Geschichte der Lexikographie in Spanien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Deskriptive und Präskriptive Wörterbücher

2. Normierung der spanischen Sprache

3. Lexikographie und Wörterbücher im Allgemeinen

4. Die Anfänge der spanischen Lexikographie bis zum Ende des 16. Jahrhunderts
4.1 Lexikographie im Zeichen des Humanismus
4.1.1 Palencia
4.1.2. Nebrija

5. Spanische Lexikographie im 17. Jahrhundert: Covarrubias

6. Spanische Lexikographie im 18. Jahrhundert: Real Academia Española
6.1 Real Academia Española
6.1.1 Gründungsvorgang
6.1.2 Motive für die Gründung der RAE
6.2 Das Wörterbuch der Real Academia Española im Hinblick auf die Normierung des spanischen Wortsschatzes

7. Bibliographie

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit handelt von der Geschichte der Lexikographie und der Normierung des Wortschatzes in Spanien, vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Wegen der Vollständigkeit, werden auch die früheren Werke der spanischen Lexikographie Erwähnung finden.

Otto Winkelmann thematisiert in seinem Aufsatz „Normierungsinstanzen und Normierungskriterien romanischer Minderheitensprachen“ die Relevanz von Wörterbüchern für die Normierung einer Sprache. Er führt an, dass so genannte Normierungsinstanzen private Vereinigungen, Institute und auch Akademien sein können. Dessen Betätigungsfelder bestünden aus der Statusplanung und der Korpusplanung. Die Statusplanung soll die politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen. Die Korpusplanung sollte zunächst die große Anzahl von Varianten erfassen, die von den Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft verwendet wird. Aus den gesammelten Varianten werden im zweiten Schritt diejenigen ausgewählt, die in ihrer Totalität im Weiteren eine Standardvarietät darstellen sollen. Neben der Fixierung einer einheitlichen Orthographie soll auch eine diatopisch bedingte Variation der Flexion und vor allem Lexik minimiert werden. Die Wörterbücher stellen eine Form der Festschreibung oder Kodifizierung der sprachlichen Merkmale der Standardvarietät dar (Winkelmann 1990: 16-17).

In Spanien dominieren seit fast 300 Jahren die Wörterbücher der Real Academia Española die spanische Lexikographie. Eine herausragende Stellung hat das Diccionario de la lengua Española (DRAE) (Ruhstaller 2003: 237). Die meisten Benutzer konsultieren es aufgrund normativer Fragen. Denn es gibt eine Auskunft hinsichtlich eines korrekten Spanisch. In der 20. Auflage hat das Wörterbuch aber auch einige umgangssprachliche Wörter aufgenommen und somit einen deskriptiven Zug angenommen. Und doch ist das DRAE bei weitem kein deskriptives Wörterbuch, was den gesamten spanischen Wortschatz widerspiegeln würde (Haensch 1990: 1744). Dennoch hat im Sinne Günther Haenschs, dass Diccionario auch einige Schwächen, denn es soll zu viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Beispielsweise sind einige nicht mehr gebräuchliche Wörter verzeichnet, die aber nicht als Archaismen markiert wurden, und es mangelt an Amerikanismen, die z. T. auch veraltet sind. Trotz der Mängel, ist die Real Academia Española moderner und näher an der Praxis als z. B. die Academie française (Haensch 1990: 1745) und seit ihrer Gründung die „einzig befugte Instanz zur Festschreibung der kodifizierten Norm des Spanischen“ (Brumme: 1997: 110).

1.1 Deskriptive und Präskriptive Wörterbücher

An dieser Stelle soll das Verhältnis von Wörterbüchern und Normierung näher beschrieben werden. Dabei werden einige für dieses Thema relevante Begriffe näher erläutert.

Wörterbüchern kommt die Aufgabe zu, den Wortschatz der jeweiligen Sprache in deskriptiver Weise zu erfassen, somit diesen schriftlich konservieren und darlegen. Zusätzlich gestalten sie den Prozess der Standardisierung, im Rahmen von korpusplanerischen Handlungen in normativer Hinsicht, instrumentarisch mit (Jerger 2001: 78). In diesem Sinne sind die Begriffe Sprachplanung und Sprachpflege näher zu beschreiben. Unter Sprachplanung sollen „definitorisch sämtliche Aktivitäten staatlicher Institutionen sowie staatlich beauftragter Gremien mit Bezug auf die Lösung innerstaatlicher (…) Sprachprobleme“ verstanden werden (zit. nach Jerger 2001: 24). Tätigkeiten hinsichtlich der Sprachpflege, können nach Christian Jerger nur mit einer bereits kodifizierten Form angesetzt werden. Dagegen sind Sprachen, die sich noch am Beginn des Ausbaus befinden (oder bereits fortgeschritten), sprachplanerischen Aktivitäten unterworfen. C. Jerger folgert, dass Sprachpflege und Sprachplanung als „sukzessive und aufeinander aufbauende (qualitative) Ebenen von Eingriffen in die Sprache“ verstanden werden können (Jerger 2001: 25). Ferner unterscheidet Jerger in der Sprachplanung, die Bereiche der korpusplanerischen und statusplanerischen Tätigkeiten. Korpusplanung bezieht sich auf sprachinterne Bereiche und der Begriff der Statusplanung auf sprachexterne und damit auf gesellschaftliche Belange.

