:innen selbst als aktive Gestaltende auftreten.

Welche Rolle spielen die Lehrkräfte bei diesem Ansatz?

Lehrkräfte müssen ihre Rolle hinterfragen, die Lehrmeistermentalität ablegen und sich als lernende Begleiter verstehen, die Impulse der Schüler:innen wertschätzen und Raum für deren eigene musikalische Stimme schaffen.

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Details

Title
Resonanz und soziale Gerechtigkeit im Musikunterricht. Hartmut Rosas Theorie und Augusto Boals Theater der Unterdrückten als Ansatz für benachteiligte Schüler:innen
College
University of Würzburg  (Sonderpädagogik)
Grade
1,7
Author
Felix Metz (Author)
Publication Year
2022
Pages
82
Catalog Number
V1524022
ISBN (PDF)
9783389094662
ISBN (Book)
9783389094679
Language
German
Tags
Resonanz nach Hartmut Rosa Resonanzpädagogik Soziale Benachteiligung Förderschwerpunkt Lernen Lernbeeinträchtigungen Theater der Unterdrückten nach Augusto Boal Musikunterricht Pädagogik der Unterdrückten nach Paulo Freire
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Metz (Author), 2022, Resonanz und soziale Gerechtigkeit im Musikunterricht. Hartmut Rosas Theorie und Augusto Boals Theater der Unterdrückten als Ansatz für benachteiligte Schüler:innen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1524022
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