Der Terminus der Korpusplanung gliedert sich in die Kodifikation und die Elaboration. Bei der Kodifikation gehe es um die „Explizierung einer Norm“, wobei Wörterbücher, somit zur Korpusplanung dazugerechnet werden können (Jerger 2001: 28). Die explizite Norm lässt sich von der impliziten unterscheiden. Bei der zuletzt genannten spricht C. Jerger von Erfahrungen, die der „Produktion und Rezeption sprachlicher Äußerungen zugrunde gelegt werden“ und für Jerger demnach „handlungsleitend“ sind. Während die expliziten Normen „öffentlich vorgenommene und für verbindlich erklärte Regulierungen des Sprachgebrauchs“ sind (zit. nach Jerger 201: 57). Sie stellen ein „Mittel zur Kodifizierung“ dar, und konstituieren die Standardvarietät einer historischen Einzelsprache (Jerger 2001: 58).

Dennoch kann die implizite Norm auf zwei Arten betrachtet werden: einerseits in Form von Normbeschreibungen ohne Gebotscharkter und andererseits in Form von Normexplikationen, die als metasprachliche Festlegungen von Normen „ selbst wiederum normativen Charakter besitzen“ (Jerger 2001: 58). Diese beiden Formen beschreibt Jerger mit dem Phänomen der Deskriptivität und Normativität. Folgernd umfasst Normativität in Wörterbüchern, die Normexplikation und hat somit bestimmenden Charakter, während Deskriptivität lediglich Deskription beinhaltet, ohne bestimmend zu sein.

2. Normierung der spanischen Sprache

Die Geschichte der Sprachnorm des Spanischen, lässt sich nach Christian Schmitt vereinfacht in drei Phasen gliedern:

Als erste wäre die am uso orientierte zu nennen, diese reicht von Nebrija bis ins 17. Jahrhundert, mit der norma als Ist- Wert. Die zweite Phase ist an die französische Grammatik angelehnt, präskriptiv und mit dem Namen der Real Academia Española verbunden. In der norma wird fast ausschließlich der Soll- Wert erkannt.

Die dritte Phase orientiert sich wieder mehr am uso. Der norma und der Ist- Wert konvergieren immer mehr miteinander (Schmitt 1987: 140).

Die Standardisierung des Kastilischen beginnt nach Helmut Lüdtke im Jahr 1206, (Lüdtke 2005: 749) mit dem internationalen Vertrag zwischen den Königreichen Kastilien und Leon. Dieser wurde auf Spanisch verfasst und nicht in Latein, wie es bis dahin üblich gewesen war. Damit begann die Standardisierung der Volkssprache. Von 1223 an, folgte die Phase der unregelmäßigen Koexistenz beider Sprachen, also des Kastilischen und des Lateins. Doch mit der Zeit wurde das Lateinische vom Kastilischen überholt. Die Entscheidung den benannten Vertrag von Cabreros in Spanisch zu verfassen, lag nach Lüdtke in der sprachlichen und kulturellen Situation, in der Hauptstadt Toledo begründet (Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert). Traditionell wurden dort drei Sprachen gesprochen. Das Hebräische, das Arabische, und letzteres sprachen nicht nur die Muslime, sondern auch die einheimischen Christen. Das Latein war die Sprache der Geistlichkeit und der königlichen Kanzlei. Demnach war das dort gesprochene und gehörte Romanisch, das sprachliche Bindeglied zwischen den Kulturen. Fast parallel dazu, wurden die fueros ins Kastilische übersetzt und später, in kastilischer Sprache abgefasst.

Mit Alfons X, seit 1252 an der Macht, begann er das Spanische, zur „Übermittlung von Sprachwissen“ zu nutzen. Dies bedeutete, dass ab jenem Zeitpunkt, das Rechtswesen, die Geschichtsschreibung, Übersetzung arabischer Literatur etc., Bereich der Volkssprache waren. In Texten Alfons X, ist auch der Sprachname castellano zu sichtbar, und dem hinzugefügt, wurde das Prädikat drecho. Was sonst nur dem Latein zukam, wurde jetzt auf eine romanische Sprache angewendet. Die Förderung der romanischen Volkssprache durch Alfons den Weisen, hat unter anderem Gründe in der nichtreligiösen Konnotation des Romanischen, im Vergleich zum Latein. Die Volkssprache war allen drei Kulturen gemeinsam (Lüdtke 2005: 749-752).

Das 13. und das 14. Jahrhundert sind gekennzeichnet von einer Verfestigung (fijación) des Kastilischen und seinem Werden zu Kultursprache (Hernandez 1992: 360).

Unter den kastilischen Königen, war das Kastilische somit zur Amtssprache, des Königreiches Kastilien-León geworden.

Richard Baum gliedert das Spanische auf dem Weg zu Kultursprache in folgende Phasen:

Die Periode der Handschriftenkultur, die ca. Mitte des 10. Jahrhunderts einsetzte, mit ersten „volkssprachlichen“ Versuchen der Verschriftung. Diese Phase reicht formal gesehen bis 1472 bzw. 1473. Später beginnt der Buchdruck sich zu verbreiten, während dieser Zeit bilden die Sprach- und Kulturpolitik Alfons des Weisen, den Höhenpunkt. Die Periode der Buchkultur, die bis in die Gegenwart hineinreicht, lässt sich unterteilen in die Phase sprachlicher Normalisierung, dann die darauf folgende Phase sprachlicher Normierung und schließlich die Phase der Sprachpflege (Baum 1997: 182).

Die Phase der Normierung findet mit der Publikation der Gramática de la Lengua Castellana im Jahre 1771 ihren Abschluss. Angefangen hatte dieser mit der Gründung einer Sprachakademie, der Real Academia Española. Mit dieser Entscheidung wurden optimale Voraussetzungen für die Tätigkeit der Sprachnormierung gebildet. Baum beschreibt den Prozess der Sprachnormierung als einen von Imitatio und Aemulatio[1] (Baum 1997: 183).

3. Lexikographie und Wörterbücher im Allgemeinen

Im engeren Sinne versteht man unter Lexikographie das wissenschaftliche Ausüben der Anfertigung von Wörterbüchern. Für die Lexikographie im weiteren Sinne, ist die Bezeichnung Wörterbuchforschung gebräuchlich.

Wörterbuchforschung ist das gesamte der auf Wörterbücher ausgerichteten wissenschaftlichen Theorie und Praxis.“ (Dietrich/ Geckeler 2000: 113, von Hausmann 1985: 368)

Unter den Begriff der Wörterbuchforschung fallen die Lexikographie im engeren Sinne und die Metalexikographie, die in folgende Bestandteile zerfällt:

1. Theorie der Lexikographie
2. Wörterbuchkritik
3. Status- und Benutzungsforschung
4. Geschichte der Lexikographie und der Metalexikographie

Von Hausmann wird also folgende Definition des Begriffes Wörterbuch gegeben:

Das Wörterbuch ist eine durch ein bestimmtes Medium präsentierte Sammlung von lexikalischen Einheiten (vor allem Wörtern), zu denen für einen bestimmten Benutzer bestimmte Informationen gegeben werden, die so geordnet sein müssen, dass ein rascher Zugang zur Einzelinformation möglich ist (Dietrich/ Geckeler 2000: 113, bei Hausmann 1985: 369).

Für Gerda Haßler ist das Wörterbuch ein Erzeugnis des lexikographischen Prozesses, der bedeutet, das Wortschatz oder einen Ausschnitt von diesem zu erfassen.

Der Wortschatz ist die „Gesamtheit der kleinsten, potentiell selbstständigen bedeutungstragenden Einheiten einer Sprache“ (Haßler 2001: 920). Differenziert wird der Wortschatz nach der Art der semantischen Charakteristika und Beziehungen seiner Elemente von der Grammatik.

Der lexikographische Prozess wird festgelegt durch die Bedürfnisse der Empfänger, durch jenes, was in der Lexikographie möglich ist, und auch durch die Buchproduktion. Im Laufe der Zeit kamen unterschiedliche Typen von Wörterbüchern auf, abhängig von dem, wie der Wortschatz gegliedert werden sollte. Doch hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeit, lassen sich die Makro- und die Mikrostruktur in Wörterbüchern unterscheiden. Als Makrostruktur wird die geordnete Folge von Wörtern bezeichnet, und die Mikrostruktur beschreibt die Information, die zu jedem Lemma eingetragen wird. Hinsichtlich der Typen von Wörterbüchern können Folgende unterschieden werden: zum einen lassen sich Sprachwörterbücher und Sachwörterbücher unterscheiden. Die Sprachwörterbücher geben die auf die Kommunikation bezogenen, wichtigen, Bedeutungsmerkmale an, die für die Abgrenzung der einzelnen Sememe notwendig sind. Dem gegenüber stehen die Sachwörterbücher; diese geben Information über die bezeichneten Sachen. Doch es kommen auch Wörterbücher vor, in welchen die Unterschiede der genannten Typen nicht mehr so deutlich erkennbar sind.

[...]


[1] Aemulatio: Bezeichnung für die wetteifernde Nachahmung eines normativ verbindlichen literarischen Vorbilds vor allem in der Antike, im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit (Quelle: http://www.literaturkritik.de/public/online_abo/online_lexikon.php?option=item&task=show&id=887, Zugriff am 18.03.08)

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Geschichte der Lexikographie in Spanien
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V152406
ISBN (eBook)
9783640642854
ISBN (Buch)
9783640643042
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Lexikographie, Spanien
Arbeit zitieren
Ani Pavlik (Autor), 2006, Geschichte der Lexikographie in Spanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152406

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